Bundesliga-Vorschau Teil 4: FC Bayern, Union Berlin, FC Augsburg

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Am 13. August startet die neue Saison in der Bundesliga, wenn Meister Bayern München bei Borussia Mönchengladbach gastiert. Im vierten Teil unserer Vorschau auf die Saison 2021/22 beschäftigen wir uns mit dem FC Bayern, Union Berlin und dem FC Augsburg. 

  • FC Bayern: Knackpunkt Kaderbreite – Nagelsmann zwischen Entwicklung und Erfolg
  • Union Berlin: Führt Ruhnerts Meisterstück zum nächsten Entwicklungsschritt der Eisernen?
  • FC Augsburg: Mit Dorsch und Maier zurück zu den eigenen Werten

Hier geht es zu Teil 1: SC Freiburg, VfB Stuttgart, Bayer Leverkusen

Teil 2: Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach, Greuther Fürth

Teil 3: VfL Wolfsburg, Hertha BSC, 1. FC Köln

FC Bayern (Letzte Bundesliga-Saison: Meister)

Ja, den neunten Meistertitel in Folge nahmen die Münchener am 32. Spieltag dankend entgegen. Schon vor dem Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Mönchengladbach, das der FC Bayern 6:0 gewann, stand die Entscheidung bereits fest, da RB Leipzig um den jetzigen Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (34) in Dortmund 2:3 unterlag.

Nach dem Spiel gab es die gewohnten Jubelbilder mit Meistershirts, beziehungsweise -cappies. Auf dem Trikot wird für den 30. Bundesligatitel zukünftig auch noch ein fünfter Stern erleuchten. Hansi Flick (56) hatte seinen Platz in der Münchener Hall of Fame zuvor schon sicher. Mit diesem Erfolg zementierte er ihn nur noch weiter. Doch so ganz kann man nicht glauben, dass die erfolgshungrigen und -verwöhnten Münchener mit dieser Saison vollends zufrieden sind. DFB-Pokal und Champions League gab man vergleichsweise einfach her, ließ sich von Holstein Kiel niederkämpfen (8:7 n.E.) und scheiterte gegen Paris Saint-Germain (2:3, 1:0) eher an sich selbst, als am Gegner.

Dazu kommt in der Bundesliga das leidige Thema der Gegentore. Deren 44 kassierte der FC Bayern in der abgelaufenen Spielzeit. Zuletzt setzte es in der Chaossaison 2008/09 unter Jürgen Klinsmann mehr als 40 Gegentore, damals waren es 42. Zwölf Jahre später wurde der Zwischenstand von 0:2 für die Münchener fast zur Gewohnheit. Egal, ob gegen Mainz – hier sogar zweimal –  Frankfurt, Bielefeld oder Dortmund. Der Rekordmeister fand sich in der Bundesliga öfter im Aufholmodus wieder, als ihm lieb sein konnte.

Der Transfersommer des FC Bayern

Um dem in Zukunft vorzubeugen – und weil mit David Alaba (29/Real Madrid) und Jérôme Boateng (32/vereinslos) zwei altgediente Spieler den Verein verließen – verpflichtete der Rekordmeister Dayot Upamecano (22) für 42,5 Millionen Euro aus Leipzig. Es ist der Königstransfer dieses Sommers. Zusammen mit Lucas Hernández (25) soll Upamecano in München die Innenverteidigung der Zukunft bilden. Da ersterer nun seltener als Ersatz für Alphonso Davies (20) links außen aushelfen kann, kam Omar Richards (23) ablösefrei vom Reading Football Club.

Abgeschlossen scheint das Münchener Transferfenster damit noch nicht zu sein. Die Gerüchte um eine Verpflichtung von Marcel Sabitzer (27/RB Leipzig) halten sich hartnäckig. Auch Amine Adli (21/Toulouse FC), der vergangene Saison zum besten Spieler der Ligue 2 gewählt wurde, soll in äußerst intensivem Kontakt mit dem FC Bayern stehen.

 

 

 

 

Allerdings, so die Devise der Klubbosse, bevor man Neuzugänge vermelden kann, müssen zuerst Spieler abgegeben werden. Die ersten Namen auf der Liste: Corentin Tolisso (27) sowie Michael Cuisance (21). Der Markt für sie ist bislang noch äußerst überschaubar. Joshua Zirkzee (20) verließ den Rekordmeister leihweise gen Anderlecht, die nach dem Abgang von U21-Europameister Lukas Nmecha (22) zum VfL Wolfsburg noch auf der Suche nach einem Stürmer waren. Eine Kaufoption besitzen die Belgier nicht. Intern ist das Vertrauen in Zirkzee und seine Fähigkeiten weiterhin vorhanden.

Bleibt noch das Thema der Vertragsverlängerungen. Die Gespräche mit Leon Goretzka (26) sollen wieder Fahrt aufgenommen haben und sich in die vom Verein gewünschte Richtung bewegen. Nicht zuletzt auch, weil es bei Joshua Kimmich (26), dessen Vertrag 2023 ausläuft, einen Durchbruch gegeben hat. Kimmich soll um fünf weitere Jahre verlängern. Am Montagabend war auf der Allianz Arena in großen, weißen Lettern der Schriftzug „JK6“ zu lesen. Zudem gab das Vereinsmuseum auf seiner Website bekannt, dass ein Teil der Trophäen „für eine interne Veranstaltung“ kurzzeitig aus der Ausstellung entfernt wurde. Bei Niklas Süle (25), dessen Vertrag wie der von Goretzka 2022 ausläuft, will man noch die weitere Entwicklung unter Julian Nagelsmann abwarten.

Profis und Campus – die Suche nach der richtigen Mischung

Eines ist klar: Die erste Elf des FC Bayern gehört noch immer zum besten, was der europäische Fußball zu bieten hat. Eine erstaunliche Breite in der Defensive mit Alphonso Davies, Lucas Hernández, Dayot Upamecano, Niklas Süle, Tanguy Nianzou (19), Omar Richards (23) oder Benjamin Pavard (25). Das Ganze gepaart mit einem kompakten, eingespielten Mittelfeld aus Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Thomas Müller (31). Auf den Flügeln wahlweise Kingsley Coman (25), Leroy Sané (25) oder Serge Gnabry (26). Und vorne ein Robert Lewandowski (32) auf dem absoluten Zenit seines Schaffens. Der Großteil dieser Mannschaft gewann vor weniger als einem Jahr noch die Champions League.

Doch macht eine starke erste Elf allein noch keine Siegermannschaft. Das weiß man in München am besten. In den Duellen gegen Paris Saint-Germain (2:3, 1:0) fehlten Lewandowski, Gnabry und Goretzka verletzt. Dem Rekordmeister ging die Munition aus und er musste sich den breiter aufgestellten Franzosen geschlagen geben. Auch in der Saisonvorbereitung war dieses Phänomen erneut zu beobachten. Aus vier Testspielen gegen den 1. FC Köln (2:3), Ajax Amsterdam (2:2), Borussia Mönchengladbach (0:2) sowie die SSC Napoli (0:3) setzte es drei Niederlagen.

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Lucas Hernández (Meniskuseinriss) Alphonso Davies (Knöchelverletzung) sowie Marc Roca (24/Außenbandriss Sprunggelenk) fehlten verletzt. So ließ Nagelsmann die U23 von der Leine, die in der Regionalliga Bayern mit fünf Siegen und einem Unentschieden aus sechs Spielen Tabellenführer ist. Einen guten Eindruck hinterließen sie durchaus. Besonders Spieler wie Torben Rhein (18), Josip Stanišić (21), Armindo Sieb (18) oder Christopher Scott (19) wussten auf sich aufmerksam zu machen.

Bayern fehlt es noch an Breite

Das kann jedoch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Natürlich ist es vorstellbar, dass Nagelsmann einige der Youngster langsam an das Profigeschäft heranführt. Trotzdem braucht es qualitativ hochwertige Backups. Ein solcher wäre Marcel Sabitzer. Den Vereinsoberen ist Goretzkas Verletzungsanfälligkeit durchaus nicht verborgen geblieben. Mit Sabitzer hätte man einen Spieler ähnlichen Profils. Variabel einsetzbar, schussgewaltig, technisch stark. Dazu verkörpert er genau die Mentalität, nach der in München gesucht wird. Nach dem Abgang von Thiago (30/Liverpool FC) wäre Sabitzer die im Mittelfeld lange vermisste Bereicherung. Eine Verpflichtung würde auch Druck von Marc Roca nehmen, der sich in Ruhe entwickeln könnte.

Amine Adli ist ein vielseitig einsetzbarer Spieler mit großem Potential, ähnlich wie seinerzeit Jamal Musiala (18). Angeblich will Toulouse zehn Millionen Euro, man versucht dahingehend noch, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Er würde zunächst eine Nebenrolle einnehmen, um sich im Schatten von Sané, Gnabry und Coman zu entwickeln. Es wäre ein weiterer Low-Risk-High-Reward-Transfer von Sportvorstand Hasan Salihamidžić (44). Geht es gut, hat man das nächste Toptalent an der Angel. Wenn nicht, ist der monetäre Verlust nicht allzu groß.

Es schließt sich auch nicht gegenseitig aus, sowohl Spieler aus dem eigenen Campus zu fördern, als auch Talente von außen einzubringen. Die Saison ist lang genug und im besten Fall hat man einen breiten und ausbalancierten Kader. Es gilt nun für Julian Nagelsmann, die richtige Mischung zu finden.

Player to watch: Jamal Musiala

Ein nicht mehr ganz unbeschriebenes Blatt beim FC Bayern. Nach seiner Ankunft von Chelsea nahm Jamal Musiala die Hürden U19 und U23 locker, sodass er noch 2019/20 beim 3:1 gegen Freiburg am 33. Spieltag sein Bundesliga-Debüt geben konnte. In der vergangenen Saison gehörte er bereits zum erweiterten Stamm, wurde mit sechs Saisontoren viertbester Schütze, hinter Robert Lewandowski (41), Thomas Müller (11) und Serge Gnabry (10).

Nun könnte er unter Julian Nagelsmann, der dafür bekannt ist, junge Spieler weiterzuentwickeln, den nächsten großen Schritt in seiner Entwicklung machen. Dabei dürfte vor allem seine Vielseitigkeit zum Tragen kommen. Musiala kann entweder im Zentrum spielen oder auf den Flügeln. Sollte Nagelsmann neben dem gewohnten 4-2-3-1 auch ein 3-4-2-1 einführen, könnte Musiala einen der Plätze auf der Doppelzehn einnehmen, was ein Stück weit ein Hybrid aus beiden Positionen wäre.

Was Musiala auszeichnet, ist seine extrem enge Ballführung und Dribbelstärke. Trotz einer Größe von 1,83 Meter bewegt er sich in engen Räumen wie ein Spieler mit tiefem Körperschwerpunkt. Zudem hat er in den vergangenen Monaten auch physisch zugelegt. Bis er von seinen Teamkollegen statt „Bambi“ „Hulk“ genannt wird, dürften aber wohl noch ein paar Jahre vergehen. Zeitdruck hat er mit gerade einmal 18 Jahren aber nicht wirklich.

FC Bayern 2021/22: Prognose Bundesliga

Die Erwartungen in München sind wie immer höchstmöglich. Der zehnte Meistertitel in der Bundesliga am Stück ist fast schon Pflicht, am besten in Tateinheit mit mindestens einem Erfolg in den Pokalwettbewerben. Diese Ziele hängen jedoch eng damit zusammen, wieviel sich noch auf dem Transfermarkt tut. International hat beispielsweise Paris Saint-Germain gezeigt, dass man nicht viel ausgeben muss, um viel zu bekommen. Sergio Ramos (35), Georginio Wijnaldum (30) Gianluigi Donnarumma (22) und vor allem Lionel Messi (34) kamen allesamt ablösefrei.

In der Bundesliga hat sich RB Leipzig trotz einiger Abgänge hervorragend verstärkt. Borussia Dortmund präsentierte sich bisher ebenfalls in bestechender Form. Die Trauben scheinen für die Münchener diese Saison höher zu hängen, als sonst. Aber Herausforderungen lieben sie bekanntlich an der Säbener Straße.

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1. FC Union Berlin (Letzte Bundesliga-Saison: 7.)

Man muss sich nochmal vergegenwärtigen, dass Union Berlin erst in die dritte (!) Saison in der Bundesliga geht. So wie sie spielen, wie sie sich entwickelt haben, könnte man meinen, sie wären schon seit Jahrzehnten dabei. 2019/20 gab es gleich zum Einstand Platz 11, punktgleich mit dem Stadtrivalen in blau-weiß. In der abgelaufenen Saison qualifizierte sich Union sogar für die neu geschaffene Europa Conference League. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Max Kruse (33), der im Vorfeld gewohnt flapsig verkündete, diesen Wettbewerb lieber anderen überlassen zu wollen, am 34. Spieltag gegen Leipzig in der 92. Minute das Tor nach Europa öffnete.

Im Vergleich zur Debütsaison hat sich Union – gerade aufgrund von Max Kruse – spielerisch nochmal weiterentwickelt. Weg vom reinen Underdog-Fußball, hin zu mehr Spielkultur. Natürlich gab es auch schwierigere Phasen, als Kruse verletzt fehlte. Aber sie trotzten der Regel des verflixten zweiten Jahres in der Bundesliga für Aufsteiger, gerieten zu keinem Zeitpunkt auch nur in die Nähe des Abstiegskampfs. Ganz im Gegenteil: Die „Eisernen“ standen praktisch die gesamte Saison über im Dunstkreis der europäischen Plätze. Dass sie sich tatsächlich qualifizierten, ist überraschend, aber keineswegs unverdient. Und man darf davon ausgehen, dass die Berliner auch diese Erfahrung in positive Energie umwandeln werden, um sich als Klub in der Bundesliga weiter zu etablieren.

Der Transfersommer von Union Berlin

Es war ein äußerst bewegter Transfersommer in Berlin-Köpenick. Während einige Leistungsträger wie Christopher Lenz (26/Eintracht Frankfurt) oder Joel Pohjanpalo (26/Leverkusen, Leihende) den Verein verließen, kam mit Tymoteusz Puchacz (22) ein neuer Linksverteidiger, sowie viele Spieler für die Kaderbreite, was mit drei Wettbewerben in der kommenden Saison keine ganz schlechte Idee ist. Taiwo Awoniyi (23) wurde fest aus Liverpool verpflichtet, dazu kam für den Angriff auch noch Andreas Voglsammer (29) von Arminia Bielefeld und Kevin Behrens (30) aus Sandhausen. Im Mittelfeld bediente sich Union in Hannover und verpflichtete Genki Haraguchi (30) sowie Rani Khedira (27) aus Augsburg. Defensiv kamen unter anderem Rick van Drongelen (22) vom HSV oder Timo Baumgartl (25) per Leihe aus Eindhoven. Mit Frederik Rønnow (28) holte sich Union einen weiteren Torhüter. Er kam für den abgewanderten Loris Karius (28).

Neuzugänge wissen zu überzeugen – Union vor Saisonstart in guter Form

Dieser Sommer darf einmal mehr als Meisterwerk von Sportgeschäftsführer Oliver Ruhnert (49) verstanden werden. Bereits 2014/15 spielte der SC Freiburg in der Europa League, konnte der Dreifachbelastung nicht standhalten – und stieg aus der Bundesliga ab. Selbiges Schicksal ereilte den 1. FC Köln 2017/18. Um sicherzustellen, dass Union gut für den europäischen Wettbewerb vorbereitet ist, stellte Ruhnert seinem Trainer Urs Fischer (55) einen sowohl breiten, als auch homogenen Kader zur Verfügung, der obendrein noch über eine sehr gute Altersstruktur verfügt. Die meisten Neuzugänge sind gerade einmal Mitte 20. Mit van Drongelen und Puchacz hat man zudem noch zwei Spieler, die ihre finale Entwicklungsstufe noch nicht erreicht haben.

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Gerade der Transfer von Haraguchi zeigt, dass der Verein spielerisch noch eine Stufe weiter nach oben will. In der bisherigen Vorbereitung gegen Viktoria Berlin (5:2), Dynamo Dresden (3:0), Dynamo Kiev (1:1), OGC Nizza (2:0) um Lilles Meistertrainer Christophe Galtier (54) sowie Athletic Bilbao (2:1) wussten sie diesen Anspruch bereits zu untermauern. Die Mannschaft konnte offensiv auch ohne den olympisch verhinderten Max Kruse überzeugen. Angetrieben von der Doppelspitze aus Awoniyi und Voglsammer im 4-4-2 kam Union auf insgesamt elf Treffer in vier Spielen, bei gerade einmal drei Gegentoren. Im DFB-Pokal gab es ein knappes 1:0 bei Türkgücü München.

Player to watch: Tymotheusz Puchacz

Die Transferstrategie von Union Berlin ist eigentlich relativ einfach erklärt: So wenig Risiko wie möglich. Am besten deutschsprachig, bundesligaerfahren und – wenn möglich – auch ablösefrei. Damit ist der Verein in seinen zwei Bundesligasaisons bisher hervorragend gefahren. Doch beim Nachfolger des zu Eintracht Frankfurt abgewanderten Christopher Lenz wurden alle drei Gebote über Bord geworfen. Mit Tymotheusz Puchacz verpflichtete Union einen 22-Jährigen von Lech Posen für die klubinterne Rekordsumme von 3,5 Millionen Euro.

Oliver Ruhnert frohlockte bei der Vorstellung: „Tymoteusz war in den letzten beiden Jahren Stammspieler bei Lech Posen und hat seine Qualitäten auch international bereits unter Beweis gestellt. Mit ihm bekommen wir einen entwicklungsfähigen Spieler, der unsere Mannschaft in unserem dritten Jahr in der Bundesliga noch besser machen kann. Tymoteusz Puchacz war unsere absolute Wunschlösung für eine Verpflichtung auf dieser Position, deshalb sind wir froh, dass er sich für Union entschieden hat.“

Was Puchacz auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit. Die meisten seiner Profispiele absolvierte er zwar als Linksverteidiger. Trotzdem kann er auch links offensiv, sowie auf der rechten Seite spielen.

Union Berlin 2021/22: Prognose Bundesliga

Union Berlin hat seine Aktivitäten auf dem Transfermarkt weitestgehend beendet, um den fertigen Kader frühestmöglich beisammen zu haben. Die Vereinsspitze hat dabei bewiesen, dass sie sich dessen bewusst ist, was auf sie zukommt und die Mannschaft entsprechend verstärkt. Zwar geben sie nach außen weiterhin das Ziel „Klassenerhalt“ aus. Doch sollte Union mit der Dreifachbelastung zurechtkommen, wäre das unnötiges Understatement.

Mit Urs Fischer verfügt man über einen Trainer, dem der europäische Wettbewerb aus seiner Zeit in Basel durchaus geläufig ist, sodass es eigentlich auch hier nicht zu Überraschungen negativer Art kommen dürfte. Schlimmstenfalls landet Union im unteren Mittelfeld, aber nicht im Abstiegskampf. Nach oben hingegen ist die Skala offen. Union ist es durchaus zuzutrauen, sich erneut für Europa zu qualifizieren – und dort die etabliertere und betuchtere Gesellschaft zu ärgern.

FC Augsburg (Letzte Bundesliga-Saison: 13.)

Es war einmal mehr eine Saison für den FC Augsburg, die einer Achterbahnfahrt glich. Der Start war mehr als nur vielversprechend. An den ersten beiden Spieltagen gab es Siege an der alten Försterei (3:1) und gegen Borussia Dortmund (2:0). Doch je länger die Saison dauerte, desto biederer wurden auch die Auftritte der Fuggerstädter. Die Kritik an Trainer Heiko Herrlich (49) nahm zu, Stefan Reuter (54) hielt aber lange Zeit an ihm fest. Auch, als es zwischen Anfang Januar und Mitte Februar aus acht Spielen lediglich sechs Punkte gab.

Die nächste Serie Mitte April, beziehungsweise eine 2:3-Heimniederlage im Schlüsselduell gegen den ebenfalls stark abstiegsbedrohten 1. FC Köln, stellte sich jedoch als eine zu viel heraus. Herrlich wurde entlassen und ersetzt durch einen alten Bekannten: Markus Weinzierl (46). 2014/15 führte er den FCA sensationell auf Platz 5 und damit in die Europa League. Diesmal galt es, auch noch ein elftes Jahr Bundesliga zu sichern.

Diese Mission ging Weinzierl mit einer Menge Optimismus an. Zwar setzte es bei Ex-Klub Stuttgart zum Einstand eine 1:2-Niederlage, doch Weinzierl konzentrierte sich darauf, das Positive zu sehen. Zum Beispiel, dass man mit einem Sieg gegen Werder Bremen den Klassenerhalt fix machen konnte. Etwaige Gedanken an ein Finale am 34. Spieltag in der Allianz Arena wurden vorerst verdrängt. Und selbst wenn es so kommen sollte: Während seiner ersten Amtszeit besiegte Weinzierl die Münchener 2013/14 zuerst zuhause und eine Saison später auch auswärts je 1:0.

Wie schon bei den Mainzern, tat die Dosis Vereins-DNA auch dem FC Augsburg gut. Rani Khedira sowie Daniel Caligiuri (33) besiegelten den 2:0-Erfolg über Werder Bremen und damit den Klassenerhalt. Die 2:5-Niederlage beim FC Bayern am letzten Spieltag fiel nicht weiter negativ ins Gewicht, Augsburg wurde am Ende Tabellendreizehnter.

Der Transfersommer des FC Augsburg

… war anders, als bei Union Berlin eher ein ruhiger und bedachter. Mit Lasse Günther (18) kam ein hochtalentierter Rechtsaußen aus dem Campus des FC Bayern. Dazu Daniel Klein (20), weil sich Ersatztorhüter Benjamin Leneis (22) in Magdeburg mehr Einsatzzeiten erhofft.

Den größten Fang hat der FCA allerdings mit Niklas Dorsch (23) hingelegt. Rani Khedira veränderte sich in Richtung der alten Försterei. Für den U21-Europameister überwies Augsburg schlanke sieben Millionen Euro nach Gent. Um optimal in neuer Umgebung anzukommen, klinkte sich Dorsch sogar vom olympischen Fußballturnier aus. Außerdem lieh der FCA U21-Europameister-Kapitän Arne Maier (22) von Hertha BSC aus. Ansonsten kehrte noch Sergio Córdova (23/Bielefeld) nach abgeschlossener Leihe wieder zurück.

Viel Potential, aber auch viel Nachholbedarf in der Offensive

Der Kader des FC Augsburg gibt auf dem Papier einiges her. Ein mehr als nur grundsolider Torhüter mit Rafal Gikiewicz (33), dazu eine Menge Potential in Verteidigung und Mittelfeld, darunter Felix Uduokhai (23), Reece Oxford (22) oder Rubén Vargas (22) in vorderster Instanz.

Die Frage ist allerdings immer, was man aus diesen Möglichkeiten macht. Zwar begann die vergangene Saison denkbar vielversprechend, doch danach ließ der FCA immer wieder abreißen, spielte einen biedereren Fußball, als zwingend nötig und geriet so letztendlich in den Abstiegskampf. Ein Grund dafür war, dass man lediglich 36 Tore in 34 Spielen erzielte. Der beste Torschütze, André Hahn (30) traf achtmal. 2019/20 konnte Florian Niederlechner noch 13 Treffer verbuchen. Völlig überraschend blieb Alfred Finnbogason (32) – in der Vorsaison immerhin noch dreifach erfolgreich – diesmal gänzlich ohne Treffer und kam auf nur eine Vorlage in 17 Spielen.

Unter Markus Weinzierl zeigte die Mannschaft in der Bundesliga eine Aufwärtstendenz. Die Auftritte waren zwar weiterhin eher bedingt ein Fall für die Galerie, doch die Ergebnisse stimmten im entscheidenden Moment. Auch nach dem 0:4-Halbzeitrückstand in der Allianz Arena zerfiel Augsburg nicht weiter in seine Einzelteile, sondern „gewann den zweiten Durchgang“ 2:1.

In der Vorbereitung gab es gegen den HSV sowie Qarabağ Ağdam je 2:2-Unentschieden, bevor man Paris Saint-Germain aufgrund eines späten Eigentores von Jeffrey Gouweleeuw (30) 1:2 unterlag. Zuletzt aber konnte man sich im Duell mit Cagliari 3:1 durchsetzen. Das zeigt: Vor Weinzierl liegt noch etwas Arbeit, was auch im DFB-Pokal ersichtlich wurde. Mit Oberligist Greifswald hatte der FCA durchaus seine Schwierigkeiten, gewann letztendlich aber trotzdem 4:2.

Augsburgs Trainerrochade – Bringt Weinzierl wieder Ruhe rein?

Man kann dem Trainerstuhl des FC Augsburg wahrlich nicht nachsagen, er sein ein heißer. Doch in den letzten Jahren – und vor allem nach Weinzerls erster Amtszeit – stand unter ihm bisweilen ein Topf mit köchelndem Wasser. Dirk Schuster hielt es gerade einmal fünf Monate im Amt, Martin Schmidt und Heiko Herrlich je rund ein Jahr. Manuel Baum schien lange Zeit die Optimallösung zu sein. Letztendlich musste Stefan Reuter nach gut zwei Jahren auch bei ihm die Reißleine ziehen.

Nun also wieder Markus Weinzierl. Lediglich Armin Veh hatte zwischen 1990 und 1995 eine noch längere Amtszeit als er. Es bleibt zu sehen, wie lange die Beziehung diesmal hält.

Player to watch: Niklas Dorsch

Geholt wurde Weinzierl, um wieder den mutigen, kompakten und aggressiven Außenseiterfußball spielen zu lassen, mit dem Augsburg schon 2015 auf Platz 5 in der Bundesliga stürmte. Dafür gilt es zum einen, das Selbstvertrauen der schon vorhandenen Spieler zu stärken und zum anderen, wieder eine Achse herzustellen.

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Ein Schlüsselspieler wird mit ziemlicher Sicherheit Niklas Dorsch sein. Nachdem er 2018 den FC Bayern aufgrund mangelnder Einsatzzeiten bei den Profis verließ, verfolgte er einen zwar unorthodoxen, aber keineswegs unlogischen Karriereweg. Über Heidenheim und Gent ging es nun nach Augsburg. Aus der Münchener Talentschmiede zu einem aufstrebenden Verein der 2. Bundesliga. Von dort aus in die Spitze des belgischen Fußballs und nun zu einem etablierten Verein im Tabellenmittelfeld der Bundesliga.

Schon beim Gewinn der U21-Europameisterschaft in Ungarn und Slowenien zeigte Dorsch, dass er in der Lage ist, eine Mannschaft anzuführen. Zusammen mit Arne Maier bildete er das Rückgrat des Teams von Stefan Kuntz (58) – und bald auch in Augsburg. Besonders diese beiden stehen sinnbildlich für den Fußball, den Markus Weinzierl wieder beim FCA etablieren will.

FC Augsburg 2021/22: Prognose Bundesliga

Letzte Saison hielt der FC Augsburg die Klasse denkbar knapp. Dieses Jahr muss es Markus Weinzierl schnell gelingen, die FCA-Philosophie wieder in Gänze zu implementieren. Denn der Start in die neue Spielzeit ist mit Hoffenheim (H), Frankfurt (A), Leverkusen (H), Union Berlin (A) und Borussia Mönchengladbach (H) durchaus anspruchsvoll.

Sollte der FCA nach den ersten fünf Spielen nicht allzu sehr ins Hintertreffen geraten, ist die Basis für eine ruhigere Saison gelegt. Individuell sind die Augsburger sowieso stark genug besetzt, um die Klasse zu halten. Wenn sie nicht – wie letzte Saison oft genug geschehen – ihre mäßig begabten Zwillingsbrüder aufs Feld schicken, dann sollte einem sicheren Platz im Mittelfeld nicht viel im Wege stehen.

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Victor Catalina

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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