Perisic zu United: Warum eigentlich nicht?

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In den vergangenen Tagen hielten sich hartnäckig Gerüchte, wonach Manchester United an der Verpflichtung des Kroaten Ivan Perisic interessiert sein. Der mittlerweile 28-jährige war einer der Lichtblicke in einer durchwachsenen Saison bei Inter Mailand. Gerade aufgrund der Transferpläne der Italiener und drohender, teurer Konkurrenz könnte Perisic mit einem Abgang liebäugeln. Manchester United, das im Gegensatz zu Inter im Europapokal spielen wird, wäre ein lukratives Ziel.

Es gibt nicht wenige, die sich ein wenig verwundert die Augen reiben und sich die Frage stellen, was Manchester United eigentlich mit Perisic will. Die aufgerufene Transfersumme von bis zu 55 Millionen Euro, die Inter angeblich fordern soll, sorgt für Kopfschütteln. Blendet man diese Summe aus oder bedenkt, dass dies nur eine Verhandlungsgrundlage ist und bewertet den Spieler ganz nüchtern, wird man einige Gründe finden, warum Manchester United nicht zu Unrecht hinter Perisic her zu sein scheint.

(Photo by Emilio Andreoli/Getty Images)

Über Frankreich und Belgien nach Dortmund

Perisic wurde bei Hajduk Split in Kroatien ausgebildet, wechselte 2006 bereits früh zur B-Mannschaft des FC Sochaux. Über Roselare (Leihe) ging es für ihn zum Club Brügge (2009). In der belgischen Liga fand sich Perisic schnell zurecht, ihm gelangen wettbewerbsübergreifend 26 Scorerpunkte in seiner Debütsaison. Er hinterließ nicht nur in der Liga, sondern auch in der Europa League einen guten Eindruck. Nach einer weiteren, noch besseren Saison, wechselte Perisic 2011 zu Borussia Dortmund. Der BVB war gerade Meister geworden, suchte Verstärkungen für die Breite im Kader. 9 Tore und 6 Vorlagen gelangen Perisic in seiner ersten Saison. Er wurde häufig als Joker eingesetzt und erzielte wichtige Treffer. Die zweite Saison in Dortmund verlief für den Kroaten weniger gut. Seine Quote war schwächer und seine Effizienz ließ nach. Perisic benötigte mehr Spielzeit um seinen Rhythmus zu bewahren. Dennoch blieb er als guter Backup in Erinnerung, ist keineswegs „gescheitert“.

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Wechsel zum VfL Wolfsburg war für alle Beteiligten eine gute Lösung. Der Spieler blieb in der Bundesliga, musste sich nicht akklimatisieren und fand schnell eine gewisse Spielfreude. Zusammen mit Kevin de Bruyne (ab Januar) war er Antreiber in der Offensive der Wolfsburger. 11 Tore und 7 Vorlagen in 38 Spielen waren eine sehr ordentliche Quote. In der Saison 2014/15 hatte Perisic mit zwei Verletzungen zu kämpfen. Erst setzte ihn ein Schulterbruch 4 Bundesligapartien außer Gefecht, im Winter fiel er erneut für 5 Spiele aus. Wenn er spielte, waren seine Leistungen gut. Perisic harmonierte gut mit dem restlichen Team, zeigte ansprechende Leistungen im Europapokal, entschied sich aber am Saisonende ebenso wie de Bruyne für einen Vereinswechsel.

Die Entwicklung bei Inter

Wolfsburg verpflichtete Perisic einst für 8 Millionen Euro und verkaufte ihn 2015 für 19 Millionen Euro zu Inter Mailand. Mit einigen Anpassungsschwierigkeiten im Gepäck brauchte der Offensivspieler ein wenig Zeit in Mailand. Er wechselte im laufenden Spielbetrieb, hatte also keine Vorbereitung bei den Italienern. Dennoch spielte er sofort von Anfang an. Es dauerte aber 5 Spiele, bis er seinen ersten Treffer verzeichnen konnte. Perisic gelangen in der ersten Saison bei Inter 16 Scorerpunkte, die Mannschaft schloss die Liga auf Position 4 ab, qualifizierte sich also für die Europa League.

Die vergangene Saison lief für Inter keinesfalls optimal. Man verpasste die Qualifikation für die Europa League, die Mannschaft war unkonstant und es konnten nur wenige Spieler ihre Leistungen regelmäßig abrufen. Neben Icardi fiel vor allem Perisic positiv auf. Der 28-jährige galt schon immer als mannschaftsdienlicher Spieler, der seine Mannschaftskollegen mitziehen konnte. In Mailand haperte es während der letzten zwei Jahre nie an der Einstellung, Perisic gab immer alles und entwickelte sich auch persönlich weiter. Neben seinen guten Leistungen bei Inter war er auch ein elementarer Bestandteil der Nationalmannschaft, mit Modric und Rakitic zählt er zu den dominanten Spielern seiner Landesauswahl. Der Kroate hat sich nie etwas zu Schulden kommen lassen und könnte mit seinen 28 Jahren noch einmal in der Champions League angreifen wollen, hegt deshalb womöglich Abwanderungsgedanken.

Perisics Qualitäten

Ivan Perisic ist keinesfalls ein spektakulärer Flügelspieler. Seine Geschwindigkeit ist nicht besonders imposant, großartige Dribblings gibt es selten. Dafür verfügt er über eine breite Palette an wichtigen Fähigkeiten. Er ist ein offensiver Allrounder, der fast alles beherrscht und sich nicht zu schade ist, lange Wege zu gehen. Einen solchen Spieler hat jeder Trainer gerne im Kader. Er beschäftigt die gegnerischen Verteidiger, gewinnt wichtige Zweikämpfe in allen Bereichen des Spielfeldes. Zudem ist seine Schusstechnik gut, er verfügt mit beiden Füßen über einen guten Abschluss und ist überdurchschnittlich kopfballstark. Das Spiel von Ivan Perisic ist nicht spektakulär, aber vielleicht ist es gerade das, was ihn ausmacht.

11 Tore und 8 Assists mögen über eine Saison hinweg in der Serie A vielleicht nicht überragend klingen, aber die mannschaftsdienliche Art sollte dabei berücksichtigt werden. Auch für seine Mitspieler ist er immens wichtig, der Wille, der Kampfgeist sollte die restliche Mannschaft anspornen, ihr mehr Kraft verleihen. Bei Inter Mailand gelang dies zuletzt aufgrund verschiedener Faktoren nicht. Die Mannschaft war nicht mit der nötigen Homogenität zusammengestellt, daran konnten auch Perisic und Icardi nichts ändern. Vielleicht ist der Wechsel nach England nun genau der richtige Weg.

Die Ablöse, mögliche Rolle

Der Vertrag von Perisic bei Inter Mailand läuft noch bis 2020. Da der Spieler sich aber offenbar selbst Gedanken über einen Wechsel macht, bekäme er vom Verein die Freigabe. Allerdings scheinen die 55 Millionen Euro, die im Raum stehen, surreal und unrealistisch. Denkbar ist eher, dass die Italiener, die für ihre Umstrukturierung jedes Geld gebrauchen können, das sie bekommen, diese Summe aufgerufen haben, um die Verhandlungen zu eröffnen. Wenn Manchester United den Spieler haben will und Jose Mourinho in ihm das nötige Potenzial sieht, werden die Engländer zumindest etwas entgegenkommen. Es ist legitim die Forderung so hoch wie möglich zu formulieren, damit beide Vereine noch Spielraum haben. Inter Mailand wird diese Forderung aber nicht erfüllt bekommen, realistischer scheint eine Summe, die sich im Bereich der 35-40 Millionen Euro bewegt.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Die Chancen bei den Red Devils eine gute Rolle zu spielen, stehen auf jeden Fall gut. Jose Mourinho will den Kader umstrukturieren, neue Qualität für die Königsklasse holen. Der Vertrag mit dem verletzten Ibrahimovic wird wohl nicht verlängert, ein Abgang von Rooney ist auch zumindest Thema. Darüber hinaus könnte die Offensivabteilung ohnehin eine Frischzellenkur benötigen. Mourinho ist ein Trainer, der gerne auch einmal etwas defensiver aufstellt, laufstarke und taktisch kluge Spieler mag. Mit Perisic wäre ein weiterer Mosaikstein für Mourinhos optimalen Kader vorhanden. Mit der ein oder anderen weiteren Ergänzung würde United seine Offensive verstärken, variabler machen und für verschiedene Probleme ausreichend Lösungen im Kader haben. Ob der Transfer im Endeffekt zustande kommt, ist nicht sicher. Wenn man sich aber einigen kann, warum nicht?

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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