Was wurde eigentlich aus..? Teil 9: Caio

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Er wurde bei seinem Wechsel in die Bundesliga als Kreativspieler, südamerikanische Hoffnung für das Mittelfeld und fehlendes Puzzleteil gesehen, das die Frankfurter Eintracht über Jahre nach vorne bringt. Diese Erwartungen erfüllte der Brasilianer wenn überhaupt dann nur in wenigen Spielen. Langweilig wurde es mit ihm in der Bundesliga nie – doch was macht Caio (mittlerweile 31) jetzt? 

Geboren wurde Caio Cesar Alves dos Santos am 29. Mai 1986 in Mirandopolis, Brasilien. Zunächst spielte er in der Jugend von Gremio Recreativo Barueri im Großraum Sao Paulo. Von dort wurde er zu Beginn seiner Karriere im Profibereich nach Campinas, zu Guarani FC, nach Porto Alegre, zum Sport Club International  und zurück nach São Paulo, diesmal zum Erstligisten und Traditionsverein SE Palmeiras, verliehen. Der Mittelfeldspieler deutete sein Talent zwar mehrfach an, konnte aber nirgends richtig Fuß fassen.

Wechsel in die Bundesliga

Im Januar 2008 wechselte Caio dann in die Bundesliga, kostete Eintracht Frankfurt fast 4 Millionen Euro – keine kleine Summe für die Hessen. Trainer Friedhelm Funkel erhoffte sich von Caio schnell positive Impulse, die Eintracht stand zur Winterpause auf einem soliden 9. Platz mit 23 Punkten, aber lediglich 19 Treffern in 17 Spielen. Caio sollte mithelfen die Offensive der Frankfurter zu beleben und mit Spielern wie Amanatidis, Fenin, Mahdavikia oder Meier zu harmonieren. Trotz der hohen Erwartungen und der individuellen Klasse gab man dem offensiven Freigeist die nötige Zeit um sich zu integrieren.

(Photo by Ralph Orlowski/Bongarts/Getty Images)

Caio musste sich zunächst in Deutschland und in der Bundesliga akklimatisieren, seinen Fitnessstand dem der anderen Spieler anpassen. Die Folge: In seiner ersten Halbserie kam er zwar zehnmal zum Einsatz, absolviert aber insgesamt nur 240 Minuten in der Bundesliga. Immerhin: Gegen Energie Cottbus überzeugte er beim 2:1-Sieg, erzielte einen Treffer und bereitete einen weiteren vor. Die Sommerpause 2008 sollte für ihn enorm wichtig werden, eine gesamte Vorbereitung mit der Mannschaft dafür sorgen, dass er zu Beginn der darauffolgenden Saison auf Topniveau agieren kann.

Höhen und Tiefen in Frankfurt

Die restliche Zeit von Caio bei der SGE war geprägt von positiven und negativen Geschichten. Während seiner Zeit von 2008-2012 war Caio einerseits für seinen extrem starken Schuss, seine (in Topform) spielentscheidenden Momente, aber andererseits auch für die Vernachlässigung des Trainingsplans, insbesondere im Urlaub, bekannt. Der offensive Mittelfeldspieler kehrte regelmäßig mit Übergewicht zur Eintracht zurück, fiel durch Laktattests, musste wochenlang seinen Trainingsrückstand aufholen und verpasste es so häufig sich in die erste Mannschaft zu spielen. Hinzu kamen außerdem häufig kleinere bis mittelschwere Blessuren, sodass er nur selten zu seinem Rhythmus fand.

(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Nicht nur bei Friedhelm Funkel, auch bei den weiteren Trainern (Michael Skibbe, Christoph Daum) traten diese Probleme bei Caio auf. 2008/09 schoss Caio zwei Tore in 18 Pflichtspielen (734 Minuten), 2009/10 waren es 6 Tore und 2 Torvorlagen bei 28 Spielen (knapp über 1500 Minuten). Dies war auch seine beste Saison und die positive Tendenz ließ die Verantwortlichen bei der Eintracht hoffen, dass aus dem Investment Caio doch noch etwas langfristiges wird. Doch der Funke sprang im Endeffekt nicht über.

Negativentwicklung und Wechsel

Denn sowohl seine körperliche Verfassung als auch seine Leistungen, wenn er spielte, ließen nach. 2010/11 spielte er zwar 30-mal, wurde aber wieder häufiger als Joker eingesetzt. Außerdem wurde seine Quote schlechter, dem Brasilianer gelangen nur noch 2 Scorerpunkte in der Saison. 2011/12 deutete sich der bevorstehende Abgang dann endgültig an. 15 Spiele, lediglich eine Vorlage, erneut Probleme mit der Fitness. Die Geduld der SGE war am Ende, auch Caio wollte eine Luftveränderung, um woanders anzugreifen. Es ist schade, dass ein solch begnadeter Fußballer am Ende seiner Zeit in der Bundesliga lediglich durch den ein oder anderen Weitschusstreffer, vereinzelte Kabinettstückchen, aber primär durch Übergewicht und Formschwankungen in Erinnerung bleiben wird.

(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Bereits im Januar 2011 stand ein Wechsel kurz bevor, doch der Transfer zu Dynamo Moskau platzte, nachdem der Medizincheck aufgrund von Knieproblemen nicht erfolgreich abgeschlossen wurde. Im Sommer 2012, nach Ablauf seines Vertrags in Frankfurt, zog es Caio zurück nach Brasilien. Auch hier scheiterte die Unterschrift bei Figueirense am Medizincheck, später unterschrieb Caio bei EC Bahia aus Salvador da Bahia. Dort absolvierte er aber nur drei Spiele, ehe es ihn im Sommer in die Schweiz zog. Dort unterzeichnete Caio einen Vertrag bei den Grasshoppers.

Glücklich in der Schweiz

(Photo by Michael Buholzer / EuroFootball /Getty Images)

Das Niveau in der Schweizer Liga passte deutlich besser zu Caio. Bei den Grasshoppers verlebte der brasilianische Offensivspieler eine hervorragende Zeit, war ein Schlüsselspieler und individuell einer der besten Spieler seiner Mannschaft. Auch die Statistiken sprachen für Caio. 2013/14 gelangen ihm prompt 14 Tore und 7 Vorlagen, auch in der darauffolgenden Saison bestätigte er seine Leistungen über weite Strecken, traf elfmal und bereitete zwei Treffer vor, absolvierte aber auch weniger Pflichtspielminuten aufgrund einer Knochenentzündung, die ihn zu Saisonbeginn außer Gefecht setzte.

 

Leider gelang mit den Grasshoppers nicht die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb, dreimal scheiterte die Mannschaft in den vier Jahren in der Qualifikation. Doch in der Liga lief es für Caio weiterhin sehr gut. 2015/16 hatte er am Saisonende 13 Tore und 7 Vorlagen auf dem Konto, ein Jahr später, in seiner letzten Saison in der Schweizer Liga, gelangen dem 1,86m großen Brasilianer 16 Tore und 6 Vorlagen. Trotzdem entschied sich Caio mit 31 Jahren noch einmal für eine Luftveränderung.

Was macht Caio heute?

Für 500.000 Euro wechselte Caio im abgelaufenen Sommer von den Grasshoppers zu Maccabi Haifa nach Israel. Hier steht er nun bis 2019 unter Vertrag und spielte in der bisherigen Saison 14-mal. Seine Quote aus der Schweiz konnte er nicht einmal annähernd bestätigt, bisher gelang Caio lediglich eine Torvorlage in dieser Spielzeit. Ob Israel seine letzte Station sein wird? Das ist eher unwahrscheinlich. Sowohl eine Rückkehr nach Brasilien als auch eine weitere Station in Europa ist nicht undenkbar. In eine große Liga wird es keinesfalls mehr gehen. Caio hätte das Talent gehabt um sich zumindest in der Bundesliga dauerhaft zu etablieren, aber die Faktoren Trainingseifer und vereinzelte Verletzungen verhinderten dies.

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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