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90PLUS » Elgert blieb weg – und Kolasinac versteht genau, warum
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Elgert blieb weg – und Kolasinac versteht genau, warum

Fritz Pecker
17.08.26, 11:22
Fritz Pecker
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Sead Kolasinac
Foto: Getty Images

58.587 Zuschauer für ein Testspiel. Sprechchöre für einen Gegenspieler in der 62. Minute. Pfiffe für denselben Mann zwei Minuten später. Der Nachmittag in Gelsenkirchen hatte alles – bis auf den einen Mann, den Sead Kolasinac am liebsten gesehen hätte.

Ein Testspiel, das keines war

Zum Abschluss des „Schalke-Tachs“ empfing der Aufsteiger am 8. August Atalanta Bergamo, den Europa-League-Sieger von 2024 und Champions-League-Achtelfinalisten der Vorsaison. Es war die erste Begegnung beider Klubs überhaupt. Sportlich ging sie deutlich aus: Scamacca traf nach einer halben Stunde, Samardzic kurz vor der Pause, Krstovic setzte in der 87. Minute den Schlusspunkt zum 0:3. Miron Muslic sah zuvor eine Mannschaft mit Gelegenheiten und ohne Ertrag – Scalvini hatte für Bergamo schon in der 8. Minute den Pfosten getroffen.

Für die Kulisse war das Ergebnis Nebensache. Kolasinac, ausgebildet in der Knappenschmiede, kam als Einwechselspieler und wurde empfangen, als hätte er nie gewechselt. Die Schalker Zeugwarte hatten sich schon bei der Ankunft des Atalanta-Trosses so positioniert, dass sie ihn als Ersten in die Arme nehmen konnten.

141 Spiele, zwei Amtszeiten, ein Restaurant

Der 33-Jährige spielte von Januar 2011 bis Juli 2017 für Schalke und kehrte in der Rückrunde 2021 zurück, als der Abstieg nicht mehr zu verhindern war. 141 Pflichtspiele stehen zu Buche, dazu die deutsche A-Junioren-Meisterschaft 2012 unter Norbert Elgert. In Gelsenkirchen betrieb er später ein Restaurant. Über eine Rückkehr wurde in den vergangenen Monaten immer wieder spekuliert, sein Vertrag in Bergamo läuft bis Juni 2027.

Der Zuneigung tat die Ferne keinen Abbruch. Vor der Reise stand Kolasinac in Kontakt mit Edin Dzeko und Nikola Katic, die inzwischen für Schalke spielen; zu Timo Becker hält er ohnehin engen Draht. Nach dem Abpfiff überreichte er Muslic sein Atalanta-Trikot. Er sei immer noch Schalker, sagte er den Vereinsmedien.

Warum der Mentor zu Hause blieb

Nur Elgert war nicht da. Der U19-Trainer, den Kolasinac seit Jahren als Mentor bezeichnet und dem er halb im Scherz anträgt, so lange im Amt zu bleiben, bis er selbst dessen Co-Trainer werden kann, verzichtete auf den Besuch. Der Grund steht im Spielplan: Am Sonntagmorgen startete seine Mannschaft gegen den MSV Duisburg in die DFB-Nachwuchsliga. Volle Konzentration auf den Job, seit drei Jahrzehnten dieselbe Regel – für die Spieler wie für ihn.

Das Spiel endete 0:0. Schalke war überlegen im Ballbesitz und harmlos davor, Elgert verwies anschließend auf ein Team, das sich erst finden müsse: „Wir haben eine komplett neue Mannschaft.“ Ein Trainer, der für ein torloses Remis in der A-Jugend auf ein Wiedersehen mit seinem berühmtesten Schüler verzichtet, hat exakt das getan, was er diesem Schüler beigebracht hat.

Ein Nachmittag mit Kulisse, ein Sonntagmorgen mit Haltung

Für Schalke folgt nun der Ernst: Generalprobe gegen Real Madrid zum 25-jährigen Arena-Jubiläum, DFB-Pokal am 24. August beim Halleschen FC, Bundesliga-Auftakt am 30. August in Augsburg. Das 0:3 gegen Bergamo war der letzte große Realitätsabgleich vor dem Rückkehrjahr im Oberhaus.

Von diesem Wochenende bleibt trotzdem eher das Nebenbei. Ein Ex-Profi, den die Zeugwarte zuerst begrüßen. Ein Publikum, das erst jubelt und nach einem harten Einsteigen gegen Moussa Sylla sofort pfeift, weil Sentimentalität an der Seitenlinie endet. Und ein Trainer, der nicht kommt, weil am nächsten Morgen gearbeitet wird. Wer Elgert kennt, hätte ihn dort auch nicht erwartet. Zuneigung misst sich nicht daran, wer im Stadion steht.

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