Zweitligacheck, Teil 3: Hamburg, Karlsruhe, Osnabrück, Darmstadt, Aue, Bochum

Vorschau

Vorschau | Schon am Freitagabend startet die 2. Bundesliga in die Saison 2019/20, den Auftakt macht ein echter Kracher zwischen dem VfB Stuttgart und Hannover 96. Vor dem Start haben wir uns mit allen 18 Mannschaften beschäftigt und geben einen Überblick, was sich im Sommer getan hat und wo die Reise hingehen könnte!

Teil 1 (u.a. VfB Stuttgart, Dynamo Dresden) findet ihr hier!

Teil 2 (u.a. Hannover 96, 1. FC Nürnberg) findet ihr hier! 

Hamburger SV (letzte Saison: 4. Platz)

Alles neu macht der HSV! Nachdem man in der letzten Saison auf dem vierten Platz landete und mit der gesamten Saison nicht zufrieden sein konnte, weil man hinter den eigenen Erwartungen blieb, änderte sich im Sommer quasi alles. Ein neuer Sportvorstand wurde mit Jonas Boldt installiert, zudem wurde mit Dieter Hecking ein erfahrener Trainer verpflichtet, der nur eine Aufgabe hat – und zwar den HSV zurück in die Erstklassigkeit zu führen. Finanziell sieht es nicht allzu überragend aus, dementsprechend wurden schon früh erste Deals eingetütet. Ablösefreie Spieler wie Gyamerah, Dudziak oder Kittel sollen den HSV verstärken, zudem wurden für Heuer Fernandes, Özcan, Kinsombi, Leibold und Ewerton auch mehr als 9 Millionen Euro ausgegeben.

Einnahmen gab es ebenfalls, denn man sparte sich nicht nur unter anderem das hohe Gehalt von Lasogga, sondern konnte für Douglas Santos, Filip Kostic und Fiete Arp rund 20 Millionen Euro einnehmen. Der HSV verfügt insgesamt über einen recht jungen Kader, der viele Möglichkeiten bietet, auch wenn im Sturmzentrum möglicherweise noch nachgelegt werden muss. Dieter Hecking findet auf jeden Fall entsprechende Qualität vor um den HSV auf Kurs zu bringen und den Aufstieg in die Bundesliga anzupeilen.

(Photo by Cathrin Mueller/Getty Images)

Mit seiner ruhigen, besonnenen und akribischen Art könnte Hecking überdies endlich für ein wenig Kontinuität auf der HSV-Bank sorgen. Hecking, der zuletzt in Gladbach tätig war, gilt nicht als ausgewiesener Taktik-Spezialist, der eine Mannschaft und einzelne Spieler binnen 4 Wochen auf ein völlig neues Level hievt, aber er kann sehr gut mit den Spielern umgehen, bringt seinen Mannschaften meist ein sehr solides System mit einigen Variationen bei und bringt auch mit seiner Erfahrung zumindest nicht die schlechtesten Empfehlungen mit.

Im Fokus: Rick van Drongelen (20)

Der junge Innenverteidiger wurde in diesem Sommer durchaus schon einmal mit einem Wechsel in Verbindung gebracht, will aber selbst nichts davon wissen. Rick van Drongelen will in Hamburg bleiben und Verantwortung übernehmen! Der Aufstieg ist nicht nur das Ziel des Klubs, sondern auch von van Drongelen. Mit guten Leistungen kann er die Abwehr stabilisieren, auch die größer gewordene Konkurrenz durch Neuzugänge wie Ewerton und Letschert interessiert den Niederländer wenig.

90PLUS-Saisonprognose

Der Hamburger SV hat in diesem Sommer vieles richtig gemacht, rund um den Verein herrscht mehr Ruhe, es ist ein Konzept erkennbar. Und das könnte dafür sorgen, dass der Aufstieg im 2. Anlauf gelingt. Die Vorzeichen stehen jedenfalls alles andere als schlecht und wenn Dieter Hecking schnell ein passendes System findet und vielleicht noch einen Spieler bekommt, sieht es sehr gut aus.

Karlsruher SC (letzte Saison: Aufstieg)

Der KSC ist wieder da! Im Sommer 2017 übernahm Alois Schwartz das Traineramt in Karlsruhe und das Ziel war schon damals klar: Mittelfristig will der KSC wieder zurück in die 2. Bundesliga und sich dort etablieren. Nach einer guten Saison in der 3. Liga ist der erste Schritt schon einmal geschafft. Schritt Nummer 2 wird nun aber noch einmal schwieriger, der Trainer selbst prophezeite bereits eine „knallharte“ Saison. Und damit liegt er goldrichtig.

Von Spieltag 1 an geht es für den Karlsruher SC nur darum möglichst viele Punkte gegen den Abstieg einzufahren. Die 2. Liga ist hart, die Konkurrenz schläft nicht und verfügt ebenfalls über Qualität. Im Sommer hat der KSC aber die ein oder andere gute Neuverpflichtung tätigen können, so kam unter anderem Stürmer Djuricin aus Zürich, auf den große Hoffnungen ruhen. Auch Fröde, Hofmann und Grozurek dürften eine sofortige Verstärkung darstellen. Positiv ist zudem, dass es keine Abgänge elementar wichtiger Spieler zu verzeichnen gab.

Im Fokus: Marko Djuricin (26)

Der Österreicher ist in seiner Karriere durchaus weit herumgekommen, spielte für die Hertha, Sturm Graz, RB Salzburg, Ferencvaros und war zuletzt in der Schweiz bei den Grasshoppers tätig, erzielte dort 7 Treffer. Zusammen mit Pourie, Hofmann, Sane und co. soll Djuricin für die entsprechende Durchschlagskraft im prominent besetzten Angriff der Karlsruher sorgen, zudem verstärkt er den Konkurrenzkampf.

90PLUS-Saisonprognose

Für den Karlsruher SC wird es von Beginn an nur um den Kampf gegen den Abstieg gehen. Der Kader wurde sinnvoll verstärkt, die 2. Bundesliga ist aber noch einmal ein anderes Kaliber als Liga 3. Karlsruhe ist häufiger der Underdog, muss auf die Gegner reagieren und wird aller Voraussicht nach 34 Spieltage zu kämpfen haben.

VfL Osnabrück (letzte Saison: Aufstieg)

Auch der VfL Osnabrück ist wieder zurück in der Zweitklassigkeit! Und was für den Karlsruher SC gilt, das gilt auch für den VfL Osnabrück – eine harte Saison steht an! Ein Faktor, der das noch einmal verstärkt, ist die Tatsache, dass der VfL mit großen Verletzungssorgen zu kämpfen hat, viele Spieler fehlen oder fehlten in der Vorbereitung, einige Elemente können entsprechend nur schwer mit der Mannschaft eingeübt werden. Dennoch ist man optimistisch, dass man zu Saisonbeginn eine konkurrenzfähige Truppe auf dem Platz hat.

(Photo by Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images)

Der ein oder andere Neuzugang wurde im Sommer verpflichtet, sodass Daniel Thioune, der Trainer des VfL Osnabrück, seiner Mannschaft neue Impulse geben kann. Die bekanntesten Namen auf der Zugangsseite sind sicher Kevin Wolze, der vom MSV Duisburg kam, und Kevin Friesenbichler, der aus der Bayern-Jugend stammt und zuletzt in Österreich aktiv war. Vor allem in der Defensive wird man zu Beginn aber improvisieren müssen, hier fehlen einige wichtige Kräfte.

Im Fokus: Anas Ouahim (21)

Der offensive Mittelfeldspieler wechselte aus der 2. Mannschaft des 1. FC Köln zum VfL Osnabrück und zeigte in der Drittligasaison bereits seine Klasse. Ouahim war an 7 Treffern direkt beteiligt, ist technisch stark, verfügt über eine gute Ballkontrolle und ein sauberes Passspiel. In Liga 2 will er trotz neuer Konkurrenz in der Offensive auf sich aufmerksam machen und die Leistungen aus der Vorsaison noch einmal übertreffen.

90PLUS-Saisonprognose

Für den VfL Osnabrück gilt im Prinzip das gleiche wie für den Karlsruher SC. Ein solider Kader wurde verstärkt, dennoch hat man in der 2. Bundesliga mit anderen Bedingungen zu kämpfen. Diese muss man annehmen und mit ihnen fertig werden, wenn man die Klasse halten will. Auch in dieser Saison könnte wieder ein Abstiegskampf mit zahlreichen involvierten Mannschaften für Spannung sorgen, der VfL muss dabei die Nerven bewahren, sonst droht der Gang in Liga 3.

SV Darmstadt 98 (letzte Saison: 10. Platz)

Der SV Darmstadt 98 durchlebte eine aufregende Saison 2018/19, hatte kleine Krisen und eine gute, positive Tendenz unter Neu-Trainer Grammozis. Am Ende schloss man die Tabelle auf Platz 10 ab und hatte im Schlussspurt nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. In der kommenden Saison soll nun mehr erreicht werden als nur eine frühzeitige Rettung. Die Eindrücke in der Vorbereitung waren weitgehend gut, man konnte auch größeren Teams Paroli bieten, versucht mehr Dinge spielerisch zu lösen als es noch unter Dirk Schuster der Fall war.

Außerdem wurde der Kader verstärkt, unter anderem sicherte man sich die Dienste von Salzburg-Offensivspieler Honsak, auch Erich Berko, Tim Skarke und Braydon Manu dürften dem Team sofort helfen. Und: Marvin Mehlem, der wendige, quirlige Offensivspieler, wurde gehalten. Einziger Wermutstropfen: Mit Platte, Honsak, Berko und Manu fehlten teilweise vier Offensivspieler gleichzeitig, was die Gestaltung und Einübung offensiver Elemente erschwerte. Trotzdem fühlen sich die Hessen gut gerüstet um mindestens eine sorgenfreie Saison zu spielen.

Im Fokus: Mathias Honsak (22)

In der vergangenen Saison spielte Mathias Honsak auf Leihbasis für Holstein Kiel und obwohl er dort nur rund 1300 Spielminuten auf dem Konto hatte, schaffte er 9 Scorerpunkte. Honsak, der auf der linken Seite zuhause ist, spielt sehr geradlinig, ist mit seinen 1,88m aber auch kopfballstark und gefährlich bei ruhenden Bällen. Im Zusammenspiel mit anderen Offensivspielern wie Marvin Mehlem könnte Honsak eine wichtige Rolle spielen und das Angriffsspiel der Hessen deutlich verbessern.

90PLUS-Saisonprognose

Die positive Entwicklung unter Grammozis und die soliden Neuverpflichtungen sorgen dafür, dass der SV Darmstadt 98 durchaus gute Chancen hat nicht nur eine solide Saison zu spielen sondern auch in Richtung oberes Tabellendrittel zu schielen. Ob man zeitweise oder gar längerfristig im Aufstiegskampf eine Rolle spielen kann bleibt abzuwarten, allerdings ist der SVD auf dem Papier besser als in der vergangenen Spielzeit.

Erzgebirge Aue (letzte Saison: 14. Platz)

Erzgebirge Aue zählt in der 2. Bundesliga quasi in jeder Saison traditionell zu den Abstiegskandidaten. Doch häufig schafft man es alle Widrigkeiten zu bezwingen und sich mit einer Serie von guten Spielen aus dem größten Schlamassel zu befreien. Auch in der vergangene Saison hatte man in Aue lange Abstiegssorgen, am Ende wurde das Ziel, das jedes Jahr als Minimum ausgegeben wird, erreicht: Der Klassenerhalt. Und der ist auch in der kommenden Saison das Primärziel, auch wenn Trainer Daniel Meyer die Mannschaft fußballerisch weiterentwickeln will und bereits angedeutet hat, dass er konstantere Leistungen von seiner Mannschaft erwartet.

In der Innenverteidigung legte man mit Sören Gonther nach, der die Abwehr mit seiner Erfahrung und Ruhe organisieren soll. Zudem wurden interessante Spieler ausgeliehen, darunter Christoph Daferner vom SC Freiburg. Die großen finanziellen Sprünge sind in Aue traditionell nicht möglich, gleichermaßen sind sieben Neuverpflichtungen für den Klub eine gute Bilanz.

Im Fokus: Christoph Daferner (21)

(Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Den jungen Mittelstürmer verpflichtete Erzgebirge Aue vom SC Freiburg – allerdings nur auf Leihbasis. Daferner zeigte zuletzt in der Regionalliga sehr gute Leistungen, war mit 14 Toren und 5 Vorlagen einer der Topscorer. In der Offensive um Pascal Testroet & co. soll Daferner eine sehr gute Ergänzung darstellen, auch wenn die Umstellung von Regionalliga auf die 2. Bundesliga eine große ist.

90PLUS-Saisonprognose

Erzgebirge Aue wird auch in dieser Saison wieder gegen den Abstieg kämpfen. Wenn die erwünschte Weiterentwicklung gelingt haben die „Veilchen“ aber gute Chancen um die Klasse zu halten. Viel mehr als der Klassenerhalt, möglicherweise wenige Spieltage vor dem Ende, dürfte für Erzgebirge Aue schwer zu erreichen sein.

VfL Bochum (letzte Saison: 11. Platz)

Der 11. Platz am Ende der vergangenen Saison entsprach nicht ganz den Erwartungen des VfL Bochum. Eigentlich sieht sich der Klub, der nun seit 10 Jahren in der 2. Bundesliga spielt, weiter oben in der Tabelle und schielt zumindest in Richtung Aufstieg, auch wenn man das nicht als konkretes Ziel ausgeben würde. Trainer Robin Dutt, der das Amt im Februar übernahm, hat mit dem VfL Bochum in dieser Saison viel vor und will die Mannschaft in allen Bereichen weiterentwickeln.

Die Aktivitäten auf dem Transfermarkt unterstreichen die Ambitionen des VfL Bochum. So kam beispielsweise Danny Blum von Eintracht Frankfurt, als Königstransfer könnte sich Sauro Decarli herausstellen, der aus Brügge kam. Zusammen mit Stürmer Ganvoula, den man aus Anderlecht holte und Osei-Tutu, der von Arsenal ausgeliehen wurde, verpflichtete man einige individuell sehr ordentliche Spieler, die dem Team weiterhelfen können. Und: Mit einer Basis aus Spielern wie Robert Tesche, Danilo Soares und Simon Zoller stand ohnehin schon ein gutes Grundgerüst zur Verfügung.

Im Fokus: Danny Blum (28)

Als Danny Blum im Sommer 2016 vom 1. FC Nürnberg zu Eintracht Frankfurt wechselte erhofften sich die Hessen viel vom Offensivspieler. 3 Jahre später und eine Leihe nach Las Palmas später gab die SGE Blum für eine geringe Ablösesumme ab. Nun soll Blum, dem in Las Palmas fünf Scorerpunkte gelangen, in Bochum dafür sorgen, dass die Offensive schwerer ausrechenbar und auch in der Breite besser besetzt ist. Kann er an seine frühere Form aus Nürnberg-Zeiten anknüpfen ist er definitiv ein Gewinn für den VfL.

90PLUS-Saisonprognose

Der VfL Bochum will sich auf jeden Fall deutlich verbessern was die Endplatzierung im Vergleich zur letzten Saison angeht und der Kader ist in der Tat stärker und clever verbessert worden. Allerdings gibt es vor der Saison auch noch viele Fragezeichen und man muss abwarten welche Veränderungen Robin Dutt vornehmen kann. Wenn alles gut läuft dann ist der VfL Bochum aber durchaus ein Kandidat für die vorderen 6-7 Ränge.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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