Zwei Auswärtsspiele ohne Torbeteiligung, dann ein Doppelpack vor über 30.000 Zuschauern im Soldier Field. Danach der Siegtreffer in der dritten Minute der Nachspielzeit. Robert Lewandowski ist seit drei Wochen Spieler von Chicago Fire und hat die Frage, die man einem 37-jährigen Neuzugang stellt, bereits beantwortet.
Das Heimdebüt, das zweimal verschoben wurde
Eigentlich hätte der Pole am 16. Juli gegen Vancouver und seinen früheren Bayern-Kollegen Thomas Müller anfangen sollen. Rauch von Waldbränden verschob die Partie, die Luftqualität ließ kein Spiel zu. So kam Lewandowski erst über Auswärtsniederlagen bei Inter Miami und New York City ins Bild – ohne Treffer, ohne Rhythmus, mit dem üblichen Fragezeichen über einem Stürmer im letzten Karrierekapitel.
Am 1. August, gegen Charlotte FC, dauerte es 20 Minuten. Nach einer Kopfballablage von Philip Zinckernagel zwei Kontakte, Abschluss von der Strafraumkante, drin. In der 68. Minute lupfte er den Ball nach einem Angriff über mehr als 25 Stationen an Kristijan Kahlina vorbei. Endstand 2:1, Spieler des 19. Spieltags, erster Fire-Profi mit dieser Auszeichnung seit über einem Jahr.
Der Leagues Cup als eigentlicher Härtetest
Interessanter als die Tore ist, wie schnell der Kalender ihn eingeholt hat. Fünf Tage nach dem Doppelpack stand das Leagues-Cup-Auftaktspiel gegen Necaxa an, zwei Tage danach Santos Laguna. Gegen Necaxa blieb Lewandowski ohne Treffer, kam aber auf fünf Abschlüsse und zwang den Keeper zu einer starken Parade – Chicago gewann 2:0 durch zwei Außenverteidiger.
Gegen Santos lag Chicago nach 20 Minuten zurück und war eine Stunde lang die schlechtere Mannschaft. Drei Tore nach der 71. Minute drehten das Spiel, das letzte fiel in der 93. durch Lewandowski nach einem abgewehrten Schuss. Trainer Gregg Berhalter ordnete den Zustand seines Stürmers hinterher nüchtern ein: noch im Vorbereitungsmodus, aber nicht bereit, sich auswechseln zu lassen. 97 Minuten standen am Ende auf der Uhr.
Warum Chicago und nicht Riad
Dass dieser Wechsel überhaupt zustande kam, ist die eigentliche Kuriosität. Berater Pini Zahavi hat gegenüber spanischen Medien beschrieben, dass im Januar 2026 ein saudisches Angebot auf dem Tisch lag, das Lewandowski nicht annahm, weil er auf eine Zusage aus Barcelona wartete. Die kam nicht. Das saudische Angebot war im Sommer weg. Chicago blieb – ein Klub, der seit Anfang 2025 an dem Transfer arbeitete und dessen Stadt die größte polnische Gemeinde außerhalb Polens beherbergt.
Zwei Jahre Vertrag, Designated Player, Platz vier im Osten mit einem Nachholspiel. Der Klub bezieht 2028 ein neues Stadion.
Ein Stürmer, der nichts zu beweisen hat und trotzdem trifft
Drei Tore in drei Einsätzen sagen wenig über eine Saison und viel über einen Spielertyp. Lewandowski hat in Dortmund, München und Barcelona jeweils die Erfahrung gemacht, dass Strafraumpräsenz nicht an Tempo hängt. In Chicago trifft er auf eine Liga, in der Räume größer und Abstände schlampiger sind als in LaLiga. Das ist kein Ruhestand mit Startgeld. Das ist ein Torjäger, der ein leichteres Umfeld gefunden hat und es benutzt.

