FC Augsburg unter Heiko Herrlich: Noch nicht einmal Stagnation

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32 Punkte, Platz elf, sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz: Die Tabelle zeigt, dass sich der FC Augsburg mit Trainer Heiko Herrlich derzeit in einer sehr soliden Situation befindet. Auf dem Papier. Denn die Wahrheit auf dem Platz ist definitiv eine andere. Und das nicht erst seit der 0:1-Niederlage auf Schalke. 

  • Heiko Herrlich steht in der Kritik
  • FC Augsburg: Die teils positiven Ergebnisse täuschen
  • Trennung spätestens am Saisonende?

Heiko Herrlich und der ungewöhnliche Start beim FC Augsburg

Es war Anfang März 2020. Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus musste die Bundesliga auf unbestimmte Zeit unterbrochen werden. Für den FC Augsburg begann diese Pause mit einem Trainerwechsel, unmittelbar nach einer knappen 0:2-Niederlage beim FC Bayern. Die Fuggerstädter standen im unteren Mittelfeld der Tabelle – und der Trend zeigte nach unten. „In der aktuellen Situation sehen wir unser Ziel Klassenerhalt jedoch als gefährdet an, sodass wir zu diesem Entschluss gekommen sind“, argumentierte Stefan Reuter (54) damals. 

Martin Schmidt (54) wurde durch Heiko Herrlich (49) ersetzt, der sich zunächst mit einer sehr ungewissen Aufgabe konfrontiert war. Mannschaftstraining war schließlich nicht erlaubt. Der neue Übungsleiter musste seine Mannschaft durch virtuelle Gespräche kennenlernen. Cybertraining war an der Tagesordnung. Das brachte einige Nachteile mit sich, aber auch Vorteile. Denn die Spieler hatten die Chance, die sportliche Krise aus den Köpfen zu bekommen. Und angesichts einer zweimonatigen Pause hatte die sportliche Leitung inklusive Trainer Herrlich viele Möglichkeiten, entsprechende Strategien zu entwickeln, um den Klassenerhalt zu schaffen. 

Herrlich Augsburg

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In den neun Spielen am Saisonende schaffte es der neue Trainer immerhin, neun Punkte einzufahren. Das war keine sehr gute Ausbeute, weil unter anderem drei Heimspiele verloren wurden, zum Klassenerhalt reichte es aber. Der Negativtrend war gestoppt, defensiv präsentierte sich die Elf unter Herrlich ziemlich stabil und spielte dreimal zu null. Darauf sollte mit einer kompletten Vorbereitung und neuen Spielern aufgebaut werden. 

Guter Start und Schluss mit der Herrlichkeit

Und der Start in die Saison 2020/21 verlief vielversprechend. Offenbar hatte das Trainerteam in der Vorbereitung auf die neue Saison die richtigen Ansätze gewählt. Augsburg präsentierte sich auf dem Feld mit einem klaren Plan, wirkte sehr spritzig und aggressiv und bereitete den Gegnern in der Anfangsphase der Saison große Probleme. Leidtragende waren unter anderem Borussia Dortmund und Lucien Favre. Der BVB unterlag dem FCA am zweiten Spieltag mit 0:2. Schon zuvor schlugen die Fuggerstädter Union Berlin mit 3:1. Es folgte ein 0:0 gegen einen starken VfL Wolfsburg und die Hoffnungen auf eine sorgenfreie Saison und einen wichtigen, nächsten Schritt unter Herrlich wurden deutlich größer.

Augsburg

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Es folgte eine 0:2-Heimpleite gegen RB Leipzig, anschließend unterlag der FC Augsburg Bayer Leverkusen mit 3:1. Das waren zwei Niederlagen gegen individuell deutlich überlegene Teams, die einkalkuliert wurden. Der Sieg gegen Mainz 05 rückte das wieder gerade, nach sechs Ligaspielen stand der FCA bei zehn Punkten und war voll im Soll. Allerdings währte diese Freude nicht lange, denn in den sieben Spielen bis zur kurzen Weihnachtspause folgte nur ein einziger Sieg. Und mehr noch: Augsburg machte in diesen Partien häufig die gleichen Fehler, spielte zu passiv und reagierte nur. Die positiven Ansätze aus den ersten Saisonspielen konnte die Mannschaft nicht bestätigen. Ansätze von Außen fehlten. Herrlich variierte zwar in Sachen Grundformation, die generelle Ausrichtung war aber häufig identisch. 

FC Augsburg: Einzelne Resultate täuschen über Gesamtsituation hinweg

Der Fußball des FC Augsburg stagnierte also. Punktuell sorgte eine gewisse Kompaktheit in Verbindung mit einer guten Effizienz dafür, dass die Fuggerstädter gute Resultate einfuhren und sich so über Wasser halten konnten. Lange profitierte Augsburg davon, gleich zum Start in das neue Jahr gegen den 1. FC Köln gewonnen zu haben. Anschließend folgten nämlich sechs Niederlagen aus sieben Spielen. Inzwischen wurde die mediale Berichterstattung zunehmend kritischer. Auch intern, so hieß es, soll Kritik an Herrlich laut geworden sein. Ein Sieg gegen Union Berlin inmitten der Ergebniskrise und vier Punkte aus den Spielen gegen Leverkusen und Mainz Ende Februar sorgten aber dafür, dass die Unruhe deutlich abnahm.

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Auch hier ist aber ein Muster erkennbar: Wenn die Situation brenzlig wird, sorgt ein positives Resultat für ein wenig Beruhigung. Das täuscht allerdings über die Gesamtsituation hinweg und das birgt gefahren. In den letzten Wochen gab es mit den Siegen gegen Gladbach und Hoffenheim gleich zwei solcher Resultate. Diese Siege kaschieren, dass die Mannschaft nicht nur keine positive Entwicklung durchlebt, sondern auch, dass sie nicht einmal mehr stagniert. Augsburg spielt – und das zeigt nicht nur das 0:1 auf Schalke zuletzt, als die Mannschaft keine Idee hatte – einen sehr uninspirierten Fußball. Wenige Teams in der Bundesliga sind mit dem Ball derart schwach, Lösungen existieren nicht. Auch hier ist der Trainer gefragt, der Rhythmus des FC Augsburg ließe es zu, im Training an Inhalten zu arbeiten. Auch Umstellungen während des Spiels, das so genannte ingame-coaching, findet zu selten statt und funktioniert noch seltener.

Augsburg und Heiko Herrlich: Eine Trennung liegt in der Luft

Eine Trennung zum jetzigen Zeitpunkt, im Endspurt der Liga, ist angesichts der Ausgangslage in Augsburg sehr unwahrscheinlich. Das Hauptaugenmerk liegt nun darauf, den Klassenerhalt auch endgültig zu fixieren. Und den haben die Fuggerstädter in der eigenen Hand. Bielefeld, Bremen, Köln: Gleich drei direkte Konkurrenten empfängt man noch im heimischen Stadion. Dass die sportliche Führung des FCA noch in dieser Saison reagiert, ist unwahrscheinlich und deutet sich erst dann an, wenn es zu einer Niederlagenserie kommt. Doch natürlich laufen die Planungen für die kommende Saison im Hintergrund bereits auf Hochtouren und Reuter und co. wissen genau, dass die Mannschaft ohne den guten Saisonstart oder mit qualitativ besserer Konkurrenz im Abstiegskampf noch deutlich größere Probleme hätte, als es zurzeit der Fall ist.

Klartext: Sollte es nicht zu einer Entwicklung in den letzten Spielen kommen, liegt eine Trennung im Sommer in der Luft. Das wäre ein guter Zeitpunkt, um einen sauberen Schnitt zu machen und die Saison in Ruhe zu analysieren. Was lief gut, was lief weniger gut? Was traut man Heiko Herrlich noch zu? Und welche Kandidaten wären überhaupt verfügbar? Im Vorfeld dieser Analyse – und das muss man deutlich so sagen – spricht nicht viel für den aktuellen Übungsleiter des FCA. Denn Zeit, die Dinge in die richtige Richtung zu lenken, hatte Herrlich nun wirklich mehr als genug.

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Manuel Behlert 

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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