Saisonvorschau Eredivisie | Ajax und PSV kämpfen um die Krone – und sonst?

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Vorschau | Ajax Amsterdam konnte sich nach einer überragenden Saison 2018/19 am Ende mit 86 Punkten zum Meister in der niederländischen Eredivisie krönen. Lediglich vier Niederlagen musste die Mannschaft von Trainer Erik ten Hag einstecken, 119 Tore erzielte man in 34 Spielen. Nicht weniger beeindruckend waren die 98 Tore der PSV Eindhoven, die am Ende nur 3 Punkte hinter Ajax landete. Beide Mannschaften werden den Meisterschaftskampf aller Voraussicht nach auch in dieser Saison unter sich ausmachen. Doch dahinter gibt es spannende Entwicklungen!

Ajax Amsterdam: Umbruch in der Light-Version

Nach der sensationellen Saison 2018/19, in der man nicht nur national erfolgreich war, sondern auch in der Champions League bis in das Halbfinale vorstoßen konnte, befürchteten viele einen Radikalumbruch bei Ajax im Sommer. De Ligt, de Jong, Tagliafico, Mazraoui, Neres, Tadic, van de Beek, Onana, Ziyech – all diese Spieler wurden mit einem Wechsel in Verbindung gebracht, selbst die Zukunft von Trainer Erik ten Hag schien unsicher. Doch abgesehen von den beiden erstgenannten Spielern hat sich bisher jeder für einen Verbleib in Amsterdam entschieden, einige Spieler haben sogar verlängert. ein kleiner Umbruch findet statt, auch weil zumindest bei van de Beek und noch nicht final geklärt ist ob deren Zukunft wirklich in Amsterdam liegt, aber so viele Veränderungen wie befürchtet stehen gar nicht an.

(Photo ISABELLA BONOTTO/AFP/Getty Images)

Zwar verließen unter anderem mit Kristensen und Sinkgraven noch weitere Spieler den Klub, diese Abgänge sind aber zu verschmerzen. Zudem wurde clever nachgelegt! Quincy Promes kam für die Offensive vom FC Sevilla, der 21-jährige Edson Alvarez, der 15 Millionen Euro kostete, soll versuchen Mathijs de Ligt einigermaßen zu ersetzen. Ebenfalls verpflichtet werden konnten Razvan Marin (23), Kiki Pierie (18), Bruno Varela (24) und Lisandro Martinez (21). Das Beuteschema ist weiterhin klar, junge und talentierte Spieler sollen verpflichtet werden, Ausnahmen wie Quincy Promes, der mit 27 Jahren zu den erfahreneren Akteuren gehört, gab es schon in der letzten Saison.

Ajax will auch in dieser Spielzeit wieder den typischen Fußball spielen, der den Klub in der abgelaufenen Saison auszeichnete. Ein kluger, direkter Aufbau, viele Passstaffetten und ein direkter Zug zum Tor mit vielen schnellen Kombinationen sind charakteristisch für Erik ten Hag und seine Mannschaft. In der Vorbereitung sowie im Supercup (2:0 gegen PSV) zeigte Ajax bereits gute Leistungen und präsentierte sich enorm spielfreudig. Zudem hinterließen Talente wie Perr Schuurs (19), Ryan Gravenberch (17) oder Jurgen Ekkelenkamp (19) einen bleibenden Eindruck und konnten sich für Einsätze in der Saison empfehlen. Der Weg zum Titel führt erneut nur über Ajax Amsterdam.

PSV: Herausforderer mit Fragezeichen

Bei der PSV, die in der vergangenen Saison nur knapp hinter Ajax landete und in einer wahnsinnig schweren Gruppe in der Königsklasse gegen Inter Mailand, den FC Barcelona und Tottenham sehr gute Ansätze zeigte, lief der Sommer im Vergleich zu Ajax etwas anders. Früh zeigte der SSC Neapel Interesse an Hirving Lozano, den die PSV für rund 50 Millionen Euro abgeben würde. Auch Steven Bergwijn wird von vielen Vereinen beobachtet, würde zumindest rund 35 Millionen Euro in die Kassen spülen. Bis jetzt ist aber noch keiner dieser Spieler gewechselt, konkret wurden Verhandlungen um einen der Flügelspieler auch nicht. Einige Spieler wurden verliehen, für Paal, Behich, Angelino, Room und Luuk de Jong nahm der Klub rund 25 Millionen Euro ein.

Der Spielraum um auch auf dem Transfermarkt mit Ajax zu konkurrieren, war also nicht gegeben. Dennoch wurden zwei sehr gute Transfers getätigt. So kam Bruma von RB Leipzig und kostete rund 15 Millionen Euro, etwas weniger musste man für VfB-Verteidiger Baumgartl hinblättern. Abgesehen davon wurden eher wenig aufsehenerregende Transfers getätigt, mal eben 7-10 Millionen Euro für ein Talent hinzulegen war der PSV nicht möglich. Man sicherte sich den ablösefreien Afellay, konnte Toni Lato aus Valencia ausleihen und verpflichtete Nizza-Verteidiger Boscagli. Ob das reicht um Ajax in dieser Saison Paroli zu bieten?

(Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Im Vergleich zu Ajax ist der Kader der PSV etwas unausgewogen. Mit Lammers steht nur ein Mittelstürmer im Aufgebot, dessen Qualität im Vergleich zu de Jong, der nach Sevilla wechselte, auch noch abfällt. Hier herrscht noch Handlungsbedarf, auch wenn man vom talentierten Donyell Malen (20) einiges erwarten kann. Er kommt allerdings eher über die Außenbahn. Auch im Defensivverbund ist man zwar quantitativ solide besetzt, ein Topspieler würde der Abwehr aber gut zu Gesicht stehen. Mark van Bommel weiß um die Probleme, ohne das notwendige Budget sind diese aber nur schwer zu lösen. Im Supercup gegen Ajax waren einige Probleme sichtbar, der amtierende Meister gewann souverän gegen die PSV.

Feyenoord & co.: Ambitionierte Verfolger

Mit 18 Punkten Abstand auf die PSV lag Feyenoord am Ende der vergangenen Saison auf Platz 3. Diesen Abstand will man dringend verkürzen, viel investiert hat man aber nicht. Im Gegenteil! Die Neuzugänge rund um Leroy Fer und Luciano Narsingh kamen allesamt ablösefrei. Mit Vilhena (9 Mio, Krasnodar) und van Persie (Karriereende) verlor Feyenoord zwei wichtige Spieler. Bleibt zu hoffen, dass die Youngster einen Schritt nach vorne machen, sonst muss man wohl eher nach unten schauen. Denn nur 7 Punkte hinter Feyenoord reihte sich der AZ Alkmaar in der vergangenen Saison auf Platz 4 ein. Auch AZ hat nicht gerade mit dem großen Geld um sich geworfen, die Verpflichtung von Jordi Clasie, der ablösefrei aus Southampton kam, dürfte aber für eine Erhöhung der individuellen Klasse sorgen.

(Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Wer kann neben Feyenoord und Alkmaar noch um die weiteren Europapokalplätze mitspielen? Viele Teams verfügen über spannende Talente und wollen sich weiterentwickeln, so zum Beispiel auch Vitesse Arnheim. Vitesse konnte Riechedly Bazoer fest aus Wolfsburg verpflichten, außerdem wurde die Innenverteidigung verstärkt, Offensivspieler Tannane, der aus Saint-Etienne kam, soll versuchen die Lücke zu füllen, die Martin Ödegaard hinterlässt. Auch den FC Utrecht sollte man auf der Rechnung haben, denn der Klub hat eine sehr ordentliche Transferphase hinter sich. Abass kam per Leihe aus Mainz, mit Adam Maher sicherte man sich zudem einen in den Niederlanden sehr erfahrenen Mann, der trotzdem erst 25 Jahre alt ist. Zudem unterstreichen die Verpflichtungen von Vaclav Cerny (21, Ajax), Justin Hoogma (Hoffenheim, Leihe) und Adrian Dalmau (25, Heracles) die Ambitionen.

Auch der FC Groningen und ADO Den Haag gehören durchaus zu den Mannschaften, die Ambitionen haben in die Top-5 der Eredivisie vorzustoßen. Groningen um den talentierten Japaner Ritsu Doan hat sich unter anderem mit Benschop und Lundqvist verstärkt und eine spannende Mannschaft zusammengestellt. ADO Den Haag hat die gute Mannschaft aus der Vorsaison einigermaßen behalten können und vor allem aus der eigenen Jugend neue Akzente setzen können. Hier wird es darauf ankommen, dass die positiven Elemente aus der vergangenen Saison weiterentwickelt werden können.

Heerenveen, Heracles & co.: Kein Blick nach unten

Eine positive Bilanz hatte Heracles Almelo in der vergangenen Saison aufzuweisen. Der Klub belegte am Ende Platz 7 und zeigte häufig erfrischenden Offensivfußball, jedoch zulasten der eigenen Defensive. Die guten Leistungen blieben auch der Konkurrenz nicht verborgen, den ein oder anderen Spieler zog es weg aus Almelo. Die Mannschaft wurde im Sommer vornehmlich mit jungen Spielern verstärkt, man wird abwarten müssen ob Heracles auch in dieser Saison in der oberen Tabellenhälfte eine Rolle spielen kann oder ob der Blick möglicherweise nach unten gerichtet werden muss. Im Mittelfeld der Tabelle der Vorsaison befand sich auch Willem II. Der Klub musste im Sommer einige wichtige Spieler, darunter Leihgaben wie Tapia oder Torgarant Alexander Isak, abgeben.

Dementsprechend schwer wird es für Willem II die Platzierung der Vorsaison zu übertreffen. Aufgrund der eher geringen Bewegung auf der Zugangsseite muss sich der Klub eher mit dem Abstiegskampf beschäftigen. Diesem Abstiegskampf will man in Heerenveen möglichst entgehen. In der letzten Saison wurde man Elfter, auch für Heerenveen war der Transfersommer kein Wunschkonzert. Vor allem die Abgänge von Vlap (Anderlecht), Pierie (Ajax) und Thorsby (Sampdoria) sind schwer zu kompensieren. 5 Neuzugänge konnten verpflichtet werden, spannend dürfte vor allem der junge Nigerianer Ejuke sein, den man für 2 Millionen Euro von Valerenga aus Norwegen holte. Der SC Heerenveen könnte durchaus eine Wundertüte darstellen. 

In Venlo legte man in diesem Sommer besonderes Augenmerk auf Deutschland, was Neuverpflichtungen angeht. Mit Mlapa, Neudecker, Kirschbaum, Wright und Schäfer kamen gleich fünf neue Spieler aus den oberen Ligen, allesamt könnten eine Verstärkung darstellen. Und auch sonst fällt VVV Venlo durch kluge Ergänzungen auf, für den Klub kann es durchaus weiter nach oben gehen als in der letzten Saison, als man 12. wurde. Für den PEC Zwolle wird es hingegen schwerer. Mit Sepp van den Berg verlor man ein großes Talent in Richtung Liverpool., auch die Verlust von Younes Namli und Kingsley Ehizibue sind nicht leicht zu verkraften. Man gab insgesamt rund 1,4 Millionen Euro für neue Spieler aus, Kenneth Paal von der PSV und Michael Zetterer von Werder, der auf Leihbasis kam, sind die wohl bekanntesten Namen, die man neu dazuholen konnte. Die Mannschaft muss sich erst noch finden. 

Das “schwere 2. Jahr” & die Aufsteiger: Punkte sammeln angesagt

Gleich zwei Mannschaften gehen in ihre 2. Spielzeit nach dem Aufstieg, die häufig als die „schwierigere“ bezeichnet wird. Der FC Emmen ist der Inbegriff der Wundertüte, hatte im Sommer eine  enorme Fluktuation im Kader, zig Spieler ausgetauscht. Der ein oder andere interessante Neuzugang wie Shani Tarashaj, Makro Kolar oder Jan-Niklas Beste sorgt für entsprechende Hoffnung. Das Ziel kann nur lauten die Klasse erneut zu halten. Gleiches trifft auf Fortuna Sittard zu, das in der letzten Saison bereits große Probleme hatte, am Ende aber den Ligaverbleib sichern konnte. Auch Sittard war auf dem Transfermarkt ordentlich tätig, sicherte sich viele ablösefreie Spieler und schlug bei prominenten Klubs auf Leihbasis zu. So kam Stürmer Damascan vom FC Turin, Außenverteidiger Passlack vom BVB und Mittelfeldspieler Carbonell aus Valencia. Wie in der Eredivisie üblich wurden auch seitens Fortuna Sittard primär junge Spieler verpflichtet. Auch hier sind noch viele Fragen offen.

(Photo by Karina Hessland-Wissel/Bongarts/Getty Images)

Besonders gefordert sind traditionell auch die drei Aufsteiger. Als Zweitligameister ist Twente Enschede in die Eredivisie zurückgekehrt. Twente will sich sofort gut präsentieren und schlug auf dem Transfermarkt entsprechend zu. Paul Verhaegh kam aus Wolfsburg, Emil Berggreen aus Mainz, Lindon Selahi aus Lüttich. Zudem wurden mit Nakamura, Zekhnini, Aburjania und Matos spannende Spieler geliehen, Pleguezuelo kam aus der U23 des FC Arsenal. Diese Neuverpflichtungen zeigen: Twente hat einiges vor! „Nur“ mit dem Klassenerhalt wird man sich nicht zufrieden geben, die Mannschaft hat das Potenzial in der oberen Tabellenhälfte aufzutauchen. 

Ebenfalls aufgestiegen ist der RKC Waalwijk. Der Klub vertraut dabei größtenteils auf die Aufstiegself, Trainer Fred Grim stehen sechs Neuzugänge zur Verfügung. Alle Spieler kamen ablösefrei oder im Falle von Hannes Delcroix (Anderlecht) auf Leihbasis. Für Waalwijk geht es nur um den Klassenerhalt, ob die Qualität dafür ausreichend ist wird sich im Verlauf der Saison zeigen. Komplettiert wird die Eredivisie durch Sparta Rotterdam. Der Klub von Trainer Henk Fraser gab auch so gut wie kein Geld im Sommertransferfenster aus, setzen auf junge Spieler rund bedienten sich im Falle von Abdallah Aberkane in der Jugend von Ajax Amsterdam, im Falle von Laros Duarte in der 2. Mannschaft der PSV Eindhoven. Und: Auch wenn in diesem Sommer der ein oder andere erfahrenere Spieler verpflichtet wurde hat der Kader noch immer ein geringes Durchschnittsalter von weniger als 24 Jahren. Alles andere als der Abstiegskampf wäre eine Überraschung. 

In Teil 2 der Vorschau (Freitag) auf die Eredivisie nehmen wir einige spannende Talente unter die Lupe! 

(Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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