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CL | FC Porto vs AS Rom – ein offenes Rennen

6. März 2019
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CL | FC Porto vs AS Rom – ein offenes Rennen

Am Mittwoch (ab 20:45 Uhr auf DAZN) gastiert der AS Roma beim FC Porto, um das Viertelfinale der Champions League klar zu machen. Das Hinspiel endete mit dem besseren Ergebnis für die Italiener (2:1) – jedoch hat Porto dank des Auswärtstreffers noch alle Trümpfe in der eigenen Hand.  

Die Form

Wie schon vor dem Hinspiel, liest sich die Formkurve beider Kontrahenten zunächst ähnlich: Für die Mannschaft von Sérgio Conceição stehen drei Siege und eine schmerzhafte Derbyniederlage gegen Benfica zu Buche. Für das Team von Eusebio Di Francesco zwei Siege und eine schmerzhafte Derbyniederlage gegen Lazio. Doch wie schon vor dem Hinspiel, trügen diese nackten Ergebnisse: Kamen Portos Siege jeweils ohne Gegentor zustande (2:0, 3:0, 3:0), musste die Roma sich zu einem 2:1 gegen Bologna und einem äußerst knappen 3:2 gegen Underdog Frosinone kämpfen, das Edin Džeko erst in den fünften Minute der Nachspielzeit besiegelte. Und während die Portugiesen trotz des 1:2 im direkten Duell um die Tabellenführung (Benfica liegt nun 2 Punkte in Front) mit ihrem Coach verlängerten, zählten italienische Medien Di Franscesco nach dem ärmlichen 0:3 gegen Lazio bereits an. Für ihn könnte Porto somit zum Schicksalsspiel werden. Tatsächlich erscheint eine Entlassung durchaus plausibel: Die Roma kann zwar rechnerisch sowohl die EL- als auch CL-Plätze noch erreichen. Doch das Zustandekommen ihrer Ergebnisse lässt jede Souveränität vermissen. Grade bei der Schmach gegen Lazio zeigte Di Franscescos Truppe denkbar wenig spielerische Ideen.

Porto dagegen sieht – nicht nur auf dem Papier – deutlich gefestigter aus. 48:14 Tore im laufenden Ligawettbewerb offenbaren eine solide Defensive und eine klare taktische Ausrichtung. Etwas, das der Roma gänzlich abgeht.

(Photo by Andreas SOLARO / AFP)

Das Personal

Während beide Teams vor dem Hinspiel mit zahlreichen Ausfällen zu kämpfen hatten, entspannt sich die Personallage jeweils zum zweiten Duell. Conceição muss weiterhin auf Vincent Aboubakar (Kreuzbandriss) verzichten, die Roma tritt (beinahe) vollzählig an – lediglich Cendiz Ünder steht wegen muskulärer Probleme noch auf der Kippe. Sein Ausfall würde – in Anbetracht der Ideenarmut im römischen Offensivspiel – zwar schwer wiegen, jedoch kompensierte Jungtalent Zaniolo diesen bereits im Hinspiel – nicht zuletzt wegen seiner zwei Tore. Der kreative und technisch starke Mittelfeldspieler, der sowohl zentral als auch auf der rechten Außenbahn seine Stärken entfalten kann, ist zweifellos das größte Talent, das die Roma seit langem ihr Eigen nennen durfte. Dass er auch im Rückspiel beginnt, ist also unabhängig von Ünders Genesung wahrscheinlich. Der Hype um den jungen Italiener ist jedenfalls in vollem Gange. Totti-Vergleiche inklusive.

“Es geht mir zu weit, dass ich schon so früh mit Totti verglichen werde. Trotzdem ist es eine Ehre, im selben Atemzug mit ihm genannt zu werden. Doch wie gesagt, noch habe ich nichts erreicht”, erklärte der 19-Jährige jüngst.

– Nicolo Zaniolo

Neben Zaniolo dürften zumindest Routinier de Rossi und Stephan El Shaarawy (Romas bester Scorer) gesetzt sein. Alle anderen Kandidaten (Pellegrini, N’Zonzi, Cristante) dürften nach der Derby-Schmach zumindest auf der Kippe stehen. Ganz im Gegensatz zu Kostas Manolas. Wie wichtig er ist, zeigte sich nicht zuletzt bei der Lazio-Niederlage (bei der er wegen einer Magenverstimmung geschont wurde).

Porto wird auch im Rückspiel auf seine starke Defensive zurückgreifen können. Mit einer Besonderheit: Shootingstar Éder Militão wurde in den letzten Tagen intensiv mit einem Wechsel zu Real Madrid in Verbindung gebracht – und schaute die letzten beiden Spiele von der Bank aus zu. Ob dies eine Reaktion auf die Wechselgedanken des Spielers war, kann derzeit nur spekuliert werden. Verletzt war Militão offenkundig nicht. Sein Vertreter Manafa derweil machte gegen Benfica keine gute Figur.

Auf seine defensive Flügelzange (Militão bildet ein kongeniales Duo mit Alex Telles) kann Conceição also (eigentlich) nicht verzichten. Zumindest auf seine sattelfeste Innenverteidigung (Felipe, Pepe) muss er auch nicht verzichten. Ansonsten wird Rechtsaußen Jesús Corona wieder zur Verfügung stehen. Im Hinspiel wurde er noch von Otávio vertreten. Spannend wird auch die Frage nach der Besetzung der Doppel-Sechs sein: Zuletzt setzte Conceição hier auf eine offensive Variante aus Herrera und Torres, gegen die Roma könnte er aus Sicherheitsgründen jedoch zunächst wieder auf Stammspieler Danilo setzen: Aufgrund des erzielten Auswärtstores aus dem Hinspiel ist Porto gut damit beraten, nicht zu früh zu viel zuzulassen. Das offensive 4-3-3, mit dem man gelegentlich aufwartet, wäre gegen die Roma daher eher eine Überraschung.

FC Porto: Casillas – Militao, Felipe, Pepe, Alex Telles – J. Corona, Herrera, Danilo, Brahimi – Marega, Adrian

AS Roma: Olsen – Florenzi, Fazio, Manolas, Kolarov – de Rossi , N’Zonzi – , Lo. Pellegrini – Zaniolo, El Shaarawy – Dzeko

Das Hinspiel

Vor dem Hinspiel erschien es völlig offen, welches der beiden Teams das Rennen macht. Der Spielverlauf spiegelte diese Ausgeglichenheit in weiten Teilen wider. Zwar zeigte sich die Roma hier engagierter im Zweikampf und risikobereiter im Spiel nach vorn – allein: Viel heraus sprang dabei lange Zeit nicht. Porto zeigte sich über weite Strecken zu passiv und verließ sich auf das eigene Defensivbollwerk. Zwar traf Edin Džeko kurz vor der Pause den Pfosten, doch es war ein Spiel mit wenigen Torchancen und spielerischen Highlights.


Photo Credit: ANDREAS SOLARO for AFP

So blieb es auch im zweiten Durchgang. Roma drückte, ohne zwingend zu agieren, Porto verteidigte und zeigte kaum Interesse an eigenen Angriffen. Das rächte sich letztendlich, als wiederum Džeko gleich zwei vielversprechende Chancen für Zaniolo erzwang – die dieser eiskalt nutzte. Und doch konnte Conceiçãos Team mit einem Lächeln zurück in die Heimat reisen – denn Roma blieb seiner Defensivschwäche treu: Porto kam durch Adrian zum Auswärtstor. Obwohl die Portugiesen beinahe nur über lange Bälle zu Offensivaktionen kamen, sprang aus einem ebensolchen der mit viel Glück erstolperte Anschluss. Die Roma bleibt ihrer Anfälligkeit also treu. Porto kann also mit sehr wenig Einsatz viel Ertrag erzielen, wenn es sich geschickt anstellt.

Prognose

Der aktuelle Krisenzustand der Roma ist ein trügerischer: Dieser Club ist Chaos gewohnt! Zwar mangelt es erheblich an starkem Defensivpersonal, Konzentration und sicheren Abläufen – doch Di Francescos Team hat bereits viele enge Partien durch ihren Kampfgeist und ihre individuelle Offensivklasse für sich entscheiden können. Porto dagegen glänzt im Ligabetrieb mit einer felsenfesten taktischen Grundordnung – und lässt dafür die offensive Kreativität vermissen. Conceiçãos Truppe muss auf heimischem Rasen sehr viel mehr anbieten, als im Hinspiel. Unter anderem, weil die Römer nach ihrer Derbypleite auf eine Wiedergutmachung aus sein werden. Derzeit spricht etwas mehr dafür, dass die Giallorossi ihren Husarenritt aus dem Vorjahr wiederholen. 

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