Freitag, September 18, 2020

Bundesliga-Vorschau Teil 3: FC Bayern, Hertha BSC, FC Augsburg

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Am Freitag beginnt die neue Saison in der Bundesliga. Im dritten Teil unserer 90PLUS-Saisonvorschau nehmen wir den FC Bayern, Hertha BSC und den FC Augsburg unter die Lupe.

  • FC Bayern: Serienmeister als klarer Favorit
  • Hertha BSC: Die Vorzeichen machen Hoffnung
  • FC Augsburg: Droht eine schwierige Saison?

Teil 1: RB Leipzig, Eintracht Frankfurt, FC Union

Teil 2: Dortmund, Wolfsburg, Mainz 05

Teil 4: Leverkusen, Arminia Bielefeld, VfB Stuttgart

FC Bayern

Letzte Saison: Meister

Der FC Bayern München schrieb in der Saison 2019/20 zahlreiche Geschichten. Ein durchschnittlicher Saisonstart unter Niko Kovac war der Auftakt, ein Trainerwechsel nach einem 1:5-Debakel in Frankfurt der vorzeitige Negativhöhepunkt. Hansi Flick (55) übernahm das Amt des Cheftrainers und es folge ein Triumphzug. Die sukzessive Weiterentwicklung der Mannschaft ging nach und nach mit herausragenden Resultaten einher. Aus einer gewöhnlichen Spitzenmannschaft wurde eine verschworene Einheit, die alle drei Titel gewinnen konnte.

 (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Highlights wie das 8:2 im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Barcelona pflasterten den Weg dieser Mannschaft. Flick verbesserte nicht nur das Team, sondern holte auch Einzelspieler wie Thomas Müller (31) und Jerome Boateng (32) aus ihren Formtälern und stabilisierte sie. Doch nun, in der Saison nach dem maximalen Triumph, folgt die schwerste Aufgabe. Das Niveau soll gehalten werden.

FC Bayern: All eyes on Leroy Sane

Die Transferaktivitäten des Rekordmeisters sind zum jetzigen Zeitpunkt vermutlich noch nicht abgeschlossen. Mit Alexander Nübel (23) kam ein Torhütertalent ablösefrei vom FC Schalke 04, mit Tanguy Nianzou (18) sicherte man sich einen hochveranlagten Defensivspieler. Er wechselte ablösefrei von Paris Saint-Germain zum FC Bayern. Der Königstransfer ist indes Leroy Sane (24). Der Offensivspieler, an dem der Rekordmeister schon 2019 interessiert war, konnte von Manchester City verpflichtet werden. Überdies kehrte Adrian Fein (21) nach seiner Leihe zum Hamburger SV zurück.

Dem gegenüber stehen allerdings auch einige Abgänge. Die Leihspieler Philippe Coutinho (28), Ivan Perisic (31) und Alvaro Odriozola (24) wurden nicht fest verpflichtet. Zudem wechselten Talente wie Christian Früchtl (20), Sarpreet Singh (21) oder Oliver Batista Meier (19) auf Leihbasis. Javi Martinez (32) könnte den Verein noch verlassen, gleiches gilt für Thiago Alcantara (29) und David Alaba (28), deren Verträge 2021 auslaufen. Im Fall von Thiago soll die Entscheidung für einen Wechsel bereits feststehen, der Poker um Alaba ist in der heißen Phase. 

Hansi Flick 2.0

In der vergangenen Saison zeigte sich, dass Hansi Flick ein detailversessener Trainer ist, der auch in Momenten großer Erfolge immer den Blick darauf richtet, was noch verbessert werden kann. Der FC Bayern steht unter ihm sehr hoch, verteidigt mit viel Risiko. Das erfordert ein Höchstmaß an Konzentration in der Defensive. Punktuell gelang es nicht, alle Lücken hinter den aufrückenden Außenverteidigern zu schließen. Zudem waren manche Spiele in einigen Phasen zu hektisch, es fehlte die Kontrolle.

(Photo by Manu Fernandez/Pool via Getty Images)

Diese Kontrolle häufiger herzustellen, ist essenziell wichtig. Der Spielplan in der neuen Saison ist noch enger als in der Vorsaison, der Kader kurz vor dem Saisonbeginn sogar kleiner! Es wird häufiger der Fall sein, dass junge Spieler in die Mannschaft rotiert werden müssen. Mehr Spielkontrolle bedeutet automatisch weniger Zufälle und ist somit ein wichtiges Gut, um sehr gut durch die neue Saison zu kommen.

Neuzugang Leroy Sane verstärkt die Offensive und verleiht ihr ein zusätzliches Überraschungsmoment. Der Nationalspieler ist schnell, dribbelstark und verfügt über einen enormen Zug zum Tor. Zudem machen die guten Leistungen von Niklas Süle (25) nach dessen Kreuzbandriss Mut. Die Rückkehr des Hünen in der Abwehr sollte also auch dafür sorgen, dass mehr Möglichkeiten vorhanden sind. 

Der dünne Kader: Fluch und Segen

Trotzdem muss der Rekordmeister versuchen, die Optionen im Kader weiter zu erhöhen. 22 Feldspieler stehen derzeit im Kader des FC Bayern. Dazu gehören Alaba, Martinez und Thiago, deren Verbleib ungewiss ist, genauso wie junge Spieler wie Fein, Leon Dajaku (19) oder Fiete Arp (20). Fehlen zwei bis drei Spieler, wird die Bank wieder einmal mit Nachwuchstalenten aufgefüllt werden müssen. 

Das hat positive und negative Auswirkungen. Für die jungen Talente stellt dies natürlich eine sehr gute Chance dar, ein Qualitätsverlust in wichtigen Spielen ist allerdings nicht auszuschließen. Und wichtige Spiele stehen in verschiedenen Wettbewerben schon in der Hinrunde, die durch zwei Supercup-Spiele für den FC Bayern ohnehin schon weiter aufgebläht wird, auf dem Programm. 

Trotzdem ist die individuelle Klasse im Kader natürlich immens, Trainer Hansi Flick hat zudem noch einige Elemente im Spiel erkannt, die gut, aber noch nicht ideal funktionieren. National ist der Branchenprimus deswegen in beiden Wettbewerben der klare Favorit – und international vorne mit dabei. 

Im Fokus: Michaël Cuisance

Vor der Saison 2019/20 verpflichtete der FC Bayern den französischen Mittelfeldspieler Michaël Cuisance von Borussia Mönchengladbach. Lange war es ruhig um den technisch versierten Franzosen. Doch der 21-Jährige zeigte im Saisonendspurt, warum die Verantwortlichen des Rekordmeisters Vertrauen in ihn gesteckt haben. Zehn Pflichtspiele absolvierte Cuisance für den FC Bayern, gegen Wolfsburg gelang ihm ein sehenswertes Tor. 

(Photo by MANU FERNANDEZ/AFP via Getty Images)

In der neuen Saison will Cuisance nun angreifen und mehr spielen. Als Spielertyp, der gefährliche Situationen initiieren kann, ist er im Flick-System sehr gut aufgehoben. Vor allem dann, wenn Thiago den Verein verlässt, könnte Cuisance einen extremen Sprung in der Rangordnung machen. Aber selbst in der aktuellen Besetzung sollten die Einsatzzeiten des Mittelfeldspielers steigen. 

Prognose

Der FC Bayern München ist das Team, das man schlagen muss, um die Meisterschaft zu gewinnen. Das gilt in jeder Saison, nach dem Gewinn aller drei Titel aber noch einmal mehr. Die Mannschaft ist in der Spitze enorm gut besetzt, in der Breite herrscht noch Nachholbedarf. Und das ist auch der mögliche Ansatz für die Konkurrenz. Einen souveränen Siegeszug von Anfang bis Ende wird es sehr wahrscheinlich nicht geben. 

Manuel Behlert

Hertha BSC

Letzte Saison: 10. Platz

Hertha BSC hat eine überaus ereignisreiche Saison hinter sich. Die erste Spielzeit nach der Dardai-Ära verlief mehr als nur holprig. Ein erster Höhepunkt war der Einstieg von Investor Lars Windhorst (43) –  mit seinem Geld und Trainer Ante Covic (44) sollte es hoch hinaus gehen, doch hielt sich dieser nur fünf Monate im Amt. Auf Covic folgte Jürgen Klinsmann (56) und damit das endgültige Chaos. Zwar punkteten die Berliner unter dem Sommermärchen-Macher zumindest ordentlich, doch mit seinem plötzlichen wie spektakulären Hinschmeißen im Februar hinterließ er einen Scherbenhaufen.

(Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Es folgten Pressekonferenzen, Facebook-Livestreams und die berüchtigten „Klinsmann-Tagebücher“. Das Sportliche geriet dabei in den Hintergrund, wurde von Klinsmann-Nachfolger Alexander Nouri (41) aber auch nicht gerade in ein positives Scheinwerferlicht gerückt, von Trainer Nummer vier der Saison, Bruno Labbadia (54), nach der Corona-Pause jedoch wieder in erfolgreichere Bahnen gelenkt. Mit 13 Punkten aus neun Spielen führte Labbadia die „alte Dame“ noch auf Rang zehn.

Generationswechsel in Berlin

Die von Labbadia am häufigsten verwendete Formulierung in der Sommervorbereitung war „neue Achse“. Verständlich, schließlich haben mit Vedad Ibisevic (36), Per Skjelbred (33), Salomon Kalou (35) und Thomas Kraft (32) gleich vier langjährige Leistungsträger und Führungsspieler den Hauptstadtverein nach zusammengerechnet 688 Einsätzen verlassen. Auch der Abgang von Liverpool-Leihgabe Marko Grujic (24) hinterlässt eine Lücke. Aktuell hat Hertha mit durchschnittlich 23,8 Jahren den jüngsten Kader der Bundesliga.

Foto: IMAGO

Die Sommertransfers schlagen in eine ähnliche Kerbe: Mit Lucas Tousart (23) und Deyovaisio Zeefuik (22) sind ebenfalls junge Spieler nach Berlin gewechselt, einzig der neue Torhüter, Alexander Schwolow (28) bringt viel Erfahrung mit. Mittelfeldspieler Tousart wurde im vergangenen Winter für 25 Millionen Euro von Olympique Lyon verpflichtet, bis Saisonende aber noch an den Ligue-1-Klub verliehen. Rechtsverteidiger Zeefuik ist für drei Millionen Euro vom FC Groningen gekommen, bei Ex-Freiburger Schwolow schwanken die Zahlen zwischen 3,5 und acht Millionen Euro. Laut Medienberichten hat Hertha für diesen Sommer ein Transferbudget in Höhe von 50 Millionen Euro zur Verfügung – abzüglich Zeefuik und Schwolow.

Das Geld wird es auch brauchen, da Hertha einen Kaderumbruch zu bewältigen und noch klar verbesserungswürdige Positionen offen hat. Die Blau-Weißen sollen noch nach einem zentralen Mittelfeldspieler, offensiven Flügelspieler und Mittelstürmer suchen – allesamt keine billigen Positionen, zumal sie den neuen Ansprüchen Herthas genügen müssen. Es ist ein schwieriges Unterfangen für Hertha, das aufgrund der vielen Abgänge von einstigen Stützpfeilern eigentlich sofortige Verstärkungen braucht, jedoch noch nicht das Prestige hat, um „fertige“ Spieler anzulocken.

Zwischen Aufbau und Europa-Ambitionen

Hertha scheint viele Brandherde abgestellt zu haben und nun positiv gestimmt in die Zukunft zu blicken. Mit Trainer Labbadia, der das Team wieder aufgerichtet hat und Topspielern wie Tousart, Krzysztof Piatek (25) oder Matheus Cunha (21) sollte der Sprung nach Europa im zweiten Anlauf klappen. Nun, so einfach wie in den letzten Sätzen dargestellt wird es nicht.

Die Vorbereitung auf die kommende Saison hat zahlreiche Probleme im Kader offengelegt. Zum einen schmerzen die Abgänge der vielen Routiniers massiv. Hertha fehlen die Führungsspieler. In den Testspielen ging es neben fußballerischen Aspekten vor allem darum, die Kommunikation zu stärken – das ist gescheitert. Der so junge Kader sucht sich momentan selbst und so sticht niemand heraus, der das Zepter in die Hand nimmt. Erfahrene Spieler wie Dedryck Boyata (29), Marvin Plattenhardt (28) oder Vladimir Darida (30) sind keine Lautsprecher und so ist es symptomatisch, wie lange sich bereits die Suche nach einem neuen Kapitän zieht.

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

So stehen aktuell weniger taktische Fragen im Vordergrund als vielmehr welche zur Teamhierarchie. Hertha hat großes Potenzial im Kader, auf jeder Position lassen sich spannende Talente finden, doch fehlt das Gerüst, an dem sich alle festhalten können. Eigenschaften wie Konstanz, Erfahrenheit und Kommunikation gehen dem Team noch vollkommen ab, sodass es in der Vorbereitung an sämtlichen Stellen hakte, defensiv wie offensiv. In der Theorie will Labbadia einen proaktiven schnellen Fußball spielen lassen, der sich nicht vor Ballbesitz scheut und den Gegner durch hohes Pressing unter Druck setzt. Dazu ist der Kader sportlich durchaus in der Lage, aber all das wird von den vielen mentalen Baustellen überlagert.

Im Fokus: Matheus Cunha

Er war in der vergangenen Rückrunde Herthas große Lichtblick und er wird auch in der kommenden Saison womöglich Berlins wichtigster Spieler sein: Matheus Cunha hat exakt ein Spiel gebraucht, um alle bei Hertha für sich zu gewinnen. Bei seinem Debüt gegen den SC Paderborn zeigte der junge Brasilianer alles, was ihn ausmacht: Überragende Technik, einnehmender Spielwitz, stetige Torgefahr und absolute Leidenschaft. In elf Spielen für den Hauptstadtverein war der Angreifer an acht Treffern direkt beteiligt.

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

In der kommenden Saison wird wieder viel von dem Genie Cunhas abhängen, doch wird spannend zu sehen sein, wie er sich in seiner ersten vollständigen Saison in Berlin macht. Naturgemäß fallen junge Spieler auch mal in Leistungslöcher, zumal Cunha zuletzt noch fußballerische Narrenfreiheit besaß und nun in ein echtes System eingebunden werden muss. Verfällt Cunha also wie bei RB Leipzig in launische Inkonstanz oder schafft er den endgültigen Durchbruch? Davon wird auch der gesamte Saisonerfolg Hertha abhängen.

Prognose

Nachdem die vergangene Saison enttäuschend verlaufen ist, steht Hertha 2020/21 etwas unter Druck. Zwar hüten sich die Verantwortlichen davor, von Europa zu sprechen, unter die besten acht sollte Hertha aber schon kommen, um von einer erfolgreichen Saison sprechen zu können. Klar ist: Hertha wird die Liga nicht überrennen, dafür ist der Kader zu jung und unausgereift. Zwar werden noch ein paar Neue kommen, dennoch ist die kommende Saison aufgrund der vielen Fragezeichen im Kader als Aufbaujahr nach einem größeren Umbruch zu werten.

Marc Schwitzky

FC Augsburg

Letzte Saison: 15. Platz

Der FC Augsburg geht in das zehnte Bundesliga-Jahr. Dass es so kommt, war in der vergangenen Spielzeit nicht immer abzusehen. Unter Ex-Coach Martin Schmidt (53) zeigte der FCA oft keine konstanten Leistungen und war vor allem defensiv anfällig. Heiko Herrlich (48) wurde Anfang März als sein Nachfolger verpflichtet, musste aber bis Ende Mai auf sein Debüt auf der Trainerbank warten.

Die Corona-Pause und ein unüberlegter Einkauf kamen dazwischen. Der frühere Regensburg- und Leverkusen-Trainer konnte Augsburg zwar punktuell stabilisieren, vor allem in der Abwehr. Nach vorne war hingegen vieles Stückwerk, ein klares und detailliertes Konzept war hier nicht zu erkennen.

Der FC Augsburg stellt sich die Mentalitätsfrage

Platz 15 am Ende der Saison war Manager Stefan Reuter (53) und den anderen Verantwortlichen zu wenig. Zittern bis zum Ende soll nun der Vergangenheit angehören. Hatte der FCA im März schon den Trainer gewechselt, sollten im Sommer nun die Hierarchie und die Struktur im Kader verändert werden. Augsburg verpflichtete neue Spieler, insbesondere erfahrene Akteure. Und ließ langjährige Stammkräfte und Führungsspieler ziehen.

Eine Identifikationsfigur die den Verein verließ, ist Torhüter Andreas Luthe (33), er ging zum 1.FC Union Berlin. Im Gegenzug holten die Fuggerstädter Rafal Gikiewicz (32) aus Berlin. Erst im vergangenen Sommer verpflichtete Augsburg mit Tomas Koubek (28) einen Torhüter, doch dieser konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Koubek war Unsicherheitsfaktor statt Rückhalt und wurde im Laufe der Saison ersetzt. Gikiewicz sollte nun allerdings dafür sorgen, dass Ruhe auf dieser Position einkehrt.

(Photo by MAJA HITIJ/POOL/AFP via Getty Images)

Ein neuer Leader und ein scheidender Leistungsträger

Ein weiterer Neuzugang mit Stammplatzqualität ist Mittelfeldspieler Daniel Caligiuri (32). Sein Vertrag beim FC Schalke 04 war ausgelaufen, deshalb kommt er, wie auch Gikiewicz, ablösefrei. Der Deutsch-Italiener soll beim FCA Verantwortung übernehmen. Das gilt auch für den defensiven Mittelfeldspieler Tobias Strobl (30), der ebenfalls ablösefrei ist. Strobl kommt von Borussia Mönchengladbach, er soll vor der Abwehr für Stabilität sorgen und seine Erfahrung einbringen.

Neben erfahrenen Spielern hat der FCA mit Felix Uduokhai (22) und Robert Gumny (22) zwei junge Abwehrspieler verpflichtet. Innenverteidiger Uduokhai war schon in der vergangenen Saison vom VfL Wolfsburg ausgeliehen. Weil er überzeugen konnte, sich einen Stammplatz erspielte und zudem durch seine Kopfballstärke auffiel, hat ihn Augsburg in diesem Sommer für sieben Millionen Euro verpflichtet. Gumny kommt für zwei Millionen Euro von Lech Posen. Der Rechtsverteidiger ersetzt Stephan Lichtsteiner (36), der seine Karriere beendet hat. Gumny tritt rechts hinten in einen Konkurrenzkampf mit Daniel Framberger (30), er ist der einzige richtige Neuzugang in der Abwehr.

Michael Gregoritsch (26) und Mads Pedersen (24) kehren von halbjährigen Ausleihen beim FC Schalke 04 beziehungsweise beim FC Zürich zurück. Besonders Gregoritsch konnte sich wieder in den Fokus spielen. Im vergangenen Winter wollte er den FCA unbedingt verlassen, jetzt zeigt er sich geläutert und scheint wieder Lust auf Augsburg zu haben.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Der qualitativ schwerwiegendste Abgang ist der von Philipp Max (26). Der Linksverteidiger wechselt für ungefähr acht Millionen Euro in die Niederlande zur PSV Eindhoven. Max verlässt den FCA nach fünf Jahren, in denen er 156 mal für den Club spielte. Er war in den vergangenen Jahren einer der Leistungsträger. In der Spielzeit 2019/20 traf er achtmal und legte sechs Tore auf, damit war er einer der torgefährlichsten Linksverteidiger in ganz Europa.

Auf der Linksverteidigerposition hat Augsburg aber Ersatz: Iago (23) und Pedersen können auf der Position spielen. Beide kamen im Sommer 2019 nach Augsburg, Iago gilt als Favorit in dem Konkurrenzkampf, er konnte sein Potential in den abgelaufenen zehn Bundesligaspiel schon andeuten.

Hohe Wellen schlug indes der Abgang von Daniel Baier (36). Der defensive Mittelfeldspieler lief zwölf Jahre für den FC Augsburg auf, war jahrelang Leistungsträger und Kapitän. In der vergangenen Saison spielte er immer weniger eine Rolle. Sein Abgang ist angesichts seiner 36 Jahre verständlich, dennoch kam er aufgrund der Gesamtsituation überraschend.

Im Fokus: Daniel Caligiuri (32)

Der FC Augsburg möchte eine neue Hierarchie in der Mannschaft entwickeln und hat mit Daniel Caligiuri einen Leader verpflichtet. Der flexibel einsetzbare Mittelfeldspieler hat auf Schalke bereits zeigen können, dass er auch in schwierigen Phasen vorangeht. Caligiuri ist technisch stark und kann dem FCA spielerisch helfen, allerdings geht ihm etwas Tempo abhanden. Die Rolle, die er übernehmen wird, ist noch offen.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Es ist gut möglich, dass Caligiuri etwas defensiver spielt und aus dem zentralen Mittelfeld die Angreifer mit Pässen füttert. Seine wichtigste Aufgabe wird es aber sein, das Team mit seiner kämpferischen Art mitzureißen und zu führen.

Prognose

Mit Baier, Luthe, Max und auch Lichtsteiner verlassen mehrere Säulen der Mannschaft den Club. Gikiewicz, Caligiuri und Strobl heißen die neuen Stützen. Das Teamgefüge muss sich erst noch finden, insgesamt hat sich der FC Augsburg aber sinnvoll verstärkt, weil auch junge Spieler kamen und der Abgang von Philipp Max zumindest defensiv auszugleichen ist. Augsburg steht wohl eine entspanntere Saison bevor, für mehr als einen Platz im unteren Tabellenmittelfeld reicht es aber nicht.

Piet Bosse

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(Photo by MIGUEL A. LOPES/POOL/AFP via Getty Images)

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