Was wurde eigentlich aus? Teil 12: Tranquillo Barnetta

Was wurde aus...?

Er spielte in der Bundesliga für vier Vereine, war lange Zeit eine Stütze im Spiel von Bayer 04 Leverkusen: Tranquillo Barnetta. In unserer Reihe „Was wurde eigentlich aus..?“ blicken wir auf die Karriere ehemaliger Bundesligaspieler zurück und schauen, was sie heute machen. So auch beim Schweizer Offensivspieler! 

Erste Schritte in Deutschland

In der Schweiz gelang Tranquillo Barnetta der Sprung in den Profifußball in St. Gallen, seiner Geburtsstadt. Beim FC St. Gallen durchlief er die Jugendabteilung, ehe er mit 17 Jahren zu den Profis hochgezogen wurde. Dort weckte er das Interesse von Bayer 04 Leverkusen, das bekannt dafür war junge Talente zu verpflichten und zu entwickeln. Nach einer starken Saison 2003/04 mit 13 Torbeteiligungen wechselte der Offensivspieler für nicht einmal eine halbe Million Euro nach Leverkusen. 

Sofort wurde er zu Hannover 96 ausgeliehen um sich an den Fußball in Deutschland zu gewöhnen und Spielpraxis zu erhalten. Allerdings: Über weite Strecken der Saison gehörte Barnetta nicht dem Kader der Niedersachsen an, lediglich am Ende konnte er in 5 aufeinanderfolgenden Spielen auflaufen. Am Ende spielte er neunmal für die 96er, kehrte nach einem Jahr wieder nach Leverkusen zurück. 

Einstand in Leverkusen geglückt

Trotz der wenigen Spielpraxis tat ihm das Jahr in Hannover gut. Und: Trotz der turbulenten Phase zu Saisonbeginn in Leverkusen, in der Klaus Augenthaler gefeuert und interimsweise durch Rudi Völler ersetzt wurde, der daraufhin Michael Skibbe einstellte, spielte er sich früh in der Mannschaft von Bayer fest. 35 Pflichtspiele und 15 Torbeteiligungen sprachen für den Schweizer, der schnell zu einem essenziellen Bestandteil der Mannschaft wurde. Barnetta zeichnete sich durch seine Dynamik aus, er verfügte über eine gute Technik, hatte einen ordentlich Abschluss und konnte gefährliche Flanken schlagen.

Doch er hatte auch ein Problem- und zwar seine fehlende Konstanz. Schon in der darauffolgenden Saison sollte sich diese zeigen, Barnetta spielte zwar weiterhin in fast jedem Spiel und sammelte zahlreiche Einsatzminuten, mit nur 5 Torbeteiligungen kam ihm die Effizient aber klar abhanden. Natürlich war er noch immer ein junger Spieler, der selbst ohne Torbeteiligungen Akzente im offensiven Bereich setzen konnte, diese Entwicklung durfte aber nicht so weitergehen. 

Der letzte Schritt fehlt

In den kommenden drei Jahren sollte Barnetta wieder effizienter werden, sich bei rund 15 Scorerpunkten pro Saison einpendeln. Der Schweizer war Leistungsträger und Dauerbrenner, quasi nie längerfristig verletzt. Woche für Woche sprintete er die Linie rauf und runter, schlug Flanken, schloss ab, kombinierte mit seinen Teamkollegen, doch der letzte Schritt in der Entwicklung fehlte. Barnetta war ein guter Bundesligaspieler, aber mehr war offenbar einfach nicht möglich. 

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

In der Saison 2010/11 folgt erneut ein Dämpfer. Zunächst lief es sportlich nicht besonders gut für Barnetta, er spielte zwar häufig durch, konnte aber nicht an die Quote der vorherigen Spielzeiten anknüpfen. In der Rückrunde setzte ihn zudem ein Bänderriss langfristig außer Gefecht. Die Mannschaft spielte auch ohne ihn sehr erfolgreich, am Saisonende hatte er keinen allzu großen Einfluss mehr auf das Spiel von Bayer. 2011/12 folgte dann der nächste Schock für Barnetta – eine schwere Muskelverletzung! Diese sorgte dafür, dass er nur 7 Einsätze sammeln konnte. Der auslaufende Vertrag wurde nicht verlängert, der Schweizer wechselte ablösefrei zum Ligakonkurrenten Schalke 04. 

Schalke, Frankfurt, MLS

Auf Schalke wollte Barnetta wieder zu seiner Topform zurückfinden – doch an die 3 starken Jahre in Leverkusen sollte er nie mehr anknüpfen können. Nach seinem Wechsel zu den „Königsblauen“ blieb Barnetta zwar verletzungsfrei, konnte sich aber nicht zum Kreis der Stammspieler zählen. Häufig kam er nur als Joker zum Einsatz, bei seinen Kurzeinsätzen konnte er sich nicht besonders gut empfehlen. Als er zu Beginn der 2. Saison keine Besserung seiner Situation erkennen konnte, war der Ausweg ein Leihgeschäft. Barnetta zog es schließlich zu Eintracht Frankfurt. 

Bei der SGE blitzte seine Klasse mehrfach auf, vor allem in der Europa League zeigte er sein Können bei 4 Torvorlagen in 7 Spielen. Auch sonst war sein Intermezzo bei den Hessen sicher keine Katastrophe. Barnetta spielte 31-mal für Frankfurt, doch eine feste Verpflichtung kam nicht zustande. In der Folgesaison avancierte er bei den „Königsblauen“ vor allem in der Rückrunde zu einem wichtigen Bestandteil der Mannschaft, sammelte wieder 8 Torbeteiligungen in der Bundesliga, wechselte im Sommer aber ablösefrei in die MLS, die Zukunftaussichten auf Schalke waren nicht gut genug. Für Philadelphia Union stand er 45-mal auf dem Platz, ehe er die MLS im Januar 2017 wieder verließ. 

Was macht Barnetta heute?

12 1/2 Jahre nach seinem Wechsel vom FC St. Gallen in die Bundesliga kehrte er aus der MLS wieder zu seinem Heimatverein zurück. Mittlerweile ist der 33-jährige nach Verletzungsproblemen zu Saisonbeginn wieder einer der Topspieler seines Vereins, kann nach einer ordentlichen letzte Saison auch in dieser Spielzeit wieder glänzen.  Seine technischen Fähigkeiten sind weiterhin vorhanden, zudem ist er ein Führungsspieler. Die Linie hoch und runter sprinten kann Barnetta zwar nicht mehr, dafür glänzt er als Ballverteiler im offensiven Mittelfeld, setzt seine Mitspieler gekonnt in Szene und erzielte selbst schon vier Treffer. Sein Vertrag beim FC St. Gallen läuft noch bis Sommer 2019. Sollte er fit bleiben, wird der Schweizer vermutlich noch ein Jahr dranhängen. 

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)


Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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