Mark van Bommel und der VfL Wolfsburg: Passt das?

Van Bommel Wolfsburg
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In der Bundesliga tut sich insbesondere auf den Trainerbänken einiges zur kommenden Saison. Nachdem sich der Wechsel von Oliver Glasner weg vom VfL Wolfsburg immer mehr angedeutet hatte und vor einigen Tagen seine Unterschrift bei Eintracht Frankfurt bekanntgegeben wurde, war klar: Auch die Wölfe brauchen einen neuen Coach an der Seitenlinie. Den haben sie nun in Mark van Bommel gefunden. 

Mark van Bommel: Worauf können sich die Fans des VfL Wolfsburg einstellen?

Der 44-Jährige arbeitete zuletzt als Cheftrainer für die PSV Eindhoven, wo er 2019 nach nur eineinhalb Jahren wieder entlassen wurde. Zu seinem Trainerteam werden auch der langjährige Bundesliga-Trainer Michael Frontzeck (57) sowie der Ex-Wolfsburger Kevin Hofland (41) gehören. Wie es aus dem Umfeld des Klubs heißt, sollen sich Jörg Schmadtke (57) und Marcel Schäfer (36) schon länger mit van Bommel beschäftigt haben. Er „ist unsere absolute Wunschlösung“, ließ Geschäftsführer Schmadtke verlauten.  

In Deutschland ist van Bommel alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Insbesondere seine erfolgreiche Spielerkarriere blieb vielen in Erinnerung. Als Trainer hingegen haben ihn nur wenige intensiv beobachtet. Die große Frage ist also: Was kann van Bommel dem VfL Wolfsburg geben und worauf können sich die Fans einstellen? 

Van Bommel bei der PSV Eindhoven

Bei der PSV setzte der Niederländer meist auf eine 4-2-3-1-Grundstruktur, aus der heraus sich einige Muster für unterschiedliche Spielsituationen ergaben. Im Spielaufbau versuchte van Bommel stets, klare Überzahlsituationen herzustellen, indem er auf einen Block aus vier Spielern zentral vertraute: Eine klare Doppelsechs vor zwei Innenverteidigern. Die Außenverteidiger schoben selten sehr hoch, bewegten sich meist eher konservativ an der Linie. Manchmal entstanden auch dreierkettenartige Strukturen im Aufbau, wenn sich ein Außenverteidiger hat tiefer fallen lassen. 

van Bommel

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Im vorderen Drittel waren die restlichen vier Feldspieler etwas dynamischer unterwegs. Die Flügelspieler rückten in den Halbraum, um den Außenverteidigern Räume zu öffnen und die beiden zentralen Offensivspieler versuchten, dem Spiel die notwendige Tiefe zu verleihen. Es wurde viel gekreuzt und auch gegenläufige Bewegungen waren durchaus ein Mittel, um hinter die gegnerische Abwehrkette zu kommen. Prägende und besondere Muster gab es dabei aber nie. 

Welche Idee aber sollte mit diesen Bewegungsabläufen verfolgt werden? Diese Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Tendenziell war es schon eher ein dominanter Ansatz, der auf viele Ballbesitzphasen ausgelegt war. Doch über die einfache Grundstruktur hinaus gab es nur wenige Prozesse und Aktionen innerhalb einer Partie, die man als nachhaltig oder wiederkehrend beschreiben könnte. Van Bommel schien insbesondere in der Offensive vieles seinen Spielern zu überlassen, ohne einen engeren taktischen Rahmen vorzugeben. 

Wenig Spektakel, aber viele Punkte im ersten Jahr 

An guten Tagen wirkte die PSV deshalb dynamisch und kaum berechenbar. Die Spieler bekamen die Verantwortung, die Angriffe selbst zu orchestrieren. An schlechten Tagen hingegen war das Spiel zu statisch und ideenlos, um aus den vielen Ballbesitzphasen Gefahr zu erzeugen. Gerade weil van Bommel viel Wert auf eindeutige Überzahl im Spielaufbau legte, litt mitunter auch die Offensive. Es fehlten oftmals die Tiefe im Angriffsdrittel sowie Spieler, die aus dem Mittelfeld überraschend in die Offensive starteten. 

In seiner ersten Saison gelang es dem Trainer trotz einiger weniger ansehnlicher Partien aber immerhin, einen guten zweiten Tabellenplatz zu erreichen – mit 98 geschossenen Toren (zweitbeste Offensive), 26 Gegentoren (beste Defensive) und 83 Punkten aus 34 Spielen. Zahlen, die eigentlich für sich sprechen. Selbst in Anbetracht der generell sehr offensiven Eredivisie

van Bommel

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Eindhoven spielte nur selten spektakulär, schaffte es aber, viele enge Partien für sich zu entscheiden. Ein entscheidendes Element dafür waren auch das Pressing und Gegenpressing. Gerade in der niederländischen Eredivisie sind viele Teams nicht in der Lage, sich kontrolliert aus hohem Druck zu befreien, weil das Niveau im Vergleich zu europäischen Top-Ligen einfach viel geringer ist. Eindhoven konnte sich in vielen Partien deshalb auf die individuelle Überlegenheit verlassen und wusste zudem mit einem gut organisierten Pressing den Vorteil zu verstärken. 

Das Spiel gegen den Ball 

Auch gegen den Ball trat van Bommels Mannschaft relativ kompakt auf. In tieferen Verteidigungsphasen in einem klassischen 4-4-2, beim Herausschieben eher im 4-2-3-1 mit recht zentralen Außenspielern in der vorderen Reihe. Das Ziel: Den Gegner auf die Außenbahnen leiten und dort dann zupacken – teils mit sehr starkem Verschieben auf die ballnahe Seite. In Deutschland sieht man solche Pressingmechanismen häufig, für Eindhoven haben sie in der Saison 2018/19 ebenfalls gut funktioniert. Gegen Ende seiner Zeit musste van Bommel aber immer häufiger beobachten, wie die hohen Pressingmomente durch lange Diagonalbälle oder einen auflösenden Spieler im Zentrum ausgehebelt wurden. 

Hat die PSV den Ball aber gewonnen, ging es schließlich schnell und mit wenigen Kontakten in die Spitze. Gerade im ersten Halbjahr hatte Eindhoven unter van Bommel einige Spiele, in denen sie einen augenscheinlich schnellen, dynamischen und flexiblen Fußball spielten.  

Mit dem Ball solide bis souverän, im Pressing druckvoll und gut organisiert und in den offensiven Umschaltsituationen gedankenschnell – es dauerte nicht lange, da war van Bommel auf dem Zettel einiger Klubs in Europa gelandet. Doch wäre er das auch, wenn die Ergebnisse nur minimal schlechter gewesen wären? 

Die Entlassung war folgerichtig 

In der Folge wurde die PSV Eindhoven zunehmend monotoner und ideenloser im Spiel nach vorn. Je mehr Teams sich auf die individuellen Stärken der Spieler einstellten, desto mehr wurde deutlich, dass van Bommel dem Team darüber hinaus nicht viel helfen konnte. Angriffe wirkten in ihrer Entstehung zunehmend zufällig und auch das Pressing griff durch einzelne ungünstige Positionierungen im Ballbesitz nicht mehr so konsequent wie noch zu Beginn. Sobald auch nur ein Spieler nicht optimal positioniert war, fiel es auch der restlichen Mannschaft schwer, das aufzufangen. 

Gerade im Mittelfeldzentrum tat sich die Mannschaft gegen tiefstehende Gegner immer schwerer, Räume zu öffnen und vor allem für das Gegenpressing vorbereitet zu sein, wenn der Ball nicht beim Mitspieler ankommt. Vermehrt gerieten Spiele außer Kontrolle, die Eindhoven scheinbar dominiert hatte.  

So wie es schnell unter van Bommel bergauf ging, so war man im Dezember 2019 mit 10 Punkten Rückstand auf Ajax und einem ernüchternden vierten Platz in der Liga bereits in einer Situation, an der die Vereinsführung keinen anderen Ausweg mehr sah, als den Trainer zu entlassen. Van Bommels Ende bei Eindhoven war der Inbegriff von Ernüchterung. Und ein gutes Beispiel dafür, warum Ergebnisse im Fußball häufig falsche Versprechungen für eine nachhaltige Entwicklung machen. 

Mark van Bommel: Der richtige Mann für Wolfsburg? 

Die Diskrepanz aus einer ergebnistechnisch guten ersten Saison und der schon in der Rückrunde 2019 beginnenden Negativentwicklung macht die Bewertung des Wechsels zum VfL Wolfsburg aus Vereinsperspektive extrem kompliziert. Einerseits darf sich Wolfsburg auf einen Menschen freuen, der viel Erfahrung mitbringt. Über seine Qualitäten im zwischenmenschlichen Bereich hört man oft nur Gutes. Van Bommel weiß, wie er mit Spielern umgehen muss und wie er sie psychologisch packen kann. Er hat klare Vorstellungen und bringt den Ehrgeiz mit, an sich und am Team zu arbeiten. 

van Bommel

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Schaut man sich nur die Spiele seiner PSV im ersten Halbjahr an, spricht auch sportlich erstmal nur wenig gegen ihn. Beim VfL Wolfsburg dürfte er einen Kader vorfinden, der gut zu seinen Grundideen eines kontrollierten und offensivfokussierten Fußballs passt. Die Wölfe haben schnelle, technisch versierte und auch zweikampfstarke Spieler auf den Schlüsselpositionen im 4-2-3-1 van Bommels. Wobei abgewartet werden sollte, wer den Klub noch verlässt und wer als Ersatz verpflichtet werden kann. 

Eine gute Basis ist aber schon jetzt vorhanden. Auch weil Glasner zuvor gute Arbeit geleistet hat. Wolfsburg verfügt bereits über ein gutes Positionsspiel, von dem van Bommel durchaus profitieren kann. Und vielleicht ist der neue Trainer sogar dazu bereit, dem einen oder anderen Jugendspieler eine Chance zu geben. Bei Eindhoven schafften einige junge Spieler den Sprung zu den Profis unter ihm. 

Ist der große Name auch ein großes Risiko? 

Andererseits ist aber die große Frage, ob der Niederländer in der Lage ist, aus seinen Fehlern zu lernen und sich sowie seine neue Mannschaft weiterzuentwickeln. Seine Entlassung bei Eindhoven kam mit Ansage. Noch während sein Team erfolgreich war, zeichnete sich ab, dass das Spiel mit dem Ball immer berechenbarer wurde. Den Spielern fehlte es offensichtlich an Laufwegen, wiederkehrenden Angriffsmustern und einer Grundstruktur, die dem Ziel eines dominanten Spiels gerecht werden konnte. 

Eng mit van Bommel verknüpft ist deshalb die Frage, ob sein Erfolg im ersten Jahr nicht doch eher das Resultat eines einmaligen Laufs war und weniger der einer nachhaltigen Spielidee, die vom Trainerteam implementiert wurde. Retrospektiv betrachtet geht die Tendenz eher in Richtung letzterer Interpretation. 

Abschreiben sollte man den ehemaligen Kapitän des FC Bayern aber nicht zu voreilig. Auch wenn seine Vorschusslorbeeren süßer schmecken, als es die Realität bei Eindhoven tatsächlich hergab, hat er beim VfL Wolfsburg nun die Chance, es besser zu machen und seiner fußballphilosophischen Idee mehr Struktur zu verleihen. Vielleicht ist sein neuer Arbeitgeber inklusive des Umfelds genau der richtige Klub, um den Schritt in die Bundesliga zu wagen und selbst daran zu wachsen. Aus der Perspektive des VfL hingegen stellt sich schon die Frage, ob der große Name nicht doch ein zu großes Risiko ist. So gut das alles auf dem Papier zunächst klingt: Eine logische und folgerichtige Entscheidung ist es nicht unbedingt. 

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Text: Justin Kraft

 

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