UEFA CL/EL Vorschauen

Champions League Vorschau – Gruppe A: PSG, Real Madrid, Brügge, Galatasaray

9. September 2019

Champions League Vorschau – Gruppe A: PSG, Real Madrid, Brügge, Galatasaray

Vorschau | Die UEFA Champions League startet am 17. September in die Gruppenphase. Titelverteidiger ist der FC Liverpool, der in dieser Spielzeit von den restlichen Klubs gejagt wird. Vor dem Start der Gruppenspiele stellen wir alle Gruppen und alle Mannschaften ausführlich vor!

Gruppe A: Paris Saint Germain, Real Madrid, Club Brugge, Galatasaray

Paris Saint Germain

(Letzte Saison: Achtelfinale CL)

Ligaprimus mit internationaler Enttäuschung

In der vergangenen Spielzeit gab sich Paris Saint-Germain mal wieder keine Blöße. Man absolvierte seine Partien über weite Strecken der Saison sehr konzentriert und leistete sich zunächst kaum einen Aussetzer. Trotz einer kleinen Schwächephase wurde man letztendlich aber äußerst souverän Meister, hatte auf den Zweitplatzierten Lille 16 Punkte Vorsprung und ein sagenhaftes Torverhältnis von 105:35. Doch das Fazit zur Saison fiel längst nicht so rosig aus, wie man bei den Zahlen vermuten mag. Im Pokalfinale verlor man nach Elfmeterschießen gegen Rennes und in der Champions League schied man früh und schmerzhaft gegen Manchester United aus.

Während man aus der Gruppenphase noch als Tabellenführer ging, und dabei unter anderem den späteren Sieger Liverpool in die Knie zwang, musste sich der Dauermeister in der K.O.-Runde primär seiner eigenen Abschlussschwäche geschlagen geben. Im Hinspiel des Achtelfinals gewann PSG verdient mit 2:0 im Old Trafford, doch das Rückspiel wurde vor allem von eigenen Patzern dominiert. Zwei Abwehrfehler besorgten einen frühen 2:1 Rückstand und eine strittige Elfmeter-Entscheidung kurz vor Schluss sollte für PSG das endgültige Aus bedeuten. Nichts war es mit dem erhofften Titelgewinn, die Reise endete unverhofft früh.

(Photo by Julian Finney/Getty Images)

Sinnvolle Verstärkungen – doch einer birgt mögliche Unruhe

Nach dieser etwas enttäuschenden Saison begann für PSG in der vergangenen Transferphase ein kleiner Umbruch. mit dem neuen Sportvorstand Leonardo wurden konkrete Ziele festgelegt und dabei sowohl punktuell, als auch in der Breite Verstärkungen verpflichtet und dafür insgesamt 100 Millionen Euro ausgegeben.

Mit Keylor Navas (32, Real Madrid) kam eine neue Nummer Eins zum französischen Meister, als Ersatzmann wurde Sergio Rico (26, FC Sevilla) ausgeliehen. In der Verteidigung soll Abdou Diallo (23, BVB) den Konkurrenzkampf antreiben, zudem wurde mit Mitchel Bakker (19, Ajax Amsterdam) auch ein Mann für die Zukunft geholt. Das zuvor sehr dünn besetzte Zentrum im Mittelfeld wurde mit Idrissa Gueye (29, Everton), Ander Herrera (29, Manchester United) und Pablo Sarabia (27, FC Sevilla) verstärkt. Die Mischung aus Erfahrung und Kreativität dürfte PSG in der aktuellen Saison sehr gut zu Gesicht stehen. Für den Angriff wurde Mauro Icardi für ein Jahr ausgeliehen. Von ihm erwartet man natürlich reichlich Tore, er ist eine mehr als sinnvolle Verstärkung, da für Edinson Cavani zuletzt kaum Ersatz vorhanden war.

Insgesamt machte PSG somit sogar ein kleines Transferplus. Dieses hätte sich beinahe vervielfacht, doch ein Transfer von Neymar (27) scheiterte bekanntermaßen. Und eben diese Personalie droht zur tickenden Zeitbombe zu werden. Bislang kam der Brasilianer noch nicht zum Einsatz, nach der Länderspielpause darf man gespannt sein, wie Trainer Thomas Tuchel (46) mit der schwierigen Situation umgeht. Immerhin war es kein großes Geheimnis, wie sehr Neymar seinen Klub verlassen wollte. Wird er somit zum Unruhestifter während der Gruppenphase oder zeigt er sich als makelloser Sportsmann – man darf gespannt sein…

Vom System her wird Thomas Tuchel im Vergleich zum Vorjahr nicht viel verändern. Mit viel Ballbesitz und einem schnellen Spiel in die Spitze wird man für Gefahr vor dem gegnerischen Gehäuse sorgen wollen, gerade in den möglicherweise ausgeglichenen Partien gegen beispielsweise Real Madrid ist die konterstärke Paris’ ein Pluspunkt für die Franzosen. Hinzu kommt die Flexibilität im Spielsystem von Thomas Tuchel. Für ihn und seine Mannschaft ist die Umstellung vom 4-3-3 in ein 3-4-3 ein Leichtes, vor allem mit der neuen Breite im Kader wird die Mannschaft noch schwerer auszurechnen zu sein.

Im Fokus: Kylian Mbappé

Kylian Mbappé gilt als das Gesicht für die Zukunft von PSG. Mit seinen 20 Jahren steht er für Torgefahr, Spielwitz und vor allem Tempo. In der vergangenen Saison gelangen ihm in 42 Pflichtspielen 39 Tore und 17 Torvorlagen – eine absolut bemerkenswerte Ausbeute. Mbappé ist aus der Mannschaft nicht mehr heraus zu denken und einer der Fan-Lieblinge in Paris. Gerade in der aktuellen Situation, wo es noch offen ist, wie Tuchel Neymar einbinden und der Brasilianer performen wird, sind die Hoffnungen in Mbappé noch größer, als ohnehin schon. Man darf gespannt sein, wie er mit seinem jungen Alter mit dieser Situation umgehen wird, dass dürfte auch für ihn etwas Neues sein.

In der laufenden Spielzeit stand der Franzose in drei Partien auf dem Platz, dabei erzielte er einen Treffer und gab eine Torvorlage. Aktuell laboriert er allerdings an Oberschenkelproblemen, ein Comeback ist für Ende September geplant. Dann kann der junge Stürmerstar die Fans wieder mit seinem Antritt, seinem Tempo und seinem eiskalten Abschluss ins Schwärmen bringen und versuchen die Träume vom Henkelpott wahr werden zu lassen.

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

Prognose

PSG geht auch in dieser Saison als ein Mitfavorit um den Titel in den Wettbewerb. Die Mannschaft konnte sich nochmals verstärken, ohne groß an Qualität einzubüßen. Mit der Erfahrung aus dem letztjährigen K.O. und einem breiteren Kader soll die Reise in dieser Spielzeit weitaus länger sein, als noch in den vergangenen Jahren. Und dem Kader ist durchaus einiges zuzutrauen, der neutrale Beobachter darf sich auf eine Menge Qualität und Spielwitz freuen.

Steffen Gronwald

Real Madrid

(Letzte Saison: Achtelfinale CL)

Irgendwann musste es ja kommen. Doch als es kam, krachte, schepperte es. Und es folgten Konsequenzen sowie ein Sprung zurück in die alten Tage. Die guten alten Tage. Real Madrid hat sein Dauerabo auf die Champions League in der abgelaufenen Saison verloren. Drei Titel infolge hatte es gedauert, doch Ajax Amsterdam stürzte die Königlichen bereits im Achtelfinale vom Thron. Schmerzlich und erbarmungslos. Insbesondere das 1:4 im heimischen Santiago Bernabéu dürfte jedem Real-Fan noch lange in Erinnerung bleiben. Glücklicherweise ist Zinédine Zidane zurück – oder ist es etwa nicht so glücklich?

Real Madrid: Zidane kam, siegte, ging und kam wieder

Für die katastrophale Saison 2018/19 hörte man viele Gründe aus und rund um das Lager von Real Madrid. Alle stimmen wahrscheinlich irgendwie, doch eines ist sicher: Die Abgänge von Zidane und Superstar Cristiano Ronaldo hatten weh getan. Noch mehr weh getan hatte den Madrilenen allerdings, dass für CR7 kein Ersatz verpflichtet wurde. Der Rest ist bekannt. 

So kam es, dass Zidane im März plötzlich wieder auf dem Podium stand. Der alte Neue. Die Saison war zu diesem Zeitpunkt jedoch vollends gegessen, die Messe gelesen. Daher fiel die Kritik für königliche Verhältnisse auch sehr verhalten aus, als die restlichen Spiele unter Zidane mehr hin gemurkst, denn gezaubert wurden. 

Mittlerweile sieht das Ganze allerdings etwas anders aus. Die Vorbereitung lief miserabel, die ersten Pflichtspiele überzeugten nur so mittelmäßig. In La Liga gab es bis jetzt einen Sieg und zwei Remis, Grund zur Euphorie entfachte keines der Spiele. 

Zidane steht nun vor einer großen Herausforderung. Anders, als bei seinem ersten Engagement, übernimmt er Real Madrid nicht in seiner Prime, sondern mitten im Umbruch. Hinzu kommen die vielen Neuzugänge und die Hürde, welche seiner ehemaligen Henkelpott-Helden nun auf die Ersatzbank verfrachtet werden müssen. Keine leichte Aufgabe, in einem Verein mit einem Umfeld der allerhöchsten Ansprüche. Zidanes eigene Geschichte mit dem Klub ist da keine große Hilfe.

(Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Real Madrid: Wohin mit den Neuen?

Die großen Transfers waren nach dem Ronaldo-Abgang zunächst ausgeblieben, das wollte Real in diesem Sommer nachholen. Eden Hazard kam für 100 Millionen Euro, Luka Jovic für 60 Millionen, Eder Militao für 50 Millionen, Ferland Mendy für 48 Millionen, Rodrygo für 45 Millionen und eigentlich, ja eigentlich hätte auch noch Paul Pogba kommen sollen – für welche Summe auch immer. 

Von der neuen Power können die “Blancos” allerdings bisher nur vom Hörensagen berichten. Am ersten Ligaspieltag stand keiner der Neuzugänge von Beginn an auf dem Rasen, am zweiten mit äußerst viel Wohlwollen immerhin Leih-Rückkehrer James Rodriguez und am dritten Spieltag durften sich Jovic und Mendy beweisen. Immerhin

Klar, Hazard hätte wohl jede dieser Partien absolviert, wäre er nicht verletzt. Doch irgendwie passt es ins derzeit unsichere Bild, das Real Madrid abgibt. Wie schaut das Real der Primetime der Saison aus? Wer soll vorangehen, wer soll den Verein vor allem international wieder weit tragen? All diese Fragen sind, Stand jetzt, schwer zu beantworten, weil sich Zidane und seine Mannen sichtlich noch in der Findungsphase befinden. 

Die ersten Auftritte erinnerten mehr an das schwache Real der Vorsaison denn an das Real der Zidane-Jahre. Doch noch sind gerade einmal Handvoll Partien gespielt und der Kader ist, zumindest auf dem Papier, stark genug, um wieder ganz oben anzugreifen – auch in der Champions League.

Im Fokus: Hazard ist nicht Ronaldo 

Eden Hazard ist der Schlüsseltransfer von Real Madrid gewesen. Er soll den Abgang von Ronaldo endgültig vergessen machen, auch wenn er natürlich ein gänzlich anderer Spielertypus ist. 

Anders als Ronaldo in den vergangenen Jahren ist Hazard mehr Vorbereiter denn Vollstrecker. Mit Karim Benzema und Luka Jovic verfügt Real allerdings über die idealen Abnehmer für Hazards Kreativität. Auch hier gilt es für Zidane, seinen neuen Star ideal einzubinden, um seine nicht zu übersehenden Stärken in aller Gänze zu entfalten. 

Ähnlich wie für den ganzen Klub lief seine Vorbereitung sehr schleppend mit der Krönung, dass er aktuell verletzt ausfällt. Zum CL-Auftakt dürfte er allerdings wieder mit an Bord sein. 

Seine Rolle im Kader ist klar: Er soll möglichst schnell zu einer Führungsfigur des Vereins werden – auf wie neben dem Platz. Seine Effektivität, sein Tempo und natürlich auch seine Tore könnten einen erheblichen Unterschied zur schwachen Vorsaison bei den Königlichen machen. Dafür haben sie ihn schließlich geholt.

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Prognose

Real Madrid wirkt in den ersten Zügen der Saison noch nicht wieder wie der Champion aus den vergangenen Zidane-Tagen. Doch die Qualität im Kader ist definitiv vorhanden, sie muss nur entfaltet werden. Gelingt Zidane genau das und schafft er es, den Umbruch möglichst reibungslos zu moderieren, muss man die Königlichen wieder auf der Liste haben.

Nico Scheck

Club Brugge

(Letzte Saison: 16/-Finale EL)

Über die Königsklasse in die Europa League

Club Brugge durfte sich im vergangenen Jahr mit dem BVB, Atletico Madrid und der AS Monaco messen. Nach den sechs Gruppenspielen lag man auf dem dritten Platz in der Tabelle, konnte dabei einmal gewinnen und spielte dreimal Remis. Somit war in dieser Gruppe das überraschende Erreichen der Europa League erreicht. In der Zwischenrunde traf man dort auf RB Salzburg. Zunächst gelang den Belgiern ein 2:1 Heimsieg, das Rückspiel ging allerdings mit 4:0 verloren und die Reise durch Europa war abrupt beendet.

In der belgischen Jupiler Pro League konnte sich der Verein durch das Erreichen des zweiten Platzes für die Playoffs qualifizieren. Dort musste man sich erneut letztlich nur dem Meister KRC Genk geschlagen geben, somit wurde auch hier der zweite Platz erreicht und damit die Qualifikation zur Champions League. Diese gelang jüngst mit dem Durchsetzen gegen Dynamo Kiew und dem Linzer ASK.

(Photo by JAVIER SORIANO / AFP)

Dem Ausverkauf zum trotz – Brugge will oben dranbleiben

Seit dieser Saison ist Philippe Clement (45) Trainer vom Club Brugge, mit seinem Vorgänger Ivan Leko (41) verständigte man sich darüber, den auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Mit Clement scheint der ideale Nachfolger gefunden zu sein, immerhin kennt der ehemalige Spieler seinen Verein ganz genau und durchlief auch als Trainer bereits unterschiedliche Positionen im Verein. Die ersten Saisonspiele dürften den Anhängern auch sehr gefallen haben, nach dem sechsten Spieltag steht man mit einem Spiel weniger auf dem zweiten Platz, konnte dabei drei Spiele gewinnen und spielte zweimal Remis. Das ist durchaus auch als eine eine besondere Leistung anzusehen, immerhin verlor man im Sommer mit Wesley (22, Aston Villa), Danjuma (22, Bournemouth), Nakamba (25, Aston Villa) und Denswil (26, Bologna) wichtige Kräfte. Allerdings nahm man damit aber auch respektable 62 Millionen Euro ein.

Die Marschroute in den bisherigen Partien war stets klar, vorne agierte man brandgefährlich, konnte bisher zwölf Treffer erzielen. Doch die Arbeit in der Defensive kam dabei kein bisschen zu kurz, mit erst zwei Gegentoren stellt man die bisher beste Defensive der Jupiler Pro League. Für diese Zahlen sind auch die Neuverpflichtungen um Simon Mignolet (31, Liverpool), David Okereke (21, Spezia Calcio), Mbaye Diagne (27, Galatasaray Istanbul), Federico Ricca (24, Malaga), Simon Deli (27, Slavia Prag) und die Brighton-Leihgabe Percy Tau (25) verantwortlich.

Philippe Clement hat einen starken Kader beisammen, konnte die Abgänge sinnvoll ersetzen und die Euphorie in Brügge hochhalten. Ihm ist es bereits jetzt gelungen eine solide Basis aufzustellen, gilt als einer der Favoriten auf die Meisterschaft, muss dafür aber noch den einen oder anderen Feinschliff setzen. Doch die Voraussetzungen für eine noch bessere Saison als im Vorjahr sind alles andere als verkehrt.

Im Fokus: Hans Vanaken

Hans Vanaken (27) sorgt in Belgien für reichlich Furore. In der vergangenen Spielzeit gelangen dem Offensivspieler in 30 Spielen elf Tore und 13 Vorlagen. Auch in den Playoffs wusste er zu überzeugen, erzielte in den zehn Spielen drei Tore bei vier Vorlagen. Der 1,94m große Mittelfeldspieler zeichnet sich durch eine gute Spielübersicht, eine saubere Technik und natürlich einen kaltschnäuzigen Abschluss aus. Zudem verfügt er über ein gutes Antizipationsvermögen, steht oftmals genau dort, wo ein Torjäger zu stehen hat und das obwohl er eigentlich die Rolle des Spielgestalters innehat.

Auch in der aktuellen Spielzeit hört Vanaken nicht auf zu treffen, konnte in fünf Partien drei Treffer erzielen. Ebenfalls drei Treffer erzielte er in den vier Qualifikationsspielen zur Champions League und hatte damit einen großen Anteil am Erreichen der Königsklasse. Auch durch seine Präsenz erhofft man sich die ein oder andere Überraschung in der Champions League, auf jeden Fall aber wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft in Belgien.

Nicht wenige Stimmen sind der Ansicht, dass der 27-Jährige eigentlich zu gut für die Jupiler Pro League ist, man wundert sich vielerorts warum Vanaken noch in Belgien spielt. Macht er so weiter wie bisher, dürfte der Sprung in eine europäische Spitzenliga schon bald kommen und ihm vermutlich nicht allzu schwer fallen. Die Augen sind auf Hans Vanaken gerichtet, jetzt liegt es an ihm diesen Ansprüchen gerecht zu werden.

(Photo credit should read BRUNO FAHY/AFP/Getty Images)

Prognose

Club Brugge hat auch in diesem Jahr eine äußert undankbare Gruppe erwischt. Mit PSG, Real Madrid und Galatasaray in einer Gruppe – die Zielsetzung lautet wie im vergangenen Jahr das Erreichen der Europa League. Agiert man so souverän und frech wie bisher in der Liga, sind einzelne Überraschungen keinesfalls ausgeschlossen. Für ein Weiterkommen dürften die Favoriten um PSG und Madrid jedoch einfach zu weit weg sein. Der dritte Platz hingegen gilt als durchaus realistisch.

Steffen Gronwald

Galatasaray

(Letzte Saison: 16/-Finale EL)

National hui, international pfui. Oder so ähnlich. Für Galatasaray war die abgelaufene Saison in Europa eine herbe Enttäuschung. Schließlich hatte sich der 22-fache türkische Meister gute Chancen auf das Achtelfinale in der Champions League ausgemalt. In einer ausgeglichenen Gruppe mit dem FC Schalke 04, Lokomotiv Moskau und dem FC Porto folgte jedoch auf den deutlichen 3:0-Auftaktsieg gegen die russischen Hauptstädter nur noch ein Remis und vier Niederlagen. Die Folge: Der “Abstieg” in die Europa League, wo ein starkes Benfica jedoch direkt die Endstation bedeutete.

Galatasaray: Kluge Transfers zum Nulltarif

Die Sanktionen aus dem Jahr 2016 gegen Gala durch die UEFA wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay haben ihre Spuren hinterlassen. Das große Geld für die großen Transfers fehlt, doch der Verein hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, wie es scheint. Wie schon in den vergangenen Jahren wurde die Mannschaft erneut ordentlich durchgemischt. 

Topspieler aus dem Vorjahr wie Henry Onyekuru, Fernando oder auch Mbaye Diagne haben den Verein verlassen, hinzu kommen einige Leihgeschäfte. Doch die Gala-Verantwortlichen haben in diesem Sommer ihre Hausaufgaben gemacht, gemessen an den Mitteln, die zur Verfügung standen. 

Mit Radamel Falcao, Jimmy Durmaz und Ryan Babal kamen gleich drei Soforthilfen ablösefrei an den Bosporus. Hinzu kommen die Verpflichtungen von Weltmeister Steven Nzonzi (per Leihe), Florin Andone, Mario Lemina, Jean Michaël Seri und dem Kauf von Christian Luyindama. Insgesamt 14 neue Spieler konnte Fatih Terim in diesem Sommer begrüßen, nun wird es auch seine Aufgabe sein, die Neuzugänge schnellstmöglich zu integrieren. 

Doch bisher tut sich der türkische Meister noch schwer, in die Spur zu finden. Gleich am ersten Spieltag in der Süper Lig gab es eine überraschende 0:2-Schlappe bei Aufsteiger Denizlispor. Immerhin: Der jüngste Erfolg gegen Kayserispor (3:2) war ein Mutmacher, nach drei Spieltagen stehen vier Punkte auf der Habenseite. 

Noch haben die zahlreichen Neuen ihren Wert nicht unter Beweis stellen können, noch stand aber auch noch nicht der prominenteste aller Neuen für Gala auf dem Rasen: Falcao. Mit ihm sind große Hoffnungen verknüpft, denn neben seiner Erfahrung bringt er kolumbianische Nationalspieler noch immer viel fußballerische Qualität mit.

(Photo by ADEM ALTAN/AFP/Getty Images)

Galatasaray: Die Europa League ist das Ziel

Viel härter hätte es für Gala wohl kaum kommen können. Mit Real Madrid und Paris Saint-Germain hat das Team von Terim gleich zwei absolute Schwergewichte zugelost bekommen, hinzu kommt der schwer zu bespielende FC Brügge. Anders als in der abgelaufenen Saison scheint die Chance auf ein Überwintern in der Königsklasse in utopischer Ferne, vielmehr sollte das Sichern von Rang drei oberste Priorität haben. 

Gleich am ersten Spieltag geht es nach Brügge. Schon dort heißt es: Verlieren verboten! Ein Remis oder sogar ein Sieg würde gleich Druck wegnehmen, bevor es gegen PSG und zweimal gegen die Königlichen aus Madrid geht. Auch hier sollte durchaus, insbesondere im heimischen Stadion, der ein oder andere Punkt drin sein. 

Dabei wird es, wie auch in der Liga, darauf ankommen, wie schnell die Mannschaft zueinander findet und ob vor allem die neuen Stars der Mannschaft wie Falcao oder auch Babel funktionieren. 

Jimmy Durmaz wird dabei jedoch keine Hilfe sein können. Der Flügelstürmer darf für Gala erst ab 2020 international angreifen, für die Gruppenspiele ist er nicht spielberechtigt. Aber: Mit Babel ist zumindest sein Pendant auf der linken Seite schon in Frühform. Zwei Tore zum Start machen Hoffnungen auf mehr. Gerade in der Champions League werden sie diese brauchen. 

Im Fokus: Heilsbringer Falcao

Klar, die große Nummer in diesem Transfersommer war Radamel Falcao. Der Kolumbianer wurde auf den letzten Drücker in die türkische Millionenmetropole gelockt und soll umgehend vorangehen. Über 40.000 frenetische Fans feierten ihren neuen Stürmer-Star zum Empfang. Ein Bild, das Bände spricht. 

Kein Wunder, schließlich hat Falcao eine beeindruckende Torquote von 271 Treffern in 461 Partien vorzuweisen – ein Ende ist (noch) nicht in Sicht. Bei der AS Monaco war er in den vergangenen Jahren einer der absoluten Leistungsträger, das soll bei Galatasaray nicht anders sein – im Gegenteil. 

Er soll den in Ungnade gefallenen Diagne vergessen machen und bei Gala wieder für mehr Torgefahr sorgen. Dabei kam dem türkischen Meister wohl vor allem die Verpflichtung von Jean-Kevin Augustin von RB Leipzig zu Monaco zugute. Durch diesen Transfer soll dem Vernehmen nach der Weg für Falcao frei geworden sein. 

Der 33-Jährige wäre wohl sonst in Frankreich geblieben. “Die Wahrheit ist, dass ich noch ein Jahr hier unter Vertrag stehe und der Verein mit keine Verlängerung angeboten hat. Deshalb muss ich mir Gedanken über meine Zukunft machen”, hatte er Anfang August betont. Nun liegt seine Zukunft bei Galatasaray – und der Klub kann ihn mehr als gut gebrauchen. 

(Photo by OZAN KOSE/AFP/Getty Images)

Prognose

Galatasaray hat eine gute Transferpolitik in diesem Sommer bewiesen, nun muss sie noch fruchten. In der Gruppe mit Real Madrid und PSG scheint ein Weiterkommen nahezu unmöglich, Rang drei jedoch keinesfalls. Vieles wird schon vom Auftakt beim FC Brügge abhängen. Gewinnt Gala den direkten Vergleich mit den Belgiern, geht es in der Rückrunde dann in die Europa League.

Nico Scheck

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