Was wurde eigentlich aus? Teil 15: Jonathan Pitroipa

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Spotlight | Er dribbelte schier federleicht über den Platz, galt als begabter Dribbler, der aber auch extrem leicht zu Boden ging, die Dinge gerne etwas komplizierter machte, als nötig. In der Bundesliga spielte er für den SC Freiburg und den Hamburger SV: Jonathan Pitroipa. Doch was wurde aus dem Offensivspieler aus Burkina Faso?

Der SC Freiburg als Ausweg

Für viele junge, talentierte Fußballspieler aus Afrika ist der Weg nach Europa das Ziel ihrer Träume. Dort herrschen in der Regel sehr gute Trainingsbedingungen, dort ist viel Geld zu verdienen und dort bekommt man Aufmerksamkeit, in den besten Ligen mit den besten Spielern der Welt. Heutzutage sind die Bedingungen auch in Teilen Afrikas deutlich verbessert als es noch vor 15 oder 20 Jahren der Fall war, zudem ist das Scoutingnetzwerk der europäischen Klubs derart dicht, dass sich der Blick auch schon früh auf andere Kontinente richtet. Früher war dies noch nicht in diesem Ausmaß der Fall. 

Jonathan Pitroipa wurde in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso geboren und begann dort auch das Fußballspielen, als er sich der Fußballakademie „Planete Champion International“ anschloss, später in deren Team in der 2. Liga des Landes spielte. Im Sommer 2004 absolvierte Pitroipa im Alter von 18 Jahren ein Probetraining beim damaligen Bundesligisten SC Freiburg. Und dieser nahm den Offensivspieler danach für 2 Jahre unter Vertrag, der später noch verlängert werden sollte. Der „Traum Europa“ ging für Pitroipa also schon verhältnismäßig früh in Erfüllung, der erste große Schritt in seiner Karriere gelang. 

Von Problemen und dem Aufblühen im Breisgau

Seinen Start in der Bundesliga hat sich Pitroipa aber anders vorgestellt. Krankheitsbedingt absolvierte der Flügelspieler in seiner ersten Saison nur 4 Partien, der SC Freiburg stieg ab. Auch 2005/06 musste er sich erst herankämpfen, spielte zu Saisonbeginn häufig in der Oberligamannschaft des SCF, ehe er in der Rückrunde endlich seinen „Durchbruch“ hatte, 14-mal zum Einsatz kam und zumindest regelmäßig spielen durfte. Den großen Schritt in Richtung Stammspieler machte Pitroipa aber dann nach einer sehr guten Vorbereitung auf die Saison 2006/07, in die er sofort als wichtiger Bestandteil der Mannschaft startete und in nahezu jedem Spiel auf dem Feld stand. 

(Photo by Michael Kienzler/Bongarts/Getty Images)

Und endlich waren auch die Zahlen, die der Flügelspieler hinlegte, den Erwartungen entsprechend. Während des schwachen Saisonstarts, bei dem der SC Freiburg ganze 7 Spiele ohne Sieg blieb, stach Pitroipa schon regelmäßig positiv hervor, vor allem aber bei der Siegesserie Mitte der ersten Saisonhälfte zeigte sich der Spieler von seiner besten Seite, war gegen den 1. FC Kaiserslautern beispielsweise an 3 Treffern direkt beteiligt. Die Bilanz am Saisonende: 33 Ligaspiele, 18 Torbeteiligungen, endlich angekommen. Weil der Sportclub aber erneut nicht aufstieg, verzögerten sich die Vertragsverhandlungen, die Zukunft des Spielers blieb offen. Nach einer guten Hinrunde in der Folgesaison gab Pitroipa seinen im Sommer folgenden, ablösefreien Wechsel zum Hamburger SV bekannt. 

3 Jahre in Hamburg

Der nächste Anlauf in der Bundesliga sollte nun gelingen. Aber wie schon in Freiburg wurde es auch in Hamburg nicht gerade einfach für Pitroipa. Seine Saison war durchzogen von Leistungsschwankungen, häufig kam er als Joker zum Einsatz, der im Endeffekt aber keinen großen Einfluss hatte. Sein Tempo war unverändert hoch, seine Ansätze weiterhin da, aber die Bilanz las sich am Saisonende nicht gut – obwohl der HSV zum Kreis der Spitzenmannschaften zählte und in DFB-Pokal und UEFA-Cup bis in das Halbfinale vorstoßen konnte. 5 magere Torbeteiligungen in 44 Spielen bestätigten, dass dem Angreifer noch viel fehlt. Die Saison 2009/10 verlief nicht besser – im Gegenteil. Kleinere Blessuren ließen Pitroipa das ein oder andere Spiel verpassen, viele Szenen wirkten unglücklich und wieder einmal fehlte vor allem die Effizienz.

(Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Man merkte dem Mann aus Burkina Faso an, dass er nicht in seinen Rhythmus fand und Erfolgserlebnisse benötigte. Dennoch blieb er trotz dieser schwierigen Phase in Hamburg und sollte in der Saison 2010/11 endlich eine Schippe drauflegen können. In der Bundesliga sammelte Pitroipa bis Mitte Februar 9 Torbeteiligungen und konnte mit dieser Ausbeute durchaus zufrieden sein. In Hamburg hoffte man, dass er diese Leistungen nun bestätigen und konstant abrufen kann, wurde aber erneut enttäuscht, denn bis zum Saisonende folgte nicht ein einziger Scorerpunkt, wieder einmal blieb Pitroipa vieles schuldig, sodass sich seine Zeit in Deutschland dem Ende zuneigte. Im Sommer wechselte Pitroipa für 3,5 Millionen Euro zu Stade Rennes in die französische Ligue 1. 

Schritt? Nein, Sprung nach vorne!

Und in Rennes blühte Jonathan Pitroipa plötzlich auf. Schon im Qualifikationsspiel für die Europa League konnte er mit einem Tor und einer Vorlage beim 2:1-Hinspielerfolg in Belgrad den Grundstein für die Teilnahme am internationalen Wettbewerb legen. Auch in den ersten Spielen in der Ligue 1 spielte Pitroipa bereits frech auf, wirbelte auf der Außenbahn und war auch effizienter und häufiger gefährlich als man es von ihm aus den Bundesligazeiten kannte. Die „laissez-faire“-Attitüde war natürlich nicht gänzlich verschwunden, auch die Physis fehlte in einigen Aktionen weiterhin, dennoch wurde er nicht nur zum Stammspieler, sondern auch zu einem der wichtigsten Akteure, der nicht nur durch Torbeteiligungen, sondern auch durch Entlastung und Arbeit gegen den Ball glänzte. 

(Photo credit should read DAMIEN MEYER/AFP/Getty Images)

Pitroipa wurde plötzlich zu einem Dauerbrenner, absolvierte in seiner ersten Saison in Frankreich gleich 50 Pflichtspiele und war dabei an 24 Toren direkt beteiligt! Nach seinen Jahren in Deutschland war diese Quote absolut überraschend. Auch die Saison 2012/13 begann überragend, jedoch nahm ihm der Afrika-Cup im Winter etwas den Rhythmus, den er danach auch erst einmal nicht wiederfand. 15 Torbeteiligungen in 36 Spielen waren am Ende aber trotzdem eine sehr gute Bilanz für Pitroipa, der in der Saison 2013/14 erstmals Probleme bekommen sollte. Seine Leistungen waren im Vergleich zu den beiden Jahren zuvor unterdurchschnittlich, Pitroipa pendelte zwischen Bank und Startelf und war vor allem in Richtung Saisonende kaum mehr im Kader. Ein Abschied zeichnete sich im Verlauf der Rückrunde ab – und wurde im Sommer dann fixiert.

Was macht Pitroipa heute?

Nach dem Abschied aus Rennes wechselte Jonathan Pitroipa häufig den Verein. Zunächst zog es ihn in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo er erst für Al-Jazira (1 Jahr) und später für Al-Nasr (2 Jahre) spielte. Dort endete sein Vertrag im Sommer 2017 und Pitroipa fand nicht sofort einen neuen Verein. Ein halbes Jahr war der Angreifer vereinslos, ehe sich ein Wechsel nach Belgien anbot. Diese Chancen nutzte Pitroipa und unterschrieb bei Royal Antwerpen.

Doch auch dieses Engagement bleib nur von kurzer Dauer. Nach einer Halbserie ohne nennenswerte Ereignisse war Pitroipa zu Beginn der laufenden Saison nicht im Kader der Belgier, wechselte anschließend in die französische Ligue 2 zu Paris FC. In 26 Pflichtspielen für den Klub erzielte Pitroipa 2 Treffer, sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Ob der 33-jährige in Paris verlängert oder einen erneuten Wechsel vornehmen wird, ist derzeit nicht bekannt.

(Photo by Joern Pollex/Bongarts/Getty Images)



Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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