Vorschau 3. Liga: Bunte Mischung, viel Spannung?

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Vorschau | Am Samstagmittag startet die 3. Liga unter anderem mit dem Duell zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig in die Saison. Die Begegnung liefert einen Vorgeschmack auf eine Spielklasse, die neben großen Traditionsvereinen auch von Investoren getragene Klubs sowie mehrere Neulinge zu bieten hat.

  • Eintracht Braunschweig und 1860 München werden hoch gehandelt
  • Wohin führt der Weg von Kaiserslautern, Magdeburg und Duisburg?
  • Wundertüte Türkgücü
  • Drei absolute Neulinge, ein Ziel: Freiburg II, Viktoria Berlin und Havelse

3. Liga: Braunschweig und 1860 München als Favoriten

Die 3. Liga bietet erneut ein hochinteressantes Teilnehmerfeld. Unter den 20 Startern mischen sich einige Traditionsvereine wie der 1. FC Kaiserslautern, 1860 München, 1. FC Magdeburg, MSV Duisburg oder Eintracht Braunschweig, die nun auch wieder ihre zahlreichen Fans mit in die Stadien bringen dürfen. Dazu stoßen vermeintlich kleinere Klubs und bereichern die Staffel auf ihre Art und Weise. Der in der vergangenen Saison für Furore sorgende SC Verl dient als Beispiel. Ein Beispiel an ihm wollen sich Viktoria Berlin und der TSV Havelse nehmen. Sie stiegen gemeinsam mit den Zweitvertretungen aus Dortmund und Freiburg auf.

Zu den Favoriten zählt das Quartett allerdings nicht. Das Fachmagazin kicker befragte alle Übungsleiter rund eine Woche vor Saisonstart nach ihren Favoriten. Die meisten Stimmen erhielten Eintracht Braunschweig (17) und 1860 München (15) – aus guten Gründen. Denn die Niedersachsen hielten trotz des direkten Abstiegs aus der 2. Bundesliga überdurchschnittliche Spieler wie Brian Behrendt (29), Martin Kobylanski (27) oder Angreifer Nick Proschwitz (34). Zudem verstärkten sie sich mit Robin Krauße (27) oder Benjamin Girth (29), die in der 3. Liga schon Duftmarken hinterließen. Mit Michael Schiele (43) gewann der BTSV einen Trainer hinzu, dem bereits 2020 mit den Würzburger Kickers der Aufstieg gelang.

Daran schnupperten die offensivstarken Münchener im abgelaufenen Spieljahr. Am Ende sprang der unglückliche vierte Platz heraus. Dennoch konnten bislang alle Leistungsträger rund um Torjäger Sascha Mölders (36) – der Verbleib von Dennis Dressel (22) steht noch auf der Kippe – gehalten werden und der Mannschaft sogar mehr Qualität dazu addiert werden. Mit Marcel Bär (29), Yannick Deichmann (26) und dem Coach Michael Köllner (51) bestens bekannten Kevin Goden (22) kamen drei Akteure, die sofort Fuß fassen können. Doch die Ambitionen sind hoch. Köllner betonte in der Vorwoche noch einmal (via kicker): „Wir wollten letztes Jahr hoch, so ist es auch dieses Mal.“

1860 München 3.Liga Mölders Köllner

Photo: Imago

Osnabrück und Würzburg mit Fragezeichen

Anders geht Eintracht Braunschweig mit der Favoritenrolle um. „Die Zielsetzung ist wirtschaftlich wie sportlich auf die nächsten zwei Jahre angelegt. Sportlich wollen wir zunächst so weit wie möglich oben dranbleiben. Im zweiten Jahr werden wir unsere Ziele dann sicher etwas höher ansetzen“, erklärte Sportdirektor Peter Vollmann (63) auf einer Pressekonferenz. Noch kleinere Brötchen backen die Mitabsteiger VfL Osnabrück und Würzburger Kickers. Die Norddeutschen konnten nach der verlorenen Relegation gegen Ingolstadt erst verspätet mit den Planungen beginnen. Letztlich verließen gleich 20 Akteure den Verein, dafür wurden 16 neue Gesichter verpflichtet sowie ein neuer Cheftrainer. Daniel Scherning (37) – zuvor Assistent von Steffen Baumgart (49) – soll den Lila-Weißen einen frischen Spielstil verpassen.

Selbiges gilt für Torsten Ziegner (43), der die Geschicke in Würzburg leitet. Die Kickers kommen aus einem vogelwilden Spieljahr in der 2. Liga, wo sie vier Trainer verschlissen und sang- und klanglos auf Rang 18 abstiegen. Der Kader ist nahezu komplett neu aufgestellt worden. 19 Spieler gingen, 14 – darunter ganz frisch Drittliga-Torjäger Marvin Pourie (30) – fügten sich in die von Christian Strohdiek (33) angeführte Mannschaft ein.

Kaiserslautern und Magdeburg auf dem Vormarsch?

Angesichts der noch offenen Fragen bei den Zweitliga-Absteigern steht die Tür nach oben durchaus mehr als einen Spalt offen. Direkt genannt wird dann – wohl aus Gewohnheit – der 1. FC Kaiserslautern. Der vierfache Deutsche Meister wäre in der letzten Spielzeit beinahe in die Regionalliga abgestiegen. Erst Trainer Nummer drei, Marco Antwerpen (49), verhinderte das Desaster. Er profitierte entscheidend von den Leihgaben aus der Wintertransferperiode, die sich sofort als Leistungsträger etablierten. Jean Zimmer (27), Felix Götze (23), Daniel Hanslik (24) sowie Marvin Senger (21) konnten zur großen Freude der treuen Anhänger allesamt gehalten werden.

Außerdem verpflichtete der FCK mit Mike Wunderlich (35) den ersehnten Spielgestalter. Große Ziele gaben die Verantwortlichen trotzdem nicht aus. Chefcoach Antwerpen sagte im SWR-Interview lediglich: „Ziele zu definieren ist sehr schwierig, weil gerade in der 3. Liga die Mannschaften auf einem sehr ähnlichen Leistungsniveau sind. Wir wollen gut reinkommen in die Saison und schauen dann nach zehn Spieltagen mal, wo wir stehen.“

Kaiserslautern 3.Liga

Photo: Imago

In die selbe Kerbe schlägt Christian Titz (50), obwohl der 1. FC Magdeburg nach seiner Übernahm eine begeisternde Rückserie hinlegte: „Nachdem der FCM in den vergangenen drei Jahren jeweils gegen den Abstieg gespielt hat, möchten wir uns als Team stabilisieren und unser Spiel mit und gegen den Ball weiterentwickeln.“ Dabei blieb mit Baris Atik (26) der herausragende Akteur an Bord. Zudem konnten viele junge Spieler aus den Nachwuchsabteilungen von Erst- und Zweitligisten in die Landeshauptstadt gelockt werden, die zum – für die 3. Liga außergewöhnlichen – technisch anspruchsvollen Ballbesitzstil von Christian Titz passen. Bei einem passenden Saisonstart dürfte mit Magdeburg durchaus zu rechnen sein.

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Türkgücü und Mannheim mit hohen Ansprüchen

Für seine hohen Ziele bekannt ist dagegen Türkgücü München. Schon im Debütjahr fokussierte sich der von Investor Hasan Kieran (55) gesteuerte Verein auf den Aufstieg. Eine wirkliche Rolle spielte man bei der Vergabe jedoch nicht. Dies soll sich schon in naher Zukunft ändern. Spieler wie der bundesligaerfahrene Mergim Mavraj (35), Philip Türpitz (29) oder Albion Vrenezi (27) wurden mit hohen Gehältern in den Süden gelockt. Dazu tragen Hochkaräter wie Sercan Sararer (31) oder Sebastian Maier (27) weiterhin das Dress von Türkgücü. Der erstmals im Profibereich arbeitende Trainer Petr Ruman (44) soll eine funktionierende Einheit formen, die ihre individuellen Fähigkeiten ausnutzt. Gelingt dies nicht, könnte sein Job im Münchener Pulverfass rapide in Gefahr geraten.

Spätestens 2023 will auch der SV Waldhof Mannheim zweitklassig unterwegs sein. „Wir waren fast zwei Jahrzehnte weg vom Fenster. Wir haben den Waldhof in den vergangenen vier Jahren wieder auf eine solide Basis gestellt. Und wir blicken in die Zweite Liga“, bekräftigte Präsident Bernd Beetz in einem Interview mit dem SWR. Ob die Qualität des kleinen Kaders (lediglich 21 Spieler) ausreicht, darf bezweifelt werden. Denn erneut verließen mehrere Stammspieler den Verein. Immerhin begrüßte er mit Marc Schnatterer (35) ein prominentes Gesicht in seinen Reihen, das auch sportlich noch weiterhelfen wird. Im offensiv ausgerichteten System von Patrick Glöckner (44) könnte er eine prägende Rolle einnehmen.

Ist Saarbrücken bereit für mehr?

Noch nicht wirklich auf der Rechnung haben viele Beobachter den Mannheimer Rivalen aus Saarbrücken. Dabei sprechen einige Indizien für den letztjährigen Fünftplatzierten. Zwar verlor er mit Innenverteidiger Marin Sverko (24) und Topscorer Shipnoski (23) zwei Säulen. Aber mit Dennis Erdmann (30) sowie Adriano Grimaldi (30) folgten erfahrende Akteure, die sich in der 3. Liga bestens auskennen. Auch die Trainerfrage wurde frühzeitig geklärt, nachdem Lukas Kwasniok (40) seinen Vertrag nicht verlängern wollte. Uwe Koschnat (49) – zuvor erfolgreich bei Fortuna Köln und Sandhausen – hat jetzt das Sagen beim 1. FC Saarbrücken. Er geht seine neue Aufgabe durchaus mutig an: „Wir streben erneut eine Platzierung im oberen Tabellendrittel an.“ Wenn mehr herausspringt würde sich in der saarländischen Landeshauptstadt niemand beschweren – und Außenstehende wären wenig verwundert.

1.FC Saarbrücken 3.Liga Koschinat

Photo: Imago

Andere Sorgen haben hingegen Klubs wie der MSV Duisburg, der SV Wehen Wiesbaden oder Viktoria Köln. Sie kommen allesamt aus durchwachsenen bis schwachen Spielzeiten und verloren dazu wichtige Spieler. Die Verantwortlichen im Ruhrpott tätigen gleich 29 Transfers, weshalb sich die Mannschaft erst einmal finden muss. Mit Pavel Dotchev (55) steht ihr der Rekordtrainer der 3. Liga (284 Einsätze) vor. Verlassen kann er sich auf Moritz Stoppelkamp (34), der weiterhin als das Hirn der Mannschaft gilt.

Der Absturz des MSV Duisburg – ein ausführlicher Bericht

Selbiges haben die Kölner in Person von Mike Wunderlich verloren. Mit Lucas Cueto (25) und Michael Schultz (28) gingen zwei weitere Stützen, sodass die von Investor Franz-Josef Wernze finanzierte Viktoria wieder Teil des Abstiegskampf werden könnte. Es hängt an Olaf Janßen (54), den Schwung aus der Rückrunde mitzunehmen und Neuzugänge wie Daniel Buballa (31) oder Patrick Sontheimer (23) passend einzubauen. Dann könnte der Sprung ins gesicherte Mittelfeld herausspringen, was für Wehen Wiesbaden wohl eher den Worst Case darstellt. Die Teilnahme am Aufstiegsrennen ist nach den Abgängen von Jakov Medic (22) oder Phillip Tietz (24) aber nur schwer vorstellbar.

Verl, Halle, Zwickau – Droht der Abstiegskampf?

Mit einer gefahrlosen Saison würde der SC Verl definitiv als zufriedenstellend empfinden, obwohl er – dank der mutigen Ausrichtung von Trainer Rico Capretti (39) – in seiner Drittliga-Premierenspielzeit mitreißenden Fußball bot und auf dem siebten Platz das Ziel erreichte. Jedoch hat die Mannschaft einige Veränderungen erlebt. So haben gleich 17 Spieler die Ostwestfalen verlassen – darunter Aygün Yildirim (26), Mehmet Kurt (25) oder Zlatko Janjic (34). Außerdem muss der Dorfklub auf Heimspiele nun vollends verzichten. Die Sportclub Arena bewertete der DFB als untauglich. Daher zieht es Verl in Zukunft nach Lotte.

Deutlich bessere Bedingungen herrschen beim Halleschen FC, der erdgas-Sportpark vor potenziell 15.057 Fans antritt. Der neue Sportdirektor Ralf Minge (60) – einst lange bei Dynamo Dresden aktiv – konnte mit Niklas Kreuzer (26), Justin Eilers (33) und Louis Samson (26) durchaus namhafte Neuzugänge an Land ziehen. Sie ergänzen die Mannschaft um Sturmtank Terrence Boyd (30), der zuletzt 18 Tore beisteuerte und in Zukunft auf die Unterstützung von Flügelflitzer Braydon Manu (24) verzichten muss. Eine ähnliche Platzierung wie Rang neun scheint aufgrund des schnell feststehenden Kaders in Reichweite zu sein.

Hallescher FC 3.Liga Boyd

Photo: Imago

Der FSV Zwickau geht ebenfalls positiv gestimmt in sein sechstes Jahr in der 3. Liga. Mit Morris Schröter (25) wechselte nur ein Schlüsselspieler in die 2. Bundesliga. Ansonsten begrüßten die Westsachsen mit Nils Butzen (25), Adam Susac (32) oder Dominic Baumann (26) Figuren, auf die Trainer Joe Enochs (49) direkt bauen dürfte. Unter seiner Führung bewahrten sie den Ruf als einer der unbequemsten Gegner. Dabei zählt der FSV vor dem Saisonstart stets zu den meist genanntesten Abstiegskandidaten. Diesmal gab es weniger Stimmen in diese Richtung, da die Mischung im Kader passt und Platz zehn aus der Vorsaison wohl in Erinnerung geblieben ist.

Dortmund II: Gekommen um zu bleiben

„Wir wollen mit aller Intensität leben, dass wir dankbar sind, in der 3. Liga weiterspielen zu dürfen. Wir wollen jedes Spiel für uns als Geschenk sehen und auch annehmen.“ So lauteten die Worte von Rico Schmitt (52), Trainer des SV Meppen, in der kicker-Montagsausgabe. Eigentlich wäre er gar nicht mehr im Amt gewesen, da sein Kontrakt nur für die 3. Liga galt und die Emsländer den Gang in die Regionalliga hätten antreten müssen. Doch der DFB entzog dem Chaosklub aus Uerdingen die Lizenz, sodass der mit 41 Punkten – und nur zwölf Toren Rückstand – auf Rang 17 agierende SVM nachrückte.

Mit gewohnt schmalem Budget sowie einiger Verspätung wurde die Kaderplanung schließlich angegangen. Der Königstransfer gelang mit dem zuletzt in Osnabrück aktiven David Blacha (30). Mit Max Dombrowka (29) und Ole Käuper (24) unterschrieben zwei weitere drittligaerfahrene Spieler. Darüber hinaus konnte Kreativakteur Luka Tankulic (30) doch noch gehalten werden. Meistens bedienten sich die Nordlichter allerdings in tieferen Spielklassen, weshalb Abstiegskampf vorprogrammiert zu sein scheint. Die Situation ist aber allen Beteiligten bewusst.

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Aus der Regionalliga West kehrt Borussia Dortmund II in die 3. Liga zurück. Ausufernde sechs Jahre verbrachte die Zweitvertretung des BVB in der Viertklassigkeit, ehe sie eine beeindrucke Spielzeit hinlegte. 93 Punkte aus 40 Spielen langten zum Aufstieg im packenden Duell mit Rot-Weiss Essen. Übungsleiter Enrico Maaßen (37) formte eine unheimlich spielstarke Mannschaft um Torwart Luca Unbehaun (20), Abwehrchef Niklas Dams (31), Abräumer Franz Pfanne (26), Spielmacher Alaa Bakir (20) und Vollstrecker Steffen Tigges (22).

Außer Bakir, der sich dem MSV Duisburg anschloss, zählen immer noch alle genannten Akteure zum Aufgebot. Sie sollen auch in der 3. Liga vorangehen, wo sich der BVB II etablieren will, wie Lars Ricken (45) in seiner Rolle als Direktor des Nachwuchsleistungszentrums klarstellte: „Die 3. Liga hat für uns in mehrfacher Hinsicht einen großen Mehrwert. Wir haben bereits jetzt viele junge Spieler im Kreis der ersten Mannschaft. Bekommen diese Talente in der Bundesliga nicht genügend Einsätze, können sie nun in der 3. Liga auf hohem Niveau Spielpraxis sammeln.“

Dortmund II 3.Liga

Photo: Imago

Viktoria Berlin und Havelse: Neu in der 3. Liga

Die 3. Liga begrüßt zu Saisonbeginn gleich drei absolute Neulinge. Am ehesten mit Ambitionen, die über den Kampf um den Klassenerhalt hinausgehen, ausgestattet ist Viktoria Berlin. Der Hauptstadtklub spielte eine fulminante Regionalliga-Saison mit elf Siegen aus ebenso vielen Spielen. Dann folgte der coronbedingte Abbruch. Wahrscheinlich wäre der Klub auch in einer kompletten Spielzeit zur Meisterschaft marschiert.

Denn die Qualität im Kader ist – dank der Investitionen von Tomislav Karajica (44) und seiner Imvest Gruppe – enorm hoch. Mit Christoph Menz (32) und Bernd Nehrig (34) bildet ein Duo mit reichlich Zweiliga-Erfahrung die Doppelsechs. Der etwas offensiver agierende Björn Jopek (27) steht ihnen in nichts nach. Daher wirkt es kaum verwunderlich, wenn Trainer Benedetto Muzzicato (42) sagt: „Unser Ziel ist es, die Liga zu halten – aber nicht nur irgendwie. Wir wollen unseren Spielstil sehen und mutig sein.“

Ganz andere Vorraussetzungen ergeben sich wiederum beim TSV Havelse. Der Verein stammt aus einem Stadtteil von Hannover mit etwa 5.400 Einwohnern und besaß den Ruf als klassischer Regionalligist, für den es nicht höher hinaus gehen kann. Dass es doch noch ein Stück weiter geht, zeigte der TSV in der abgelaufenen Saison. Ein toller Beginn langte aufgrund des Corona-Abbruchs zur Teilnahme an den Relegationsspiele. Dort setzten sich die Niedersachsen gegen den 1. FC Schweinfurt durch (1:0/1:0). Alle Prinzipien werfen die Verantwortlichen trotz des Aufstiegs allerdings nicht über Bord. So geht ein Großteil der Spieler weiterhin zur „normalen“ Arbeit und muss für das Freitagsspiel am 2. Spieltag in Duisburg Urlaub einreichen. Allein dieser Fakt verdeutlicht, dass Havelse als krasser Außenseiter in die 3. Liga geht. Der neue Trainer Rüdiger Ziehl (43), der das schwere Erbe von Jan Zimmermann (41) antritt, ist sich der Situation bewusst: „Für uns geht es einzig und allein um den Klassenerhalt.“

Havelse 3.Liga

Photo: HMB Media/Heiko Becker

Freiburg II: Mehr als ein Kurzausflug?

Ebenfalls als klarer Abstiegskandidat startet der SC Freiburg II, obwohl er im Saisonverlauf wohl immer wieder auf Unterstützung aus der Bundesliga-Mannschaft hoffen darf. Doch der Umbruch nach der Regionalliga-Meisterschaft fiel umfassend aus. Trainer Christian Preußer (37) zog es zu Fortuna Düsseldorf. Stützen wie Carlo Boukhalfa (22), Konrad Faber (23), Luca Herrmann (22) oder Marvin Pieringer (21) wagten genauso den Schritt in die Zweitklassigkeit. Somit steht der frisch installierte Übungsleiter Thomas Stamm (22) vor der komplizierten Herausforderung, eine über die gesamte Spielzeit hinweg konkurrenzfähige Mannschaft aufs Feld zu bringen. Sonst könnte der Aufenthalt in Liga drei schon nach 38 Spielen wieder enden.

Prognose:

Die Beobachter der 3. Liga dürfen sich auf ein wieder einmal aufregendes Jahr freuen. Insbesondere im Aufstiegsrennen scheint vieles möglich zu sein. Zwar treten Vereine wie Eintracht Braunschweig oder 1860 München leicht favorisiert an, doch sie sind keineswegs als Überflieger zu betrachten. Daher könnte sich eine realistische Chance für ehrgeizige Vertreter wie Türkgücü oder Saarbrücken ergeben, aber auch die in der Öffentlichkeit bescheiden auftretenden Mannschaften vom 1. FC Kaiserslautern und dem 1. FC Magdeburg sollten – wie eine Reihe weiterer Vereine – nicht unterschätzt werden. Im Tabellenkeller droht dem TSV Havelse sowie dem SC Freiburg II unter normalen Umständen wohl die sofortige Rückkehr in die Regionalliga. Angesichts der Ausgeglichenheit der Spielklasse könnte es letztendlich aber auch den ein oder anderen Teilnehmer erwischen, der sich noch nicht ernsthaft mit dem Abstiegskampf auseinandersetzen musste.

(Photo: Imago)

Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.

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