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Exklusiv | CL-Final-Kommentator Jan Platte: Klopp braucht den Titel nicht

23. Mai 2019

Exklusiv | CL-Final-Kommentator Jan Platte: Klopp braucht den Titel nicht

Ich bin jetzt nicht derjenige, der sagt, Kommentatoren müssen den Leuten den Fußball erklären

90PLUS: Wie läuft die Vorbereitung in der Regel vor einem Spiel ab?Was ändert sich nun zum Champions-League-Finale?

JP: Grundsätzlich schaue ich das letzte Spiel der Mannschaften, in diesem Fall vor allem die letzten direkten Duelle der Teams und lese sehr, sehr viel. Wir werden mit guten Informationen und Statistiken ausgestattet. Es ist eine Mischung aus Spiele schauen und die Aufmerksamkeit auf besondere Szenarien sowie Spielweisen zu legen.

Es gibt da keine generelle Anzahl an Stunden, die ich mich vorbereite. Das hängt ganz damit zusammen, wie viel man über die Mannschaften weiß. Es geht letztendlich darum, ein gutes Gefühl zu haben und gut vorbereitet da rein zu gehen.

Zum Finale ändert sich prinzipiell nicht viel. Es ist wie ein normales Champions-League-Spiel, auch wenn es natürlich kein normales ist.

90PLUS: “Da bekommt sogar Gänsehaut Gänsehaut”, mal unter uns: Kommen solche Sprüche spontan oder wird auch hier Vorarbeit geleistet?

JP: Man macht sich Gedanken zu bestimmten Konstellationen, aber da entsteht kein Spruch, den ich dann in Minute 60 loswerden möchte. Das ergibt sich aus den Spielen heraus. Gerade, wenn du im Stadion live vor Ort bist, bekommst du die Stimmung natürlich auf eine besondere Art und Weise mit.

In Liverpool beispielsweise, beim 4:0 über Barcelona, saß ich da zusammen mit Jonas Hummels. Wir hatten ganz alte Headsets auf und Handmikrophone aus den 50ern. Wir konnten uns selbst kaum verstehen. So musste man also gegen die Lautstärke arbeiten und aus solch’ einer Stimmung, solchen Gefühlen heraus, entstehen dann solche Sprüche.

Zwei Meter neben mir saß Michael Laudrup, der für das isländische Fernsehen kommentierte. Ich habe ihn mir während “You’ll never walk alone” angeguckt und selbst er konnte nicht fassen, wo er gerade sitzt.

Photo: Lukas Mengeler

90PLUS: Was macht einen guten Kommentator aus?

JP: Ich finde, es gibt da nicht den einen Weg oder ein Handbuch, auf das man zurückgreifen kann. Ich persönlich würde sagen, man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen, man sollte in den richtigen Augenblicken am Spiel dran sein, sollte einen Blick dafür haben, was gerade passiert und was daraus entstehen kann.

Ich bin jetzt nicht derjenige, der sagt, Kommentatoren müssen den Leuten den Fußball erklären – es schauen so viele Leute mit sehr viel Ahnung zu – aber es gibt manchmal diesen besonderen Blick, gerade im Stadion abseits der Kamera, den Kommentatoren haben.

Man sollte man selbst sein, Mut zu Pausen haben, nicht die Spiele zuquatschen. Eine grundlegende Verhaltensweise gibt es für mich allerdings nicht.

Teil 1: Von “Verbotene Liebe” zum CL-Finale

Teil 3: Das Geschenk Anfield

Teil 4: Tottenham ist schon sehr sexy geworden

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