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90PLUS » 50 Millionen für einen Spieler, 66 Millionen wieder ausgegeben — die Transferbilanz der TSG Hoffenheim 2026
Fußball News

50 Millionen für einen Spieler, 66 Millionen wieder ausgegeben — die Transferbilanz der TSG Hoffenheim 2026

90PLUS Redaktion
05.09.26, 12:30
90PLUS Redaktion
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Bazoumana Toure, Hoffenheim
Foto: Getty Images

Die TSG 1899 Hoffenheim hat im Sommer 2026 einen Spieler für 50 Millionen Euro verkauft – und praktisch das gesamte Geld sofort wieder ausgegeben. 72,95 Millionen Euro Einnahmen, 66,20 Millionen Euro Ausgaben, unter dem Strich ein Plus von 6,75 Millionen.

Das ist die aggressivste Reinvestitionsquote der Liga: 91 Prozent der Einnahmen flossen direkt zurück in den Kader. Und sie flossen in eine sehr spezifische Richtung. Die fünf teuersten Zugänge kosteten zwischen zehn und 18,5 Millionen Euro – und keiner von ihnen ist älter als 25. Der teuerste ist gerade einmal 17.

Zahlen und Fakten zur Transferbilanz

Posten Wert
Transfereinnahmen 72,95 Mio. €
Transferausgaben 66,20 Mio. €
Saldo +6,75 Mio. €
Zugänge gesamt 21
Abgänge gesamt 23
Teuerster Zugang Nathan De Cat (18,50 Mio. €)
Teuerster Abgang Bazoumana Touré (50,00 Mio. €)
Marktwert der Zugänge 117,15 Mio. €
Durchschnittsalter der Zugänge 22,5 Jahre
Kaderwert 280,95 Mio. €
Kadergröße / Ø-Alter Kader 27 Spieler / 24,9 Jahre
Legionäre 18 (66,7 %)
Cheftrainer Christian Ilzer (seit 15. November 2024)

Bilanzdaten: Transfermarkt, Stand 3. September 2026.

Das Wichtigste kompakt

  • Bazoumana Touré wechselte für 50 Millionen Euro zu Newcastle United – der größte Verkauf der Vereinsgeschichte.
  • Die TSG investierte 66,20 Millionen Euro – mehr als Frankfurt, Köln, Mainz, Augsburg, Union, Paderborn und Elversberg zusammen.
  • Fünf Zugänge kosteten zehn Millionen Euro oder mehr.
  • Der teuerste Neuzugang Nathan De Cat ist 17 Jahre alt.
  • Mit 18 Legionären bei 27 Spielern (66,7 %) hat Hoffenheim den internationalsten Kader der Liga.

Alle Zugänge mit Ablösesumme

Spieler Alter Position Abgebender Verein Ablöse
Nathan De Cat 17 Zentrales Mittelfeld RSC Anderlecht (BEL) 18,50 Mio. €
Adam Daghim 20 Rechtsaußen RB Salzburg (AUT) 13,00 Mio. €
Mats Rots 20 Linker Verteidiger FC Twente (NED) 12,00 Mio. €
Patrick Wimmer 25 Rechtsaußen VfL Wolfsburg 10,00 Mio. €
Cajetan Lenz 20 Defensives Mittelfeld VfL Bochum 10,00 Mio. €
Alessandro Vogt 21 Mittelstürmer FC St. Gallen (SUI) 2,70 Mio. €
Sean Dulic 21 Innenverteidiger TSV 1860 München ablösefrei
Luca Erlein 18 Rechter Verteidiger Hoffenheim II intern aufgerückt
Natnael Abraha 18 Rechter Verteidiger Hoffenheim II intern aufgerückt

Die Millionen-Einkäufe im Detail

Nathan De Cat (RSC Anderlecht, 18,50 Mio. €)

Position: Zentrales Mittelfeld
18,5 Millionen Euro für einen 17-Jährigen – das ist selbst für Hoffenheimer Verhältnisse eine Ansage. Der Belgier galt in Anderlecht als eines der größten Talente Europas und ist damit die teuerste Wette der TSG. Bei einem Spieler dieses Alters geht es nicht um die kommende Saison, sondern um einen Weiterverkaufswert in drei bis vier Jahren.

Adam Daghim (RB Salzburg, 13,00 Mio. €)

Position: Rechtsaußen
Der direkte Ersatz für Bazoumana Touré. Der 20-jährige Däne kommt aus dem Red-Bull-System, wo er dieselbe Position bekleidete, für die Hoffenheim gerade 50 Millionen kassiert hat. 13 Millionen sind viel Geld – gemessen an dem, was Touré einbrachte, aber ein Bruchteil.

Mats Rots (FC Twente, 12,00 Mio. €)

Position: Linker Verteidiger
Zwölf Millionen Euro für einen 20-jährigen Außenverteidiger aus der Eredivisie sind eine ungewöhnlich hohe Summe für diese Position. Die TSG scheint überzeugt, dass sich der Wert des Niederländers ähnlich entwickeln lässt wie zuletzt bei anderen Defensivspielern in der Liga.

Patrick Wimmer (VfL Wolfsburg, 10,00 Mio. €)

Position: Rechtsaußen
Mit 25 Jahren der Älteste der fünf großen Zugänge – und der einzige mit belastbarer Bundesliga-Bilanz. Wimmer kam vom abgestiegenen VfL Wolfsburg und ist die sofort einsatzfähige Ergänzung zu Daghim auf der rechten Offensivseite.

Cajetan Lenz (VfL Bochum, 10,00 Mio. €)

Position: Defensives Mittelfeld
Zehn Millionen Euro für einen 20-Jährigen aus der 2. Bundesliga – der aggressivste Transfer des Sommers gemessen am Verhältnis von Preis zu bisheriger Spielklasse. Zusammen mit De Cat hat Hoffenheim 28,5 Millionen Euro in zwei Mittelfeldspieler investiert, die zusammen 37 Jahre alt sind.

Wer die TSG verlassen hat

Bazoumana Touré (Newcastle United, 50,00 Mio. €)

Der Transfer, der alles ermöglichte. 50 Millionen Euro für den 20-jährigen Linksaußen sind der mit Abstand größte Verkauf der Hoffenheimer Vereinsgeschichte und finanzierten drei Viertel des gesamten Einkaufsprogramms. Ein Spieler, ein Sommer, ein komplett neuer Kader.

Muhammed Damar (VfL Wolfsburg, 5,50 Mio. €) und Haris Tabaković (RB Salzburg, 5,00 Mio. €)

Zwei Abgänge über fünf Millionen Euro. Damar ging zum Zweitligisten Wolfsburg, während Wimmer den umgekehrten Weg nahm. Tabaković wechselte mit 32 Jahren nach seiner Gladbach-Leihe zu RB Salzburg.

Hennes Behrens (FC Augsburg, 3,50 Mio. €)

Der Linksverteidiger kehrte von seiner Heidenheim-Leihe zurück und wurde direkt weiterverkauft. In Augsburg ist er auf der linken Außenbahn gesetzt und einer der Spieler, um die Manuel Baum sein System herum plant – Details dazu in der Transferbilanz des FC Augsburg.

Luca Erlein (Bayer Leverkusen, 2,00 Mio. €)

Der bemerkenswerteste Vorgang des Sommers im Kleinformat: Der 18-jährige Rechtsverteidiger rückte aus Hoffenheim II in den Profikader auf und wurde im selben Transferfenster für zwei Millionen Euro an Bayer Leverkusen verkauft. Reiner Gewinn, ohne dass er ein Bundesliga-Spiel bestritten hätte.

Weitere Abgänge

Arthur Chaves ging für 1,5 Millionen Euro Leihgebühr zu Botafogo, Stanley Nsoki für 1,5 Millionen fest zu Union Berlin. Cole Campbell kehrte nach seiner Leihe zu Borussia Dortmund zurück – und wechselte von dort zum Aufsteiger Elversberg, wo er für sechs Millionen Euro zum Rekordeinkauf wurde; die Gegenseite steht in der Transferbilanz von Borussia Dortmund. Drei Spieler gingen nach Paderborn: Deniz Zeitler und Nahuel Noll per Leihe, Luka Đurić fest. Kevin Akpoguma wechselte zu Frosinone, Dennis Geiger zu NEC Nijmegen, Bazoumana Tourés Landsmann Gift Orban wurde nach Amed verliehen. Ihlas Bebou verließ den Klub nach Vertragsende.

Ilzers Kader – jung, teuer, international

Christian Ilzer ist seit dem 15. November 2024 im Amt und damit einer der dienstältesten Trainer der Liga. Der 48-jährige Österreicher bekommt einen Kader, der sich im Sommer 2026 grundlegend verändert hat – und dessen Zusammensetzung ungewöhnlich ist.

27 Spieler, 24,9 Jahre Durchschnittsalter, 18 Legionäre, 13 A-Nationalspieler. Die Zugänge sind mit 22,5 Jahren noch einmal deutlich jünger. Hoffenheim hat mit 280,95 Millionen Euro einen der wertvollsten Kader der Liga, aber kaum erfahrene Führungsspieler – Wimmer mit 25 Jahren ist unter den großen Zugängen bereits der Routinier.

Ilzer gilt als Trainer, der auf Intensität und schnelles Umschalten setzt, und die Transferpolitik passt dazu: Daghim, Rots, Lenz und De Cat sind allesamt laufstarke, körperlich moderne Spielertypen. Was ihm fehlt, ist Zeit. Fünf zweistellige Neuzugänge müssen gleichzeitig integriert werden, während gleichzeitig 23 Spieler den Klub verlassen haben.

Bemerkenswert ist die Nachwuchsdurchlässigkeit. Mit Luca Erlein und Natnael Abraha rückten zwei 18-Jährige aus der zweiten Mannschaft auf – Erlein wurde direkt für zwei Millionen Euro nach Leverkusen verkauft. In einem Kader, der fast ausschließlich aus zugekauften Talenten besteht, ist das eine bemerkenswerte Nebenlinie.

Analyse: Die riskanteste Bilanz der Liga

Hoffenheim hat 91 Prozent seiner Transfereinnahmen sofort wieder ausgegeben – ein Wert, der in der Bundesliga seinesgleichen sucht. Zum Vergleich: RB Leipzig nahm 175,75 Millionen Euro ein und investierte davon nur 67,50 Millionen, weil die Kaderkostenregel mehr nicht zuließ. Hoffenheim kennt diese Beschränkung offenbar nicht in derselben Form – oder nimmt sie in Kauf.

Das Ergebnis ist ein Kader von hohem theoretischem Wert und geringer praktischer Erprobung. 117,15 Millionen Euro Marktwert allein bei den Neuzugängen bedeuten, dass mehr als 40 Prozent des Gesamtkaderwerts aus Spielern besteht, die im August noch nicht da waren.

Wenn das aufgeht, steht Hoffenheim in zwei Jahren mit einem Kader da, dessen Wert sich verdoppelt hat. Wenn nicht, hat der Klub 66 Millionen Euro in Spieler investiert, die die Bundesliga nicht bestätigt haben – und die 50 Millionen aus dem Touré-Verkauf sind weg.

Saisonprognose für die TSG Hoffenheim

Unsere Einschätzung: Platz 6 bis 11.

Hoffenheim ist die schwerste Mannschaft der Liga einzuschätzen. Der Kaderwert von 280,95 Millionen Euro rangiert im oberen Drittel, die Zusammensetzung aber spricht gegen eine sofortige Spitzenplatzierung.

Dafür spricht die schiere Qualität der Einkäufe. Fünf Spieler für zusammen 63,5 Millionen Euro sind ein Investitionsvolumen, das in dieser Liga nur Bayern, Dortmund und Frankfurt überbieten. Christian Ilzer arbeitet seit fast zwei Jahren mit dem Klub und kennt die Strukturen – anders als die Kollegen in Leverkusen, Leipzig und Frankfurt, die neu angefangen haben.

Dagegen spricht das Alter. Von den fünf Millionen-Zugängen sind vier zwischen 17 und 20 Jahre alt, und Nathan De Cat wird in seiner ersten Bundesliga-Saison kaum tragende Säule sein. Ein Kader mit 22,5 Jahren Zugangs-Durchschnittsalter liefert Spitzenleistungen und Einbrüche in kurzer Folge. Dazu kommt: Mit Touré ging der beste Offensivspieler, und ob Daghim ihn mit 20 Jahren sofort ersetzt, ist offen.

Realistische Bandbreite: Platz 6 bis 11. Nach oben ist ein Europapokalplatz möglich, wenn zwei oder drei der Neuzugänge sofort einschlagen. Nach unten droht bei Anlaufschwierigkeiten das Mittelfeld – finanziell verkraftbar, gemessen an 66 Millionen Euro Investition aber eine klare Verfehlung.

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