Hertha vs. Gladbach | Korkut und Hütter: „Siegen oder Fliegen“? Das Streitgespräch

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Die Bundesliga geht allmählich in die heiße Phase und für viele Klubs, die sich derzeit in einer eher schwierigen Situation befinden, stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, noch für einen neuen Impuls zu sorgen. Mit Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC treffen zwei Teams aufeinander, die genau diese Fragen im Hinterkopf haben. 

Hertha BSC und Mönchengladbach: Krise gegen Krise

Spricht man dieser Tage über Hertha BSC, dann weiß man kaum, wo man anfangen soll. Die letzten vier Spiele in der Bundesliga wurden verloren, dabei kassierte die „Alte Dame“ satte 15 Gegentore. Nach der Niederlage gegen Frankfurt vergangene Woche war es zunächst ruhig, dann schwor Fredi Bobic ohne Beteiligung von Trainer Tayfun Korkut die Mannschaft ein. Später war es der Trainer selbst, der noch eine flammende Rede hielt und es gab einen Mannschaftsabend. Man hatte das Gefühl, dass bei den fußballmanageresken Versuchen, die Moral zu heben, nur noch das berühmte Kurztrainingslager fehlte. 

Die Nebengeräusche machten die Woche des Hauptstadtklubs noch einmal wilder. Arne Friedrich räumte seinen Posten vorzeitig, zwischen den Verantwortlichen und Tennor Holding entbrannte ein Machtkampf und das alles auf Platz 16 stehend direkt vor einem der wichtigsten Spiele der letzten Wochen.

Das zu toppen ist wirklich kaum möglich. Und Gladbach schaffte das auch nicht, wenngleich positive Schlagzeilen aktuell auch nicht geschrieben werden. Mit einem 2:0-Vorsprung, den das Team gegen Stuttgart verspielte, begann die Woche. Nach der 2:3-Niederlage gab es den Ausfall von Jonas Hofmann, eine etwas merkwürdige Pressekonferenz und den Coronafall bei Trainer Adi Hütter zu berichten. Auch das ist keine ideale Vorbereitung. 

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Hütter sieht von der Couch seiner Entlassung entgegen

Borussia Mönchengladbach befindet sich in einer sehr schwierigen Situation, aber geht noch immer als Favorit in das Heimspiel gegen Hertha BSC. Doch eine solche Situation, eine handfeste Krise, ist immer schwer zu beschreiben geschweige denn von außen valide zu beurteilen. Klar ist: Es hapert in der Offensive, es hapert bei der Stimmung in der Mannschaft, es hapert in der Defensive und bei der Konzentration. Und jetzt ist auch noch der Trainer positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Hütter fehlt bei Hertha

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Und genau diese Fülle an Problemen sorgt dafür, dass die Stimmung aktuell alles andere als gut ist. Gegen Stuttgart sah alles nach einem Befreiungsschlag aus. Die Schwaben waren vorher eines der Teams, dass selbst mit die größten Probleme hatte und lag 0:2 zurück. Die Fohlen schafften es sogar, diesen Gegner wieder in das Spiel zu holen, brach nach dem ersten Gegentor komplett auseinander und keifte sich auf dem Platz eher an, als zusammen gegen die drohende Niederlage zu kämpfen.

Das ist ein klares Indiz dafür, dass derzeit gar nichts stimmt. Nun gut, das trifft auch auf Hertha BSC zu, doch zumindest die Vorbereitung bei den Gästen lief etwas besser, wenn auch nicht reibungslos. Daher wird es Gladbach auch in diesem Spiel schaffen, den Gegner in die Partie zu holen und erneut nicht zu gewinnen. Adi Hütter, an dem die Fohlen sicher auch wegen der finanziellen Komponente lange festhielten, wird danach nicht mehr zu halten sein.

Manuel Behlert

Hertha weiter im Negativstrudel: Korkut muss gehen

Die alte Dame hat im Jahr 2022 ein Alleinstellungsmerkmal. Als einziger Bundesligist wartet man Mitte März noch auf den ersten Sieg. Letztmals erfolgreich war Hertha BSC am 18. Dezember, beim überraschenden 3:2 gegen Borussia Dortmund.

Mit dem zweiten Dreier im dritten Spiel unter Tayfun Korkut sowie einem erkämpften 2:2 in Stuttgart war damals die Hoffnung groß, dass dem „Big City Club“ nun die Trendwende gelingt.

Stattdessen ging es genau in die entgegengesetzte Richtung. Anders, als beispielsweise beim VfB Stuttgart hatte man bei der Hertha selten das Gefühl, dass diese Niederlagen unglücklich zustande kommen. Dass die Einstellung stimmt – taktisch wie mental – und die Sieglosserie früher oder später enden wird. In zwölf Spielen unter Korkut sammelte die Hertha 0,75 Punkte pro Spiel, deutlich weniger als noch Vorgänger Pál Dárdai an den ersten 13 Spieltagen (1,1).

Der Verein verkam zum Selbstbedienungsladen. 1:4 Bayern, 1:2 Fürth, 1:6 Leipzig, 1:4 Frankfurt. Wer hat noch nicht, wer will nochmal? Teams aus allen Regionen der Tabelle durften im KaDeWe-BSC nach Herzenslust shoppen gehen.

Bundesliga Hertha BSC

Photo by Maja Hitij/Getty Images

Was der Mannschaft fehlt, ist ein Leader auf dem Platz. Neuzugang Marc-Oliver Kempf fiel kürzlich mit einem Klartext-Interview auf, ist aber eben noch ein Neuzugang. Kevin-Prince Boateng, der eigentlich genau dafür verpflichtet wurde, kommt zumeist nur von der Bank. Solange diese Frage noch nicht geklärt ist und es eine klare Hierarchie gibt, auf die Tayfun Korkut Zugriff hat, wird es schwer, das kommende Wochenende siegreich zu gestalten.

Zumal neben den Problemen auf dem Platz auch solche außerhalb kommen. Sportdirektor Arne Friedrich befand sich mit Fredi Bobic im Clinch und schmiss diese Woche hin. Bobic selbst betonte: „Die Spieler haben erkannt, dass sie das Problem sind“, obwohl er diesen Kader größtenteils selbst zusammenstellte. In der Chefetage gibt es ohne den zurückgetretenen CEO Carsten Schmidt Spannungen zwischen der Vereinsspitze und Lars Windhorsts Tennor Holding. Gegen eine Langzeit-Doku legte man kürzlich von Investorenseite sein Veto ein. O-Töne würden sie nicht veröffentlichungsreif machen. Windhorst selbst soll sein Hertha-Investment als Fehler ansehen. Jeder gegen jeden, aber letztendlich keiner mit niemandem. Alles andere, als Saisonniederlage Nummer 15 und das Ende der kurzen Ära Korkut würde bei diesem Aggregatzustand einem Wunder gleichkommen.

Victor Catalina

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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