Schalke 04: Tönnies auf der Tribüne – peinlicher als das 0:8 gegen den FC Bayern

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Spotlight | Mit 0:8 ging Schalke beim FC Bayern München unter. Und trotzdem kann darüber gestritten werden, ob es wirklich der unangenehmste Aspekt des Abends war. Ex-S04-Boss Clemens Tönnies sorgte mit seinem Besuch für Verwunderung und zeigt, dass ihm jegliche Selbstwahrnehmung fehlt. Ein Kommentar. 

Schalke: Nostalgie, auf die man verzichten kann

Noch in der ersten Minute gelang den Knappen der erste Torschuss. Kurz kam Hoffnung auf. Sollte sich die Elf von David Wagner also doch besser schlagen, als viele dachten? Wird der FC Bayern München, Triple-Sieger und aktuell bestes Team der Welt, ausgerechnet von Schalke überrumpelt? Nein. Nur wenige Augenblicke später traf Serge Gnabry zum 1:0 und die Dinge nahmen ihren natürlichen, und aus königsblauer Sicht bitteren, Lauf. Mit 0:8 schoss der Rekordmeister den stolzen Klub aus dem Ruhrpott ab. Ein sportlicher Offenbarungseid. Ja, die Seriensieger aus München sind derzeit kaum zu schlagen, aber diese Schalker Leistung war auf vielen Ebenen peinlich. 

Doch nicht nur auf dem Platz gab S04 ein fragwürdiges Bild ab. Die TV-Kameras fingen auf der Tribüne den Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies ein. Eben jener, der erst im Juni nach großem öffentlichen Druck von allen Ämtern auf Schalke zurückgetreten ist, nachdem es in einem Werk seines Fleischunternehmens zu einem Corona-Ausbruch kam. Knapp drei Monate später sitzt er nun beim Saisonauftakt Schalkes zusammen mit der Delegation der Königsblauen auf der Tribüne. Alexander Jobst, Michael Reschke, Jochen Schneider – und eben Tönnies. Fast wie in alten Zeiten. Für so manchen Schalke-Fan ein nostalgisches Bild, auf das man gut hätte verzichten können. 

S04: Tönnies schadet (erneut) dem Ansehen des Klubs

Clemens Tönnies hat dem Klub zuletzt erheblich geschadet und die Werte des Klubs mit seinem Verhalten verhöhnt. Seine rassistischen Aussagen, die selbsterlegte Pause inklusive peinlichem Comeback. Schalke-Fans mussten mit ansehen, wie ihr Klub öffentlich großen Schaden erlitt. Dazu gesellte sich die sportliche Talfahrt, die Tönnies ebenfalls mitzuverantworten hat. Sein Abgang löste teilweise Euphorie aus. Endlich konnte man den Blick nach vorne richten. Vielleicht nicht unbedingt sportlich, hier müssen die Scherben noch länger aufgekehrt werden, aber zumindest im Hinblick auf die Wertevorstellungen des Vereins war dies ein großer Schritt. 

Und jetzt, wenige Wochen später, ohne Fans im Stadion, die aufgrund zu hoher Fallzahlen in München doch nicht zugelassen wurden, ist der ehemalige Big Boss dem Klub wieder so nah. Auf Einladung von Uli Hoeneß, wie der FC Schalke 04 Sport 1 mitteilte. Man muss sich bei Tönnies langsam fragen, ob er aus den letzten turbulenten Monaten und der berechtigten Kritik an ihm und seiner Arbeit gelernt hat. Für jeden Fan, der mitansehen musste, wie Tönnies den Ruf des Klubs öffentlich schwer beschädigte, ist der gestrige Auftritt ein Schlag ins Gesicht. Ausgerechnet Tönnies darf als einer der ganz wenigen Personen ins Stadion, ohne eine offiziellen Posten innezuhaben. 

(Photo: IMAGO)

Schalke: Verantwortlichen hätten eingreifen müssen

Ja, Tönnies liebt Schalke. Daran war und ist nicht zu zweifeln, aber er hat seiner großen Liebe erneut einen riesigen Bärendienst geleistet. So mancher mag sagen, dass es zumindest eine Ablenkung von der Blamage auf dem Platz ist. Für die meisten Anhänger dürfte es eher eine Ergänzung eines peinlichen Auftritts sein. Das Sahnehäubchen auf einer deftigen Klatsche, die den Fans länger zu Schaffen machen wird, als den meisten Akteuren auf dem Platz. Veredelt durch Tönnies, der eine Einladung von Uli Hoeneß, scheinbar ohne jegliche Reflexion, annahm. Inmitten einer Pandemie, in der er eine extrem negative Rolle einnahm.  

Wie konnten die Verantwortlichen Schalkes nicht eingreifen? Dass Tönnies nach seinem Rücktritt gar keinen Einfluss mehr auf Schalke hat, ist ein utopischer Gedanke. Aber man sollte zumindest erwarten können, dass der Klub bei einem derartigen Vorhaben eingreift, im Wohle der Schalker Familie agiert und nicht mit Ex-Boss auf der Tribüne verweilt. Für Tönnies eine konsequente Fortsetzung dessen, was er zuletzt ohnehin tat: Eben nicht im Sinne des Vereins und dessen Werten agieren. 

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Photo: Imago

Damian Ozako

Als Kind von Tomas Rosicky verzaubert und von Nelson Haedo Valdez auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht worden. Geblieben ist die Leidenschaft für den (offensiven) Fußball. Seit 2018 bei 90PLUS.

Alle Kommentare


  • Linnemann sagt:

    Wer bisher immer noch nicht mitbekommen hat von welchem Ego menschen wie Hoenes und Tönnies geprägt sind der sollte es spätestens jetzt wissen.
    Genau so Arrogant und unverbesserlich sind die verantwortlichen der beiden Vereine, die diesen peinlichen Auftritt nicht verhindert haben.
    Aber wer glaubt über den Gesetzen zu stehen und alles machen zu können was man will,der wird wohl weiter so handeln, wenn wie sie lassen.
    Also ihr Blauen, wieder auf die Strasse und raus mit allen kleinen “ Tönnies “ in eurer Vorstandsetage.

  • Lieselotte Lens sagt:

    Man kann auch alles übertreiben, wenn man nicht genug auf die Schalker Seele treten kann, dann muss es doch irgendwie mit Hetze klappen. Lasst uns Schalker doch bitte in Ruhe und sucht Euch inEurem Umkreis jemanden zum drauftreten für Euer armseliges leeres Leben.

  • Friesenbernd sagt:

    Tönnies ist war jahrelang Aufsichtsratsmitglied und dessen Vorsitzender; er ist doch, auch/obwohl/weil er zurückgetreten ist, nicht automatisch eine ‚persona non grata‘, wie es hier beschrieben oder vom Autor offenbar erwartet wird. „Sein Abgang löste Euphorie aus“ – völlig alberne Aussage, von Euphorie war nichts in den letzten Wochen und Monaten zu sehen. Schon gar nicht bei diesem peinlichen Auftritt in München. Ich würde ich mal davon ausgehen, dass Tönnies auch weiter zu vielen Spielen gehen wird, aber es steht ja jedem frei, einen Antrag auf Vereinsausschluss und Hausverbot zu erteilen. Völlig lächerlich und total überzogen.

  • Werner Neubauer sagt:

    Liebe Kritiker (z.B. Herr Effenberg),
    Mir wäre lieber ihr sorgt dafür, dass in eurem unmittelbaren Umfeld alles in Ordnung ist, dann wäre viel gewonnen. Doch bei eigenen Unzulänglichkeiten ist es viel bequemer auf Andere zu zeigen.


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