Zwei Spiele, zwei Siege, zwei Comebacks – und das alles aus einer rund 13.000 Einwohner großen Gemeinde ohne eigenen Bahnhof. Ernsthaft: Hätte irgendjemand vor Saisonstart auf diesen Start der SV Elversberg gewettet, würde er jetzt vermutlich überlegen, was er mit seinem Lottogewinn macht. 🖤🤍
Die „Elv“ spielt die Bundesliga gerade komplett verrückt.
Die Ausgangslage: David gegen wirklich jeden Goliath
Um einzuordnen, wie absurd diese Geschichte ist: Elversberg ist der 59. Verein in der Geschichte der Bundesliga und bringt das Saarland nach 33 Jahren zurück ins deutsche Fußball-Oberhaus. Der kleinste Bundesliga-Standort der Geschichte kommt aus der Doppelgemeinde Spiesen-Elversberg mit rund 13.000 Einwohnern – und selbst einen eigenen Bahnhof gibt es dort nicht.
Trainer Vincent Wagner hatte die Mission Klassenerhalt vor der Saison entsprechend bildhaft beschrieben: Der Klassenerhalt sei eine „Reise zum Mars“.
Schon der Auftakt gegen Bayer Leverkusen machte allerdings deutlich, dass Elversberg nicht vorhat, diese Reise nur als Statist anzutreten.
Spieltag 1: Leverkusen wird überrumpelt
Vor der Bundesliga-Premiere gegen Bayer Leverkusen hätte wohl kaum jemand auf einen Sieg des Aufsteigers gesetzt. Doch Elversberg legte los wie die Feuerwehr.
Lukas Petkov brachte die Gastgeber in der 8. Minute in Führung, nur eine Minute später erhöhte Cole Campbell auf 2:0. Kurz nach der Halbzeit legte David Mokwa sogar das 3:0 nach. Erst danach kam Leverkusen besser ins Spiel: Patrik Schick verkürzte in der 77. Minute, Christian Kofane machte es in der Nachspielzeit noch einmal spannend. Am Ende blieb es aber beim 3:2 – Elversberg hatte sein erstes Bundesliga-Spiel gewonnen.
Besonders bemerkenswert: Campbell, der im Sommer als Rekordtransfer des Vereins aus Dortmund gekommen war, traf bereits bei seinem Bundesliga-Debüt. Der Sieg gegen den Meister von 2023/24 war damit nicht nur historisch, sondern auch sportlich ein echtes Ausrufezeichen.
Spieltag 2: Der nächste Krimi, das nächste Happy End
Und weil ein Wunder offenbar nicht reicht, legte Elversberg am zweiten Spieltag direkt nach.
Bei Borussia Mönchengladbach geriet der Aufsteiger zunächst durch Hugo Bolin in der 11. Minute in Rückstand. David Mokwa glich in der 29. Minute aus. Doch Gladbach schlug noch vor der Pause erneut zu: Bolin traf zum zweiten Mal, ehe Joe Scally kurz nach Wiederbeginn auf 3:1 erhöhte.
Eigentlich schien damit alles für die Gastgeber zu laufen.
Doch Elversberg gab sich nicht geschlagen. Maurice Krattenmacher verkürzte in der 66. Minute, Felix Keidel erzielte in der 80. Minute per Freistoß den Ausgleich. Und dann kam die Nachspielzeit: Krattenmacher traf in der 90.+2 Minute erneut und machte den 4:3-Auswärtssieg perfekt.
Zwei Bundesliga-Spiele, zwei Siege – und in beiden Partien musste Elversberg gegen einen Rückstand ankämpfen.
Warum diese „Mars-Mission“ gerade so gut läuft
Was beide Spiele verbindet, ist nicht nur das überraschende Ergebnis. Elversberg zeigt eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit.
Gegen Leverkusen ging der Aufsteiger früh mit 3:0 in Führung und überstand anschließend die Aufholjagd des Favoriten. In Gladbach lag Elversberg dagegen selbst mit 1:3 zurück und drehte die Partie noch vollständig.
Natürlich lässt sich daraus nach zwei Spieltagen noch keine Prognose für die komplette Saison ableiten. Aber die Mannschaft wirkt keineswegs wie ein Team, das sich vor der Bundesliga versteckt. Sie spielt mutig, arbeitet intensiv und hat bereits bewiesen, dass sie auch nach Rückschlägen weiter an ihre Chance glaubt.
Und genau diese Mentalität kann für einen Aufsteiger enorm wertvoll sein.
Noch zu früh für Euphorie?
Klar: Zwei Spieltage sind zwei Spieltage. Eine Bundesliga-Saison hat 34 davon, und irgendwann wird auch Elversberg Spiele erleben, in denen die Papierform nicht auf den Kopf gestellt wird.
Aber ganz ehrlich: Wenn ein Klub aus einer rund 13.000 Einwohner großen Gemeinde ohne eigenen Bahnhof in seine erste Bundesliga-Saison startet, zunächst Bayer Leverkusen mit 3:2 schlägt und anschließend einen 1:3-Rückstand bei Borussia Mönchengladbach noch in einen 4:3-Sieg verwandelt, dann darf man das einfach mal feiern.
Sechs Punkte aus den ersten beiden Spielen. Zwei Siege. Zwei spektakuläre Geschichten.
Die „Reise zum Mars“ hat gerade erst begonnen – und bislang ist sie die wohl unterhaltsamste Geschichte des jungen Bundesliga-Jahres.

