Samstag, August 15, 2020

FC Bayern, Dortmund und die mühsame Debatte über fehlende Spannung in der Bundesliga

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Damian Ozako
Damian Ozako
Redakteur

Kommentar: Der FC Bayern München ist zum achten Mal in Folge Deutscher Meister geworden. Weder Borussia Dortmund noch ein anderes Team konnten den Rekordmeister in der Bundesliga aufhalten. Nun beklagen sich Fußballfans aus allen Richtungen wieder über Langeweile in der Liga. Eine Debatte, die ermüdend ist. 

Flick führt den FC Bayern zur Meisterschaft

Anfang November übernahm Hansi Flick den Trainerposten von Niko Kovac, der nach einer 1:5-Pleite in Frankfurt entlassen wurde. Zum Liga-Einstand gab es für den neuen Trainer ein 4:0 gegen Borussia Dortmund. Danach musste sich der Rekordmeister noch ein wenig finden und zeigte sich noch nicht so erbarmungslos, wie er es jetzt tut. Nach zwei Niederlagen gegen Bayer 04 Leverkusen (1:2) und Borussia Mönchengladbach (1:2) starteten die Münchener so richtig durch. Wettbewerbsübergreifend folgten unter Flick in 23 Spielen 22 Siege und ein Unentschieden (0:0 gegen Leipzig). Viel wichtiger: Auch die Spielweise stimmte wieder. Aktuell sehen wir vielleicht den besten FC Bayern seit Pep Guardiola. Eine Mannschaft, die sich nur schwer stoppen lässt. Die Meisterschaft ist absolut verdient und die Bayern sind zweifelsfrei die beste Mannschaft der Liga. 

Spannung ist Fehlanzeige. Der Rückstand von Borussia Dortmund betrug zuletzt sieben Punkte. Der BVB hat sich in der Hinrunde einige Fehler geleistet, die er nicht ausbügeln konnte und die Schwächephase der Bayern unter Kovac wurde nicht ausgenutzt. Nach der Hinrunde hatte Dortmund 30 Punkte auf dem Konto, drei weniger als der FC Bayern, der nur auf dem dritten Platz lag. Herbstmeister RB Leipzig hat in der Rückrunde bislang 15 Punkte weniger als die Flick-Elf geholt und auch elf Punkte auf den BVB verloren. Bei Borussia Mönchengladbach, das ebenfalls vor den Münchenern und Dortmundern lag, waren es gar 19 bzw. 15 Zähler, die verloren gingen. 

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Normale Kräfteverhältnisse der Bundesliga

Das sind alles Zahlen, die im Hinterkopf behalten werden sollten, wenn man sich beim Gedanken erwischt, irgendeinem Klub Vorwürfe für die fehlende Spannung zu machen. Der FC Bayern war im Herbst medial gefühlt eine Lachnummer. Der Fußball war in der Tat schlecht in Anbetracht der Möglichkeiten des Kaders. Und nach der Niederlage in Gladbach betrug der Rückstand auf die Spitze sieben Punkte. Allerdings hat sich während der Rückrunde alles wieder eingependelt. Nicht nur beim alten und neuen Deutschen Meister, sondern auch bei Dortmund und den restlichen Klubs mit Champions-League-Ambitionen. In der Rückrunde verlor der BVB nur zwei Spiele in der Liga (gegen Leverkusen und Bayern) und gewann die restlichen Partien. Die anderen Teams ließen hier und da ein paar Punkte liegen, was völlig normal ist. Es ist kein Wunder, dass die ersten sechs Plätze wie in der Vorsaison belegt sind. Es sind die wahren Kräfteverhältnisse der Liga.

In Dortmund ist man auf dem Weg den vereinseigenen Torrekord zu knacken und eine der besten Saisons der Vereinsgeschichte zu spielen. Das alles spielt keine Rolle im Kampf um die Meisterschaft. Um den FC Bayern München zu schlagen, darf man sich allerdings keine Schwächephasen erlauben. Man muss eine nahezu perfekte Saison spielen, um einen dann noch schwächelnden Rekordmeister besiegen zu können. Dortmund hat es versucht und in der Hinrunde bereits verspielt. Man hatte zu diesem Zeitpunkt schon drei Punkte Rückstand auf den FC Bayern. Die sind nun einmal schwerer aufzuholen, als sieben Punkte auf Leipzig.

Gute Saisons reichen nicht, um den FC Bayern zu schlagen

Der Rekordmeister spielt in seiner eigenen Liga. So bitter es für die Fans der anderen Teams auch sein mag, es ist Realität. Ja, Dortmund hat sein Ziel verpasst, aber es ist keine Schande. Es spiegelt das Kräfteverhältnis der Liga ziemlich gut wider. Denn auch obwohl der BVB extrem schwächelte und Favre mehr als nur angeschlagen wirkte, hat Dortmund trotz einer schlechten Hinrunde bereits am 31. Spieltag die Qualifikation zur Champions League gepackt. Obwohl die Konkurrenz aus Leipzig, Leverkusen und Mönchengladbach hervorragende Saisonleistungen zeigen und jeweils eine der punktetechnisch besten Spielzeiten ihrer Vereinsgeschichte erleben. 

(Photo by LARS BARON/POOL/AFP via Getty Images)

So könnte man sich die Tabelle entlang hangeln und auf jeden einzelnen Verein zeigen, der Schwächephasen seiner Konkurrenz nicht nutzt. Aber wenn nicht einmal der Branchenprimus vor solchen Phasen sicher ist, warum verweist man auf andere Klubs, die, rein statistisch betrachtet, eine richtig gute Saison spielen? Weil man sich Spannung herbeireden will, die nicht existiert. Eine gute Saison reicht keiner Mannschaft außer dem FC Bayern München, um Meister zu werden. Es muss eine herausragende sein. 

Fehlende Spannung: Keiner ist schuld

Der FC Bayern hat sich seinen Erfolg jahrzehntelang mühsam aufgebaut und steht vollkommen zurecht an der Spitze der Liga. An einem guten Tag kann man den Rekordmeister schlagen, aber auf die Länge einer Saison ist er kaum zu besiegen. Es mag für manche langweilig sein, aber das ist nicht die „Schuld“ der Bayern, aber auch nicht die der Konkurrenz in Form von Dortmund und künftig vielleicht auch Leipzig, Leverkusen oder Gladbach. Die finanziellen Risiken, die eingegangen werden müssten, um einen Großangriff auf die Bayern zu starten, wären enorm. Einen gesunden Verein für schnellen Erfolg an die Wand zu fahren, wäre fahrlässig. Der FCB muss sich nicht dafür entschuldigen gut zu sein, die Konkurrenz aber auch nicht dafür, schlechter zu sein.

Es geht nicht darum, dem FC Bayern die Meisterschaft kleinzureden, da vor allem die Art und Weise des Fußballs in dieser Saison hervorragend war. Ich kann jeden Bayern-Fan verstehen, der gerade extrem begeistert von der Arbeit des Vereins ist, da ein vielversprechender Umbruch vollzogen wurde und man im Gegensatz zu den letzten zwei, drei Jahren auch international wieder zu den absoluten Topklubs zählt. Insbesondere mit den gehandelten Neuzugängen wird es noch deutlicher, wohin der Verein international will. Man hat nur den Eindruck, dass der ein oder andere den FC Bayern im Kontext dieser Debatte gerne schwächer darstellt, als er es eigentlich ist, um sich krampfhaft Spannung in der Liga herbeizureden. 

Die Wahrheit ist, dass andere Vereine eine nahezu fehlerlose Saison hinlegen und gleichzeitig auf einen schwachen FC Bayern (und BVB, wenn man es aus Leipziger, Leverkusener oder Gladbacher Sicht betrachtet) hoffen müssen, um eine Chance auf den Meistertitel zu haben. Wenn der FC Bayern eine quasi fehlerlose Saison hinlegt, geht es ums Triple. Das wird man dann in den kommenden Wochen verfolgen können. 

In der nächsten Saison werden sich Dortmund & Co. wieder daran versuchen den Bayern einen Kampf zu liefern. Die Rollenverteilungen werden klar sein.

Damian Ozako

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(Photo by FEDERICO GAMBARINI/POOL/AFP via Getty Images)

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