SC Paderborn – Vom Geheimtipp zum Aufstiegsfavoriten?

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Zugegeben, es ist erst der fünfte Spieltag der 2. Bundesliga. Nichtsdestotrotz können so langsam die ersten Schlüsse aus dem bisherigen Saisonverlauf gezogen werden. An der Spitze thront eine Mannschaft, die vor Saisonbeginn nicht viele Experten als Aufstiegsfavoriten tippten. Es handelt sich um den SC Paderborn.

Paderborn – Offensive als Prunkstück

Fünf Spiele, zwölf Punkte, 18 Tore. Der SC Paderborn führt nach fünf Spieltagen die Tabelle der 2. Bundesliga an. Die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok zeigt sich insbesondere in den Heimspielen in unheimlich guter Verfassung. Die Ergebnisse (5:0 gegen Karlsruhe, 4:2 gegen Hannover, 7:2 gegen Holstein Kiel) sprechen Bände. Doch wer und was sind die Erfolgsfaktoren für den Höhenflug der Schwarz-Blauen?

Der Trainer: Lukas Kwasniok

Es war ein großes Erbe, welches Lukas Kwasniok zu Beginn der letztjährigen Spielzeit antrat. Die Fußstapfen von Steffen Baumgart waren riesig. Nach einer vernünftigen Saison, die man letztendlich auf dem siebten Tabellenplatz beendete, wurden frühzeitig die Planungen für die laufende Spielzeit gestartet und personelle Neuverpflichtungen frühzeitig getätigt.

Kwasniok erhielt weiterhin das Vertrauen und zahlt dies eindrucksvoll zurück. Denn wenn man einen großen Unterschied zu den letztjährigen Tabellenführern der 2. Liga finden möchte, dann ist es definitiv die taktische Variabilität des Coaches. Es gibt kaum einen Trainer, der seine Mannschaft so stark an die Qualitäten des Gegners anpasst. Auch das Ingame-Coaching des Übungsleiters ist einen eigenen Studiengang wert, für Taktik-Liebhaber ist diese Paderborner Mannschaft ein Muss.

Mit seinen Entscheidungen geht der 41-Jährige nicht selten volles Risiko. Es ist nicht ungewöhnlich, dass er einen Innenverteidiger kurzerhand als alleinige Spitze beordert (Jannis Heuer 2021/22 gegen St. Pauli) oder spielerisch starke Zentrumspieler auf den defensiven Außenbahnen einsetzt (Julian Justvan).

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Der Geschäftsführer Sport: Fabian Wohlgemuth

Der Geschäftsführer Sport der Ostwestfalen zeigt sich für die Transfers verantwortlich. Fast schon traditionell gibt es zu Saisonanfang eine Vielzahl neuer Spieler, die sich das schwarzblaue Trikot überstreifen. Der Sportclub verpflichtet viele junge Akteure aus unterklassigen Ligen und gibt ihnen die Chance in der zweiten Liga Fuß zu fassen. Das beste Beispiel dafür ist Marcel Hoffmeier, der vom SC Preußen Münster in die Domstadt wechselte.

Der Innenverteidiger ist auf Anhieb Stammspieler und eine wichtige Stütze in der Verteidigung. Der 23-Jährige bringt ein hohes Tempo mit und geht im Spielaufbau – wie es sein Trainer wünscht – volles Risiko. Im Zweikampfverhalten gibt es für den gebürtigen Geseker zwar noch verbesserungspotenzial, doch Hoffmeier bringt alle Anlagen mit, ein sehr interessanter Bundesligaspieler zu werden.

Zwar schlagen beileibe nicht alle Neuzugänge ein, doch Wohlgemuth besitzt ein Fabel für ballanziehende, technisch starke Akteure. Nicht umsonst darf sich das Paderborner-Publikum über einen gepflegten, aber schnellen Offensivfußball freuen.

(Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

Schallenberg, Justvan & Co. – Das Mittelfeld des SCP

Als Kapitän geht Ron Schallenberg voran. Das Eigengewächs ist gerade in der Balance zwischen Offensive und Defensive unheimlich wichtig. Der 23-Jährige geht keinem Zweikampf aus dem Weg und zeigt sich auch auf der anderen Seite des Feldes insbesondere bei Standard-Situationen torgefährlich.

Einen sehr guten Saisonstart erwischte Julian Justvan, der 2020/21 von der Zweitvertretung des VfL Wolfsburg den Weg an die Pader fand. Der Linksfuß findet mit dem Ball kreative Lösungen, besitzt eine fabelhafte Übersicht und bringt einen guten Schuss mit. Während der 24-Jährige in der Vergangenheit häufig als Zehner eingesetzt wurde, setzt Kwasniok ihn als sogenannten „invertierten Außenverteidiger“ ein. Ähnlich wie Raphael Guerreiro bei Borussia Dortmund besitzt Paderborn einen Spielmacher auf den Außenbahnen. In der letzten Spielzeit agierte Justvan als Linksverteidiger, nun läuft er – gegnerabhängig – zumeist als rechter Schienenspieler auf.

Seit seinem Wechsel von Hannover 96 im Winter der vergangenen Spielzeit durchlebt Florent Muslija seine wohl beste Zeit als Fußballprofi. Der 24-Jährige ist mit ähnlichen Anlagen wie Justvan gesegnet, läuft unter Lukas Kwasniok jedoch als Kreativspieler im letzten Drittel auf. Eine wirkliche Positionsbeschreibung gibt es nicht. Seine Schusstechnik ist herausragend und als Aktivposten im vordersten Drittel ist er unter anderem für die Versorgung des Paderborner-Sturmes verantwortlich.

(Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

Platte, Pieringer, Srbeny – Die klassischen „Neuner“ auf anderen Positionen

Fünf Spiele, sechs Tore. Felix Platte führt die Torjägerliste der 2. Liga an und ist vor dem gegnerischen Gehäuse eiskalt. Der ehemalige Schalker entscheidet enge Spiele und bringt die klassischen Qualitäten eines echten Neuners mit. Der laufstarke 26-Jährige haut sich in jeden Zweikampf und ist der „Verwerter“ im System von Lukas Kwasniok. Anders als seine Mitspieler besitzt Platte erhebliche Defizite in technischen Fertigkeiten wie bei Dribblings oder in der Ballkontrolle, doch wird der frühere Junioren-Nationalspieler mit Bällen gefüttert, liegt der Ball regelmäßig im Netz des Gegners.

Mit Marvin Pieringer lieh der Sportclub einen weiteren Stürmer vom FC Schalke aus. Der Deutsche ist nominell auch ein „klassischer Neuner“, doch anders als Platte ist er im Spiel mit dem Ball wesentlich variabler und harmoniert auch deshalb wunderbar mit seinem Stürmerkollegen. Als Beispiel dient dazu das 4:1 beim gestrigen Sieg gegen Kiel. Pieringer führt die Kontersituation an, spielt einen sauberen Doppelpass, weicht auf die Außen aus und bedient den freistehenden Platte im Zentrum.

(Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

Bei Dennis Srbeny könnte man meinen, dass der 28-Jährige seinen Platz unter Kwasniok noch sucht. Nur selten stellt ihn der Coach von Beginn an auf, doch von der Bank bringt Srbeny Impulse, die ein ganzes Spiel kippen können.

Der gelernte Stürmer wird häufig als zentraler offensiver Mittelfeldspieler eingwechselt. Der gebürtige Berliner ist zwar nicht gerade filigran, aber unheimlich abgezockt und mit einer sehr guten Übersicht ausgestattet. Mit Sirlord Conteh und Richmond Tachie besitzt der Sportclub zwei weitere Stürmer, die einen anderen Spielertypus mitbringen. Kwasniok darf sich von Gegner zu Gegner bedienen.

Auf dem Weg zurück in die Bundesliga?

Die bisherigen Spielzeiten des SCP in der deutschen Beletage waren jeweils von kurzer Dauer. Intern setzt man sich das Ziel, zu den dreißig besten Fußballvereinen in Deutschland zu gehören. Sollte man in den nächsten Wochen und Monaten die bisherigen Leistungen bestätigen und auch noch dreckige Arbeitssiege einfahren, gehört der Sportclub aus Paderborn im nächsten Jahr womöglich gar zu den 18 besten Fußballvereinen der Bundesrepublik.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Hendrik Wiese

Aufgewachsen mit dem Spielstil von Bastian Schweinsteiger bevorzugt Hendrik spielerische Dominanz und technisch ansehnlichen Fußball. Seit Dezember 2019 ist er für 90PLUS unterwegs, bevorzugt im deutschen Oberhaus.

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