EM 2021: Pedri, Rice & Co. – Die Player to Watch der Gruppen D-F

Declan Rice England
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Bei der Europameisterschaft wollen sich wieder einmal zahlreiche Spieler in den Vordergrund spielen. Das gilt für die absoluten Topstars der EM 2021 genauso wie für viele junge Spieler, deren Stern möglicherweise genau bei diesem Turnier aufgeht. 

Vorab haben wir uns abseits der klassischen Namen zwölf Spieler herausgesucht, die eine sehr gute Rolle spielen könnten und die vielleicht nicht jeder sofort auf der Liste hat. Der erste Teil drehte sich um Spieler aus den Gruppen A bis C. Teil zwei der „Player to Watch“ zur EM 2021 beschäftigt sich mit sechs Spielern aus den Gruppen D bis F.

Nikola Vlasic (23, ZSKA Moskau, Kroatien)

Der Name „Vlasic“ dürfte einigen Fans des englischen Fußballs ein Begriff sein. Mit 20 Jahren und einer Menge Vorschusslorbeeren wechselte Nikola Vlasic im Jahr 2017 für rund zehn Millionen Euro von Hajduk Split zum FC Everton. In der kroatischen Liga war der offensive Mittelfeldspieler trotz seines jungen Alters einer der auffälligsten Spieler der Liga. Bereits mit 19 Jahren führte Vlasic sein Team als Kapitän auf den Platz.

Allerdings schien es, als wäre der Schritt zu früh gekommen und so entschied sich Vlasic nach vorherigem Leihgeschäft für einen permanenten Wechsel zu ZSKA Moskau. Mit 16 Scorerpunkten in 26 Einsätzen gehörte er zu den besten Spielern der Liga. Nun ist die russische Premier keine der Top-Ligen und dennoch scheint Vlasic den nächsten Schritt auf seiner Karriereleiter gegangen zu sein. Bei der EM hat er jetzt die Möglichkeit seine Qualitäten auf höchstem Niveau unter Beweis zu stellen und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Nikola Vlasic EM 2021 Kroatien

Photo by Imago

Im kroatischen Team kommt Vlasic zumeist zentral hinter den Spitzen zum Einsatz, wo er seine Stärken am besten ausspielen kann. Zum einen ist er enorm schnell und hat viel Power, was er immer wieder in konsequenten Nachrückbewegungen einbringt. Zum anderen verfügt er über ein starkes Dribbling, das ihn auch zu Ausweichbewegungen auf die Flügel befähigt. Diese Variabilität wird ihm im Turnierverlauf zugutekommen – und vielleicht wird Nikola Vlasic DER Überraschungsspieler der EM 2021.

Declan Rice (22, West Ham, England)

Unter den sechs vorgestellten Spielern ist Declan Rice wohl der prominenteste. Bei seinem Verein West Ham United gehört er nun schon seit über drei Saisons zum Stammpersonal und spätestens seit letzter Saison zu den absoluten Leistungsträgern. Nachdem Rice in den Junioren-Nationalmannschaftsteams für Irland aufgelaufen ist, wurde der gebürtige Londoner 2019 das erste mal für die „Three Lions“ nominiert und hat seitdem 17 Einsätze absolviert.

Unter Gareth Southgate (50) ist er im Mittelfeld der Engländer gesetzt. Seine solide Grundgeschwindigkeit und Zweikampfstärke erlauben es ihm, auch als alleiniger Sechser die Räume vor der Abwehr zu kontrollieren, was ihn perfekt für die Rolle des Sechsers im 4-3-3 macht. Ohnehin liegt seine Kernkompetenz ganz klar im Spiel gegen den Ball. So ist er in der Top 10 der Premier-League-Sechser mit den meisten abgefangenen Pässen und den meisten gewonnenen Zweikämpfen. Außerdem besitzt Rice eine starke Kopfballtechnik und er hat ein gutes Gespür in der Raumverteidigung.

Doch auch in der Spielentwicklung ist Rice keineswegs eine Schwachstelle. Er ist mitnichten ein klassischer spielgestaltender Sechser, verfügt aber über ein solides Passspiel und weiß den Ball immer wieder durch gezielte Vorstöße nach vorne zu treiben. Für Declan Rice ist die EM 2021 die große Chance, sich auf der ganz großen europäischen Bühne zu beweisen.

Adam Hlozek (18, Sparta Prag, Tschechien)

Die tschechische Nationalmannschaft wird in diesen Tagen immer wieder genannt, wenn es um potenzielle Überraschungsteams geht. Das liegt natürlich an Trainer Jaroslav Silhavy (59), der der Mannschaft mit intensivem Gegenpressing und schnörkellosem Angriffsspiel ein neues Gesicht verpasst hat. Der Kader der „Reprezentace“ wartet allerdings auch mit einigen spannenden Spielern auf, von denen Adam Hlozek wohl einer der spannendsten ist.

Adam Hlozek EM 2021 Tschechien

Photo by Imago

Hlozeks Werdegang gleicht bisher einer Karriere aus dem Lehrbuch. Er durchlief alle tschechischen Auswahlteams, debütierte mit 16 Jahren bei seinem Ausbildungsklub Sparta Prag, ist der jüngste Torschütze in der Geschichte der tschechischen Fortuna Liga und sein Debüt für die Nationalmannschaft hat er ebenfalls gegeben. Dort kann er allerdings eher nicht mit einem Stammplatz beim Turnier rechnen, da die tschechische Mannschaft zumeist mit nur einem Stürmer agiert und dieser Platz von Patrik Schick (25) besetzt ist.

Doch genau an dieser Stelle kommt die Variabilität von Hlozek ins Spiel. Sein Profil ist das eines klassischen modernen Stürmers: Groß, explosiv, stark im Gegenpressing und ein gutes Gespür für Tiefenläufe. Allerdings kann Hlozek gerade im tschechischen System diese Qualitäten auch auf dem Flügel einbringen. Seine Schwächen im Kombinationsspiel und in engen Räumen machen aber dort eher zur zweiten oder dritten Wahl.

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Billy Gilmour (19, FC Chelsea, Schottland)

Das A-Nationalmannschaftsdebüt bei einer Europameisterschaft feiern? Dieser Traum könnte für Billy Gilmour bei der EM 2021 in Erfüllung gehen. Gilmour wurde bei den Glasgow Rangers ausgebildet und steht aktuell beim FC Chelsea unter Vertrag. Während Frank Lampard (42), der den Rechtsfuß in den Profikader aufgenommen hat, ein großer Fan des Schotten war, hat er es unter Thomas Tuchel (47) bislang schwer. Mit Jorginho, Kanté und Kovacic hat er allerdings auch hochkarätige Konkurrenz im zentralen Mittelfeld, wo Gilmour zuhause ist.

Dennoch könnte ihm die fehlende Spielpraxis zum Verhängnis werden, denn auch bei der schottischen Nationalmannschaft gab er erst Anfang Juni sein Debüt. Gilmour ist ein kreativer Mittelfeldspieler, der seine Stärken ganz klar im Spielaufbau und der Spielentwicklung hat. Er ist extrem agil und technisch sehr stark, was ihn zu einem eleganten und pressingresistenten Spieler macht. Schwächen hat Gilmour allerdings in der Defensive. Mit einer Körpergröße von nur 1,70 Meter und einem schmächtigen Körperbau ist er im Zweikampf häufig schlicht unterlegen.

Diese Schwächen in der Arbeit gegen den Ball sowie die fehlende Spielpraxis sind die Hauptgründe dafür, dass Gilmour nicht zur ersten Elf gehören wird. Das schottische Spiel ist stark auf defensive Stabilität und Robustheit ausgelegt. Attribute, die Gilmour (noch) nicht mitbringt. Dennoch könnte seine Kreativität und Agilität gerade bei einem Rückstand wichtig werden, wenn die Schotten das Spiel machen müssen. Billy Gilmour wird sicherlich einige Einsatzminuten bekommen und es lohnt sich, dann ein Auge auf ihn zu haben.

Pedri (18, FC Barcelona, Spanien)

Die spanische Auswahl befindet sich derzeit mitten im Umbruch. Um diesen konsequent weiter zu führen, hat Nationaltrainer Luis Enrique (51) einige unpopuläre Entscheidungen treffen müssen. So wurde der eigentliche Abwehrchef Sergio Ramos (35) gar nicht erst in den EM-Kader Spaniens berufen. Zudem müssen mit Saúl Niguez (26) und Sergio Canales (30) zwei hochdekorierte Mittelfeldspieler die EM von der Couch aus verfolgen. Enrique entschied sich dafür, den erst 18-jährigen Pedri für das zentrale Mittelfeld zu nominieren. Trotz namhafter Konkurrenz kann sich der Rechtsfuß, der erst vier Spiele für die „Furia Roja“ absolvierte, durchaus Chancen auf einige Einsatzminuten ausrechnen.

Pedri Spanien EM 2021

Photo by Imago

Ausgebildet wurde Pedri bei UD Las Palmas, von wo aus er im vergangenen Sommer zum FC Barcelona wechselte. Bereits in seiner ersten Saison konnte der Youngster vollends überzeugen und war der Spieler mit den meisten Einsätzen im Kader der Katalanen – und das mit 18 Jahren! Für sein Alter wirkt Pedri schon sehr reif, was sich vor allem in seiner starken Entscheidungsfindung äußert.

Zu seinen Stärken gehören ein ausgeprägter Spielwitz, ein starkes Passspiel und ein gutes Gespür für freie Räume. Zudem könnten gegen tief stehende Gegner vor allem seine Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins eine Waffe werden. Nachholbedarf hat er im physischen Bereich, was bei einem Spieler seines Alters allerdings nicht unüblich ist. Obwohl es für einen Stammplatz bei der EM 2021 wahrscheinlich noch nicht reichen wird, ist ihm die Zukunft im Mittelfeld von Spaniens Nationalmannschaft wohl sicher.

Kacper Kozlowski (17, Pogon Stettin, Polen)

Bei einer solchen Auflistung von Spielern für die Europameisterschaft darf ein Name nicht fehlen: Kacper Kozlowski. Warum? Weil Kozlowski der jüngste Spieler des Turniers ist und er im Falle eines Einsatzes auch der jüngste Spieler wäre, der jemals bei einer EM auf dem Platz stand. Zur Stammelf wird er vermutlich nicht gehören, aber als Einwechselspieler könnte der Youngster seine Chance bekommen.

Kozlowski EM 2021 Polen

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Bereits mit 15 Jahren feierte er sein Debüt für Pogon Stettin und ist damit der drittjüngste Spieler in der Geschichte der Ekstraklasa. Schon damals konnte Kozlowski mit starken Leistungen überzeugen und es schien nur eine Frage der Zeit, bis er sich für höhere Aufgaben empfiehlt. Allerdings bremsten ihn Anfang 2020 schwere Verletzungen aus einem schlimmen Autounfall aus. Zwischenzeitlich war es unklar, ob er jemals wieder Fuß im Profifußball fassen würde. Im Oktober 2020, knappe neun Monate nach dem Unfall, gab er jedoch sein Comeback. Die restliche Saison nutzte er auf beeindruckende Weise, um sich in den EM-Kader zu spielen.

Kacper Kozlowski ist ein klassischer Zehner, der seine Stärken mit dem Ball am Fuß hat. Häufig lässt er sich in den Sechserraum fallen, um von dort aus das Spiel anzukurbeln und zu dirigieren. Außerdem weiß er bereits sehr gut seinen Körper einzusetzen und sich auf engem Raum durchzusetzen. Immer wieder werden Vergleiche zwischen ihm und seinem Vorbild Paul Pogba (28) gezogen. Um auf sein Niveau zu kommen, muss er allerdings noch einige Jahre auf Top-Niveau agieren und dynamischer werden. Die EM könnte dafür der Anfang sein.

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Kilian Thullen

Bosz, Rose & Co. im Herzen, die Bundesliga im Blick. Seinen Durst nach Gegenpressing und dynamischem Offensivspiel stillt Kilian vor allem in Deutschland. Seit 2018 bei 90PLUS.

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