Philipp Lienhart exklusiv: „Kann mir vorstellen, dass es in Freiburg weitergeht“

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Interview | Philipp Lienhart ist der Dauerbrenner beim SC Freiburg. Gegenüber 90PLUS sprach der Innenverteidiger über seine Zukunft, Trainer Christian Streich und mehr. 

Jede Bundesligapartie absolvierte Philipp Lienhart (24) in dieser Saison für den SC Freiburg. Sein Vertrag läuft 2022 aus, wie gehts es weiter? Mit 90PLUS-Redakteur Julius Eid sprach der Österreicher über seine Zukunft, Trainer Christian Streich (55), die Europameisterschaft und die erhöhte Belastung während der Coronaviruspandemie.

 

Freiburg-Profi Lienhart: „Christian Streich ist ein Vorbild“

90Plus: Nach 29 Spielen hat man mit dem SC Freiburg die magische 40-Punkte-Grenze erreicht und damit das übergeordnete Saisonziel Klassenerhalt erneut mit Bravour gemeistert. Wie bewerten Sie im Allgemeinen die Saisonleistung des SC?

Lienhart: Die 40 Punkte zu knacken war das große Ziel vor der Saison, und wir sind sehr glücklich, das geschafft zu haben. Wir hatten anfangs ja ein paar Probleme und haben uns dann nach ein paar Spielen zusammengesetzt und gemeinsam die Lage besprochen. Da sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir wieder ekliger sein müssen, wieder mehr Laufbereitschaft zeigen und unangenehmer in den Zweikämpfen sein müssen. Das haben wir in der Folge gut umgesetzt und auch dadurch die 40 Punkte erreicht. Aber wir haben ja schon noch ein paar Spiele und wollen natürlich weiter punkten.

90Plus: Wie ist es, wenn man das Saisonziel Klassenerhalt hat und dann, ähnlich wie im letzten Jahr, der Blick auf einen Qualifikationsplatz für die internationalen Wettbewerbe nicht ganz unbegründet ist? Hat man da trotzdem immer nur den Klassenerhalt im Kopf, bis er feststeht oder erwischt man sich schon dabei, auch mal nach oben zu schielen?

Lienhart: Hier in Freiburg ist der Klassenerhalt das oberste Ziel. Jetzt, wo wir den geschafft haben, können wir natürlich schon mal nach oben schauen. Aber die Europa League ist mittlerweile schon recht schwer zu erreichen und was die Conference League angeht, liegt das Ganze nicht nur in unseren Händen. Da muss zum Beispiel auch der Pokalsieger passen, damit Platz 7 reichen würde. Aber das Gerechne bringt eh nicht viel: Wir wollen einfach weitere Punkte holen und ob es dann am Ende für einen internationalen Platz reicht, werden wir sehen.

90Plus: Für Sie läuft die Saison ja auch vor dem Tor besonders erfolgreich. Schon vier Treffer haben Sie erzielt. Haben Sie sich das im Sommer vorgenommen?

Lienhart: Es war definitiv ein Ziel, dass ich mehr Torgefahr ausstrahlen möchte. Ich habe auch in den vergangenen Saisons immer mal wieder Chancen gehabt, aber die leider nicht nutzen können. Das hat mich gestört, weshalb ich dran arbeiten wollte. Ich habe mir zum Beispiel überlegt, wie ich mich nach Ecken und Freistößen durch bestimmte Laufwege in bessere Positionen bringen kann, um für mögliche zweite Bälle gefährlich sein zu können. Und es hat auf jeden Fall was gebracht (grinst).

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

 

90Plus: Christian Streich ist ein beliebter und geschätzter Trainer in ganz Deutschland. Wie ist es täglich mit ihm zusammenzuarbeiten?

Lienhart: Es ist sehr hilfreich für mich und für die ganze Mannschaft, weil wir viel von ihm lernen können. Nicht nur fußballerisch, sondern auch was Themen darüber hinaus betrifft. Was gewisse Auffassungen vom Leben betrifft ist er schon ein Vorbild, unter anderem weil er sehr bodenständig ist. Und im Fußballerischen hat er natürlich sehr viel Erfahrung und weiß, wie er mit Spielern umzugehen hat. Davon profitiert die ganze Mannschaft – und ich auch.

Lienhart: Die EM als „klares Ziel“

90Plus: Sie selber haben alle Spiele dieser, sehr eng getakteten Saison, absolviert. Es gab keine wirkliche Winterpause. Merkt man gegen Saisonende, dass es anstrengender war als in den letzten Jahren?

Lienhart: Ich war in den letzten Jahren leider immer mal wieder verletzt und bin nie auf diese Anzahl an Spielen gekommen. Deshalb ist es schwer für mich, das zu vergleichen. Aber ich merke schon, dass es durch die nicht vorhandene Winterpause sehr kräftezehrend ist. Jetzt am Ende braucht der Körper den ein oder anderen Tag Regeneration mehr. Aber die Situation ist ja für alle Teams gleich.

90Plus: Und im Sommer steht noch eine EM an. Haben Sie es als Ziel vor Augen, dort für Österreich dabei zu sein?

Lienhart: Ja, das ist mein klares Ziel. Natürlich konzentriere ich mich momentan noch auf die Bundesliga, aber ich glaube schon, dass ich ziemlich gute und konstante Leistungen gezeigt habe und bin deshalb sehr zuversichtlich, es in den EM-Kader zu schaffen.

90Plus: Bis jetzt sind Sie in der Nationalelf drei Mal aufgelaufen. Wie ist es für Sie, wenn man anreist und dann am Ende doch nicht eingesetzt wird? Kann man das gut verkraften oder nimmt es einen persönlich doch mit?

Lienhart: Es ist schon so, dass man da mit der Hoffnung zur Nationalmannschaft reist, spielen zu können. Das war in der Vergangenheit bei mir öfter nicht so. Aber ich weiß auch um die Konkurrenz und dass am Ende nur elf Leute spielen können. Ich bin dann nicht sauer oder so und probiere einfach, mich mit guten Leistungen im Training und in der Bundesliga anzubieten. Zuletzt stand ich ja auch wieder in der Startelf – das war für mich ein gutes Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

„Ich kann mir schon vorstellen, dass es in Freiburg weitergeht“

90Plus: In der nächsten Saison wartet in der Freiburger Innenverteidigung einiges an Konkurrenz. Sieht man das als Stammspieler gelassen oder macht man sich da schon Gedanken?

Lienhart: Ich glaube, die Konkurrenzsituation wird ähnlich wie dieses Jahr. Auch aktuell ist der Konkurrenzkampf in Freiburg recht groß, aber ich konnte mich beständig durchsetzen. Es liegt allein an mir, dass es so weitergeht.

90Plus: Ihr Vertrag mit dem SC Freiburg läuft 2022 aus. Da ist dieser Sommer ein Zeitpunkt, wo man sich bestimmt noch einmal besonders intensiv Gedanken über die Zukunft macht. Freiburg würde den Vertrag gerne verlängern. Haben Sie schon eine Tendenz?

Lienhart: Ich bin ganz ehrlich: Aktuell mache ich mir noch nicht viele Gedanken darüber, wo oder wie es weitergeht. Ich konzentriere mich auf die Bundesliga und die Europameisterschaft. Es ist aber schon so, dass ich, meine Agentur Grass is Green und der SC in Gesprächen sind. Der Verein und mein Umfeld wissen, dass ich mich sehr wohl in Freiburg fühle. Ich kann mir schon vorstellen, dass es in Freiburg weitergeht.

90Plus: Wie ist es, gegen Superstars wie Robert Lewandowski oder Erling Haaland zu verteidigen?

Lienhart: Ich freue mich darauf, wenn ich gegen solche Spieler verteidigen darf. Es ist überhaupt nicht so, dass in der Woche vorher denke: „Scheiße, Lewandowski kommt“ (lacht). Im Gegenteil, da ist eine gewisse Vorfreude. Aber generell gibt es in der Bundesliga viele sehr gute Stürmer und nicht nur die Beiden. Es ist jede Woche schwer zu verteidigen – aber definitiv eine schöne Herausforderung.

Photo by Imago

90Plus: Sie waren vor dem Wechsel zum SC Freiburg bei Real Madrid. Wer war der beste Mitspieler?

Lienhart: Ich kann da wirklich niemanden herausheben. Die ganze Mannschaft war auch in der Breite so unfassbar gut. Es waren mit die besten Spieler weltweit auf jeder Position. Ich habe versucht, beim Training mitzuhalten und eben auch von den ganz Großen zu lernen.

90Plus: Wie oft haben Sie Cristiano Ronaldo den Ball abnehmen können?

Lienhart (lacht): Das ist eine gute Frage. Eine feste Zahl hab ich da nicht im Kopf, aber es ist mir schon ab und an gelungen. Spezielle Gedanken darüber, ob ich jetzt Ronaldo den Ball abgenommen habe, habe ich mir nicht gemacht. Aber im Nachhinein, wenn man mal die Trainingseinheiten Revue passieren lassen hat, war ich schon etwas stolz (grinst).

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„Es fehlt einfach die Nähe zu anderen Menschen“

90Plus: Noch einmal zurück zum Corona-Spielplan. Über die körperliche Belastung haben wir gesprochen. Aber auch mentale Belastung ist ja ein großes Thema. Nicht nur weil viel gespielt werden muss. Euer Spiel gegen die Hertha wurde verschoben. Auch bei euch gab es Corona-Fälle. Kann man das komplett ausblenden oder macht einen das im Hinterkopf schon nervös?

Lienhart: Da will ich erst einmal hervorheben, dass wir in der angenehmen Lage sind, keine Existenzängste haben zu müssen – im Gegensatz zu anderen Menschen in der Krise. Natürlich besteht die Gefahr, dass man sich ansteckt, aber die DFL hat ein gutes Hygienekonzept erarbeitet und der SC Freiburg hält sich sehr strikt daran. Angst habe ich also keine. Mental ist es jetzt über die Dauer nicht immer einfach, so geht es wohl fast allen Menschen. Es fehlt einfach die Nähe zu anderen Menschen. Mal einen Kaffee trinken, den Kopf freibekommen. Das geht leider nicht. Ich bin froh, dass ich mit meiner Freundin zusammenwohne und wir uns immer wieder ablenken können.

90Plus: Im Februar haben Sie in einem Interview Spielergehälter und Transfersummen als teilweise „absurd“ bezeichnet. Jetzt gab es die Diskussionen um eine Super League. Fällt es einem schwer seine Meinung als Teil des Fußballs öffentlich zu formulieren?

Lienhart: Zuerst einmal zur Super League: Ich bin einfach froh, dass diese nicht wie geplant ausgetragen wird. Und schwer fällt es mir nicht, meine Meinung zu formulieren. Natürlich gibt es in den sozialen Medien nicht nur positive Kommentare, aber damit kann ich ganz gut umgehen.

90Plus: Stichwort Social Media. In den letzten Monaten haben die Diskussionen um Hasskommentare gegen Fußballer noch einmal zugenommen. Wie nehmen Sie das wahr, ist es auf den Plattformen in den letzten Jahren noch einmal schlimmer geworden?

Lienhart: Mich persönlich haben solche Hassnachrichten noch nicht so getroffen. Aber für mich ist ganz klar, dass das im Fußball-Umfeld nichts verloren hat. Auch generell dürfen jegliche Formen von Ausgrenzung wie Rassismus, Homophobie oder auch frauenfeindliche Kommentare nicht toleriert werden!

90Plus: In Ihrer Vita stehen schon zwei Champions-League-Siege mit Real Madrid. Gibt es bestimmte Ziele, die Sie sich gesetzt haben, um wirklich zufrieden zu sein mit der Karriere?

Lienhart: Die Champions-League-Siege zähle ich nicht ernsthaft, da ich in keinem Spiel auf dem Platz gestanden habe. Längerfristig habe ich schon das Ziel, auch mal international zu spielen. Ich verfolge aber keinen genauen Zeitplan und mache mir da wenig Druck. Ich sage mir zum Beispiel nicht, dass ich in diesem Sommer unbedingt zu einem Verein gehen muss, der international spielt. Da gebe ich mir Zeit, ich will mich kontinuierlich weiterentwickeln – alles Weitere wird man sehen.

Photo by Imago

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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