FC Bayern: Darum ist Julian Nagelsmann jeden Cent wert!

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Die Katze ist aus dem Sack. Der FC Bayern hat einen neuen Cheftrainer, der zur Saison 2021/22 übernimmt. Mit nur 33 Jahren ist Julian Nagelsmann endgültig in der höchsten Sphäre im Weltfußball angekommen. Die Erwartungshaltung ist groß, genau wie die Ablösesumme. 

Julian Nagelsmann und der Wechsel zum FC Bayern

Für einen Klub, der zuletzt Erfolg um Erfolg aneinanderreihte, waren die letzten Wochen beim FC Bayern durchaus turbulent. Berichte über interne Missstimmungen bildeten die Grundlage, der Zwist schaukelte sich immer weiter hoch. Hansi Flick (56), der mit dem FCB alles abräumte, was irgendwie möglich war, will weg. Den Verein verlassen. Und das am Saisonende. Diese Nachricht war ein Schock. Als der Trainer sie selbst verkündete, war das erste Erstaunen bereits vorüber. Und im Hintergrund liefen offenbar bereits die Planungen der Verantwortlichen, was die Nachfolge angeht.

 

Während Flick bekanntermaßen mit der nach der Europameisterschaft vakanten Stelle als Bundestrainer liebäugelt, hat ein anderer Trainer ebenfalls einen Wunsch, den er schon vor Jahren in einem Interview äußerte. Die Rede ist von Julian Nagelsmann (33) und dem Job beim FC Bayern. „Der FC Bayern spielt in meinen Träumen schon eine etwas größere Rolle. Ich habe viele Jahre in München geelebt, komme aus Landsberg am Lech. Meine Frau und mein Kind ziehen demnächst nach München“, so Nagelsmann schon 2017 gegenüber Eurosport. Dieser Wunsch geht nun in Erfüllung, weil sich die Dinge sehr schnell entsprechend entwickelt haben. Einer offiziellen Anfrage des Rekordmeisters folgte die Bitte des Trainers von RB Leipzig, ihn aus dem Vertrag zu entlassen. Sein Klub forderte – und das ist legitim – eine hohe Ablösesumme.

Doch schon früh am Montag deutete sich an, dass der FC Bayern diese Ablöse zahlen wird. 20 Millionen Euro, vielleicht etwas mehr. Nagelsmann wird dadurch zum Rekordtrainer. Ein Synonym, das man sonst vielleicht für J0sé Mourinho und die Anhäufung seiner Abfindungszahlungen verwenden würde. Die Zahlung für den 33-Jährigen zeigt vor allem zwei Dinge: Vereine erkennen, dass der Trainer häufig der wohl wichtigste Mosaikstein im Gebilde eines Fußballklubs ist und der FC Bayern traut Nagelsmann sehr sehr viel zu.

Nagelsmann folgt auf Flick: Ein reibungsloser Übergang

Für den FC Bayern war es wichtig, die Nachfolge früh zu klären. Früh ist in diesem Fall relativ, denn Flick gab seine Entscheidung erst am Ende der Saison bekannt. Schnell wurden Erinnerungen an den Fall Heynckes wach und mancher Fan befürchtete, dass die Verantwortlichen des Rekordmeisters wieder viel, möglicherweise zu viel Zeit verstreichen lassen, ehe man konkret handelt. Und auch hier bestand die Gefahr einer 1B-Lösung, denn viele Kandidaten, die für diesen Job ausreichend qualifiziert sind, gibt es nicht.

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Nagelsmann war die Wunschlösung der Verantwortlichen und selbst offenbar schnell genug Feuer und Flamme, sodass die Dinge festgezurrt werden konnten. Kein großes Trara über die Medien, sondern Anfrage, Einigung, Bekanntgabe. Selten laufen solche Wechsel derart geräuschlos ab. Für Julian Nagelsmann beginnt nun die Abschiedstour, die Ziele sind klar. Er will Platz zwei in der Bundesliga sichern, den DFB-Pokal gewinnen und dann seinen Traumjob in der Stadt ausüben, in der seine Familie lebt.

Wie groß ist das Risiko für den FC Bayern?

Noch nie zuvor wurde so viel Geld für einen Trainer bezahlt. Das sorgt natürlich dafür, dass der FC Bayern ein gewisses Risiko eingeht. Doch wie groß ist dieses Risiko überhaupt, wenn alle Verantwortlichen vollends überzeugt sind? Eine solche Summe ist auch für den Branchenprimus in Coronazeiten nicht so einfach aus dem Ärmel zu schütteln. Selbstverständlich befindet sich der aktuelle Tabellenführer in der privilegierten Situation, noch immer mehr Möglichkeiten zu haben als die anderen Klubs. Aber der ein oder andere ergänzende Transfer für den Kader muss wegen Vertragsverlängerungen und Nagelsmann nun hinten anstehen.

Nagelsmann Bayern

Photo by Imago

Die Frage nach dem Risiko ist dennoch schnell beantwortet. Jede Personalentscheidung birgt Risiken. Aber die fachliche Kompetenz von Julian Nagelsmann ist nicht in Frage zu stellen. Er ist eines der größten Talente im Trainergeschäft und bringt schon jetzt Erfahrung bei zwei Stationen und in verschiedenen internationalen Wettbewerben mit, stand im Halbfinale der Champions League und entwickelte einzelne Spieler in Hoffenheim und Leipzig ebenso weiter wie den gesamten Verein. Nagelsmann ist ehrgeizig, erfolgshungrig und hat große Ziele. Damit passt er nach München. Zudem ist nach Jahren mangelnder Kontinuität auf dem Trainerstuhl des Rekordmeisters nun die Chance gegeben, dass ein Trainer über mehrere Jahre eine Ära prägen kann. Die Basis für den Erfolg ist jedenfalls vorhanden.

Das ist die Ausgangslage für Nagelsmann bei Bayern

Die aktuelle Saison war für den FC Bayern keine einfache. Im Sommer, nach dem großen Triumph in der Champions League, ging es quasi ohne Vorbereitung in den Dreitagesrhythmus. Bei einigen Spielern war im Saisonverlauf anzumerken, dass der Akku immer mal wieder relativ leer, aber vor allem selten voll war. Die Folge: Konzentrationsprobleme, kleinere Blessuren, Schwierigkeiten im Defensivspiel. Bayern kassiert historisch viele Gegentore, bietet den Gegnern einiges an. Hier muss Nagelsmann definitiv ansetzen, die Defensive soll stabilisiert werden. Passend dazu wechselt mit Dayot Upamecano (22) ein Spieler nach München, der den Trainer hervorragend kennt.

Nagelsmann übernimmt in München eine Mannschaft, die trotz zahlreichen Meisterschaften gierig ist. Die Erfahrung aus jungen und auch erfahrenen Spielern ist sehr gut. Hierarchien verschieben sich, weil Führungsspieler den Verein verlassen. Wiederum andere Spieler wachsen in diese Rolle hinein. Kurzum: Der neue Trainer muss viele Prozesse im Verein moderieren, die aber in einem großen Umfang bereits begonnen haben. Und er hat eine Vorbereitung, wenngleich diese aufgrund einiger EM-Teilnehmer zumindest anfangs spärlich ausfallen dürfte. Dennoch bleibt etwas Zeit, um die eigenen Ideen zu verwirklichen und spieltaktische Elemente einzuüben, die Nagelsmann für wichtig hält.

Nagelsmann soll ein langfristiges Projekt starten

Die Erwartungshaltung und der Druck sind groß, doch das war auch schon in Leipzig der Fall. Der junge Trainer findet in schwierigen Situationen Lösungen, nicht nur für seine Mannschaft auf dem Feld. Das Rotationsprinzip ist bei ihm seit eh und je etabliert, taktische Variabilität ist ohnehin eine Quintessenz seines Fußballs. Nicht selten ging den Mannschaften von Julian Nagelsmann zum Saisonende aber ein wenig die Puste aus, daran muss gearbeitet werden, um beim FC Bayern langfristig erfolgreich zu sein. Aber wer, wenn nicht ein so junger Trainer, sollte in der Lage sein, sich in einigen Teilbereichen weiterzuentwickeln?

Klar ist: Erfolg kann man im Fußball nie garantieren. Es gibt Zusammenarbeiten, bei denen Erfolg wahrscheinlicher ist als bei anderen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Julian Nagelsmann und der FC Bayern sportlichen Erfolg haben werden, ist groß. Genau wie das Vertrauen und demzufolge sicher auch die Rückendeckung von Hasan Salihamidzic (44), Oliver Kahn (51) und den anderen Verantwortlichen. Die Nachfolge von Erfolgstrainer Flick ist also geregelt und das Szenario für den FC Bayern könnte deutlich schlimmer sein. Umbruch 2.0 ist in vollem Gange. Nach der Mannschaft ist nun das Drumherum dran. Kurzum: Die Jüngeren haben nun das Sagen. 

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Manuel Behlert 

 

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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