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BVB | Weigl 3.0: Schon wieder neu erfunden

21. August 2019
Damian Ozako

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BVB | Weigl 3.0: Schon wieder neu erfunden

Spotlight | Der BVB hat eine Transferoffensive hinter sich und konnte sich auf vielen Positionen prominent verstärken. Im Mittelfeld hat man mit Julian Weigl quasi auch einen Neuzugang. Der 23-Jährige hat sich erneut neu erfunden und überzeugt auf ganzer Linie.

Favre und Weigl – ob das passt?

Julian Weigl hat bei Borussia Dortmund schon so einiges erlebt. Gekommen vom damaligen Zweitligisten 1860 München, kämpfte er sich direkt in die Startelf des BVB und sogar bis in die Nationalmannschaft. Nach dem Abgang von Thomas Tuchel begann für den Sechser jedoch eine sportlich schwierige Zeit. Weder unter Peter Bosz noch unter Peter Stöger erlangte er die Form, die ihn zuvor zu einem der größten Shootingstars des deutschen Fußballs machten. Lucien Favre wurde dann Cheftrainer der Dortmunder und man verpflichtete mit Axel Witsel (30) und Thomas Delaney (27) eine neue Schaltzentrale fürs Mittelfeld. Vor allem der Belgier überzeugte und war klar gesetzt. Der Däne wurde aufgrund seiner Dynamik und Zweikampfstärke ebenfalls Weigl vorgezogen.

So spielte dieser zunächst gar keine Rolle mehr. Als er plötzlich im Topspiel gegen den FC Bayern München in der Startelf stand, legte er eine extrem schwache Vorstellung hin und wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Wochenlang wurde er gar nicht mehr berücksichtigt und die ersten Wechselgerüchte kamen auf. Sein ehemaliger Trainer Thomas Tuchel wollte ihn gerne nach Paris holen. Weigl schien alles andere als abgeneigt zu sein.

(Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Innenverteidiger Weigl

Als dann kurz vor der Winterpause Personalnotstand in der Innenverteidigung herrschte, wurde Weigl dort eingesetzt und überzeugte gegen Mönchengladbach. Der Winter wurde von vielen Spekulationen über seine Zukunft begleitet, aber letztendlich blieb der ehemalige Nationalspieler und hat sich komplett neu erfunden. In der Rückrunde gehörte er zur Stammelf und das als Innenverteidiger. Er überzeugte defensiv und wusste sich selbst gegen die robustesten Stürmer clever durchzusetzen. Die zurückgezogene Position nahm ihm im Ballbesitz auch den Druck der Gegenspieler. Er wurde nicht so stark gepresst wie z.B. Witsel es im Mittelfeld wurde. Man konnte förmlich sehen wie er sich Stück für Stück sein früheres Selbstverständnis zurückholte und auf dem Platz selbstbewusster auftrat. Seine Ballsicherheit, die er zuvor vermissen ließ, kehrte zurück.

Zurück ins Mittelfeld

Weigl spielte stark, aber zufrieden war er nicht. Er wollte beim BVB nicht weiter als Notnagel in der Innenverteidigung dienen. Der 23-Jährige versteht sich klar als Mittelfeldspieler und will unbedingt auch dort auflaufen. Doch gegen Witsel und Delaney konnte er sich nicht durchsetzen. Daher war er trotz der starken Rückrunde sehr skeptisch was seine Zukunft in Dortmund betraf. In der Vorbereitung schnappte sich Favre ihn und führte ein intensives Gespräch mit dem talentierten Spieler. Inhalt: Weigl ist noch längst nicht als Mittelfeldspieler abgeschrieben und würde seine Chance erhalten, um sich erneut zu beweisen. Es folgte eine extrem starke Vorbereitung.

Dann die Stunde der Wahrheit: der Supercup gegen den FC Bayern München. Favre stellte Weigl zusammen mit Witsel in der Mittelfeldzentrale auf und vergleicht man diesen Auftritt mit dem aus der letzten Hinrunde gegen den Rekordmeister, könnte man auf die Idee kommen, dass es sich dabei um zwei grundverschiedene Spieler halten könnte. Diese Leistung sicherte ihm weitere Startelfeinsätze im DFB-Pokal und zum Bundesliga-Auftakt. Derzeit ist er eindeutig gesetzt im Mittelfeld.

(Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Der 23-Jährige zeigt zwar wie zu seinen besten Tuchel-Zeiten Ballsicherheit und lenkt das Spiel zusammen mit Witsel clever, aber er bietet noch so viel mehr an mittlerweile. Einen richtigen Sechser verkörpert Weigl derzeit nicht. Er spielt deutlich offensiver und mutiger. Weigl agiert inzwischen eher wie eine klassische Acht und das überraschend gut. Er wirft sich mit einer Energie in die Zweikämpfe, die man von Delaney gewohnt ist, aber zeigt dabei weiterhin seine spielerische Klasse. Natürlich hat er ein gewisses Tempodefizit, aber seine Spielintelligenz gleicht dies aus. Zusammen mit Witsel bildet er nun ein Duo, das noch viel mehr Dominanz ausstrahlt, als das aus der Vorsaison. Beide zeigen sich ballsicher und haben ein gutes Gespür dafür wie sie das Spiel kontrollieren müssen. Wann man das Tempo erhöhen, aber auch wann man mal ruhiger aufbauen sollte. Delaney und auch Dahoud kamen bis jetzt auf keine einzige Spielminute, weil Weigl seine Sache so extrem gut macht.

Traum für jeden Trainer

Es ist klar, dass auch mal schwierigere Zeiten kommen werden und die Kontrahenten Weigl hinter sich lassen werden. Doch es ist trotzdem bemerkenswert wie sich der 23-Jährige jetzt zum wiederholten Male neu erfunden hat, ohne seine vorherigen Qualitäten auf der Strecke zu lassen. Die Zeit als Innenverteidiger hat ihm sogar die nötige Verbissenheit in Zweikämpfen gegeben von der er gerade in seiner neuen Rolle profitiert. Man darf gespannt sein wie es für Weigl weitergeht, aber er betreibt momentan auf jeden Fall enorm gute Werbung für sich. Ein Spieler, der sich nie auf Lorbeeren ausruht und sich aufgrund von schwierigen Umständen gekonnt weiterentwickelt, ist der Traum für jeden Trainer. Favre weiß dies zu schätzen und hat ihm die versprochene Chance gegeben. Weigl hat diese genutzt und ist wieder dort, wo er unter Tuchel angefangen hat: in der Stammelf von Borussia Dortmund.

Damian Ozako

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

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