Bundesliga-Vorschau Teil 3: VfL Wolfsburg, Hertha BSC, 1. FC Köln

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Am 13. August startet die neue Saison in der Bundesliga, wenn Meister Bayern München bei Borussia Mönchengladbach gastiert. Im dritten Teil unserer Vorschau auf die Saison 2021/22 beschäftigen wir uns mit dem VfL Wolfsburg, Hertha BSC und dem 1. FC Köln.

  • VfL Wolfsburg: Kann van Bommel das Glasner-Erbe fortführen?
  • Hertha BSC: Kurskorrektur nach zwei Chaosjahren
  • Mit Baumgart soll beim 1. FC Köln alles besser werden

Hier geht es zu Teil 1: SC Freiburg, VfB Stuttgart, Bayer Leverkusen

Teil 2: Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach, Greuther Fürth

VfL Wolfsburg (Letzte Saison: 4. Platz)

Im Gegensatz zu ihrem so positiven Ende begann die vergangene Saison des VfL Wolfsburg äußerst ernüchternd. Die „Wölfe“ mussten sehr viel früher als die Ligakonkurrenten in die Sommervorbereitung starten, um die Europa League Qualifikation zu spielen. Nach zwei Siegen schieden die Niedersachsen allerdings in der letzten Quali-Runde mit 1:2 gegen AEK Athen aus. Ein bitterer Saisonstart. Mit vier Unentschieden wollte die Bundesliga-Spielzeit ebenfalls kaum ins Rollen kommen, doch alsbald gesellten sich die ersten Siege dazu, sodass Wolfsburg erst am 12. Spieltag seine erste Niederlage kassierte.

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Foto: IMAGO

Das Team von Trainer Oliver Glasner (46) spielte zunächst sehr kontrollierten, defensiv starken Fußball, steigerte sich offensiv aber immer mehr. Der VfL wurde zu einem der ligaweit stabilsten Teams – man spielte herausragend organisiert, laufstark und offensiv durch Stürmer Wout Weghorst (28) auch effizient. Die Saison wurde mit nur sieben Niederlagen und Platz vier, also der Qualifikation für die Champions League beendet. Einzig die Querelen um den Glasner-Abgang schmälerten die Stimmung. Mark van Bommel (44) hat Glasner beerbt und soll die positive Entwicklung der letzten Jahre fortführen.

Achse bleibt und wird um Talent erweitert

Der Weg der letzten Jahre stimmt, die Entwicklung soll gehalten werden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Wolfsburg seine Erfolgsachse im Team (bislang) beisammen halten konnte. Koen Casteels (29), Maxence Lacroix (21), John Anthony Brooks (28), Ridle Baku (23), Xaver Schlager (23), Maximilian Arnold (27) und Wout Weghorst – sie alle sind geblieben. Allein das wird ein Faustpfand sein. Manager Jörg Schmadtke (57) ist in diesem Sommer darauf bedacht gewesen, die Kadertiefe zu stärken und vor allem entwicklungsfähige Spieler zu verpflichten. Schließlich tanzen die Wölfe dieses Jahr auf drei Hochzeiten.

Sebastiaan Bornauw (22) kam für 13,5 Millionen Euro vom 1. FC Köln und soll der Innenverteidigung Druck machen. Aster Vranckx (18) ist ein Perspektivspieler für das zentrale Mittelfeld und Lukas Nmecha (22) womöglich die langfristige Alternative zu Weghorst. Zudem wurde Maximilian Philipp (27) nach dessen Leihe nun fest verpflichtet. als Offensivallrounder kann er dem Kader überall helfen. Wolfsburg hat in diesem Sommer noch nicht einen Leistungsträger abgegeben – sollte das so bleiben, steht der Kader hervorragend da. Wolfsburg hat aktuell eine sehr gute Mischung aus jungen und alten, technisch feinen und kämpferisch-laufstarken Spielern.

Momentan ist nahezu keine Schwachstelle im Aufgebot zu erkennen, womöglich könnte aber noch ein Flügelspieler verpflichtet werden, sollte Josip Brekalo (23) den Verein noch verlassen.

Probleme in der Vorbereitung

Bislang hört es sich also nach glänzenden Voraussetzungen für die Spielzeit 2021/22 an. Doch der Wolfsburger Motor stottert noch. In den Testspielen gab Wolfsburg kein gutes Bild ab, van Bommels Ideen griffen noch nicht. 0:3 gegen Hansa Rostock, 0:1 gegen Holstein Kiel, 1:4 bei Olympique Lyon, 1:2 gegen AS Monaco und 1:2 gegen Atletico Madrid – so die Testspiel-Ergebnisse. Zwar sollten Vorbereitungspartien nie überwertet werden, dennoch ist zu erkennen, dass es noch hakt.

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Foto: IMAGO

Das liegt auch daran, dass van Bommel einen anderen Ansatz als Vorgänger Glasner wählt. „Wir haben einen neuen Trainer, eine komplett neue Spielidee,“ sagte Ridle Baku dem kicker. „Wir machen alles mit Ball, üben fast in jeder Einheit Passspiel. Das ist schon erst einmal eine Umstellung.“ van Bommel will einen gepflegten Ballbesitz-Fußball sehen, die „holländische Schule“. In den Testspielen war noch nicht zu erkennen, dass sich die Mannschaft an das Geforderte anpasse. Auch dass wichtige Spieler wie Arnold, Schlager oder Weghorst große Teile der Vorbereitung verpassten und van Bommel erst jetzt wirklich arbeiten können, trübt die Aussichten auf einen problemlosen Saisonstart. Hinzu kommt auch noch der Wechselfehler im DFB-Pokal, der für das Ausscheiden am grünen Tisch sorgen könnte.

Player to Watch: Lukas Nmecha

Lukas Nmecha (22) startet seinen zweiten Anlauf beim VfL Wolfsburg. Der Mittelstürmer spielte bereits leihweise von 2019 bis 2020 beim VfL, konnte damals aber nicht Fuß fassen. Lediglich 128 Minuten wurde der gebürtige Hamburger in der Liga eingesetzt, nach der enttäuschenden Saison ging es zurück zu Manchester City. Nach weiteren eher erfolgslosen Leihen fand Nmecha in der vergangenen Spielzeit beim RSC Anderlecht sein Glück. In 41 Pflichtspielen gelangen dem Angreifer ganze 21 Tore. Der Durchbruch.

Diese Leistung, gepaart mit einer überzeugenden U21-EM, haben Nmecha erneut auf den Wolfsburger Radar gebracht. Acht Millionen Euro hat der VfL für den 22-Jährigen gezahlt, der es nun allen zeigen will. „Ich möchte ein Top-Stürmer werden, bin noch nicht da, aber das ist mein Weg. Ich werde zeigen, was ich kann.“ Zwar ist Weghorst weiterhin die klare Nummer eins im Sturm, durch die vielen Spiele der Saison wird Nmecha jedoch einige Gelegenheit bekommen, sich zu beweisen. Mit seiner Wucht, körperlichen Robustheit und dem guten Torriecher hat er alles, was braucht.

VfL Wolfsburg 2021/22: Prognose

Die Entwicklung des VfL Wolfsburg in den letzten drei Jahren ist durchaus bemerkenswert: Tabellenplatz sechs, sieben und vier sprechen für sich. Mit Trainer van Bommel hat man sich nun aber auf ein etwas größeres Experiment eingelassen, das auch scheitern könnte. Der Kader ist nach wie vor hervorragend besetzt, kennt sich größtenteils seit Jahren, doch ob Spieler und Trainer zusammenfinden, wird sich erst zeigen. Es könnte eine holprigere Saison werden als in den letzten Jahren – Das Ziel, unter die ersten Sechs zu kommen, bleibt aber.

 

Hertha BSC (Letzte Saison: 14. Platz)

Bei Hertha BSC sollte 2020/21 alles besser werden. Die Vorsaison war von absolutem Chaos geprägt: Covic-Entlassung, Klinsmann-Übernahme und dessen spektakuläres Facebook-Aus, Interimslösung Nouri und der letztendliche Klassenerhalt unter Bruno Labbadia (55). Im Sommer 2020 folgte unter eben jenem ein gewaltiger Umbruch. Zahlreiche Routiniers wie Vedad Ibisevic, Per Skjelbred oder Salomon Kalou verließen den Verein. Dafür kamen jüngere Spieler aus verschiedensten Nationen nach Berlin. Mit Alexander Schwolow, Matteo Guendouzi, Lucas Tousart, Jhon Cordoba, Omar Alderete und Deyovaisio Zeefuik bekam Hertha ein neues Gesicht.

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Foto: IMAGO

Die Spielzeit startete jedoch holprig. Das neu zusammengestellte Team fand kaum zueinander, eine feste Achse und daraus entstehende Konstanz blieb vermisst. Zum Ende der Hinrunde musste sich Hertha eingestehen, sich beim Umbruch verhoben zu haben. Trainer Labbadia fand den Schlüssel für seine Mannschaft nicht und musste nach 18 Spieltagen zusammen mit Manager Michael Preetz (53) gehen. Pal Dardai (45) kehrte auf den Trainerstuhl zurück und hatte eine Mammutaufgabe zu bewältigen. Es gab keinen Teamgeist, keine Achse, keine taktische Marschroute – Dardai musste im laufenden Betrieb bei null anfangen.

Erst in seinem sechsten Spiel gelang der erste Sieg. Eine zweiwöchige Quarantäne und ein dadurch überaus enger Spielplan taten ihr übriges, um den Klassenerhalt zu erschweren. Am vorletzten Spieltag konnte sich der Hauptstadtklub jedoch retten.

Bobic räumt auf – der nächste kleine Umbruch

Das Fazit der letzten zwei Jahre fällt bei Hertha BSC äußerst enttäuschend aus. Der Einstieg von Investor Lars Windhorst (44) sollte als Initialzündung für Großes dienen, durch zwei absolute Chaos-Saisons sind jedoch keine Werte geschaffen, sondern nur verbrannt worden. Nun soll mit CEO Carsten Schmidt (57) dem neuen Geschäftsführer Sport, Fredi Bobic (49) alles besser werden. Bobic übernahm in diesem Sommer und hat den Kader der „alten Dame“ auch bereits ordentlich durchgewirbelt. Nach der letzten Saison war klar, dass es eine Kurskorrektur braucht. Der Kader passte sportlich wie menschlich nicht zusammen, Dardai konnte das in der Vorsaison noch provisorisch flicken, nun braucht es allerdings klare Veränderungen.

Drei Wochen vor Ende der Sommer-Transferperiode hat Hertha bereits viele Transfers getätigt. Jhon Cordoba (28) hat den Verein nach nur einem Jahr wieder verlassen, für 20 Millionen Euro ging es nach Krasnodar. Eigengewächs Luca Netz (18) ist zu Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach gewechselt. Mathew Leckie (30) zog es zurück in die Heimat, Sami Khedira (34) beendete seine Karriere. Zudem kehrten die beiden Leihgaben, Matteo Guendouzi (22) und Nemanja Radonjic (25), zu ihren Vereinen zurück. Omar Alderete (24), Eduard Löwen (24) und Jessic Ngankam (20) wurden allesamt verliehen.

Herthas Kader wird zu Saisonbeginn noch im Umbau sein

Die Marschrichtung ist klar: Bobic will wieder deutlich mehr Mentalität im Berliner Kader etablieren. Teamgeist und Leidenschaft sollen wieder eine deutlich größere Rolle spielen. Die Rückkehr von Kevin-Prince Boateng (34) ergibt unter diesem Gesichtpunkt sehr viel Sinn. Der Routinier und gebürtige Berliner soll auf und neben dem Platz die richtigen Werte vorleben. Suat Serdar (24), für acht Millionen von Schalke 04 gekommen, ist vielleicht kein Lautsprecher, geht aber durch seine mutige und aufwendige Spielweise voran. Stefan Jovetic (31), der ablösefrei kam, kann dem Team ebenfalls durch seine Erfahrung, aber auch durch seine fußballerischen Fähigkeiten helfen. Kurz vor dem Saisonstart konnte Marco Richter (23) vom FC Augsburg verpflichtet werden, Arne Maier (22) wechselte zum FCA.

Im Kader der Blau-Weißen soll allerdings noch einiges passieren. Mindestens ein offensiver Flügelspieler wird noch gesucht, auch ein Linksverteidiger und zweiter Torhüter sollen kommen. Für die Außenbahnen sind Nemanja Radonjic, Reiss Nelson (21) und Maxwel Cornet im Gespräch. Zudem könnte Jurgen Ekkelenkamp (21) von Ajax fürs zentrale Mittelfeld kommen. Es ist darüber hinaus noch nicht klar, wie es mit Matheus Cunha (21) weitergeht, womöglich verlässt er noch den Verein.

Hertha will zurück zu den Basics – und dann mehr

Auch die Rückkehr von Davie Selke (26) steht durchaus stellvertretend dafür, wie sich Hertha unter Bobic präsentieren will. „Mentalität kann Qualität schlagen – das hat die EM belegt. Die richtige Einstellung gehört in jede Mannschaft und es ist sehr, sehr wichtig, dass wir Spieler haben, die sich im Team einordnen und das Beste investieren, um gemeinsam Erfolg zu haben“, erklärt Berlins Manager. Selke besitzt diese Eigenschaften, lebt vor allem von seiner Leidenschaft.

Foto: xSebastianxRäppold/MatthiasxKochx/IMAGO

Hertha will 2021/22 zurück zu den Basics. Taktische Disziplin, Leidenschaft, Teamgeist, das Herz auf dem Feld lassen – Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, in den letzten zwei Jahren aber verloren gegangen sind. Trainer Dardai ist bekannt dafür, zunächst einmal die Grundlagen in Perfektion ausüben zu lassen. Herthas Transferfenster ist davon geprägt, Spieler, die zuletzt den absoluten Willen und Lernfähigkeit vermissen ließen, auszusortieren und dafür die zu holen, die Lust auf Hertha haben.

Auf diesem Fundament hat Dardai jedoch auch ambitionierte Ziele. Der Ungar will eine eigene spielerische Identität prägen, die nicht nur reaktionär aufgestellt ist. „Wir bleiben dran mit Ballbesitz und Gegenpressing, wir pushen das hoch“, stellte Dardai klar. Man wolle nicht mehr „bunkern“. Diese durchaus mutige Spielweise war bereits in den Testspielen zu erkennen, in denen Hertha hoch anlief und auch im Ballbesitz versuchte, kreative Lösungen zu finden.

Player to Watch: Marton Dardai

Ein elementares Bestandteil dieser möglicherweise dominanteren Spielweise wird Marton Dardai (19) sein – und das als Innenverteidiger. Das Berliner Eigengewächs brilliert nämlich mit einer großen Sicherheit und vor allem durch sein herausragendes Aufbauspiel. Ob mit dem flachen „Laserpass“ oder der hohen Spielverlagerung – Dardai weiß stets, wie er das Spiel seiner Mannschaft von hinten heraus ankurbelt. Dies war einer der Gründe, weshalb Dardai-Vorgänger Labbadia bereits auf ihn aufmerksam wurde und Vater Pal ihn dann ab dem 22. Spieltag der Vorsaison ununterbrochen einsetzte.

Marton Dardai zahlte es seinem Trainer mit starken Leistungen zurück. In seinen ersten Profi-Partien überhaupt sah es so aus, als ob der 19-Jährige bereits seit Jahren auf Bundesliga-Niveau spielen würde. Defensiv macht er nicht die spektakulärsten Dinge, brilliert aber durch eine sehr große Abgeklärtheit. Dardai leistet sich keine Fehler. Sein Aufbauspiel hingegen ist eine Show für sich. So ist der Innenverteidiger bereits jetzt nicht mehr aus der Hertha-Startelf wegzudenken.

Es wird spannend zu sehen sein, ob Dardai in dieser Spielzeit womöglich in sein erstes Formloch fällt und wie er sich gegebenenfalls aus diesem wieder herauskämpft. Es ist ihm aber auch zuzutrauen, seinen Stiefel einfach weiter unbeirrt herunterzuspielen.

Hertha BSC 2021/22: Prognose

Hertha BSC begeht den Spagat zwischen „Zurück zu den Basics“ bzw. „Erst einmal nicht zu viel wollen“ und einem gewissen Kaderumbruch. Man will zurück zu alten Tugenden, aber gleichzeitig vieles neu angehen. Von Europa ist in dieser Saison jedoch keine Rede, es werden kleinere Schrippen in Berlin gebacken. Mit Trainer Dardai soll eine sportlich ruhige Saison gespielt werden, die als Basis für langfristig größere Ziele dienen soll. Der Kader gibt solch eine Saison her. Womöglich kommt die Mannschaft noch besser ins Rollen und es geht noch mehr – erst einmal wird Hertha aber nur einen Mittelfeldplatz anstreben und wohl auch erreichen.

 

1. FC Köln (Letzte Saison: 16. Platz)

Mit Ach und Krach hatte sich der 1. FC Köln in der Saison 2019/20 in der Bundesliga gehalten. Der Effzeh schien bereits abgestiegen, doch mit Markus Gisdol (51) wurde das Ruder noch einmal herumgerissen. Mit Gisdol ging es auch in die vorangegangene Saison – doch auch er sollte das Ende dieser wie sein Vorgänger, Achim Beierlorzer (53), nicht mehr als FC-Trainer erleben. Erst am 9. Spieltag wurde das erste Ligaspiel gewonnen, zuvor gab es fünf Pleiten und drei Unentschieden. Eine sonderlich lange Serie sollte daraus jedoch nicht entstehen und so steckte Köln die gesamte Spielzeit knietief im Abstiegskampf.

Foto: IMAGO

Gisdol stand während der gesamten Saison, genau wie Manager Horst Heldt (51), in starker Kritik. Weder die Offensive noch die Abwehr wollte funktionieren. Nach dem 28. Spieltag musste Gisdol schlussendlich gehen – acht Spiele ohne Sieg und mit ganzen sechs Niederlagen waren zu viel. Friedhelm Funkel (67) übernahm das Traineramt, rettete Köln mit zehn Punkten aus sechs Spielen in die Relegation und gewann diese gegen Holstein Kiel. Nach der Saison trennte sich der Verein von Manager Heldt, ein sportlicher Neuanfang sollte her. Dieser wird mit Funkel-Nachfolger Steffen Baumgart (49) auf dem Trainerstuhl angegangen.

Köln: Zwischen Umbruch und Verkaufszwang

Die Transferphasen des 1. FC Köln waren in den letzten Jahren eher durchwachsen. Zwar gab es immer wieder gute Verpflichtungen wie Sebastiaan Bornauw (22), Ellyes Skhiri (26) oder Ondrej Duda (26). Dazu gesellen sich jedoch zahlreiche Transfers, die dem Kader nur bedingt halfen oder aber gar als krasse Flops eingeordnet werden müssen. So hat sich ein unausbalancierter, teuer und zu großer Kader gebildet, den aus – auch aufgrund der neuen Spielweise unter Trainer Baumgart – auszudünnen gilt.

Hinzu kommt, dass Köln unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu leiden hat und durch Transfereinnahmen gewisse Finanzlöcher stopfen muss. Bislang waren daher alle Neuzugänge ablösefrei. Köln konzentrierte sich sehr darauf, vor allem erst einmal Geld einzunehmen. Bornauw wurde für 13,5 Millionen Euro nach Wolfsburg verkauft, Ismail Jakobs (21) für 6,5 Millionen Euro nach Monaco, Birger Verstraete (27) für zwei Millionen zu Royal Antwerpen. Hinzukommen ablösefreie Abgänge und nicht verlängerte Verträge, um Gehaltskosten einzusparen. Womöglich wird auch Skhiri den Verein noch verlassen.

Der größte Neuzugang ist Mark Uth (29). Der Rückkehr kommt ablösefrei von Schalke und soll das Offensiv so ankurbeln wie er es bereits während seiner Leihe tat. Timo Hübers (24), von Hannover 96 gekommen, soll der so wackeligen Abwehr Stabilität verleihen und ist der direkte Bornauw-Nachfolger. Dejan Ljubicic (23), den sich Köln von Rapid Wien schnappte, ist ein vielseitiger und körperlich starker Mittelfeldspieler. Marvin Schwäbe (26) soll Timo Horn (28) als Nummer zwei Druck machen. Mit Anthony Modeste (33) und Louis Schaub (26) sind zudem zwei Spieler von ihrer Leihe zurückgekehrt, auf die Baumgart setzt.

Baumgart steht für eine klare Idee

Der wahrscheinlich wichtigste Neuzugang ist jedoch der Trainer. Steffen Baumgart ist vom SC Paderborn in die Domstadt gewechselt und soll dem Effzeh eine klare spielerische Idee vermitteln. Baumgarts Fußball ist so gerade aus wie dessen Charakter. Der 49-Jährige will mutigen, angriffslustigen Fußball sehen, in dem der Gegner hoch angelaufen und der Ball schnell nach vorne kombiniert wird. Hohe weite Bälle sieht man bei Baumgart kaum, es soll gepflegt von hinten heraus kombiniert werden, auch wenn man so anfällig für Pressing ist.

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Diese Spielweise hat Baumgart auch beim SC Paderborn geprägt, dabei war es egal, ob man im Aufstiegsjahr absoluter Außenseiter in Liga eins war. Baumgart hat bereits klar gemacht, dass er in Köln keinen Deut von seiner Spielphilosphie abrücken wird. Köln soll in der kommenden Saison Vollgasfußball spielen, Baumgart liebt das intensive Spiel. In der Vorbereitung und im Pokalspiel gegen Carl Zeiss Jena (Weiterkommen nach Elfmeterschießen) wurde mit zwei Mittelstürmern und Mittelfeldraute agiert. Momentan hat die Mannschaft noch sichtlich Probleme, sich an Baumgarts Spielidee anzupassen.

Es ist ein Prozess, auf den sich der Verein mit der Verpflichtung Baumgarts eingelassen hat. Es war eine Entscheidung für einen Neuanfang. Solche Umbrüche brauchen oftmals Zeit. Hinzukommt, dass Köln auf einigen Positionen noch nicht qualitativ ausreichend besetzt ist und der Kader im Wandel ist. Baumgart und Heldt-Nachfolger Thomas Kessler (35) stehen vor einer großen Herausforderung.

Player to Watch: Jan Thielmann

Trotz seiner erst 19 Jahre ist Jan Thielmann kein unbekanntes Gesicht mehr. Das Kölner Eigengewächs debütierte bereits im Dezember 2019 in der Bundesliga, geht somit nun in seine dritte Profi-Saison. In seiner ersten Spielzeit kam Thielmann auf zwölf Einsätze, in der letzten Saison schon auf 24 Spiele. In der bevorstehenden Saison könnte der endgültige Durchbruch gelingen.

Das liegt vor allem an Baumgart. Für seinen so intensiven Fußball braucht der Trainer vor allem schnelle und umtriebige Stürmer. Genau diese Eigenschaften verkörpert Thielmann. Der 19-Jährige überzeugt mit Tempo und hoher Arbeitsrate. Im Pokalspiel gegen Jena stand er sogleich in der Startelf. Köln hat keinen vergleichbaren Stürmertypen, Modeste und Sebastian Andersson (30) sind eher die Knipser. Es könnte also kein Weg an Thielmann vorbeiführen, sodass dieser mit dem absoluten Vertrauen des Trainers voll durchstarten kann.

1. FC Köln 2021/22: Prognose

Der 1. FC Köln steht vor einer äußerst schweren Spielzeit. Bereits in den letzten zwei Jahren war der Klassenerhalt ein wahrer Kraftakt und mit viel Chaos verbunden. In der Saison hat der Kader Corona-bedingt an Qualität verloren, wichtige Spieler sind gegangen. Alles vertraut darauf, dass Trainer Baumgart die Mannschaft mit seiner Methodik auf ein neues Level hebt und so den Klassenerhalt packt. Grundsätzlich ist es positiv zu erachten, dass sich Köln mit Baumgart für einen klaren Weg entschieden hat – ob es reichen wird, ist dennoch fraglich. Es wird ein erneutes Jahr des Abstiegskampfs, viel mehr ist nicht drin.

Marc Schwitzky

Foto: IMAGO

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

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