RB Leipzig: Das Märchen vom Märchen

Bundesliga

Spotlight | RB Leipzig steht sportlich mal wieder gut da, in der letzten Saison schaffte man es sogar ins Halbfinale der Champions League. Doch die Berichterstattung über den Red-Bull-Klub lässt in großen Teilen jegliche Differenzierung vermissen. Das hilft keinem. Ein Kommentar.

Märchen? Mitnichten!

Wenn es um RB Leipzig geht, dann geht es auch immer um die unglaubliche Geschichte, dass der Klub aus dem Osten noch vor wenigen Jahren nicht einmal in einer Profiliga aktiv war. Um die Teilnahme im Champions League Halbfinale und um die Entwicklung zum gefestigten Bayern-Verfolger. Und dann fallen in eigentlich etablierten Sportmedien Beschreibungen wie „Fußball-Märchen“. Dies wird der Entwicklung der „Bullen“ natürlich nicht ansatzweise gerecht und ist Ausdruck einer so einseitigen Berichterstattung, wie man sie selbst im Fußballgeschäft selten erlebt hat. Händeringend wird versucht, sich nur auf das Sportliche zu konzentrieren. Auf die unbestritten gute Arbeit, die man mit dem vorhandenen Kapital und den überlegenen Strukturen eines Konglomerats an Zulieferer-Klubs liefert. Niemand kann und sollte die gute Arbeit in diesen Bereichen absprechen. Doch wann ist es wirklich hilfreich, nur eine Seite der Medaille zu betrachten?

Leipzig ist, ähnlich wie Dietmar Hopp, ein elementares Reizthema in der Fankultur Deutschlands. Und in dem man immer wieder die validen Kritikpunkte der Fans komplett ignoriert, wird man einer ausgewogenen Berichterstattung einfach nicht gerecht. Es geht nicht darum, dass hier einige Menschen aus persönlichen Ressentiments heraus einem Verein den sportlichen Erfolg aberkennen. Ist es wirklich wünschenswert nicht über fehlende Mitbestimmung von Vereinsmitgliedern zu sprechen? Ist es wirklich wünschenswert nur noch über Erfolge und nicht die Entwicklungen die dorthin führten zu sprechen?Es geht um die Kritik am Weg zu diesem sportlichen Erfolg und es wäre nur natürlich, diesen Weg auch anzusprechen. Und dies führt eben nicht daran vorbei, dass man Ausdrücke wie „Märchen“ und „Wunder“ im Leipzig-Kontext nicht benutzen kann. In einer Geschichte eines Amateur-Klubs bis hin ins Halbfinale der Champions League zu verschweigen, dass enorme finanzielle Ressourcen aufgebracht wurden um genau dieses Ziel schnellstmöglich zu erreichen ist fahrlässig.

Neutralität geht in beide Richtungen

Es ist, bei aller Ablehnung den Leipzigern gegenüber, durchaus wünschenswert, dass die Berichterstattung auch in diesem, besonderen Fall neutral ausfällt. Doch journalistische Neutralität sollte das unvoreingenommene Bewerten von Tatsachen ausmachen. Und nicht das Ausblenden von allen Schattenseiten. Man kann die Arbeit auf und neben dem Platz in Leipzig loben, und gleichzeitig eben nicht Vergessen, wie diese überhaupt erst ermöglicht wurde. Erfolg alleine sollte und darf nie alles rechtfertigen, was dafür getan wird. Dies gilt auch über den Fußball hinaus. Das vorauseilende Gehorsam mancher Experten, wenn es um RB geht, ist hierbei am Ende doch für wirklich niemanden förderlich.

Auch die Anhänger des Shooting-Star-Klubs würden am Ende durch eine kritische Berichterstattung gewinnen können, vielleicht sogar ein wenig Einfluss im Verein gewinnen. Auch die Verantwortlichen der Rasenballer täten gut daran, nicht jegliche Aussage umkommentiert und umkritisiert vom Gesprächspartner tätigen zu dürfen. Wenn Leipzig ein ernsthaftes Interesse daran hat sich langfristig im deutschen Fußball zu integrieren, ist eine Auseinandersetzung mit der Kritik der Abgeneigten doch der erste Schritt. Generell gilt, wie so oft, sich zu fragen warum man die Sorgen und Einwände von Fans des Betriebes, der einem selber das Einkommen sichert, nicht einfach ernst nimmt und respektvoll einbindet. Das würde niemandem schaden, aber gewinnen könnten viele. So lange man allerdings weiter so über RB Leipzig berichtet, bleibt das einzige Märchen das vom Märchen.

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Julius Eid

Photo by ANNEGRET HILSE/POOL/AFP via Getty ImagesImages)

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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