Mbappé forderte 263 Millionen Euro. PSG forderte 440 Millionen zurück. Das Pariser Arbeitsgericht sprach 61 Millionen zu und wies alles Weitere ab. Seit Februar ist das Geld überwiesen, seit Februar ist der Fall geschlossen – und trotzdem taucht er im Sommer 2026 wieder in Timelines auf.
Die Chronologie einer Eskalation
Der Kern war klein: drei ausstehende Monatsgehälter, ein Teil einer Verlängerungsprämie, eine Sonderzahlung. Zusammen 55 Millionen Euro. PSG verweigerte die Zahlung mit Verweis auf ein mündliches Übereinkommen vom Sommer 2023, wonach Mbappé bei einem ablösefreien Abgang auf diese Summen verzichtet habe. Mbappés Seite hielt dagegen, die Absprache sei unter Druck zustande gekommen und mangels Unterschrift wirkungslos.
Dann wuchs die Sache. Der Ligaverband LFP verurteilte PSG zunächst, der Klub zog vor die ordentliche Gerichtsbarkeit, es kamen Vorwürfe wegen Mobbing dazu, eine Umdeutung des befristeten Vertrags in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, Gegenforderungen für einen geplatzten Transfer nach Saudi-Arabien. Aus 55 Millionen wurden auf beiden Seiten dreistellige Beträge.
Das Urteil und was es nicht hergab
Am 16. Dezember 2025 entschied das Arbeitsgericht. Rund 61 Millionen Euro, darunter etwa 5,9 Millionen für nicht genommenen Urlaub. Die Umwandlung des Vertragsverhältnisses lehnten die Richter ab, die Gegenforderungen von PSG ebenfalls, vollständig. Der Klub musste das Urteil zudem einen Monat lang auf der eigenen Startseite veröffentlichen.
Danach zog es sich noch einmal. Ein Teilbetrag blieb offen, Mbappés Anwälte schickten einen Gerichtsvollzieher, PSG sprach von laufenden Gesprächen über die Modalitäten. Am 20. Februar 2026 verzichtete der Klub auf Berufung und zahlte. In der Mitteilung war von Verantwortungsbewusstsein die Rede und davon, ein zu lang gewordenes Verfahren zu beenden.
Was daran heute noch neu ist
Nichts. Und genau das ist der Punkt. Ein Verfahren dieser Größenordnung erzeugt über anderthalb Jahre so viel Material, dass sich daraus dauerhaft Ausschnitte recyceln lassen – Zahlen aus Zwischenständen, Zitate von Anwälten, Bildstrecken aus der Zeit, in der Mbappé mit den Aussortierten trainieren musste. Wer heute darauf stößt, sieht kein laufendes Verfahren. Er sieht ein Archiv.
Bemerkenswert ist ohnehin weniger die Summe als das Prinzip. Ein Spieler hat einen Klub vor einem gewöhnlichen Arbeitsgericht auf ausstehenden Lohn verklagt und gewonnen. Nicht vor einem Sportgericht, nicht vor einer Verbandskommission. Der Fußball wurde dabei behandelt wie jede andere Branche auch. Das ist die eigentliche Nachricht – und die steht seit Dezember.

