27.419 Zuschauer kamen zur Heimpremiere. Sie sahen ein 0:2 gegen eine Zweitvertretung, eine Rote Karte für den eigenen Kapitän und ein Pfeifkonzert zum Schlusspfiff. Und dann sangen sie „Oh, wie ist das schön“ – das Lied, das man sonst dem Gegner widmet.
Zwei Spiele, zwei Niederlagen, kein Zweifel mehr
Nach dem 1:2 im Eröffnungsspiel bei Waldhof Mannheim verlor Fortuna Düsseldorf am Samstag auch das erste Heimspiel der Drittliga-Saison. Tiago Poller traf schon in der 3. Minute, Jakov Dedic erhöhte in der 52. nach einem Fehlpass im Aufbau. In der 79. Minute sah Jorrit Hendrix wegen einer Notbremse Rot – in seinem ersten Saisonspiel nach abgesessener Sperre.
Trainer Alexander Ende nahm nichts zurück. Bei MagentaSport nannte er es eine schlechte Leistung, in allen Facetten
und kündigte eine intensive Aufarbeitungswoche an. Stürmer Fabian Schleusener wurde noch deutlicher: Das ist der Worst-Case, der hätte eintreten können.
Der teuerste Kader der Liga steht auf Rang 19
Die Fallhöhe ergibt sich aus dem Vergleich zwischen Anspruch und Tabelle.
| Kennzahl | Stand nach zwei Spieltagen |
|---|---|
| Tabellenplatz | 19 von 20 |
| Punkte | 0 |
| Tore | 1:4 |
| Kaderwert | höchster der 3. Liga |
| Dauerkarten | knapp 20.000 |
| Neuzugänge im Sommer | rund 20 |
| Zuschauer Heimpremiere | 27.419 |
Rechnet man saisonübergreifend, steht die neunte Niederlage in elf Pflichtspielen zu Buche. Der Abstieg aus der 2. Bundesliga im Mai war die Zäsur, die alles ändern sollte. Bislang hat sie nichts geändert.
Zwanzig neue Spieler ergeben noch keine Mannschaft
Ende hatte gegenüber dem Mannheim-Spiel gleich fünf Positionen umgestellt. Was dabei herauskam, war keine neue Ordnung, sondern eine andere Anordnung derselben Probleme: fehlende Abstände in der Restverteidigung, Ballverluste im ersten Aufbaudrittel, kein erkennbarer Zugriff im Gegenpressing. Beide Gegentore entstanden aus eigenen Fehlern.
Der Trainer selbst benannte das Kernproblem, ohne es abzumildern: Die Mannschaft sei verkopft, in der Anfangsphase habe Verunsicherung mitgespielt. In der Vorbereitung habe man anderes auf den Platz gebracht.
Das ist glaubwürdig – und trotzdem unzureichend. Wer im Sommer rund zwanzig Spieler holt, kauft nicht nur Qualität ein, sondern auch Reibung. Automatismen entstehen nicht durch Kaderwert.
Was von den Rängen kam, war die eigentliche Nachricht
Die Fans hatten die Mannschaft über die volle Spielzeit lautstark unterstützt. Erst danach kippte die Stimmung – und dann gründlich. Pfiffe, Spott, und am Ende ein Gesang, der in seiner Ironie schärfer traf als jede Kritik aus dem Presseraum. Ende hat recht, wenn er sagt, dass die Mannschaft dieses vorgeschossene Vertrauen zurückzahlen müsse. Nur bleibt dafür wenig Zeit.
Parallel berichtet die Bild von internen Bewegungen gegen den Trainer. Von einer sogenannten „Funkel-Fraktion“ ist die Rede, die intern an Endes Stuhl säge – eine unbestätigte Darstellung, die der Klub bislang nicht kommentiert hat. Belegt ist nur der Hintergrund: Ende war in der vergangenen Saison als Nachfolger von Markus Anfang mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet worden, während Teile des Umfelds eine andere Lösung bevorzugt hatten.
Zwölf Tage bis zur nächsten Antwort
Am Freitag, 28. August, empfängt Fortuna in der Merkur Spiel-Arena den VfB Stuttgart II. Eine Zweitvertretung. Wieder. Der Spielplan hat einen bitteren Sinn für Symmetrie.
Bis dahin bleibt Zeit für die von Ende angekündigte Aufarbeitung – und für die Frage, ob der Verein sie ihm lässt. Fortuna Düsseldorf hat in den vergangenen Jahren selten die Geduld aufgebracht, die sie öffentlich einfordert.
Der teuerste Kader der Liga ist ein Versprechen. Punkte sind eine Bringschuld.

