Europa League Vorschau: Hertha BSC

Vorschau

Nachdem die Berliner Hertha in der letzten Saison noch in der Qualifikation für die Europa League an Bröndby scheiterte, qualifizierte man sich nun direkt für die Gruppenphase. Die Mannschaft von Trainer Pal Dardai freut sich auf das Abenteuer Europa und hat den Kader im Sommer an die neuen Gegebenheiten angepasst. Der Hauptstadtklub muss die Doppelbelastung in den Griff bekommen und den breiteren Kader gut ausnutzen.

In ihrer Gruppe treffen die Berliner auf Athletic Bilbao aus Spanien, FK Östersund aus Schweden und Zorya Luhansk aus der Ukraine. Die Auslosung ergab also eine interessante und trotzdem machbare Gruppe für die Hertha, wir stellen alle Gegner vor.

Athletic Bilbao – Der Topgegner

Mit Athletic Bilbao hat die Hertha ein absolutes Traumlos gezogen. Die Basken sind international erfahren, im San Mames herrscht eine elektrisierende Atmosphäre mit frenetischen Zuschauern, einige Topspieler spielen beim Klub und die Aufgabe wird absolut interessant. Solche Gegner wünscht man sich für die Europa League, absolut übermächtig ist Bilbao aber nicht. In der vergangenen Saison wurden die Basken, die besonders dafür stehen, lediglich Spieler, die aus den baskischen Provinzen stammen oder in der Jugend in baskischen Fußballklubs ausgebildet wurden, einzusetzen, 7. in der spanischen Liga.

(Photo by PAUL FAITH/AFP/Getty Images)

Trainer des Klubs ist derzeit Jose Angel Ziganda, der die Nachfolge von Ernesto Valverde übernahm, der zum FC Barcelona wechselte. Ziganda war die letzten 6 Jahre Co-Trainer bei Athletic Bilbao und kennt den Verein wie seine Westentasche, weiß um die Ideologie des Klubs und wird die Spielphilosophie genau so fortführen, wie sie unter Valverde gepredigt wurde. Bilbao steht für einen technisch hochwertigen Fußball, der sich durch Ballbesitzmomente und ein gutes, aggressives Pressing auszeichnet. Bilbao ist sehr heimstark und verfügt durchaus über internationale Ambitionen.

Erfahrung und Eingespieltheit

Athletic Bilbao hat einen 25 Mann fassenden Kader, der im Kern schon lange zusammenspielt. Die Basken tätigen keine großen Transfers, sondern stehen eher dafür, Spieler schon im Jugendalter zu verpflichten, eigene Talente einzubauen und diese notfalls zu verleihen, damit sie zu einem späteren Zeitpunkt für die erste Mannschaft infrage kommen. Die Mannschaft verfügt über eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern wie de Marcos, Balenziaga, San Jose, Benat und Aduriz und gleichermaßen noch verhältnismäßig jungen Spielern wie Inaki Williams, Muniain, Laporte oder Kepa Arrizabalaga. Bilbao ist noch nie aus der höchsten spanischen Spielklasse abgestiegen, obwohl man nur auf einheimische Spieler setzt – ein Qualitätsmerkmal, das seinesgleichen sucht.

(Photo by ANDER GILLENEA/AFP/Getty Images)

Das Ziel für diese Saison im Europapokal ist klar: Bilbao will soweit kommen, wie es nur möglich ist. Der Gruppensieg wird als Pflichtaufgabe angesehen, das Achtel- oder Viertelfinale ist auf jeden Fall möglich, je nach Gegner und je nach Saisonverlauf vielleicht sogar mehr. Aduriz ist mit seinen 36 Jahren immer noch ein eiskalter Torjäger, in Muniain schlummern überragende Fähigkeiten und mit Laporte, San José, Yeray und Iturraspe ist das Defensivzentrum sehr zweikampfstark besetzt. Athletic Bilbao schafft es trotz der Beschränkung bei den Spielern seit Jahren eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, die ohne die großen Schwachstellen auskommt. Natürlich ist eine Entwicklung in die spanische oder gar europäische Spitze extrem schwer, trotzdem spielt niemand gerne gegen die Basken.

Östersunds FK – Galatasaray ausgeschaltet

Der Östersunds Fotbollsklubb ist eine sehr junge Mannschaft aus Schweden, die erst 1996 gegründet wurde. 2016 stieg man erstmals in die höchste schwedische Spielklasse auf, nimmt in dieser Saison aufgrund des Pokalsieges erstmals am internationalen Wettbewerb teil. In der Qualifikation schlug man zunächst die Türken von Galatasaray, dann die Luxemburger von Fola Esch und in den Playoffs bezwang man PAOK Thessaloniki aufgrund der Auswärtstorregel.

Trainiert werden die Schweden vom Briten Graham Potter, das Heimspielstadion ist die knapp 8500 Zuschauer fassende Jamtkraft Arena. Man kann Östersund trotz der guten Ergebnisse in der Qualifikation als Außenseiter bezeichnen. Die Mannschaft etabliert sich gerade erst in der schwedischen Liga, der Ausflug nach Europa war nicht unbedingt geplant, wird aber gerne mitgenommen, alleine aufgrund der finanziellen Komponente.

Mannschaft der Unbekannten

Östersund hat keine großen finanziellen Mittel zur Verfügung und konnte dementsprechend auch nicht großartig auf dem Markt tätig werden. Man versucht Spieler aus der eigenen Jugend einzubinden, gleichermaßen ablösefreie und günstige Spieler zum Verein zu holen. Namhafte Transfers konnten nicht getätigt werden, Frank Arhin kam aus Ghana, Patrick Kpozo vom Ligakonkurrenten Solna und Andrew Mills wurde vom Stadtrivalen IFK Östersund ausgeliehen. Auch auf der Abgangsseite tat sich wenig, der junge Lundbäck wurde in eine unterklassige Liga verliehen, ansonsten endeten einige Leihen.

Die „Stars“ der Mannschaft sind Innenverteidiger Tom Pettersson, Kapitän Brwa Nouri und Angreifer Saman Ghoddos, die nun wirklich nur den größten Insidern bekannt sein sollten. Die Außenseiterolle nimmt man bei den Schweden gerne an, das hat sich bereits in der Qualifikation bewährt und soll nun auch in der Gruppenphase das Mittel zum Erfolg sein. Eine gute, konsequente Defensivarbeit und schnelle, geradlinige Konter über die durchaus schnellen Flügelspieler und die in der Qualifikationsrunde effizienten Stürmer könnte das Rezept sein. Klar ist, dass sich Östersund nicht verstecken oder bereits vorher kapitulieren wird.

Zorya Luhansk – Unangenehme Ukrainer

Die größten Erfolge der Vereinsgeschichte feierte der Klub während der 1970er-Jahre, damals konnte man als eine von insgesamt nur drei ukrainischen Mannschaften die Meisterschaft in der UdSSR gewinnen. Zudem stand man 1974 und 1975 im Endspiel des Pokals der Sowjetunion. Nach der Auflösung der Sowjetunion ging es punktuell bergab, zwischendurch spielte man nur noch in der 3. Liga. In den letzten Jahren ging es wieder deutlich bergauf, seit 2006 spielt Luhansk wieder in der höchsten ukrainischen Spielklasse, 2014 qualifizierte man sich erstmals wieder für den internationalen Wettbewerb.

In der vergangenen Saison wurde Zorya Luhansk Dritter in der ukrainischen Liga, ein wirklicher Konkurrent für Schachtjor Donezk und Dynamo Kiew ist man aber trotzdem nicht. Die Konstanz fehlt, was sich auch im ersten Teil der laufenden Saison zeigt. Zorya steht lediglich im oberen Mittelfeld der Tabelle und hat Probleme, den durchaus ordentlichen Kader adäquat auf den Platz zu bringen. Vor der Länderspielpause zeige man sich aber in einer guten Verfassung, als man Chornomorets mit 5:0 bezwang und dabei sein bisher bestes Saisonspiel zeigte.

Kader mit Höhen und Tiefen

Der Kader von Zorya Luhansk ist auf manchen Positionen durchaus stark besetzt. Mit ablösefreien Neuverpflichtungen wie Silas, Gromov oder Prymja, darüber hinaus klugen, jungen Ergänzungen wie Korchergin, Kabaev, oder Cheberko wurde der Kader vor allem ruh in der Breite verstärkt. Topneuzugang dürfte Oleksandr Karavaev sein, der von Schachtjor Donezk kam. Mit Emmanuel Dennis (Brügge) und Rafael Forster (Ludogorets) wurden allerdings auch zwei wichtige Spieler abgegeben. Der Kader ist mit 27 Spielern ziemlich groß, das Durchschnittsalter liegt bei 25,3 Jahren, ist also vollkommen im Rahmen.

Defensiv ist Luhansk durchaus anfällig, das Mittelfeld ist mit Karavaev, Gordienko, Andrievsky und Grechyshkin aber auf einem ordentlichen Niveau, auch wenn das gewisse Etwas, die letzte Spur Kreativität etwas fehlt. Im Offensivbereich fehlt es neben Lunyov, Gromov, Iury und Paulinho etwas an der Breite, besonders die individuelle Klasse fehlt auf diesen Positionen. Dennoch kann Zorya gefährlich werden, wenn die Mannschaft ins Rollen kommt. Die Ukrainer haben durchaus den Anspruch Platz 2 in dieser Gruppe zu erreichen, die Hertha sollte also gewarnt sein. Gerade das Auswärtsspiel in der Ukraine kann sich als sehr schwierig und unangenehm entpuppen.

Die Aussichten der Hertha

Der Saisonstart des Hauptstadklubs verlief mit 4 Punkten aus 3 Spielen ordentlich, aber keinesfalls überragend. Zwar wurde die Mannschaft mit Lazaro, Selke, Leckie und Rekik in der Breite angemessen, aber in der Spitze vielleicht nicht entscheidend verstärkt. Vieles wird in dieser langen Saison darauf ankommen, wie Pal Dardai die Belastung anpasst, wie junge Spieler wie Stark, Weiser oder der zuletzt langzeitverletzte Duda sich entwickeln und mit der Doppelbelastung klarkommen. Die Gruppe ist ordentlich besetzt, aber sicher keine Hammergruppe. Bilbao ist extrem schwer zu schlagen, die anderen beiden Gegner sind absolut machbar.

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Interessant wird sein, inwieweit Dardai das Rotationsprinzip anwendet, welche Ergänzungsspieler ihre Topleistungen abrufen können, wenn es darauf ankommt. Der Kader gibt einige Variationsmöglichkeiten her und gerade Neuzugang Leckie hat erstaunlich gut eingeschlagen, bereits 3 Tore in 3 Bundesligaspielen auf dem Konto. Die Berliner müssen die eigenen Fans mobilisieren, damit man zu den Heimspielen ein ordentlich gefülltes Stadion präsentieren kann, damit die Zuschauer hinter den Spielern stehen und diese nach vorne peitschen. Platz 2 in der Gruppe ist rein von der Qualität her definitiv anzupeilen, was danach kommt, wird man sehen.

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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