Stars der EM: Panenka trägt sich ’76 in die Geschichtsbücher ein

Panenka-Elfmeter
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Spotlight | Elfmeter, die heutzutage betont lässig in die Mitte des Tores gelupft werden, sind allgemein auch als Panenka bekannt. Aber wo hat diese Namensgebung überhaupt ihren Ursprung? Dafür müssen wir in das Jahr 1976. 

Panenka macht Tschechoslowakei zum Europameister

Es ist die (fast) größte Bühne im Verbandsfußball. Wir schreiben das Jahr 1976 und befinden uns im Stadion Rajko Mitić in Belgrad, Serbien. Es läuft das Finale der Europameisterschaft 1976 zwischen der Tschechoslowakei und dem amtierenden Welt- und Europameister Deutschland. Nach 120 umkämpften Minuten kommen beide Teams nicht über ein 2:2 hinaus. Zuvor gelang der deutschen Auswahl in der regulären Spielzeit auf dramatische Art und Weise quasi mit dem Schlusspfiff der Ausgleich. Das Elfmeterschießen muss schließlich her, damit es eine Entscheidung gibt.

 

Nachdem die ersten sieben Schützen allesamt verwandeln, unterläuft Uli Hoeneß (69) der erste Fehlschuss. Sein Versuch fliegt in den Nachthimmel von Belgrad. Trifft die Tschechoslowakei, sind sie Europameister. Der Mann, der dies realisieren soll, trägt den Namen Antonín Panenka (72). Panenka? Den Namen kenne ich doch, werden jetzt viele sagen. Und zwar aufgrund der folgenden geschichtsträchtigen Ereignisse.

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Panenka schnappt sich den Ball und legt ihn sich fein säuberlich hin. Der Pfiff ertönt, ein langer, fulminanter Anlauf. Eine große Ausholbewegung, als wolle er den Ball mit voller Kraft in die Maschen schießen. Was herauskommt ist ein technisch feiner Chip, der elegant in die verwaiste Mitte des Tores fliegt. Dieses Kunststück wird in der Folge als Panenka-Elfmeter gekürt. Bis heute ist diese Form des Elfmeters auf der ganzen Welt als „Panenka“ bekannt. Es ist der erste dieser Art, der zumindest auf solch einer großen Bühne performt wurde.

Panenka von den Granden des Fußballs kopiert

„Ich hatte einen Geistesblitz“, erinnerte sich Panenka mal in einem Interview mit Spox. „Mir war klar, dass sich der Torwart für eine Ecke entscheiden würde, bevor der Spieler schießt“, ergänzte er. „Ich war mir zu 1000-Prozent sicher, dass ich treffen würde, wenn ich in die Mitte schieße“, so Panenka weiter. „Sepp Maier konnte gar nicht damit rechnen, weil es vor mir noch nie jemand gemacht hatte!“ In den nächsten Jahrzehnten wurde der Panenka von vielen kleineren und größeren Namen kopiert. Mal mit mehr Erfolg, mal mit weniger. „Ich bin froh, dass die Idee dieses Elfmeters immer noch Bestand hat und von vielen Spielern genutzt wird“, freut sich der heute 72-Jährige.

Zidane (Frankreich) mit Panenka-Elfmeter

Photo by Imago

In der Tat haben einige der besten Fußballer unseres Planeten diese Elfmetertechnik schon einmal angewandt. Spieler wie Andrea Pirlo (42), Zinédine Zidane (49), Lionel Messi (33), Cristiano Ronaldo (36), Zlatan Ibrahimovic (39) oder Francesco Totti (44) gehörten und gehören zu den besten ihrer Zunft. „Sie kopieren Antonín Panenka aus Vrsovice, von dem niemand jemals gehört hatte, bis zu diesem Elfmeter“, betonte der ehemalige Mittelfeldstratege.

Laut eigener Aussage hat Panenka in seiner Karriere ca. 35-mal zu diesem Elfmeterkunststück gegriffen, lediglich einmal war er damit nicht erfolgreich. Bereits 1974 soll Panenka angefangen haben, den Elfmeter zu trainieren, ehe er ihn in Pflichtspielen einsetzte. Mit seinem damaligen Vereinskollegen Zdenek Hruska (66) habe er sich bei Freistößen und Elfmetern regelmäßig duelliert. Meistens ging Panenka als Verlierer hervor. „Damit ich mal wieder gewann, bin ich eben auf den Lupfer gekommen“, so der Rechtsfuß.

Panenka: Hopp oder Top, Alles oder Nichts

In der Historie haben lediglich einige wenige Spieler auf den großen Fußballbühnen diese Art von Elfmeter erfolgreich vollbracht. Der wohl berühmteste ist der von Zidane 2006 im WM-Finale gegen Italien. Sein Versuch knallte gegen die Unterkante der Latte und von dort knapp hinter die Linie. Mit seinem Treffer brachte er die Franzosen 1:0 in Front, am Ende nützte es nichts. Aufgrund einer ganz anderen Szene machte Zidane später von sich Reden. Alexis Sánchez (32) vollführte das Kunststück im Finale der Copa América 2015 und schoss Chile damit zum Titel.

Sánchez (Chile) Panenka-Elfmeter

Photo: Andres Pina Photosport / Imago

Pirlo machte es Zidane 2012 nach. Im Viertelfinale der Europameisterschaft 2012 ging es gegen England bis ins Elfmeterschießen. Der Italiener blieb cool und chippte den Ball lässig in die Mitte. Im Halbfinale scheiterte später Deutschland an eben jenen Italienern, die im Finale aber gegen Spanien ihre Grenzen aufgezeigt bekamen. Landsmann Totti hatte bei der EM 2000 im Halbfinale gegen die Niederlande ebenfalls den Mumm, so anzutreten und verwandelte sicher. Später scheiterte die Squadra Azzurra am damals amtierenden Weltmeister Frankreich.

Allerdings gibt es auch immer wieder klägliche Versuche dieser Art des Elfmeters. Sergio Ramos (35), eigentlich ein sicherer Schütze, wurde schon Opfer eines schwach getretenen Panenkas. Sein Versuch für Spanien gegen die Schweiz ist kaum anzuschauen. Fedor Smolov (31) wollte im Viertelfinale der WM 2018 denselben Weg gehen. Sein Elfmeter im Elfmeterschießen gegen den späteren Finalisten Kroatien war ebenfalls ein Reinfall. Auch Spieler wie Neymar (29), Franck Ribéry (38) oder Robin van Persie (37) scheiterten schon am Panenka.

Prinzip des Panenka-Elfmeters ganz simpel

Erfolglose Panenka-Versuche sorgen oft für Spott und Häme bei Fans und Gegenspielern. Besonders die Torhüter fühlen sich offensichtlich häufig persönlich beleidigt oder angegriffen. Allerdings soll hier klargestellt werden: Es ist keinesfalls ein Anflug von Arroganz oder Respektlosigkeit gegenüber des gegnerischen Torhüters oder Teams, wenn man sich dazu entschließt, einen Panenka zu treten. Zumindest ist erst einmal jeder Spieler von dieser Behauptung freigestellt, es gilt die Unschuldsvermutung. Natürlich sieht die Art und Weise oft betont lässig und arrogant aus, dennoch gilt wie so häufig im Fußball: Ist der Elfmeterversuch erfolgreich, wird der Spieler als Genie und Held gefeiert. Scheitert der Akteur, ist er das Gespött der Gesellschaft. So funktioniert unsere liebe Fußballwelt.

Ribéry (FC Bayern) scheitert mit Panenka

Photo by Imago

Die Idee hinter dem Panenka ist simpel. „Der Torhüter bleibt beim Elfer zu 99 Prozent nicht stehen, er entscheidet sich immer im letzten Moment und springt dann in eine Ecke“, erklärte Panenka. „Deswegen habe ich mir überlegt: Wenn ich hart schieße, kann er mit einem Reflex noch an den Ball kommen“, ergänzte er. Also sei für ihn völlig klar gewesen: „Wenn ich nur so einen leichten Heber mache, dann kann der Torhüter, der schon losgesprungen ist, nicht mehr in der Luft zurück.“ Dies ist das ganze Prinzip des berühmten Panenka-Elfmeters.

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Sarom Siebenhaar

Die Oranje-Connection entfachte seine Leidenschaft für den HSV. Durch zahlreiche Tiefen schmecken die vereinzelten Höhen umso süßer. Schätzt attraktiven Offensivfußball genauso wie kämpferische Höchstleistungen. Internationaler Top-Fußball findet sich nicht nur in den Big Five. Seit 2021 bei 90PLUS.

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