EM 2021 | Die Elf der Vorrunde: Viel Italien, viel Niederlande & einmal Deutschland

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Spotlight ǀ Die Vorrunde der EM 2021 ist gespielt. Wir haben spannende Spiele, schöne Tore und viel Dramatik erlebt. Nun küren wir unsere Elf des bisherigen Turniers. Mit dabei sind einige Italiener, einige Niederländer und ein deutscher Senkrechtstarter:

Torwart: Lukáš Hrádecký (Finnland)

Mit Platz 3 in der Gruppe B konnte Finnland bei seinem ersten großen Turnier sogar noch zwischenzeitlich vom Achtelfinale träumen. Das haben sie nicht zuletzt auch Leverkusens Torhüter Lukáš Hrádecký (31) zu verdanken, der beim einzigen Sieg der Finnen gegen Dänemark (1:0) glänzte, dabei unter anderem einen Elfmeter von Pierre-Emile Højbjerg (25) parierte. Die Belgier brachte Hrádecký zwar per unglücklichem Eigentor in Führung, verhinderte mit seinen Paraden aber eine höhere Niederlage als das 0:2.

Insgesamt parierte der Schlussmann von Bayer 04 Leverkusen 13 Schüsse, vor allem die Bilanz von nur zwei Gegentoren bei 4,4 expected Goals ist herausragend. Das bedeutet, dass die Schüsse, die auf das Tor der Finnen kamen, eigentlich zu vier bis fünf Treffern hätten führen müssen. Kein anderer Keeper kommt hier auf eine Differenz von mehr als zwei Gegentoren weniger als erwartet.

Alternative: Danny Ward (28, Wales)

Linksverteidiger: Robin Gosens (Deutschland)

„Der macht das Länderspiel seines Lebens“, fasste ARD-Kommentator Gerd Gottlob (56) den Auftritt von Robin Gosens (26) gegen Portugal zusammen. Vielleicht der Gewinner von Joachim Löws (61) Umstellung auf ein 3-4-2-1. Zwei Assists, ein Tor und ein Abseitstreffer gelangen dem Spieler von Atalanta gegen den Titelverteidiger. Schon im ersten Gruppenspiel, dem 0:1 gegen Frankreich gehörte Gosens zu den besten deutschen Akteuren, wenngleich zu wenige seiner Teamkollegen auf seine Ideen eingingen. Unermüdlicher Antreiber über die linke Seite. Nicht nur mit enormer Offensivkraft und Torgefahr ausgestattet, sondern auch defensiv stark. Wusste die Kreise von Bernardo Silva (26) und Nélson Semedo (27) weitestgehend einzuschränken. Wenn Deutschland bei dieser Europameisterschaft viel erreichen sollte, dann nicht zuletzt aufgrund eines Robin Gosens in Topform.

Alternative: Leonardo Spinazzola (28, Italien)

Innenverteidiger: David Alaba (Österreich)

In der abgelaufenen Saison war David Alaba (28) bisweilen ein Unsicherheitsfaktor in der Verteidigung des FC Bayern, bei der Europameisterschaft führte er seine Mannschaft als Kapitän in die erste K.O.-Runde eines großen Wettbewerbs seit der WM 1954. Mit der Vorlage für Michael Gregoritsch (27) zum 2:1 gegen Nordmazedonien sowie dem Eckball, den Christoph Baumgartner (21) zum entscheidenden Treffer gegen die Ukraine nutzte, war Alaba auch offensiv an den sechs Punkten beteiligt, die Österreich holte.

Was ihn auch für Österreich besonders wertvoll macht, ist seine Vielseitigkeit. In den ersten beiden Spielen agierte Alaba noch als zentrales Glied einer Dreierkette im 3-4-1-2, gegen die Ukraine setzte Franco Foda (55) auf ein klassisches 4-2-3-1 mit Alaba als Linksverteidiger. Im Mittelfeld kam er allerdings (noch) nicht zum Einsatz.

Innenverteidiger: Milan Skriniar (Slowakei)

Milan Skriniar (26) vom italienischen Meister Inter gilt seit langem als einer der besten Abwehrspieler in Europa. Dennoch ist seine Reputation außerhalb Italiens nicht so hoch, wie sie sein sollte. Zu erkennen ist das daran, dass im vergangenen Sommer die Tottenham Hotspur der größte Verein waren, der ernsthaftes Interesse an einer Verpflichtung hatte. Das liegt wohl vor allem am regelmäßig enttäuschenden Abschneiden der Nerazzurri in der Königsklasse. An Skriniar lag dies jedoch nicht.

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Und auch bei der Europameisterschaft ist der Innenverteidiger für die Slowakei genau der Anführer, den sich vor dem Turnier alle erhofft hatten. Resolut in der Verteidigungsarbeit, stark im Spielaufbau und gefährlich bei Standardsituationen. Skriniar erzielte das einzige Tor der Slowaken im Turnier, ist zusammen mit Lubomir Satka (25) hauptverantwortlich für den Spielaufbau, was er mit einer Passquote von 93,2% hervorragend bewerkstelligte. Dazu schaltete der Innenverteidiger mit einer defensiv nahezu perfekten Partie im ersten Spiel Weltfußballer Robert Lewandowski (32) quasi im Alleingang aus. Dass es am Ende für die Slowaken nicht für das Achtelfinale reichte, lag am allerwenigsten an Skriniar.

Alternativen: Leonardo Bonucci (34, Italien), Willi Orban (28, Ungarn)

Rechtsverteidiger: Denzel Dumfries (Niederlande)

Denzel Dumfries (25) ist einer der unerwarteten Stars der bisherigen Europameisterschaft. Der Rechtsverteidiger spielt noch in der Heimat, für die PSV Eindhoven. Seine Saison in den Niederlanden war gut, aber nicht sehr gut. Dadurch fliegt Dumfries wenn es um Top-Außenverteidiger geht immer unter dem Radar.

Bei der EM zeigt er, dass er für höhere Aufgaben bereit ist. Vor allem sein Vorwärtsdrang im 5-3-2-System der Niederländer macht Dumfries extrem wertvoll für seinen Trainer Frank de Boer (51). Bereits im ersten Spiel gegen die Ukraine (3:2) war er an nahezu jeder gefährlichen Aktion beteiligt. Lange blieb der Rechtsfuß jedoch glücklos, vergab zwei große Chancen. Am Ende war er jedoch zur Stelle und traf per Kopf zum vielumjubelten Siegtreffer. Gegen Österreich (2:0) setzte Dumfries dann noch einen drauf. Erst holte er einen Elfmeter heraus, den Memphis Depay (27) zur Führung verwandelte, später erzielte er selbst das vorentscheidende 2:0.

Mit diesen Leistungen hat sich Dumfries bei vielen Topteams Europas auf den Zettel gespielt, so sollen unter anderem Inter und der Everton FC an ihm interessiert sein.

Alternative: Vladimir Coufal (28, Tschechien)

Zentrales Mittelfeld: Manuel Locatelli (Italien)

Der Name Manuel Locatelli (23) dürfte vor der Europameisterschaft dem gemeinen Fußballfan, der sich nicht so intensiv mit der Serie A beschäftigt, nicht allzu viel gesagt haben. Dies dürfte sich nun geändert haben. Mit 18 Jahren bekam Locatelli seine ersten Serie-A-Minuten beim AC Mailand. Wirklich durchsetzen konnte er sich in Mailand nicht, also wechselte der Mittelfeldspieler 2018 zum US Sassuolo.

In der kleinen Stadt nahe Bolognas entwickelte Locatelli sich seither zu einem der besten Mittelfeldspieler der Liga. Folgerichtig ist er seit September 2020 fester Bestandteil der italienischen Nationalmannschaft. In der Gruppenphase ist sein Stern endgültig aufgegangen. Nur aufgrund der Verletzung von Marco Verratti (28) in die Mannschaft gerückt, zeigte Locatelli in den ersten beiden Spielen sämtliche Facetten des Spiels. Eine Passquote von 91,2% ist für einen zentralen Mittelfeldspieler herausragend, 100% Zweikampfquote ebenfalls. Dazu traf er gegen die Schweiz (3:0) doppelt.

Zentrales Mittelfeld: Georginio Wijnaldum (Niederlande)

In Abwesenheit von Virgil van Dijk (29) zum niederländischen Kapitän aufgestiegen, geht Georginio Wijnaldum (30) vor allem mit Toren voran. Er erzielte den Führungstreffer seiner Mannschaft gegen die Ukraine (3:2) und überholte mit dem Doppelpack gegen Nordmazedonien (3:0) Marco van Basten und Dirk Kuyt in der ewigen Torjägerliste, ist mit 25 Toren nun gleichgezogen mit dem Ex-Hamburger Rafael van der Vaart.

Photo: Imago

Von Jürgen Klopp (54) in Liverpools 4-3-3 zumeist im Maschinenraum eingesetzt, zeigt Wijnaldum, dass er auch durchaus Akzente nach vorne setzen kann. Er konzentriert sich in seiner Rolle bei der Elftal mehr auf die Offensive und inszeniert aus der Tiefe entweder selbst oder spielt seine Torgefahr aus. Manchmal hat man das Gefühl, für die Nationalmannschaft würde ein gänzlich anderer Spieler auf dem Feld stehen, so unterschiedlich sind seine Aufgaben.

Zentrales Mittelfeld: Frenkie de Jong (Niederlande)

Frenkie de Jong (24) spielte beim FC Barcelona eine herausragende Saison und ist endgültig in Katalonien angekommen. In seinem zweiten Jahr nach dem Wechsel von Ajax stand der Mittelfeldspieler in 37 Ligaspielen auf dem Feld und überzeugte durchweg. Neben seiner Stärke, dem Passspiel und der Spielintelligenz, wird er auch immer zweikampfstärker und offensivfreudiger.

An diese Leistung kann de Jong im niederländischen Nationalteam nahtlos anknüpfen. Offensiv ist er sowohl für den Spielaufbau als auch für die Verlagerung des Spiels ins offensive Drittel verantwortlich. Mit 21 Pässen ins letzte Drittel steht er mannschaftsintern auf Platz zwei, genauso wie bei den insgesamt gespielten Pässen. Dort wird nur von Daley Blind (31) überboten. Starke elf Torschussvorlagen sind sogar der Topwert. Doch auch gegen den Ball ist de Jong extrem wichtig für die Mannschaft. Er gewann die meisten Zweikämpfe (sechs), blockte die meisten Schüsse (sechs) und ist der wichtigste Spieler im Gegenpressing. Kurzum, er macht defensiv alles, was nötig ist und ist immer zur rechten Zeit am rechten Ort. Es ist bisher eine perfekte EM für den Niederländer.

Alternativen: Paul Pogba (28, Frankreich), Nicolo Barella (24, Italien)

Sturm: Patrik Schick (Tschechien)

Tschechiens Talisman. Zeichnet sich für alle drei Treffer seiner Mannschaft verantwortlich. Gegen Schottland zuerst per Kopf zur Stelle, dann aus gut 45 Metern und schließlich trotz blutiger Nase eiskalt vom Punkt gegen Kroatien. Patrik Schick (25) ist der Hauptgrund, warum Tschechien im Achtelfinale der EM steht.

EM 2021: Spielplan und Tabellen

In der abgelaufenen Bundesligasaison mit neun Toren in 29 Spielen für Leverkusen, dreht Schick bei der Europameisterschaft auf – und steht hinter Cristiano Ronaldo (36) auf Platz zwei der Torjägerliste des Turniers.

Sturm: Romelu Lukaku (Belgien)

„Big Rom“ ist einer der formstärksten Stürmer Europas im Moment. Trotz seiner 1,91 Meter und 93 Kilogramm ist Romelu Lukaku (28) extrem schnell und dynamisch, was ihn für gegnerische Abwehrreihen nur schwer zu packen macht. Gegen Russland beim 1:0 handlungsschnell, beim 3:0 durchsetzungsstark. In Kopenhagen zeigte Lukaku, dass er nicht nur verwerten, sondern auch kreieren kann.

Besonders sein Zusammenspiel mit Kevin De Bruyne (29) ist hervorzuheben. Gegen Dänemark leiteten die beiden das 1:1 von Thorgan Hazard (28) ein, gegen Finnland servierte De Bruyne dem Stürmer von Inter Mailand mit einem punktgenauen Pass in den Strafraum das 2:0. Beide befinden sich momentan im besten Fußballeralter. Wenn es jemals einen guten Zeitpunkt gab, den ersten Titel der Verbandsgeschichte zu holen, dann jetzt.

Sturm: Cristiano Ronaldo (Portugal)

Auch bei diesem Turnier kommt man nicht an Cristiano Ronaldo (36) vorbei, wenn es um die besten Spieler der Europameisterschaft geht. Der fünfmalige Ballon-D’Or-Gewinner spielt nicht sein auffälligstes Turnier, dennoch war Ronaldo bislang an sechs der sieben Treffer der Portugiesen direkt beteiligt (fünf Tore, eine Vorlage).

Damit führt er nicht nur die Torschützenliste an, sondern ist mit nun 15 Treffern auch der alleinige Rekordtorschütze in der Europameisterschafts-Geschichte. Zu Beginn des Turniers war er noch gemeinsam mit Michel Platini (66) der gemeinsame Führende. Dazu zog er mit Ali Daei (52) gleich und liegt nun auf dem ersten Platz, was Tore in Länderspielen angeht. Auch sorgt der Spieler von Juventus Turin immer wieder durch seine reine Anwesenheit dafür, dass die Mitspieler Freiräume bekommen.

Alternativen: Alexander Isak (21, Schweden), Lorenzo Insigne (30, Italien)

EM 2021: Unsere Elf der Vorrunde

90PLUS EM-Elf der Vorrunde

Victor Catalina / Lukas Heigl

Quellen für Statistiken: https://fbref.com/en/comps/676/stats/UEFA-Euro-Stats

Photo: Fabrizio Corradetti / Imago

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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