Freitag, November 27, 2020

Union Berlin | Die eisernen Überflieger

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Man sagt, das zweite Jahr sei für Aufsteiger das schwierigere. Union Berlin schickt sich gerade an, diese These zu widerlegen. Verantwortlich dafür ist ihre intelligente Transferpolitik – und ein ganz bestimmter Spieler.

Mit cleveren Verpflichtungen zu neuem Erfolg

Dass Union Berlin nach sieben Spieltagen 16 Tore erzielt hat, ist ein Wert, der an sich schon beeindruckend klingt. In der vergangenen Spielzeit brauchten sie dafür ganze 13 Partien. Noch beeindruckender ist aber, dass die Köpenicker mit dieser Ausbeute über die im Moment zweitbeste Offensive der Bundesliga verfügen. Das wohlgemerkt, nachdem sie im Sommer zahlreiche Leistungsträger ziehen lassen mussten. Darunter auch Sebastian Andersson (29/1. FC Köln), mit zwölf Treffern ihr bester Torschütze der vergangenen Saison oder die Stamm-Innenverteidigung bestehend aus Neven Subotic (31/Denizlispor) und Keven Schlotterbeck (23/SC Freiburg, Leihende). Auch Torhüter Rafal Gikiewicz (32/FC Augsburg) ist seit dieser Saison ein Fall für die eisernen Geschichtsbücher. Wenn man als Aufsteiger mit zehn Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz die Klasse hält, dann kann es schon mal passieren, dass andere Vereine Interesse an den eigenen Spielern zeigen.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Beeindruckender ist aber, was Union aus dieser Situation gemacht hat. Für Keven Schlotterbeck liehen sie seinen drei Jahre jüngeren Bruder Nico (20) aus Freiburg aus. Subotics Nachfolger heißt Robin Knoche (28), immerhin seit 2012 ein Bundesligaspieler, bislang in Diensten des VfL Wolfsburg. Für das Tor kamen Andreas Luthe (33) und Loris Karius (27). Der größte Coup gelang den Eisernen aber mit Max Kruse (32).

Max Kruse: Unions riskanter Geniestreich

Union ist – nach St. Pauli, Freiburg, Gladbach, Wolfsburg und Werder Bremen – seine mittlerweile sechste Station in der Bundesliga. 257 Spiele konnte er so inzwischen absolvieren. Wie bei den fünf Vereinen zuvor belebt er auch an der alten Försterei das Offensivspiel ohne großen Anlauf. Acht Tore erzielten die Eisernen in Sinsheim (3:1) und gegen Bielefeld (5:0), an sieben war Kruse direkt beteiligt. Zwar wirkt er bisweilen noch etwas schwerfällig, weshalb auch sein Trainer Urs Fischer (54) im Kicker sagt, dass “schon noch ein bisschen Luft nach oben” sei, wenn es um Fitness gehe. Aber sein Wert für die Mannschaft lässt sich kaum von der Hand weisen. Praktizierte Union in der Debütsaison noch einen sehr konservativen Spielstil, so gibt ihnen Kruse die nötige Kreativität. Er bewegt sich intelligent zwischen den Linien und weiß Raum und Zeit gut einzuschätzen. Es lief die Nachspielzeit in Sinsheim, Union führte 2:1, Kruse timte seinen Lauf perfekt und hatte die Übersicht, sodass Teamkollege Cedric Teuchert (23) nur noch einschieben musste.

Dasselbe Prinzip auch gegen Bielefeld. Robert Andrich (30) fand die neue Nummer zehn mit einer präzisen Seitenverlagerung, Kruse legte den Ball gekonnt wie intelligent an die Strafraumkante zurück. Dort vollendete Andrich den Doppelpass und hängte das Spielgerät kompromisslos unter die Latte. Ein Tor der Extraklasse, das sinnbildlich für Union Berlin in der Saison 2020/21 steht. Urs Fischer spricht davon, dass es “auch ganz wichtig für unser Spiel ist, diese Ekligkeit beizubehalten”. Die wird noch um eine kreative Variable namens Max Kruse erweitert.

Dabei ist Kruse durchaus ein Spieler, der zu polarisieren weiß. Denn so abgezockt er auf dem Rasen auftritt, so leichtsinnig präsentiert er sich bisweilen außerhalb. Seine Klaviatur reicht dabei vom Verlesen von Schmähbriefen auf Instagram bis hin zum Beleidigen von Polizisten.

Ruhnert: Es ist ja nicht so, als ob wir nicht wüssten, auf wen wir uns einlassen

Im Oktober soll er zudem Fremden Geld angeboten haben, um mit ihnen in einer Bar zu zocken. Die Idee ist schon unter Normalbedingungen bestenfalls mittelprächtig. Während einer globalen Pandemie, ist sie in höchstem Maße fragwürdig. Dabei überließen sie bei Union seit jeher den glamourösen und polarisierenden Teil ihrem Stadtrivalen in blau-weiß. Für Skandale in der Öffentlichkeit standen die Köpenicker selten. Am Ende wird es wohl daraus hinauslaufen, dass man an der alten Försterei mit Kruses Eskapaden leben wird, solange er die Mannschaft auf dem Platz so verstärkt, wie er es momentan tut. “Es ist ja nicht so, dass wir nicht wüssten, auf welche Art Spieler wir uns einlassen”, so Unions Geschäftsführer Oliver Ruhnert (48) noch im Sommer. “Wenn es mir zu bunt wird, sage ich es.”

Spielplan bis zur Winterpause könnte richtungsweisend sein

Im Moment könnte es für Union allerdings kaum besser laufen. Die 16 Tore haben sie in bislang zwölf Punkte und Platz 5 umgemünzt. Zudem sind sie seit dem 1. Spieltag, einem 1:3 gegen den FC Augsburg, ungeschlagen. Die kommende Periode bis zur Winterpause wird endgültig zeigen, wohin der Weg für die Köpenicker in dieser Saison führt. Nach der Länderspielpause geht es zu den kriselnden Kölnern, bevor unter anderem noch das Stadtderby im Olympiastadion (10. Spieltag) sowie die Heimspiele gegen den FC Bayern (11.) und Borussia Dortmund (13.) anstehen. Sollte es ihnen gelingen, weiterhin in dieser Konstanz zu punkten und zu überraschen, können sie hinter den abermaligen Klassenerhalt schon früh in der Saison einen Haken machen.

 (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Man sagt, das zweite Jahr sei für Aufsteiger das schwierigere, vor allem, wenn sie im ersten performen. Weil die Schlüsselspieler zu größeren Klubs wechseln und man sie nur in den seltensten Fällen adäquat ersetzen kann. Union hat in dieser Saison das genaue Gegenteil bewiesen. Ja, auch sie haben viele wichtige Säulen verloren. Aber durch eine gezielte Transferpolitik und vor allem Verpflichtungen von Spielern, die bei ihren Klubs nur in der zweiten Reihe standen, konnten sie diese Abgänge kompensieren. Mehr noch: Dadurch, dass Union Max Kruse für sich gewinnen konnte, sind sie spielerisch auf einem komplett neuen Level, verglichen mit der Vorsaison. Noch dazu haben sie sich mit gerade einmal sieben Gegentoren in sieben Spielen die “Ekligkeit” beibehalten, die Urs Fischer von ihnen sehen will. In ihrem allerersten Bundesligaspiel musste Union Berlin gegen RB Leipzig Lehrgeld zahlen, als sie vor eigenem Publikum 0:4 unterlagen. Aber seitdem lernen sie und entwickeln sich stetig weiter. Und sind auf dem besten Weg, zu einer festen Größe der Bundesliga zu werden.

(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

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Victor Catalina

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