Der SV Werder Bremen verliert innerhalb von vier Tagen den zweiten Spieler für mehrere Monate. Justin Njinmah hat sich beim 1:4 in Freiburg eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen – dieselbe Verletzungsart, die schon Jens Stage aus dem Verkehr zog.
Die Diagnose
Der Klub teilte den Befund am Dienstagabend mit. Eine MRT-Untersuchung am Vormittag brachte Klarheit: Die Bremer gehen von einer Ausfalldauer von mehreren Monaten aus.
Peter Niemeyer, Leiter Profifußball, sprach von einer bitteren Nachricht für den Spieler und den Verein und kündigte an, man werde ihn im Rehaprozess bestmöglich unterstützen. Sport-Geschäftsführer Clemens Fritz wurde am Abend in einer Medienrunde deutlicher: Das war sicherlich für uns alle ein großer Schock.
Die bemerkenswerte Entscheidung
Die eigentliche Nachricht des Abends ist aber nicht die Diagnose, sondern die Reaktion darauf. Der Befund lag am Dienstagvormittag vor – also mit ausreichend Vorlauf, um bis 20 Uhr noch einen Spieler zu verpflichten. Werder tat es nicht.
Fritz erklärte die Überlegung offen: Man habe sich die Frage gestellt, ob man noch etwas mache. Aufgrund der Kurzfristigkeit und der Marktsituation habe man sich aber entschieden, die Position nicht mehr nachzubesetzen. Zur Kadertiefe ergänzte er, es seien noch einige Spieler da, die auf mehreren Positionen spielen könnten.
Auf einem Markt, auf dem am letzten Tag vor allem überteuerte Notlösungen zu haben sind, ist das eine nachvollziehbare, aber riskante Haltung.
Was übrig bleibt
Denn viel Spielraum gibt es nicht. Auf den offensiven Außenbahnen stehen nur noch Marco Grüll, Eren Dinkci und Paul Erevbenagie zur Verfügung. Dazu kommt, dass Niclas Füllkrug nach seiner Rückkehr auf Leihbasis von West Ham United nach eigener Aussage und der seines Trainers noch nicht die volle Intensität gehen kann.
Der Kontext: eine Woche zum Vergessen
Begonnen hatte es am vergangenen Samstag, als sich Jens Stage im Abschlusstraining vor dem Ligaauftakt eine schwere Muskelverletzung im Oberschenkel zuzog. Der Däne, in der vergangenen Saison Bremens bester Torschütze, fällt nach Klubangaben mindestens bis Jahresende aus.
Auf diesen Ausfall hatte Werder noch reagiert und Youri Regeer von Ajax Amsterdam per Leihe mit Kaufoption verpflichtet, dazu Linksverteidiger Moussa Ndiaye vom RSC Anderlecht und Rechtsverteidiger Arthur von Bayer Leverkusen. Bei Njinmah blieb es aus.
Ein Spieler, den das Verletzungspech verfolgt
Für den 25-Jährigen ist es der nächste Rückschlag in einer Laufbahn, die immer wieder von Ausfällen unterbrochen wurde. Datenbanken listen für die vergangenen beiden Jahre mehrere Sprunggelenksprobleme, eine Leistenverletzung, eine Muskelverletzung im vergangenen August sowie längere krankheitsbedingte Pausen.
Der in Hamburg geborene Angreifer kam über Eimsbütteler TV und Holstein Kiel nach Bremen, unterschrieb im Januar 2022 seinen Profivertrag und sammelte zunächst Erfahrung auf Leihbasis bei Borussia Dortmund. Sein Vertrag an der Weser läuft nach Datenbankangaben noch bis Sommer 2027.
Und am Samstag kommt Leipzig
Zeit zur Neuordnung bleibt nicht. Am Samstag empfängt Werder RB Leipzig, das zum Auftakt mit einem 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach überzeugte. Nach einer Saison, in der die Bremer die Klasse nur mit Mühe hielten, beginnt die neue mit einem dünner gewordenen Kader – und einer bewussten Entscheidung gegen die schnelle Lösung.

