Sonntag, September 20, 2020

Premier League Vorschau Teil 2: Chelsea, Arsenal, Leicester, Fulham

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Ab dem Wochenende rollt der Ball in der Premier League wieder! Im zweiten Teil der 90PLUS-Saisonvorschau beschäftigen wir uns mit Chelsea, Arsenal, Leicester City und dem FC Fulham.

  • Chelsea: Großangriff auf dem Transfermarkt
  • Arsenal: Arteta-Ansätze veredeln
  • Kann Leicester das hohe Niveau halten?

Teil 1: Tottenham, Wolves, Burnley, Crystal Palace

Teil 3: ManUtd, Sheffield Utd, West Bromwich, Newcastle

Teil 4: ManCity, Southampton, Everton, Leeds

FC Chelsea

Letzte Saison: 4. Platz

Der FC Chelsea hat eine interessante Saison 2019/20 hinter sich. Vereinslegende Frank Lampard (42) kehrte als Trainer zu seinem Herzensklub zurück und übernahm den Posten von Maurizio Sarri (61). Er sollte bei Chelsea einen Umbruch moderieren, der durch einen Transferbann der FIFA erzwungen wurde. Für Chelsea war die Strafe Fluch und Segen zugleich.

In der Liga erreichte Chelsea den vierten Platz und somit die Qualifikation zur Champions League. Nach einem durchwachsenen Saisonstart setzte sich der Klub aus London in den unter den ersten vier Teams fest und blieb dort die gesamte Spielzeit. Die Blues, aufgrund des Banns mit vielen jungen Eigengewächsen auf dem Platz, begeisterten ihre Fans streckenweise mit spektakulärem Offensivfußball, aber oftmals sorgten ihre Defensivleistungen für Kopfschmerzen bei den Verantwortlichen und Anhängern. Dennoch war es eine gelungene Debütsaison Lampards, auf die man aufbauen kann.

(Photo OZAN KOSE/AFP/Getty Images)

Chelsea in der Defensive anfällig

Das größte Problem der Blues ist die extrem wackelige Defensive. In 38 Spielen kassierte Chelsea unglaubliche 54 Gegentore. Das ist eigentlich die Bilanz eines Teams aus der zweiten Tabellenhälfte. Innenverteidiger wie z. B. Kurt Zouma (25) patzten regelmäßig, wurden aber auch von ihren Vordermännern zu oft im Stich gelassen. Kepa (25) erlebte eine fürchterliche Saison und Lampard setzte zwischenzeitlich sogar auf Routinier Willy Caballero (38). Dank der Offensive reichte es dennoch für den Einzug in die Champions League.

Lampard probierte einige Systeme aus. Weder mit den favorisierten 4-3-3 oder 4-2-3-1 noch mit Dreier- oder Fünferkette bekam Chelsea die Probleme in den Griff. Zu oft gingen trotz guter Leistungen Punkte verloren, weil man bei Standards nicht aufpasste, die Konterabsicherung mangelhaft war oder es Aussetzer in der Hintermannschaft gab.

Chelsea: Transferoffensive

Wer gedacht hat, dass Chelsea nun weiterhin auf Eigengewächse setzt, lag falsch. Die Londoner starteten eine Transferoffensive, die es in sich hatte. Malang Sarr (21), dessen Vertrag in Nizza auslief, wurde an den Verein gebunden, aber sehr wahrscheinlich wird der Innenverteidiger noch ausgeliehen. Eine zentrale Rolle soll hingegen Thiago Silva (35) spielen, der ablösefrei aus Paris kommt. Seine Erfahrung soll dabei helfen, die Defensive zu stabilisieren. Nach intensiven Verhandlungen konnte auch Linksverteidiger Ben Chilwell (23, ca. 50 Millionen Euro) von Leicester City verpflichten werden.

Doch zum größten Teil widmete sich die Einkaufstour Chelseas der Offensive. Hakim Ziyech (27, 40 Millionen Euro) kam von Ajax Amsterdam, Timo Werner (24, rund 50 Millionen Euro) von RB Leipzig und für den absoluten Starneuzugang Kai Havertz (21) überwiesen die Londoner Medienberichten zufolge ca. 80 Millionen Euro an Bayer 04 Leverkusen. 

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Wie stellt sich Chelsea auf?

Alle Spieler, die in diesem Sommer an der Stamford Bridge aufschlagen, sind höchsttalentierte Akteure, die sich bereits auf hohem Niveau beweisen konnten. Ihre Klasse ist nicht abzustreiten, aber wird das Kollektiv Chelsea dadurch besser? Die Formationen, die wohl am ehesten in Betracht gezogen werden, wären ein 4-2-3-1 oder ein 4-3-3. Vielleicht versucht sich Lampard auch vermehrt an einer Dreierkette. Trotzdem bestehen Zweifel an der Funktionalität des Kollektivs. 

Jorginho (28), N´Golo Kanté (29) und Mateo Kovacic (26) streiten um zwei Plätze im Mittelfeld und mit ihnen steht und fällt das gesamte System Chelseas, da sie das Bindeglied zwischen den Mannschaftsteilen sein werden. Sie dienen zur Absicherung der Offensive und sollen die Defensive nicht schutzlos lassen. Kai Havertz (21) wird als Freigeist im offensiven Mittelfeld zaubern dürfen, so wie es Mason Mount (21) zuletzt durfte. Dieser Platz sollte im Regelfall also schon vergeben sein.

Chelsea: Überragende Offensive

Auf der rechten Außenseite wird Ziyech das Spiel ankurbeln und ebenfalls Kreativität in die Aktionen der Blues einfließen lassen. Werner könnte als linker Flügelstürmer oder auch im Sturmzentrum zum Einsatz kommen. Links hat allerdings zuletzt Christian Pulisic (21) starke Leistungen gezeigt. Tammy Abraham (22) und Olivier Giroud (33) haben streckenweise als Mittelstürmer auch gut funktioniert. Mount, zuletzt Stammspieler, wird nur die Bank übrig bleiben. Lampard hat die Qual der Wahl. Dass Willian (32) und Pedro (33) den Verein ablösefrei verließen, wurde fast zur Randnotiz, obwohl insbesondere der Brasilianer eine starke Saison spielte.

Aber die Gefahr ist vorhanden, dass man in der kommenden Saison eine verbesserte Version der letzten Spielzeit sehen wird. Noch mehr Offensivpower, aber weiterhin Probleme in der Defensive und fehlende Balance. Das reicht gegen den Großteil der Premier League und auch in der Champions League gewinnt man damit in der Regel die Gruppenphase. Doch für den ganz großen Wurf, in beiden Wettbewerben, muss das Verteidigen im Kollektiv besser werden. Das Pressing sah schon letzte Saison gut aus, aber immer scheiterte es an Aussetzern und als zurückgedrängter, tiefer Block konnten die Blues Gegner selten souverän verteidigen. 

Im Fokus: Kai Havertz

Der deutsche Nationalspieler hat das Zeug, um einer der besten Spieler seiner Generation zu werden und der Wechsel zum FC Chelsea hat dann doch zunächst verwundert. Doch in dieser offensiv ausgerichteten Mannschaft könnte er schnell zum Herzstück werden und seine filigrane Technik sowie den Zug zum Tor nutzen, um schnell unverzichtbar zu werden. Er ist von etlichen Spielern umgeben, die für tolles Kombinationsspiel geeignet sind. Er wird von ihnen profitieren und sie von ihm. Havertz könnte das Herz einer der stärksten Offensiven Europas werden. 

Prognose

Lampard muss beweisen, dass er aus dem vergangenen Jahr gelernt hat und Chelsea im Kollektiv besser verteidigt. Ein Platz in den Top vier dürfte das Ziel bleiben. Angesichts der Transfers wäre alles andere eine Enttäuschung, auch wenn es keine Garantie auf einen CL-Platz gibt.

Damian Ozako

Arsenal FC

Letzte Saison: 8. Platz

Die vergangene Saison war für den FC Arsenal eine zum vergessen, mit Platz acht sogar die schlechteste seit 25 Jahren. Und dennoch gehen die Gunners mit einem guten Gefühl in die Spielzeit 2020/2021. Der Grund dafür sitzt auf der Trainerbank.

(Photo by SHAUN BOTTERILL/POOL/AFP via Getty Images

Im Dezember 2019 übernahm Mikel Arteta das Zepter von Unai Emery und damit auch einen taktischen Scherbenhaufen sowie eine Mannschaft, die sich nicht mehr wie eine präsentierte. Mit einer klaren Vision und einer kompromisslosen wie mitreißenden Art begann der Spanier allmählich das Ruder rumzureißen. Innerhalb von acht Monaten, unterbrochen von einer Pandemie, ist so ein Entwicklungsprozess allerdings nicht abgeschlossen. Leistungsschwankungen waren unvermeidbar, sodass das internationale Geschäft dennoch verpasst wurde.

Um so wichtiger war es, dass Arsenal im FA Cup zeigte, was möglich ist. Durch taktische Meisterleistungen gegen Manchester City im Halbfinale und Chelsea im Finale wurde der Pokal gewonnen und die Europa League gesichert. Wichtige Einnahmen und europäischer Fußball: Die Basis für den Transfer-Sommer wurde geschaffen.

Arsenal baut die Defensive um

Um seine Vision beim FC Arsenal umzusetzen, benötigt Mikel Arteta nicht nur Zeit, sondern auch die richtigen Spieler. Die wichtigste Vertragsunterschrift ist dabei die eines eigenen Spielers. Pierre-Emerick Aubameyang (31), mittlerweile neben seiner Rolle als Torgarant auch als Führungsspieler unverzichtbar, steht unmittelbar vor einer Verlängerung.

Offen dagegen ist die Zukunft von Torhüter Emiliano Martinez (28). Als sich Bernd Leno (28) verletzte, wurden seine starken Leistungen durch den Argentinier noch einmal getoppt. Martinez wirkte kompletter und hat speziell in der Luft sowie im Ballbesitz Vorteile gegenüber dem Deutschen. Sollte Leno den Vorzug erhalten, wird Martinez wohl gehen.

(Photo by Julian Finney/Getty Images)

Kommen wir zu den tatsächlichen Problemen: In der Defensive verspielten die Gunners in den letzten Jahren durch individuelle Fehler zahlreiche Punkte. Ein kompletter Umbruch soll her. Der Linksverteidiger wurde in Kieran Tierney (23) bereits letzten Sommer geholt. Ebenso Abwehr-Hoffnung William Saliba (19), der nach seiner 30 Millionen Euro teuren Verpflichtung und anschließender Leihe bei AS St. Etienne nun zur Mannschaft stößt. Gabriel Magalhães (22), der für 30 Millionen Euro aus Lille kommt, soll langfristig sein Partner werden. Pablo Marí (26, Flamengo, acht Millionen Euro) wurde nach starken Ansätzen ebenso wie Cedric Soares fest engagiert. Im Gegenzug sollen wohl Rob Holding (24, Leihe), Sokratis (31), Calum Chambers (25) und Sead Kolasinac (27) den Verein verlassen.

Der langjährige Rechtsverteidiger Hector Bellerin (24) wird womöglich ebenfalls Teil des Umbruchs. Der Spanier wird mit einem Wechsel zu Paris Saint-Germain in Verbindung gebracht. Sein Abgang tut auf menschlicher Ebene weh, sportlich betrachtet gab es nach zahlreichen Verletzungen einige Fragezeichen in Sachen Konstanz und Dynamik. Ainsley Maitland-Niles (23) entwickelt sich zu einer würdigen Alternative.

So dürfte Bellerins Ablöse wichtiges Geld in die Kassen spülen. Gleiches gilt für Lucas Torreira (25), der für Artetas Philosophie wohl zu eindimensional ist, und den talentierten allerdings hitzköpfigen Mattéo Guendouzi (21), der sich durch Undizipliniertheiten ins Abseits befördert hat.

(Photo by Dan Istitene/Getty Images)

Das Geld wird nach drei Jahren ohne Champions League, die so nicht eingeplant waren, dringend benötigt. Denn nicht nur in der Defensive hat der FC Arsenal Probleme.

Arsenal sucht den X-Faktor

Trotz einer Offensive voller starken Einzelkönner um Pierre-Emerick Aubameyang, Alexandre Lacazette (29) und Nicolas Pépé (24), taten sich die Gunners oftmals schwer, Chancen zu erspielen. Das liegt zum einen daran, dass Arteta aufgrund der defensiven Unsicherheiten offensive Abstriche machte. Auf der anderen Seite fehlte Torgefahr aus dem Mittelfeld (4 Treffer 2019/2020), egal in welcher Formation. Die starken Kurzpassstafetten, oftmals im eigenen Sechzehner initiiert, verliefen zu oft im Sande.

Der ablösefreie Willian (30, FC Chelsea) wird für mehr Kreativität und Flexibilität sorgen. Durch den Verbleib von Dani Ceballos (24, Leihe Real Madrid) bleibt an der Seite von Stratege Granit Xhaka (27) ein spielstarkes Element erhalten. Was fehlt, ist allerdings ein X-Faktor: Ein Spieler, der zum entscheidenen Pass, Solo oder Schuss ansetzt. Erst recht, weil Mesut Özils (31) Transformation von einem der gefürchtetsten Spielmacher zu einem der teuersten Edelreservisten der Welt endgültig abgeschlossen zu sein scheint.

 (Photo by Michael Regan/Getty Images)

Hier kommen die Transfereinnahmen ins Spiel. Mit Thomas Partey (27, Atlético) oder Houssem Aouar (22, Lyon) buhlen die Gunners vier Wochen vor Transferschluss um zwei Spieler, die den Unterschied machen können. Beide haben die Gabe – Partey vor allem durch Dynamik, Aouar durch überragendes Auge und Dribblingstärke – für mehr Durchschlagskraft, Zielstrebigkeit und damit ein zählbares Endprodukt zu sorgen.

Im Fokus: William Saliba

Der Schlüsselspieler schlechthin ist beim FC Arsenal natürlich Pierre-Emerick Aubameyang. Mit Emile Smith Rowe (20) steht zudem ein spannender Spielmacher in den Startlöchern. Besonders im Fokus steht allerdings die Innenverteidigung, die mit Gabriel und William Saliba nun ein neues Gesicht bekommt.

Obwohl er erst 19 Jahre alt ist, soll Saliba der Eckpfeiler der neuen Hintermannschaft werden. Der ehemalige Kapitän von Saint Etienne hat trotz seines Alters unübersehbare Führungsqualitäten und ist ein Modellathlet: 1,92 Meter groß, gebaut wie ein Schrank und dennoch spielstark und pfeilschnell. Bei der Beschreibung des Spielertyps denkt Salibas ehemaliger Juniorennationaltrainer an zwei Weltklasseverteidiger: Raphael Varane und Virgil van Dijk. “Er ist ein Mix dieser Stile”, erklärt Jean-Luc Vannuchi gegenüber dem Telegraph und fügt an: “Varane, wegen der Schnelligkeit und der Power, Van Dijk wegen den abgefangen Bällen und dem Stellungsspiel.”

(Photo by NICOLAS TUCAT / AFP) 

Ein Jahr, nachdem der FC Arsenal 30 Millionen Euro in ihn investierte, muss Saliba sein Können nun in der Premier League unter Beweis stellen. Zeigt die Investition die ersten erhofften Früchte, so könnte der junge Franzose das entscheidende Puzzle-Teil in Artetas Fundament werden.

Prognose

Dass der FC Arsenal unter Mikel Arteta auf dem richtigen Weg ist, war schnell zu erkennen. Damit dieser bereits 2020/2021 in die anvisierten Top-Four führt, muss allerdings sehr viel richtig laufen, womöglich zu viel. Die Konkurrenz ist groß. Die Herausforderung für den detailbesessenen Spanier, ohne eine echte Vorbereitung die Mannschaft während einer aktiven Transferphase weiter zu formen, noch größer.

Chris McCarthy

Leicester City (Letzte Saison: 5. Platz)

Die letzte Saison von Leicester City dürfte bei den Anhängern gemischte Gefühle hinterlassen haben. Gerade die Hinrunde des Überraschungsmeisters von 2016 war mehr als verheißungsvoll, einzig Liverpool hatte dort eine bessere Ausbeute. Doch Schwächephasen in der Rückrunde ließen den ausgebauten Vorsprung auf Manchester United und Chelsea immer weiter schmelzen, bis dann am letzten Spieltag Gewissheit herrschte. Man verpasst die Champions League Qualifikation.

Den fünften Platz hätte man vor der Saison allerdings sicherlich unterschrieben. Schmerzhaft wurde die Endplatzierung erst aufgrund des Saisonverlaufes. In diesem Jahr wird es nun spannend. Kann Brendan Rodgers (47) mit der Belastung des internationalen Wettbewerbs an die vergangene Hinrunde anschließen? Oder haben die Foxes ein halbes Jahr überperformed und es folgt der endgültige Fall auf den harten Boden der Realität?

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

Leicester: Der Kader braucht Tiefe

Eines der größten Probleme Leicesters, wenn nicht sogar das größte Problem der Rückrunde und damit ausschlaggebend für die schwankende Leistung, ist die Tiefe im Kader. Brendan Rodgers hat gute Arbeit geleistet, wenn es darum geht eine schlagkräftige erste Mannschaft zu formen. Wenn bei den Foxes alle Spieler fit sind, kann das Team jeder Mannschaft der Premier League gefährlich werden und auch attraktiven Fußball spielen. Doch die Optionen nach der ersten Reihe sind limitiert und gingen zumeist mit einem spürbaren Leistungsabfall einher. Als in der zweiten Saisonhälfte bei manchen Spielern die Form nicht stimmte oder Verletzungen von Spielern wie James Maddison (23) , Caglar Söyüncü (24) und Ricardo Pereira (26) auf den Plan traten, konnte man dies nicht kompensieren. Durchaus Aussagekraft hat auch die Tatsache, dass nur zwei Trainer in der Premier League weniger Wechsel vorgenommen haben als Brendan Rodgers.

Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist der Transfersommer Leicesters noch beunruhigend ruhig. Man gab Linksverteidiger Ben Chillwell (23) für eine stolze Ablöse von 50 Millionen Euro ab und verpflichtete dafür Timothy Castagne (24, 24 Millionen Euro) von Atalanta Bergamo. Ein Eins zu Eins Ersatz, der nichts zur Qualität in der Breite beitragen dürfte. Die Defensive ist zusätzlich sowieso schon der konstanteste und beste Teil von Leicesters Mannschaft. Gerade wenn Schlüsselspieler wie Pereira und Söyuncu fit sind, kann das Bollwerk der Foxes wirklich jeden Angriff entnerven. Meister Liverpool zum Beispiel musste seine Siegesserie gegen Leicester schon in der vergangenen Hinrunde fast an den Nagel hängen, hätte es nicht in der Nachspielzeit einen Elfmeter für die Reds gegeben. Castagne dürfte sich gut einfinden und bei aller unbestrittenen Qualität Chillwells dürfte die Verteidigung bei Leicester auch in der kommenden Saison der Grundstein sein, auf den man im King Power Stadium baut.

Bis das Transferfenster schließt, wären also gerade Verstärkungen im offensiveren Bereich wünschenswert. Zu viele Spieler sind nicht wirklich konstant in ihrer Leistung. Es wäre zwar eine Möglichkeit, darauf zu bauen, dass all diese Spieler in der nächsten Saison funktionieren, dies wäre aber definitiv risikobehaftet. Spieler wie Ayoze Perez (27) und Damian Gray (24) zeigen zwar immer mal wieder, dass sie gute Fußballer sind, doch sie wirken kaum verlässlich. Im Endeffekt gibt es für Leicester im Angriff genau einen Garant: Jamie Vardy (33). Alles um den britischen Stürmer herum scheint Schwankungen unterworfen. Gerade nach dem guten Ergebnis der letzten Saison und der Aussicht auf eine gute Entwicklung unter Rodgers wäre es ratsam, hier nachzulegen um genau diesen Fortschritt nicht zu hemmen.

(Photo by Ross Kinnaird/Getty Images)

Es wird für Leicester nicht einfacher

Die Enttäuschung über das Verpassen der Champions League dürfte auch in einer Gewissheit begründet sein. Es wird nicht einfacher werden, den Klub zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte in die Königsklasse zu führen. Neben der fehlenden Breite, die eben gerade auch mit einer aufwendigen Europa League Kampagne noch einmal in ganz anderem Maße strapaziert werden wird, liegt dies auch an den anderen Vereinen, die um die begehrten Plätze an der Tabellenspitze kämpfen. Mannschaften wie Chelsea und Manchester United wirkten, gerade in der ersten Saisonhälfte, noch nicht stabil unter ihren neuen Trainern und kämpften mit Kaderbaustellen. Auch deshalb konnte Leicester vorerst enteilen.

Der Wettbewerb in den oberen Rängen der Premier der League wird in der nächsten Saison ziemlich sicher ein anderer sein. Nach der Transfersperre im vergangenen Sommer hat Chelsea in diesem Sommer bereits enorme Investitionen geleistet und den Kader auf ein gänzlich neues Niveau gehoben. Arsenal entwickelt sich unter Arteta (38) stetig weiter und könnte ein ernstzunehmender Mitbewerber sein. Manchester United lieferte in der Rückrunde. Und daran zu zweifeln, dass zwei der vier CL-Plätze an Liverpool und City vergeben sind, das wagen auch nur Träumer.

Am Ende wird Leicester also wieder in der Rolle des Underdogs antreten und die Doppelbelastung sowie die erstarkte Konkurrenz könnte tatsächlich sogar einen gänzlichen Fall aus den europäischen Plätzen nach sich ziehen. Doch wenn einem Verein die Rolle des Underdogs steht, dann den Foxes. Auch Rodgers Spielidee kommt dem durchaus entgegen, und dass der Chefcoach ein ausgewiesenes Schlitzohr ist, steht außer Frage.

Im Fokus: Jamie Vardy

Stand jetzt wird das Gelingen der kommenden Saison, zumindest offensiv, mal wieder auf den Schultern von Jamie Vardy getragen werden. Der englische Angreifer mit der Gelfrisur und der durchaus illustren Hintergrundgeschichte zählt seit Jahren zu den besten und konstantesten Torjägern in einer englischen Liga voller Superstars. Und das sicherlich nicht ohne Grund.

Bis jetzt hat die Geschwindigkeit des 33-jährigen Angreifers noch nicht unter seinem fortschreitenden Alter gelitten. Im vertikalen Umschaltspiel der Foxes ist und bleibt alleine diese Fähigkeit eine Waffe. Doch Vardy ist mehr als nur ein pfeilschneller Stürmer. Er ist im besten Sinne schlitzohrig und kaltschnäuzig. Der Brite zählt zu den Spielern, die meist richtig stehen und kann selbst in engen Spielen, in denen der Spielfluss der eigenen Mannschaft stockt, den Unterschied machen.

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

Seine Läufe in den Rücken der Abwehr beschäftigen die gegnerische Defensive konstant, dies gibt Spielern wie James Maddison den Raum, den sie brauchen. Doch seine Bewegungen sind nicht nur Mittel zum Zweck, sie sind so clever, dass Vardy immer wieder unaufhaltsam enteilt. Sein Abschluss ist zudem überaus souverän. Es steht außer Frage, dass viele Gegner auch in dieser Saison sein schelmisches Grinsen nach einem erzielten Tor verfluchen werden.

Prognose

Vieles könnte davon abhängen, wie Leicester in den nächsten Wochen noch auf dem Transfermarkt agiert. Stand jetzt ist der Kader ein Spiel mit dem Feuer, welches gerade mit der Belastung durch die Europa League schnell nach hinten losgehen könnte. Wenn alles läuft wie erhofft, kann Leicester wieder um die Champions League konkurrieren, deutlich realistischer scheint aber eine Platzierung rund um Platz sieben am Ende der Saison.

Julius Eid

FC Fulham

Letzte Saison: Aufstieg

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

In der vergangenen Saison spielte Fulham in der Championship. Als Absteiger aus der Premier League belegte man den vierten Tabellenplatz und verpasste den direkten sofortigen Wiederaufstieg nur um zwei Punkte. Dieser gelang dann aber über die Playoffs, in denen man im Halbfinale Cardiff City und im Finale im London-Derby den FC Brentford schlagen konnte.

In der Abschlusstabelle wies Fulham ein deutlich schlechteres Torverhältnis auf, als die drei höher platzierten Mannschaften. Das lag auch an der Ausbeute in der Offensive. In 46 Spielen wurden lediglich 64 Tore erzielt, selbst die Queens Park Rangers, die nur auf Rang 13 landeten, schossen mehr. Auffällig war die Abhängigkeit von Top-Torjäger Aleksandar Mitrovic (25). Mit 26 Toren erzielte alleine der Stürmer 40% aller Treffer.

Fulham: Keine Transferoffensive wie 2018?

Auf dem Transfermarkt nutzte Fulham das Budget bislang vorrangig dafür, die Aufstiegshelden an sich zu binden. Anders als 2018, als die Cottagers massive Veränderungen am Kader vornahmen und in der Folge wieder abstiegen, ist nun Kontinuität angesagt. Mit Rechtsaußen Anthony Knockaert (28, Brighton & Hove Albion) und Harrison Reed (25, FC Southampton), der im defensiven Mittelfeldspieler beheimatet ist, wurden zwei wichtige Spieler aus der letzten Saison fest verpflichtet, nachdem sie bislang nur ausgeliehen waren. Ebenfalls aus Southampton kommt Mario Lemina (26), der gegen eine Leihgebühr ausgeliehen wird. Lemina hat mit Reed nicht nur den abgebenden Verein gemeinsam, sondern auch die Position.

Mit Antonee Robinson (23) wurde für 25 Millionen Euro ein linker Verteidiger mit Perspektive von Wigan Athletic verpflichtet. Zu diesen externen Neuzugängen kommen noch die Leih-Rückkehrer Fabri (32), Jean Michael Seri (29), und Andre Zambo Anguissa (24). Gerade Seri und Anguissa haben das Potenzial, die Mannschaft zu verstärken, wurden allerdings nie zu den Spielern, die man sich bei der Transferoffensive erhoffte. Hier wird nach Abnehmern gesucht.

Auf der Seite der Abgänge stehen mit Luca de la Torre (22), Magnus Norman (23), Jordan Archer (27) und Matt O’Riley (19) bereits Spieler, die in der vergangenen Saison nahezu keine Rolle gespielt haben. Die bislang ausgeliehenen Harry Arter (30) und Terence Kongolo (26) sind zu ihren Stammvereinen zurückgekehrt. Zudem wurde Innenverteidiger Alfie Mawson (26) an Bristol City verliehen. Mawson war in der Hinrunde Stammspieler, musste sich im Januar allerdings einer Knie-OP unterziehen und kam seitdem nicht mehr zum Einsatz.  

Man darf davon ausgehen, dass sich am Kader des FC Fulham noch etwas ändern wird. Einem Bericht von Sky Sports zufolge steht man kurz vor einer Leihe von Ola Aina (23) vom FC Turin. Aina ist in London geboren und stammt aus der Jugend des FC Chelsea. Für ihn soll Fulham eine Kaufoption in Höhe von gut zwölf Millionen Euro haben. Außerdem ist man in der Innenverteidigung und auf nahezu allen Positionen in der Offensive nicht breit genug aufgestellt. Auf dem Flügel könnte RB Leipzigs Ademola Lookman (22) Abhilfe schaffen. Darüber hinaus wird auch Bertrand Traore (24) von Olympique Lyon als potenzieller Neuzugang gehandelt.

Fulham: Variables System, viel über Außen

Mit Scott Parker (39) steht bei Fulham der aktuell zweitjüngste Trainer der Premier League nach Arsenals Mikel Arteta (38), an der Seitenlinie. Parker bevorzugt ein offensives 4-3-3- System, gerade zum Saisonende hin setzte er aber vermehrt auf ein 4-2-3-1 System. Unabhängig von der Formation entstehen viele Angriffe über die Außenbahn.

Neben den Flügelspielern schalten sich dort auch die Außenverteidiger mit ein. Die besten Vorlagengeber der vergangenen Saison waren die Außenbahnspieler Knockaert (fünf Vorlagen), Ivan Cavaleiro (26, sieben Vorlagen) und Linksverteidiger Joe Bryan (26), der ebenfalls sieben Tore vorbereiten konnte. Die gehandelten Neuzugänge Aina, Lookman und Traore würden sich gut in diesen Spielstil einbringen, da sie einiges an Tempo mitbringen, um ein Aktivposten auf den Außen sein zu können.

Im Fokus: Harrison Reed

Bis auf seine Wadenverletzung, die Reed von Ende November bis Mitte Dezember und von Mitte Januar bis zur Unterbrechung der Saison Anfang März außer Gefecht setzte, war er im defensiven Mittelfeld gesetzt. Entweder als einer von zwei Sechsern im 4-2-3-1 oder als alleiniger Sechser im 4-3-3 System. Aus diesem Grund entschied sich Fulham dazu, den zuvor nur ausgeliehenen Reed fest zu verpflichten und zahlte dem FC Southampton neun Millionen Euro für den 25-Jährigen.

Der ehemalige englische U20-Nationalspieler kommt aus der Jugend von Southampton, war allerdings bislang nahezu immer verliehen. Vor dem FC Fulham spielte er auf Leihbasis für die Blackburn Rovers und Norwich City. Für diese drei Vereine kommt er auf 97 Einsätze in der zweithöchsten Spielklasse Englands. Dem gegenüber stehen bislang lediglich 538 Minuten Spielzeit in der Premier League. Es wird also spannend zu sehen, ob Reed mit nun 25 Jahren weit genug ist, um den nächsten Schritt in der Premier League zu machen und eine ähnlich wichtige Rolle wie in der vergangenen Saison einnehmen kann.

Prognose

Nach drei Jahren in Folge, in denen am Saisonende entweder ein Auf- oder ein Abstieg stand, muss für Fulham der Klassenerhalt das Ziel sein. Mit dem aktuellen Kader könnte das angesichts der Konkurrenz schwer werden. Es bleibt abzuwarten, welche Spieler Fulham bis zum Ende der Transferperiode am 5. Oktober noch verstärken werden.

Gero Lange

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(Photo by ADAM DAVY/POOL/AFP via Getty Images)

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