Der Höhenflug des SC Freiburg: Alles, nur kein Zufall

SC Freiburg jubelt über Tor gegen Stuttgart
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Spotlight | Der SC Freiburg schwebt derzeit auf Wolke sieben und ist in der Bundesliga noch ungeschlagen. Dieser Höhenflug ist nicht etwa Zufall oder kommt völlig überraschend, er ist vielmehr das Resultat einer kontinuierlichen Entwicklung mit einem klaren Konzept im Hintergrund. 

  • Der SC Freiburg startet überragend in die neue Saison
  • Klare Philosophie als Erfolgsmodell
  • Kontinuität und die richtigen Entscheidungen

Seit dem Jahr 2000 spielte der SC Freiburg sechs Jahre in der 2. Bundesliga, zuletzt 2015/16. Vor allem Mitte der 2000er-Jahre verbachten die Breisgauer eine längere Zeit in der Zweitklassigkeit. Auch in den Jahren in der Bundesliga war nicht selten das Zittern um den Klassenverbleib angesagt. Schaut man derzeit nach Freiburg, muss man konstatieren, dass diese Zeiten vorbei sind. 

SC Freiburg: Ein beeindruckender Saisonstart

Sieben Spieltage sind in der Bundesliga-Saison 2021/22 bislang absolviert. Nur eine Mannschaft in der gesamten Liga ist aktuell noch ungeschlagen. Das ist nicht etwa der Rekordmeister aus München, auch nicht RB Leipzig oder Borussia Dortmund. Nein, der SC Freiburg hat noch kein Spiel verloren und bereits Gegner wie den BVB gespielt. Mit vier Siegen und drei Remis rangiert der Sportclub aus dem Breisgau derzeit auf dem vierten Platz in Deutschlands höchster Spielklasse. Freiburg spielt einen guten Fußball, ist offensiv aktiv und arbeitet sehr gut gegen den Ball. Das sind Elemente, die in den letzten Jahren auch schon auf diese Mannschaft zutrafen.

Entscheidend ist aktuell, dass der SC direkt zum Saisonbeginn eine Phase großer Konstanz erwischt hat. Die Mannschaft ist stabil, lässt sich auch von kleineren Rückschlägen nicht verunsichern. Christian Streich (56), Trainer der Mannschaft, hat ein gutes Gespür dafür, wie er aus dieser Vielzahl an wirklich spannenden Spielern eine Einheit formt.

Das gelingt ihm Jahr für Jahr, in dieser Saison scheint aber trotzdem etwas anders zu sein. Denn gute Phasen gab es bei den Breisgauern auch in den vergangenen Jahren. Die Stabilität und Selbstverständlichkeit, mit der die Freiburger ihr Pensum abspulen, ist aber beeindruckend.

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Kontinuität im Klub als entscheidendes Kriterium

Es gibt viele Wege, die zum Erfolg führen können. Für einen bodenständigen Klub an einem Standort wie Freiburg ist die Kontinuität der Arbeit aber von immenser Bedeutung. Finanziell sind die ganz großen Sprünge nicht möglich, der SC Freiburg hat keinen Investor oder Großsponsor, der das Geld nach Belieben nachpumpen kann. Stabilität im wirtschaftlichen Bereich ist aber dennoch vorhanden. Trotz Corona-Verlusten ist der Klub auf einem guten Weg, der Umzug in das neue Stadion wird gerade vollzogen. Das nächste Heimspiel findet im neuen Europa-Park-Stadion statt, das während der Länderspielpause eingeweiht wurde.

SC Freiburg neues Stadion

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Auch dieser Umzug ist ein Entwicklungsschritt. Der Verein hat sich in den letzten Jahren gewandelt, ist keine graue Maus mehr, sondern ein spannendes Projekt. Dass es dazu kam, lag unter anderem an der Entscheidung, die der Klub in einer schwierigen Phase im Winter der Saison 2011/12 traf. Denn dort wurde Christian Streich, zuvor lange im Nachwuchsbereich tätig, zum Cheftrainer befördert. Der SC Freiburg ist ein Klub, der traditionell länger als andere Vereine an einem Cheftrainer festhält. Das zeigte sich in der Vergangenheit häufiger.

Die Entwicklung unter Streich-Vorgänger Marcus Sorg (55) war allerdings alles andere als gut, wodurch sich die Verantwortlichen zu diesem Schritt entschieden. Das war ein solch großer Erfolg und Streich hatte einen solch positiven Einfluss auf den ganzen Klub, dass sogar nach dem Abstieg der Wiederaufstieg mit diesem Trainer angegangen wurde.

Doch die Erfolge am Namen des Trainers alleine aufzuhängen, wäre übertrieben. Auch Klemens Hartenbach (56), schon seit 2001 im Verein und aktuell Sportdirektor beim SC, hat einen wichtigen Anteil. Sportvorstand Jochen Saier (43), seit 2014 in dieser Position, prägt das Bild der Kontinuität auf der Führungsebene auch hervorragend. Er ist seit 2003 im Klub, war zunächst Nachwuchskoordinator, später Sportdirektor. Die Abläufe im internen Bereich sind eingespielt, alle haben die Philosophie des gesamten Vereins verinnerlicht. 

Christian Streich fordert Arbeit und Fußball

Zurück zum Trainer. Christian Streich versteht es wie kaum ein anderer Coach in der Bundesliga, die Stärken seiner Mannschaft parallel zu einer eigenen Philosophie auszuspielen. Emotionalität, Wille und Leidenschaft sind wichtige Faktoren, die der Trainer vorlebt und von seiner Mannschaft fordert. Die Basis für die Erfolge des SC Freiburg ist harte Arbeit. Jeden Tag auf dem Trainingsplatz und im Idealfall in jedem Spiel über 90 Minuten. Kampf, Einsatz, Laufbereitschaft sind Grundsäulen des „streichschen“ Fußballs, doch eben nicht die einzigen.

Für den SC Freiburg ist es unter diesem Übungsleiter auch wichtig, spielerische Lösungen zu finden. Es gibt Phasen in einer Saison, in der diese Elemente der Mannschaft leicht von der Hand gehen, wenn es sehr gut läuft zum Beispiel. Spielstarke Gegner, die nach Freiburg kommen und auf einen SC treffen, der gut in Form ist, werden nicht selten blitzschnell ausgekontert und erleben Momente, die sie in dieser Form nicht oft erleben. Der BVB musste sich in dieser Saison schon in Freiburg geschlagen geben, auch Klubs wie der FC Bayern tun sich im Breisgau oft schwer.

SC Freiburg kämpft Borussia Dortmund nieder

(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Es ist genau diese Mischung aus Grundtugenden und einer Spielidee, die Freiburg diesen Erfolg und diese Unverwechselbarkeit beschert. Spiele der Breisgauer sehen oft sehr ähnlich aus – und das ist positiv hervorzuheben. Ein Plan ist erkennbar. In schwierigen Phasen schafft es die Mannschaft nicht selten, den Gegner niederzuringen und mit Effizienz und Leidenschaft einen Punkt oder drei zu ergattern. Je mehr Selbstvertrauen diese Mannschaft hat, desto mehr spielerische Lösungen werden forciert. Direktpass-Staffetten, um sich aus dem Pressing des Gegners zu befreien, sind dabei zuweilen enorm präzise und wirkungsvoll.

Freiburg kann auch Spieler halten

Die Weiterentwicklung des SC Freiburg, die auf dem Platz durchaus beeindruckend ist, hat auch mit der Weiterentwicklung des gesamten Vereins zu tun. Freiburg ist mittlerweile ein durchaus attraktiver Standort. Das sorgt dafür, dass die Spieler nicht direkt nach einer guten Saison Wechselgedanken hegen. 

Papiss Cissé (36), Matthias Ginter (27), Oliver Baumann (31), Admir Mehmedi (30), Maximilian Philipp (27), Caglar Söyüncü (25), zuletzt Luca Waldschmidt (25) und Robin Koch (25): All das sind Beispiele von essenziell wichtigen Spielern, die Freiburg in den letzten Jahren verlassen haben. Im abgelaufenen Transfersommer konnten – abgesehen von Baptiste Santamaria (26), der sich nie zu 100 % akklimatisiert hatte – alle wichtigen Spieler gehalten werden. Das ist ein enormer Fortschritt. 

Zweifelsohne kann das nicht immer gelingen. Im Geschäft Fußball kursieren Summen, zu denen auch der SC Freiburg nicht nein sagen kann. Das Wegbrechen von Leistungsträgern kann aber deutlich minimiert werden. Und sollte doch einmal ein Akteur wechseln, kommt ein weiteres Element ins Spiel und zwar die Scoutingabteilung.

Als Santamaria den Klub im Sommer verließ, stand Maximilian Eggestein (24) als Ersatz quasi parat. Der Klub ist vorbereitet, wenn ein Spieler wechselt und geht den Weg mit einer neuen Personalie einfach weiter.

Die Zukunft: Weitere Optimierung, neue Ziele

Es waren viele kleine Schritte notwendig, um in den letzten Jahren diesen einen, großen Schritt als Klub zu gehen. Der SC Freiburg hat es geschafft, sich sukzessive zu entwickeln und auch kleine Rückschläge nahezu problemlos zu verkraften. Das macht die Breisgauer zu einem Vorbild für viele andere Mannschaften, die aus der 2. Bundesliga nach oben kommen oder in der höchsten deutschen Spielklasse jedes Jahr um den Klassenerhalt kämpfen.

Der Sportclub zeigt unter der Leitung von handelnden Personen wie Streich, Saier und Hartenbach, dass eine Konzeption, die jeder mitträgt und ein klarer Plan, der immer wieder mit Innovationen gefüttert wird, am Ende zum Erfolg führen kann – auch ohne die ganz großen finanziellen Mittel. Die wichtigsten Säulen dabei sind Geduld, Kontinuität und das ständige Hinterfragen zur Optimierung der Abläufe.

Das neue Stadion ist fertig, ein neues Kapitel in der Geschichte des Klubs beginnt. Der SC Freiburg will sich in der Zukunft noch weiter optimieren. Wie viel Spielraum nach oben noch möglich ist, wird sich zeigen. Unter diesen Verantwortlichen sollte es aber verwundern, wenn das Ende der Fahnenstange schon erreicht ist. Und wer weiß, vielleicht sieht das neue Stadion schon bald die ersten Europapokal-Nächte…

(Photo by Alexandra Beier/Getty Images)

Manuel Behlert

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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