Europa League Vorschau – Gruppe H: Ludogorets, ZSKA Moskau, Ferencváros, Espanyol

UEFA CL/EL

Vorschau | Am 19. September startet die Gruppenphase der UEFA Europa League! 48 Mannschaften haben sich für diesen Wettbewerb qualifiziert, wieder einmal herrscht eine enorme Bandbreite, große Namen sind ebenso vertreten wie kleinere, unbekannte Teams, die den Reiz dieses Wettbewerbs ausmachen. Wir stellen alle 12 Gruppen detailliert vor!

Gruppe A: Sevilla, APOEL, Qarabag, Düdelingen

Gruppe B: Dynamo Kiew, Kopenhagen, Malmö, Lugano

Gruppe C: FC Basel, Krasnodar, Getafe, Trabzonspor

Gruppe D:  Sporting CP, PSV, LASK, Rosenborg

Gruppe E: Lazio, Celtic, Rennes, Cluj

Gruppe F: Arsenal, Frankfurt, Lüttich, Vitoria SC

Gruppe G: FC Porto, Young Boys, Rangers, Feyenoord

Gruppe H: Ludogorets, ZSKA Moskau, Ferencvaros, Espanyol

Ludogorets

(Letzte Saison: Gruppenphase EL)

In der Vorsaison scheiterte Ludogorets in der Qualifikation zur Champions League etwas überraschend an MOL Vidi, schaffte in der Folge über die Stationen Zrinjski Mostar und Torpedo Kutaisi die Qualifikation zur Europa League. Und dort musste man eine große Enttäuschung hinnehmen: Ohne einen einzigen Sieg schied man als Tabellenletzter noch hinter dem AEK Larnaca aus Zypern aus. Das soll sich nun nicht wiederholen. 

Einige neue Impulse

In der heimischen bulgarischen Liga konnte Ludogorets wieder einmal den Titel gewinnen, auch in der aktuell laufenden Saison steht der Klub auf Tabellenplatz 1, nachdem man im Sommer nicht allzu viel auf dem Transfermarkt machte. Der Kader war bereits relativ homogen zusammengestellt, einzelne neue Impulse sollten ausreichen. Trainer der Mannschaft ist der 57-jährige Stoycho Stoev, der das Amt als Cheftrainer im März 2019 übernahm. 

Doch zurück zum Transfersommer: Neben einigen Leihen muss Ludogorets in der neuen Saison auch auf Linksverteidiger Natanael (28) verzichten, der in seine brasilianische Heimat wechselte. Auch Ventsislav Kerchev (22, Vratsa) und Lucas Sasha (29, Aris Saloniki) wechselten den Verein. 

Eine Transferoffensive mit großen Namen konnte man von Ludogorets nicht erwarten und so wurden mit Jordan Ikoko (25, Guingamp), Stephane Badji (29, Bursaspor), Mavis Tchibota (23, Bnei Yehuda), Jorginho (23, Saint-Etienne) und Dan Biton (23, Ashdod) fünf neue Spieler verpflichtet, die eher unbekannt sind, dem Kader aber weiterhelfen können. 

Solides System, individuelle Klasse

Dennoch will zu Saisonbeginn die ganz große Euphorie nicht aufkommen. Einige Spiele wurden überzeugend gewonnen, häufig blieb vieles Stückwerk. Wenn das System von Stoev funktioniert, dann ist alles gut. Wenn nicht, drohen bereits national sehr zähe Spiele, in denen die Kreativität in vielen Momenten fehlt. 

Das 4-3-3 oder 4-2-3-1 ist nicht unfassbar facettenreich, sondern recht gewöhnlich. Ein solides, kompaktes Zentrum, dazu Außenverteidiger, die sich zwar nach vorne einschalten, aber viel Wert auf die Balance legen, ein laufstarkes Mittelfeld und viel individuelle Klasse in der Offensive sind die Kernelemente des Spiels von Ludogorets. 

(Photo by Dimitar DILKOFF / AFP)

Zu den Spielern mit der angesprochenen individuellen Klasse gehört im Offensivzentrum Marcelinho. Der 35-jährige ist noch immer ein wertvoller Spieler, bewegt sich klug zwischen den Linien und löst viele Situationen mit seinem guten Auge. Er harmoniert gut mit seinen Offensivkollegen auf den Außenbahnen, dort sind vor allem Jody Lukoki (26) und Wanderson (31) hervorzuheben. 

Im Sturmzentrum treibt insbesondere Claudiu Keseru sein Unwesen. Der 32-jährige Rumäne ist weder besonders schnell, noch ein technisch versierter Konterstürmer, aber er ist im 16er eiskalt. Fünf Ligatore erzielte Keseru schon in dieser Saison, er ist der absolute Toptorjäger des Klubs und nur schwer aus dem Spiel zu nehmen.

Im Fokus: Jorginho

Der 23-jährige Flügelspieler aus Guinea-Bissau spielte in der Jugend bei Manchester City, wechselte in der Folge zum FC Arouca nach Portugal. Von dort wurde er nach Saint-Etienne verliehen, später fest verpflichtet. Doch vollends durchsetzen konnte er sich nicht, wurde nach Chaves und zu ZSKA Sofia verliehen. In Saint-Etienne hatte er keine großen Einsatzchancen, weswegen der Wechsel zu Ludogorets die logische Folge war. Und zu Saisonbeginn zeigte Jorginho bereits, welche Qualitäten er hat. Mit zwei Toren und vier Vorlagen in zehn Pflichtspielen stellte er seine Effizienz unter Beweis. Er kann in der Offensive ein wichtiges Puzzleteil sein, wenn er diese Form bestätigt.

Prognose

Diese Gruppe in der Europa League ist relativ ausgeglichen, Ludogorets hat gute Chancen auf das Weiterkommen. Gegen Ferencvaros ist man Favorit, Espanyol muss sich mit der Dreifachbelastung arrangieren und ZSKA ist zwar mit allen Wassern gewaschen, aber qualitativ nicht auf einem unfassbar hohen Level. Die bisher aufgetretenen Probleme müssen behoben werden, dann ist alles möglich.

Manuel Behlert

ZSKA Moskau

(Letzte Saison: Gruppenphase CL)

Im Sommer 2018 gab es einen gewaltigen Umbruch bei ZSKA. Die legendären Verteidiger Vasili Berezutski, Aleksey Berezutski und Sergei Ignashevich beendeten ihre Karriere, Spielmacher Aleksandr Golovin wurde an die AS Monaco verkauft und auch sonst musste man einige schmerzhafte Abgänge hinnehmen. Von einer großen Euphorie nach der WM im eigenen Land war wenig zu spüren, vielmehr vollzog der ehemalige Armee-Verein einen sehr bescheidenen Umbruch. Zahlreiche junge Spieler sollten die Abgänge kompensieren, angeleitet vom ebenfalls jungen Trainer Viktor Goncharenko. Ein Jahr danach lässt sich festhalten, dass der Umbruch durchaus gut gelungen ist.

Das Aus in der Gruppenphase der Champions League war nicht der Maßstab und der vierte Platz in der Liga daher, im Angesicht der Situation, durchaus als Erfolg zu werten. Viele der jungen Spieler konnten sich in der ersten Mannschaft etablieren und verleihen der Mannschaft damit ein gutes Grundgerüst für die kommenden Jahre. ZSKA kann der Zukunft also durchaus positiv entgegenblicken.

Gemeinsam den nächsten Schritt machen

Und nicht nur Zukunft ist vielversprechend, auch in der Gegenwart macht die Mannschaft einen guten Eindruck. Nach acht Spieltagen steht die Mannschaft mit 16 Punkten auf Platz 4 und hat nur einen Punkt Rückstand auf Spitzenreiter Rostow, auch in der Europa League hat man viel vor. Die verhältnismäßig leichte Gruppe macht das Weiterkommen fast schon zur Pflicht, weshalb auch hier das alle Möglichkeiten bestehen. Trotzdem dürfte der Fokus natürlich auf dem Meisterschaftskampf in der Liga liegen, denn diesen möchte die Mannschaft nach einem Jahr des Umbruchs unbedingt wieder annehmen.

Um dafür gerüstet zu sein, hat ZSKA seine Mannschaft aus dem Vorjahr nahezu vollständig zusammen gehalten. Mit Abel Hernandez und Nikitia Chernov wurden im Grunde nur zwei Ergänzungsspieler abgegeben, während Rodrigo Becao, der nach seiner Leihe nicht fest verpflichtet werden konnte, der einzige Leistungsträger ist, der gegangen ist. Die anderen beiden geliehenen Leistungsträger, Nikola Vlasic (21) und Igor Diveev (19), konnten dagegen fest verpflichtet werden. Vlasic kostete 15,7 Millionen Euro Ablöse und kam vom FC Everton, Diveev kostete nur 1,5 Millionen Euro Ablöse und kommt vom FK Ufa. Darüber hinaus verpflichteten die Moskauer lediglich drei Spieler: Lucas Santos (20), Cedric Gogoua (25) und Zvonimir Sarlija (23).

(Photo by Epsilon/Getty Images)

Jugendlicher Elan als X-Faktor?

Dementsprechend bleibt das Grundgerüst der Mannschaft weitestgehend unverändert. Die Achse rund um die erfahrenen Igor Akinfeev (33), Mario Fernandes (28), Georgi Schennikov (28) und Alan Dzagoev (29), der bald endlich wieder fit sein sollte, wird ergänzt um die jungen Leistungsträger Diveev (19), Akhmetov (21), Oblyakov (21), Sigurdsson (20), Vlasic (21) und Chalov (21). Der Isländer Hördur Magnusson (25) und Neuzugang Gogoua (25), der als Innenverteidiger in seinen ersten sechs Premier Liga Spielen drei (!) Tore erzielte, vervollständigen darüber hinaus die Dreier-Abwehrkette in Goncharmenkos 3-4-2-1-System, während Vasin (30), Bistrovic (21), Bijol (20), Kuchaev (21) und Nichimura (22) weitere Alternativen für die Mannschaft sind.

ZSKA kann dementsprechend auf eine gute eingespielte Mannschaft setzen, die sich nicht erst noch finden muss. Der jugendliche Elan, der in der letzten Saison u.a. einen 1:0-Sieg gegen Real Madrid in der Gruppenphase der Champions League ermöglichte, ist eine große Chance, obwohl allen Beteiligten natürlich auch klar sein dürfte, dass man dafür sicherlich auch mal Lehrgeld zahlen werden muss. Trotzdem scheint der eingeschlagene Weg genau der richtige für den Verein zu sein, was sich nicht zuletzt darin äußerte, dass die beiden „Shootingstars“ der letzten Saison, Torschützenkönig Chalov (15 Ligatore) und Vlasic (drei Tore und zwei Assists in den sechs Champions League Spielen), trotz anderer, sehr guter Angebote gehalten werden konnten.

Etwas mehr frisches Blut hätte ZSKA allerdings durchaus gut tun können, da der Kader nicht besonders tief ist, was gerade in den englischen Wochen und mit der Doppelbelastung aus intensiven Ligaspielen und der Europa League problematisch werden könnte. Hier ist vor allem Trainer Goncharenko gefordert, er muss clever und sorgsam mit den Ressourcen umgehen. Sollte ihm das Gelingen, sieht es sowohl national, als auch international, ganz gut aus.

Im Fokus: Fedor Chalov

Fedor Chalov gilt derzeit als das womöglich größte Talent im russischen Fußball. Der Stürmer wurde bereits im Alter von nur 21 Jahren Torschützenkönig der russischen Liga und hat in seinen bisher 94 Ligaspielen stolze 33 Tore erzielt und 16 weitere vorbereitet. Eine beeindruckende Quote. Diese Leistungen blieben natürlich nicht unbemerkt und ließen im Sommer u.a. Crystal Palace, Everton, Monaco und Nizza auf den Plan treten, die allesamt intensiv um seine Dienste geworben haben sollen. Er widerstand diesen Versuchungen und wird auch in dieser Spielzeit den Angriff seines Heimatvereins anführen – ein enorm wichtiges Signal für den ganzen Verein.

(Photo by David Ramos/Getty Images)

Chalov ist allerdings kein typischer „Neuner“, er ist ein beweglicher Stürmer mit einem relativ großen Aktionsradius und großen spielerischen Qualitäten. Er ist schnell und flink, stark im Dribbling und abgebrüht bis schlitzohrig vor dem Tor. Er nimmt sich seine Einzelaktionen, kann aber auch seine Mitspieler in Szene setzen und Tore vorbereiten. Wenn er sich tiefer fallen lässt, scheut er sich nicht den Ball nach vorne zu treiben, während er im letzten Drittel mit Vorliebe die Tiefe sucht. Mit seinen 1,80m ist er allerdings nicht besonders kopfballstark und tritt demnach auch nicht als Zielspieler, der den Ball in der vordersten Reihe festmacht, auf. Damit kann ZSKA, das auf eine flexible, bewegliche Offensive setzt, aber auch bestens leben. Auf Fedor Chalov sollte ihr also auf jeden Fall achten!

Prognose

ZSKA Moskau ist, neben Espanyol Barcelona, der große Favorit dieser Gruppe. Razgrad ist zwar durchaus unangenehm und auch Ferencvaros sollte nicht unterschätzt werden, doch im Normalfall sollten die Russen mit den Spaniern um den Gruppensieg kämpfen. Die relativ geringe Kadertiefe und die große Konkurrenz in der Liga sind zwar ordentliche Herausforderungen, aber zumindest im Laufe der Hinrunde sollte ZSKA damit noch relativ locker fertig werden. Was darüber hinaus in der Europa League möglich ist, ist, auch angesichts der Problematik mit der Winterpause in Russland, schwer einzuschätzen. Mehr als das Achtelfinale ist ihnen aber nicht unbedingt zuzutrauen.

Christoph Albers

Ferencvaros

(Letzte Saison: Nicht qualifiziert)

Ferencvaros aus Budapest feierte in der letzten Saison einen absolut souveränen Meistertitel in Ungarn. 13 Punkte Vorsprung hatte der Klub am Ende, in der Qualifikation scheiterte man dann aber an Maccabi Tel-Aviv. Der Traum von Europa war also schnell zu Ende, in dieser Saison lebt er aber erneut. 

Mannschaft der Namenlosen?

Die Saison für Ferencvaros begann direkt mit einem Paukenschlag. In der ersten Runde der Qualifikation für die Champions League schlug man Ludogorets, auf die man in der Gruppenphase erneut trifft, in beiden Spielen. In der Folge setzte sich Ferencvaros gegen Valletta FC durch, ehe gegen Dinamo Zagreb (1:1, 0:4) Schluss war. In den Playoff-Spielen zur Europa League schlug man sich gegen Suduva (0:0, 4:2), aus den ersten drei Pflichtspielen in der heimischen Liga konnte man sechs Punkte einfahren. Vollends zufrieden ist man damit aber nicht. 

Vor allem die 1:4-Niederlage beim Puskas AFC war ein großer Dämpfer. Auch die anderen beiden Ligaspiele, die 1:0 gewonnen wurden, sorgten nicht für Begeisterungsstürme. Auf der Abgangsseite tat sich im Sommer einiges, viele Ergänzungsspieler verließen den Verein. Der Abgang von Fernando Gorriaran (24), den es nach Mexiko zog, ist qualitativ sicher am schwersten zu verkraften. 

Viele Spieler, die hierzulande bekannt sind, stehen nicht im Kader von Ferencvaros. Linksverteidiger Marcel Heister (27), der aus der Jugend von Reutlingen stammt und später in der 2. Mannschaft der TSG Hoffenheim spielte, gehört zu den bekannteren Namen. Das gilt auch für Gergo Lovrencsics (31), der bereits 32-mal für die Nationalmannschaft Ungarns spielte. 

(Photo by ATTILA KISBENEDEK/AFP/Getty Images)

Der Star ist der Trainer

„Große“ Transfers wurden in diesem Sommer nicht getätigt und ohnehin  verfügen die Ungarn nicht über die Mittel, um viel Geld auszugeben. Zubkov und Ihnatenko (beide 22) wurden aus Donezk ausgeliehen, Franck Boli (25) kam aus Stabaek, Gergo Szecsi und David Grof (beide 30) wurden aus der ungarischen Liga verpflichtet. Zudem kamen Michal Skvarka (26, Zilina) und Eldar Civic (23, Sparta Prag).

Der „Star“ der Mannschaft steht aber nicht auf dem Platz, sondern sitzt auf der Trainerbank. Serhij Rebrov, der in seiner Karriere für Shakhtar, Dynamo Kiew, Tottenham, Fenerbahce, West Ham und Rubin Kasan spielte und zudem eine wichtige Rolle in der Nationalmannschaft spielte, ist seit Sommer 2018 Trainer von Ferencvaros. 

Zuvor war Rebrov bereits im Trainerteam der ukrainischen Nationalmannschaft tätig, zunächst als Assistent und später drei Jahre Cheftrainer bei Dynamo Kiew. Von 2017-2018 stand er bei Al-Ahli unter Vertrag, danach zog es Rebrov nach Budapest. Mit 2,07 Punkten im Schnitt hat er eine solide Bilanz vorzuweisen, doch neben den guten Ergebnissen sind fußballerische Probleme weiterhin allgegenwärtig. Vieles wird mit individueller Klasse geregelt. Rebrov muss mit seiner Mannschaft also Lösungen finden und das Ballbesitzspiel verbessern, wenn in der Europa League Akzente gesetzt werden sollen. 

Im Fokus: Gergö Lovrencics

Der 31-jährige spielt seit 2016 für Ferencvaros und ist der Kapitän seiner Mannschaft. Lovrencics, der damals von Lech Posen kam, spielt auf der rechten Seite und kann sowohl defensiv als auch offensiv eingesetzt werden. Seine enorme Erfahrung hilft der Mannschaft weiter, Lovrencics ist so etwas wie der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz und ein Spieler, der sich vollends in den Dienst der Mannschaft stellt. 

Prognose

Gemessen an der individuellen Qualität der Mannschaft ist Ferencvaros eher der Außenseiter in dieser Gruppe. Das bedeutet nicht, dass ein Weiterkommen ausgeschlossen ist, es wäre allerdings eine sehr große Überraschunginsbesondere, weil zu Saisonbeginn noch nicht alles nach Plan lief.

Manuel Behlert

RCD Espanyol

(Letzte Saison: Nicht qualifiziert)

Espanyol Barcelona kehrt nach zwölf Jahren der Abwesenheit auf die europäische Bühne zurück. Bei der letzten Europapokal-Teilnahme erreichten die Katalanen sensationell das UEFA Cup Finale und mussten sich dort im Elfmeterschießen dem FC Sevilla geschlagen geben. Nun unternehmen sie einen neuen Anlauf, ihr erster, seit der Umbenennung zur Europa League.

Mit dieser Teilnahme war allerdings lange Zeit gar nicht unbedingt zu rechnen. Nach einem sehr guten Start in die Saison 2018/19, stürzte Espanyol vom zweiten Tabellenplatz, den sie nach elf Spielen inne hatten, auf den 15. Tabellenplatz, nach 21 Spieltagen, ab. Trotz der neun Niederlagen in zehn Spielen in diesem Zeitraum, hielt die Vereinsführung an Trainer Rubi fest und sollte damit absolut Recht behalten. Denn dank eines tollen Endspurts und der schwächelnden Konkurrenz schoben sich die „Pericos“ noch am letzten Spieltag auf den siebten Platz und verdrängten damit Athletic Bilbao aus den Europa League Rängen. Diese überraschende Wendung sorgte für eine herbe Enttäuschung im Baskenland und einen spontanen Platzsturm in Barcelona, was den Sensationscharakter dessen nochmals unterstreicht.

Als Siebter der spanischen Liga war Espanyol allerdings noch lange nicht für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Drei Qualifikationsrunden mussten sie noch überstehen, doch Stjarnan Gardabaer (Island), der FC Luzern (Schweiz) und Zorya Luhansk (Ukraine) stellten keine allzu großen Hürden dar, sodass die „Pericos“ nun auf die große Reise durch Europa gehen können.

 (Photo by Alex Caparros/Getty Images)

Die Kehrseite des Erfolgs

Trotz der so erfolgreichen letzten Saison, wollte im Sommer keine richtige Euphorie aufkommen. Der Grund dafür: Erfolgstrainer Rubi verließ den Verein und schloss sich Real Betis an, ebenso wie Top-Torjäger Borja Iglesias (26), der seinem Trainer einige Wochen später für eine Ablösesumme von 28 Millionen Euro folgte. Darüber hinaus musste man auch Mario Hermoso (24), den wohl besten Verteidiger Espanyols in den letzten Jahren, zu Atletico Madrid ziehen lassen. Sportlich gesehen herbe Verluste, doch für Espanyol die große Möglichkeit den sportlichen Erfolg ökonomisch gesehen nochmals zu vergolden.

Insgesamt gewinnt man als neutraler Beobachter den Eindruck, dass die Vereinsverantwortlichen nicht davon ausgehen, dass die erneute Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb gelingen könnte. Angesichts des nationalen Konkurrenz, die im Sommer mitunter mächtig aufrüstete, ist das sicherlich vernünftig, doch diese mangelnde Überzeugung äußert sich klar erkennbar in der Transferpolitik und macht die Arbeit für Neu-Trainer David Gallego nicht gerade einfach.

Von den insgesamt 59 Millionen Euro, die durch Spielerverkäufe eingenommen werden konnten, wurden lediglich 18,5 Millionen Euro in die Mannschaft reinvestiert. Der argentinische Flügelspieler Matias Vargas (22) war dabei mit einer Ablöse von 10,5 Millionen Euro mit Abstand die kostspieligste Neuerwerbung, er kam von Velez Sarsfield (Argentinien). Ansonsten zahlten die Katalanen nur für Innenverteidiger Fernando Calero (23) eine Ablösesumme. Er kam für acht Millionen Euro von Real Valladolid und soll Hermoso ersetzen. Ansonsten wurden mit Andres Prieto (25), Ander Iturraspe (30), Bernardo Espinosa (30), Sebastien Corchia (28) und Jonathan Calleri (25) lediglich ablösefreie Transfers oder Leihen realisiert.

Mit einem neuen Ansatz und heimischen Talenten

Calleri stellt dabei allerdings eine kleine Ausnahme dar. Der 25-jährige Argentinier wurde zunächst für ein Jahr vom CD Maldonado (Uruguay) ausgeliehen, kann aber im kommenden Sommer für eine Ablöse von 22 Millionen Euro fest verpflichtet werden, was ihn zum teuersten Transfer des Vereins machen würde. Calleri spielte bereits die letzten beiden Jahre in La Liga, jeweils auf Leihbasis. In der Saison 2017/18 spielte er für UD Las Palmas und erzielte neun Tore (+ drei Vorlagen) in 37 Ligaspielen, während er in der Saison 2018/19 neun Tore (+ zwei Vorlagen) in 34 Ligaspielen für Deportivo Alves erzielen konnte. Er hat sich also schon durchaus bewiesen, doch ob er Borja Iglesias, der in der abgelaufenen Spielzeit 17 Tore in der Liga erzielen konnte, ist noch mehr als zweifelhaft. Immerhin sind sie ähnliche Spielertypen, was die Anpassung für ihn und die Mannschaft erleichtern dürfte.

Espanyol hat seinen Ansatz, Vergleich zur letzten Saison, allerdings etwas verändert und spielt seit dieser Spielzeit vornehmlich im 4-3-3-System und versucht sich in einem deutlich spielerischeren Ansatz, der vor allem die offensiven Flügelspieler, Neuzugang Vargas und den talentierten Oscar Melendo (22), mehr in die Verantwortung nimmt. Das Prunkstück der Mannschaft ist allerdings das Mittelfeld um Schlüsselspieler Marc Roca (22), den Routinier Victor Sanchez (32) und Sergi Darder (25). Der Verbleib Rocas, der das Spiel aus der Tiefe diktiert, ist für Espanyol der wahrscheinlich der größte Erfolg des Transfersommers (der FC Bayern war ja bekanntlich interessiert). Ohnehin ist es eine große Qualität Espanyols, dass man über einige hochtalentierte, selbstausgebildete Spieler verfügt, wie z.B. Linksverteidiger Adria Pedrosa (21) oder eben Melendo sowie Roca.

Im Fokus: Marc Roca

Wie soeben erwähnt, stand Roca im Sommer wohl auch im Fokus des FC Bayern. Der Spieler selbst soll wohl nicht abgeneigt gewesen sein, doch die Münchner weigerten sich die (verhältnismäßig geringe) Ausstiegsklausel von 40 Millionen Euro zu ziehen. Dieser Verzicht könnte sich noch als großer Fehler herausstellen, denn ihnen ist ein hochinteressanter und hochveranlagter Spieler durch die Lappen gegangen.

Der 22-jährige Spanier kommt im defensiven Mittelfeld zum Einsatz und fühlt sich vor allem in einem 4-3-3-System auf der tiefen „Sechser“-Position wohl. Von dort aus organisiert er das Spiel und verteilt die Bälle. Er ist unglaublich gut darin den Ball auf engen Räumen zu behaupten und sich zu befreien, mitunter werden da Erinnerungen an Barças Sergio Busquets wach. Darüber hinaus verfügt er über eine tolle Übersicht und eine starkes Passspiel. Er spielt exzellente Diagonalbälle, mit denen er vor allem die Flügelspieler gekonnt in Szene setzt, er spielt auch gute Schnittstellen-Pässe und seine Kurzpassspiel ist auf Top-Niveau. Außerdem ist der Linksfuß physisch stark und auch defensiv mehr als brauchbar.

(Photo by Giuseppe Bellini/Getty Images)

Der spanische U21-Europameister dürfte also definitiv nicht das letzte Mal im Fokus eines Top-Teams gewesen sein, in dieser Saison wird er seine Qualitäten aber zunächst in das Spiel Espanyols einbringen.

Prognose

Ob diese Qualitäten allerdings reichen, um in der Europa League für Furore zu sorgen, ist noch fraglich. Der Ligastart war nicht allzu vielversprechend und insgesamt wirkt die Mannschaft in der Tiefe nicht optimal aufgestellt zu sein. Trotzdem sollte es für den Einzug in die zweite Runde reichen. In der Gruppe mit Ludogorets Razgrad, Ferencvaros Budapest und ZSKA Moskau sind die Spanier, gemeinsam mit den Russen, definitiv Favorit auf den Gruppensieg und sollten im Normalfall weiterkommen. Mehr als das Achtelfinale ist ihnen aber nicht unbedingt zuzutrauen.

Christoph Albers

(Photo by David Ramos/Getty Images)

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