FC Bayern | Kingsley Coman – Kovacs vielleicht wichtigster Spieler

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Kingsley Coman ist zurück beim FC Bayern – und das ist auch gut so. Denn er ist der vielleicht wichtigste Spieler für Niko Kovac. Von Comans Leidenszeit bis hin zu seiner Rückkehr.


Kingsley Coman: Der, der den Unterschied macht

Da saß er, an einem Donnerstag, den 10. September 2015, auf dem Podium bei seiner eigenen Vorstellung und sprach ruhig und leise in Richtung der Journalisten. Doch was Kingsley Coman sagte, hatte mit „leise“ wenig zu tun: 

Ich bin der Spieler, der den Unterschied macht – und zwar in jeder Minute des Spiels. Ich kann jede Minute alles rausreißen und ich werde immer alles geben.

Der FC Bayern hatte sich wenige Monate zuvor erst die Dienste von Coman zunächst per Leihe auf zwei Jahre gesichert mit der Option, ihn 2017 für 21 Millionen Euro von Juventus Turin fest zu verpflichten. Auch der damalige FCB-Sportvorstand Matthias Sommer prophezeite: „Wenn der Trainer ihn aufstellt, wird er explodieren.“ Man habe sich eines „der großen Talente des europäischen Fußballs gesichert“. Über drei Jahre nach diesen Ereignissen lässt sich festhalten: Sowohl Coman als auch Sammer hatten Recht. Der „King“ ist ein sogenannter „Unterschiedsspieler“. Wenn er denn fit ist. 

Die lange Leidenszeit des Kingsley Coman

Mit gerade einmal 19 Jahren ging Coman also in seine erste Saison beim großen FC Bayern München. Bedingt durch die Verletzungen von Franck Ribéry und Arjen Robben kamen er und Neuzugang Douglas Costa direkt auf zahlreiche Einsätze unter Pep Guardiola. Insbesondere in der Hinrunde mischte die neue Flügelzange der Münchner halb Europa auf. Obwohl die Einsatzzeiten in der Rückrunde etwas abnahmen, standen für Coman am Ende seiner ersten Saison im roten Trikot 18 starke Scorerpunkte in 37 Spielen auf der Haben-Seite. 

Dann begann allerdings seine große Leidenszeit. In der Folgesaison riß ihn eine Kapselverletzung immer wieder zurück, auf seine hundert Prozent kam der französische Nationalspieler nie so richtig. Doch Coman kämpfte sich zurück und blühte insbesondere unter Jupp Heynckes wieder auf. Die Fußballexperten waren sich sicher: Kommen im Frühjahr in der Champions League die ganz großen Fische als Gegner, ist Coman trotz der namhaften Konkurrenz auf den Außen ein sicherer Starter. 

 (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Ende April 2018 war es dann so weit. Der FC Bayern stand Real Madrid im Halbfinale der Königsklasse gegenüber. Nicht in der Startelf: Kingsley Coman. Denn der hatte sich Ende Februar einen Syndesmosebandriss zugezogen, was für den Franzosen das bittere Saison-Aus bedeutete. Doch nicht nur das, auch die WM in Russland war für Coman gegessen.

Der Fokus lag nun auf der nächsten Saison, dieser Saison. Im Bundesliga-Auftaktspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim folgte jedoch der nächste Schock. Nach rund 45 Minuten musste der mittlerweile 22-Jährige verletzt vom Platz, wieder das Syndesmoseband, wieder drei Monate Pause. Nun ist Kingsley Coman zurück. Und er ist möglicherweise Niko Kovacs wichtigster Spieler.

FC Bayern: Kein Tempo, keine Überraschungsmomente, kein Coman

Dass die Münchner ausgerechnet in Abwesenheit von Kingsley Coman in ihre größte sportliche Krise seit Jahren stürzten, ist irgendwie bezeichnend. Nicht, dass der FCB ohne die Verletzung des Turbodribblers heute vielleicht auf Rang eins stehen würde. Die Münchner würden allerdings wohl kaum bei satten neun Zählern Rückstand mit einem Fernglas auf Borussia Dortmund schauen müssen. Denn Coman bringt Attribute mit, die sonst kein Spieler im Kader des FC Bayern besitzt, zumindest nicht in diesem Maße. 

Sein unglaublicher Antritt auf den ersten Metern, seine Tempodribblings und auch seine scharfen Hereingaben machen Coman zu einer echten Waffe. Sicher, mit Ribéry, Robben und Serge Gnabry stehen noch drei weitere Flügelspieler im Kader des deutschen Rekordmeisters. Doch „Robbery“ fehlt es mittlerweile an Tempo und Gnabry ist ein ganz anderer Spielertyp. Sein Dribbling ist bei weitem (noch) nicht so stark wie das von Coman. Dafür zieht er deutlich häufiger nach innen und sucht den Abschluss, während Coman oft bis zur Grundlinie durchläuft, um den Ball dann in den Rückraum zu stecken. 

(Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Genau diese Spielweise fehlte dem Team von Trainer Niko Kovac aber zuletzt. Zu Beginn der Saison kaschierte Kovacs Idee mit den hochstehenden Achtern das fehlende Tempo auf den Außen ganz gut, doch nach und nach fanden die gegnerischen Teams Mittel gegen die sehr offensiven Achter beim FCB und münzten das in ihren Vorteil um. Plötzlich waren die Passwege in die Tiefe zugestellt, Spieler wie James Rodríguez, Leon Goretzka oder auch Thomas Müller hingen oft in der Luft, während die Gegner bei Ballgewinn riesige Räume vorfanden. 

Auch das Spiel über die Außen stagnierte, den Münchnern mangelte es an Überraschungsmomenten und Tempo. Das Resultat ist bekannt: Niederlagen gegen den BVB, Gladbach und die Hertha aus Berlin sowie einige unnötige Remis ließen den FC Bayern zwischendurch bis auf Rang sechs abrutschen. 


Die Hoffnung des FC Bayern heißt Kingsley Coman 

Mit Siegen gegen Benfica (5:1), Werder Bremen (2:1) und dem 1.FC Nürnberg (3:0) hat sich Kovac mit seinem Team mittlerweile zurückgemeldet, in zwei dieser Spiele stand Coman wieder auf dem Feld. Auch wenn er weder gegen Bremen noch gegen Nürnberg für die großen Highlights sorgte, bringt er doch eine Komponente ins Münchner Angriffsspiel, über die sonst keiner der restlichen 23 Spieler im Kader verfügt. Und das wissen auch die Gegner. 

Comans enormes Tempo stellt schon jetzt die gegnerischen Verteidiger wieder vor große Probleme und insbesondere mit einem abschlussstarken Serge Gnabry auf der anderen Seite wird das nun für den FCB besonders wichtig sein. Natürlich wird Coman noch Zeit brauchen, um wieder bei hundert Prozent anzugelangen und natürlich wird auch Niko Kovac darauf achten, ihn bis zur Winterpause langsam an die Startelf heranzuführen. 

Klar ist aber: Bleibt Coman fit, ist er der Unterschiedsspieler, den er 2015 selbst angekündigt hatte. Kovac weiß das. Coman ist sein vielleicht wichtigster Spieler. 

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Nico Scheck

Aufgewachsen mit Elber, verzaubert von Ronaldinho. Talent reichte nur für die Kreisliga, also ging es in den Journalismus. Seit 2017: 90PLUS. Manchmal: SEO. Immer: Fußball. Joga Bonito statt Catenaccio.

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