Panel zur Bundesliga: „Marco Rose könnte einer der Gewinner der Spielzeit werden“

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Am Freitagabend geht die Bundesliga in ihre 59. Spielzeit. Vieles wird – im Vergleich zur Vorsaison – anders sein. Fast die halbe Liga tritt mit unter neuer Leitung an. Dazu werden mit Schalke und Bremen erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten zwei Urgesteine fehlen.

Vor dem Eröffnungsspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern haben wir uns mit Kerry Hau (Redakteur goal/spox), Florian Plettenberg (Chefreporter SPORT1) sowie unserem Redakteur Julius Eid über diese Themen unterhalten.

„Der FC Bayern ist mit Nagelsmann ein besonderes Risiko eingegangen“

90PLUS: Mit Bayern (Julian Nagelsmann), Leipzig (Jesse Marsch), Dortmund (Marco Rose), Frankfurt (Oliver Glasner), Wolfsburg (Mark van Bommel), Gladbach (Adi Hütter), Leverkusen (Gerardo Seoane) und Köln (Steffen Baumgart) bekommen insgesamt acht Vereine einen neuen Trainer. Welcher von ihnen wird am besten funktionieren und warum?

Kerry Hau: Puh, es ist – glaube ich – erstmal wichtig zu sagen, dass alle Trainer die Bundesliga extrem weiterbringen. Vor allem diejenigen, die jetzt neu dazugekommen sind, mit (Gerardo) Seoane, mit (Steffen) Baumgart, der in der 2. Liga war und mit (Jesse) Marsch. Das sind alles gute Trainer, die die Bundesliga bereichern.

 

 

Ich glaube, dass Bayern am besten funktionieren wird, mit Julian Nagelsmann (34). Weil es eben die konstanteste Mannschaft ist, auch die eingespielteste Mannschaft. Wenn man auf die erste Elf schaut, da wird sich nichts verändern, im Vergleich zu Hansi Flick (56). Viel wird jetzt darüber geredet, dass ein Nagelsmann komplett den Kader umkrempeln muss oder die erste Mannschaft. Nein, muss er nicht. Er muss nicht viel anders machen. Er wird andere Elemente reinbringen, wahrscheinlich auch mal mit einer Dreierkette spielen lassen. Aber insgesamt wird das Grundgerüst gleichbleiben.

Ansonsten sei noch gesagt, dass mir das mit Steffen Baumgart (49) und Köln sehr gut gefallen hat in den Testspielen, auch gegen Bayern. Die waren natürlich schon ein Stückchen weiter in der Vorbereitung, aber das hat mir schon sehr gut gefallen. Ich glaube schon, dass da etwas heranwachsen kann, weil Köln auch interessante, junge Spieler hat, die für sie in den nächsten Jahren auftreten können.

Florian Plettenberg: Das kann ich nicht natürlich nicht vorhersehen, aber ich glaube, dass Nagelsmann eine schwierige Saison bevorsteht, weil der Kader aktuell zu dünn ist, für deren Ziele auf drei Hochzeiten. Baumgart traue ich Überraschendes zu, ebenso Adi Hütter (51). Marco Rose (44) hat von allen Trainern den meisten Druck. Jesse Marsch (47) hat in Leipzig einen starken Kader, darf sich aber keine Durststrecke erlauben.

Julius Eid: Das ist natürlich auch immer eine Frage der Erwartungshaltung. Ich könnte mir deshalb sehr gut vorstellen, dass Steffen Baumgart bei den Kölnern in seiner ersten Saison einen sehr positiven Eindruck hinterlassen wird. Medial ist er sowieso ein Charakter, der sich zu inszenieren weiß. Wenn er es jetzt noch schafft eine Mannschaft zu formen und den Effzeh auf Abstand zur gefährlichen Tabellenzone zu halten dürfte man dort sehr zufrieden sein. Bei den Topklubs ist es deutlich schwerer auszumachen. Fast alle Vereine haben eher einen schwächeren Kader als im Vorjahr zur Verfügung, auch begründet durch die Pandemie und ihre finanziellen Folgen. Der FC Bayern ist aufgrund einer hohen Ablösezahlung natürlich mit Nagelsmann ein besonderes Risiko eingegangen. Ich bin sehr gespannt, ob man geduldig genug ist im Süden. Ansonsten sehe ich den BVB gut aufgestellt, Marco Rose könnte einer der Gewinner der Spielzeit werden.

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„In der Hinsicht wird niemand Schalke, Bremen und den HSV vermissen“

90PLUS: Mit Schalke, Bremen und dem HSV spielen drei große Namen nicht mehr in der Bundesliga. Was könnte das für Auswirkungen auf das internationale Interesse haben, gerade im Hinblick auf den Konkurrenzkampf mit den anderen Topligen?

KH: Ich glaube nicht, dass es Auswirkungen auf das internationale Interesse haben könnte. Im Endeffekt interessieren sich die Leute im Ausland vor allem für den Meisterschaftskampf, für Bayern, Dortmund und Leipzig – und eher weniger für den Abstiegskampf. Mann muss natürlich auch dazusagen, die Leute im Ausland interessieren sich für guten Fußball. Und den haben weder Schalke, noch Bremen, noch der HSV in den letzten Jahren gezeigt.

Dementsprechend wird sie in der Hinsicht niemand vermissen. Klar, Schalke hat, vor allem in Spanien, durch Raúl einen besonderen Stellenwert. Aber das ist nicht so, dass die Leute sagen: Schalke ist nicht mehr Bundesliga, okay, wir schauen’s nicht. Also, so ist es nicht. Deswegen glaube ich nicht, dass es eine große Auswirkung hat. Man hat es auch gesehen in England, bei Leicester damals, mit der niemand gerechnet hat, die niemand kannte, auch von der Historie her. Sie haben sich mit richtig gutem Fußball in die Herzen der Zuschauer gespielt. Genau darum geht es, die Zuschauer mitzureißen. Und das haben die genannten Klubs – egal, wieviel Tradition sie haben – nicht gezeigt in den letzten Jahren.

Foto: Maik Hölter/TEAM2sportphoto/imago

FP: Das ist ärgerlich aber umso mehr wird die zweite Liga aufgewertet. Und wer abgestiegen ist, hat zuletzt auch im Oberhaus nicht dafür gesorgt, dass es oben spannender wird. Bayern und Dortmund bleiben die Zugpferde der Bundesliga.

JE: Es gehen definitiv ein paar klangvolle Begegnung mit Strahlkraft verloren, vor allem das Revierderby. Man darf ja auch nicht vergessen, dass die besondere Fankultur in der Bundesliga international eines DER Verkaufsargumente ist und dafür ein so emotionsgeladenes Derby quasi beispielhaft funktioniert. Auch der Transfersommer dürfte der deutschen Liga im internationalen Vergleich eher schaden. Wo anderenorts munter Investorengelder ausgegeben werden können, verlassen hier einige große Namen die Klubs. Ich denke, am Ende ist es für die langfristige Zukunft aber am wichtigsten, ein eigenständiges Produkt zu haben und gar nicht immer mit den anderen Ligen auf allen Ebenen zu konkurrieren.

Schwere Saisons für Bayern, Fürth und Bielefeld

90PLUS: Zeit für Prognosen: Wer wird Meister und wer steigt ab?

KH: Ich sage, Bayern wird Meister. Warum? Eben schonmal angedeutet: Die funktionierendste Mannschaft, die konstanteste Mannschaft. Einfach dieser Bayern-Block mit Joshua Kimmich (26), Leon Goretzka (26), Robert Lewandowski (32), Thomas Müller (31). Hinten hast du noch Manuel Neuer (35) drin, den besten Torwart der Welt. Ich glaube, dass sie dann auch einfach wieder performen werden, wenn’s drauf ankommt. Die Testspiele sind eher nichtssagend, was die Ergebnisse angeht. Leipzig halte ich dieses Jahr auch für sehr stark – sofern sie es schaffen, André Silva einzubinden. Weil letztes Jahr hat diese Offensivabteilung überhaupt nicht funktioniert, mit Alexander Sørloth (25), mit Hee-Chan Hwang (25). Das hat alles nicht geklappt.

Dortmund halte ich auch für stark, auch mit Rose nochmal einen Trainer bekommen, der bisschen mehr Qualität reinbringt, wahrscheinlich auch spielerisch. Aber da muss man schauen: Können sie Jadon Sancho (21) auffangen? Können sie Erling Haaland (21) wieder so einbinden, wie in den letzten Jahren, der natürlich mit Sancho sehr gut harmoniert hat. Macht Jude Bellingham (18) den nächsten Schritt? Da sehe ich Bayern deutlich gefestigter.

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Wer steigt ab? Sehr schwierige Frage. Ich glaube, dass Bielefeld nach diesem guten, letzten Jahr, wo sie auch ein bisschen über ihren Verhältnissen gespielt haben, dass sie es jetzt richtig schwer haben werden drinzubleiben, weil die Konkurrenz unten größer geworden ist. Weil Hertha BSC noch ein bisschen aufgerüstet hat. Weil Mainz sehr gefestigt ist mit Bo Svensson als Trainer. Und weil Freiburg einfach Freiburg ist und Augsburg einfach Augsburg. Dementsprechend glaube ich schon, dass sie es sehr schwer haben werden. Genauso wie Greuther Fürth. Sie sehe ich mit so – vom Kader her – qualitativ am wenigsten hochwertig. Natürlich kann man das über Kampf abfangen. Aber die Qualität ist bei Greuther Fürth, also, die rein fußballerische Qualität, sehe ich nicht gut genug, um sich in der Bundesliga zu halten.

FP: Bayern wird mit Ach und Krach Meister. Absteigen werden Fürth und Bielefeld. Augsburg muss in die Relegation.

JE: Das Meister-Abo hat weiterhin der FC Bayern. Dennoch gibt es auch in diesem Jahr wieder Gründe, mit einer schwächeren Saison der Münchner zu rechnen. Ein neuer, junger Trainer. Ein dünner Kader und wenig finanzieller Spielraum. Führungsspieler wie Lewandowski und Müller die mittlerweile so oft Meister geworden sind, dass sie wahrscheinlich selber nicht mehr mitzählen. Alleine aufgrund der Abwechslung tippe ich hier auf den BVB, den ich am besten gerüstet sehe um eine mögliche Schwächephase der Süddeutschen auszunutzen. So wirklich dran glauben mag ich aber auch selber nicht.

Der Abstiegskampf dürfte sich vor allem rund um die beiden Aufsteiger Bochum und Fürth abspielen. In den letzten Jahren gab es ja durchaus Aufsteiger, die direkt überzeugen konnten und sich schadlos hielten. Vor allem für Greuther Fürth ist dies aber eine wirkliche Mammutaufgabe. Auch Bielefeld wird wieder zittern müssen, der Effzeh wäre ein weiterer natürlicher Kandidat, den die gute Trainerwahl am Ende retten könnte.

 

 

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Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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