13.000 Einwohner, 14.221 Plätze, vier Jahre Regionalliga in der Vorgeschichte. Nach zwei Bundesliga-Spieltagen hat die SV Elversberg Bayer Leverkusen geschlagen und in Mönchengladbach einen Zwei-Tore-Rückstand gedreht. Sechs Punkte. Die Frage ist längst nicht mehr, ob das Zufall war.
Zwei Spiele, sieben Tore, ein Muster
Am 29. August gastierte Leverkusen an der Kaiserlinde. Nach acht Minuten stand es 1:0 durch Lukas Petkov, 60 Sekunden später 2:0 durch Chem Campbell nach einem Fehler von Edmond Tapsoba. Nach dem Seitenwechsel dauerte es keine halbe Minute bis zum 3:0 durch David Mokwa. Bayer kam durch Patrik Schick und Kofane noch auf 2:3 heran – zu spät.
Eine Woche später in Gladbach dasselbe Prinzip, nur umgekehrt: 1:3 zurück, Felix Keidel per Freistoß, Maurice Krattenmacher zweimal – der zweite Treffer fiel in der Nachspielzeit. Endstand 4:3 für den Aufsteiger.
| Spieltag | Partie | Ergebnis | Auffälligkeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Elversberg – Leverkusen | 3:2 | 3:0 nach 46 Minuten |
| 2 | Gladbach – Elversberg | 3:4 | Rückstand von zwei Toren gedreht |
| Gesamt | 7:5 | 6 von 6 Punkten | |
Der Mut kommt nicht aus dem Bauch
Vincent Wagner, 40, übernahm im Sommer 2025 von Horst Steffen und kam von der Hoffenheimer U23, mit der er Regionalliga-Meister wurde. Sein Elversberg spielte in der 2. Bundesliga die stärkste Offensive der Liga – trotz Trainerwechsel, trotz des Winterabgangs von Torjäger Younes Ebnoutalib, trotz des Wechsels von Sportchef Ole Book nach Dortmund. Diese Kontinuität im Umbruch ist die eigentliche Leistung.
Auf dem Platz zeigt sich das an den Momenten, in denen Elversberg trifft: kurz nach Anpfiff, kurz nach Wiederanpfiff, kurz vor Schluss. Es sind die Phasen, in denen Gegner noch sortieren oder schon verwalten. Wer Wagners Mannschaft zusieht, sieht keine Aufsteiger-Demut. Er sieht ein Team, das den ersten Ball nach einem Umschaltmoment sofort nach vorne spielt, statt ihn zu sichern.
Krattenmacher – der Joker mit Bayern-Vergangenheit
Der auffälligste Neuzugang ist 20 Jahre alt und kommt aus dem Nachwuchs des FC Bayern. Maurice Krattenmacher wechselte im Sommer fest ins Saarland, saß gegen Leverkusen auf der Bank, kam in der 65. Minute – und entschied in Gladbach eine Woche später das Spiel mit einem Doppelpack. Dass ausgerechnet Bayern der nächste Gegner ist, gehört zu den Zufällen, die dieser Spielplan mitunter produziert.
Er ist nicht der einzige Zugewinn. Die Formation gegen Leverkusen – Kristof im Tor, davor Gyamerah, Pinckert, Rohr und Lasse Günther, im Zentrum Keidel, Poreba, Petkov, Onyeka und Campbell, vorne Mokwa – zeigt eine Mannschaft mit klaren Rollen und mehreren Anspielstationen zwischen den Linien.
Die letzten 15 Minuten sind das Problem
Fünf Gegentore in zwei Spielen sind kein Betriebsunfall. Gegen Leverkusen ließ Elversberg aus einem 3:0 ein 3:2 werden und stand am Ende, wie es die Sportschau formulierte, „stehend K.o.“ auf dem Platz. In Gladbach fielen drei Gegentreffer, ehe die eigene Aufholjagd griff. Über 34 Spieltage wird diese Schlussphasen-Anfälligkeit teuer.
Bayer-Torwart Mark Flekken beschrieb nach dem ersten Spieltag die Leverkusener Seite treffend: „Es hat heute an Energie, an Schärfe, an Körperlichkeit … gefehlt.“ Das ist ein Kompliment an Elversberg – und zugleich der Hinweis darauf, dass die Saarländer bislang von Gegnern profitierten, die ihr Tempo unterschätzten. Bayern wird das nicht tun.
Gegen den Rekordmeister ohne Trainer
Wagner wird beim Heimspiel gegen Bayern nicht auf der Bank sitzen. In Gladbach sah er kurz nach dem Halbzeitpfiff wegen wiederholten Meckerns die Gelb-Rote Karte, nachdem sich sein Team über einen schnell ausgeführten Einwurf beschwert hatte, der zum zweiten Gegentor führte. „Es ist ein Novum für mich“, sagte der 40-Jährige danach bei Sky.
Sechs Punkte aus zwei Spielen sind eine Momentaufnahme. Was sie über diese Mannschaft verraten, ist trotzdem belastbar: Elversberg kann einen Rückstand aushalten, ohne die Idee zu wechseln. Das haben in dieser Liga schon Klubs mit dem zehnfachen Etat nicht hinbekommen.

