Ajax Amsterdam unter Erik ten Hag: The Last Dance

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Ajax Amsterdam kann heute niederländischer Meister werden. Ein letztes Mal unter Trainer Erik ten Hag. Mit seinem Abgang wird eine Ära enden, deren prägendster Moment voller Tragik war.

Es ist eine Ära, die heute ihr feierliches Ende finden könnte. Die Ära Ajax Amsterdam unter Erik ten Hag. Mit einem Sieg gegen den SC Heerenveen kann der Klub Meister werden. Ein letztes Mal, bevor ten Hag zu Manchester United abwandern wird.

Rinus Michels, Johan Cruyff, Louis van Gaal, Erik ten Hag

Ära, das ist eine Zuschreibung, die oftmals erst mit erheblichen zeitlichen Abstand gewählt wird. Beim Blick auf die Historie von Ajax Amsterdam spricht man von der Ära Rinus Michels, der Ära Johan Cruyff und vielleicht noch von der Ära Louis van Gaal. Allessamt liegen Jahrzehnte zurück. Nicht ohne Grund, denn Ära ist ein Begriff, der auch von Nostalgie lebt. Und diese Nostalgie, diese sehnsuchtsvolle Blick in die Vergangenheit, den verspüren schon jetzt einige Ajax-Fans. Auch ich. Denn die Gewissheit, dass Erik ten Hag bald nicht mehr da sein wird, rückt näher.



Die Jahre bevor Erik ten Hag drei Tage vor der Silvesternacht 2017 Trainer des Klubs wurde, waren keine, an die sich Ajax-Fans gerne erinnern. Die erfolgreich „Frank de Boer“-Jahre (vier Meisterschaften in Folge von 2011 bis 2014) waren vergessen. Wenig glänzte zu jener Zeit in Amsterdam. Das Ajax-typische starre Festhalten am 4-3-3 und dem einzigartigen Positionsspiel wirkte eher wie ein Relikt aus der Vergangenheit. In den späten Jahren unter Frank de Boer und unter Peter Bosz war es oft steif und leicht auszurechnen. Teilweise wirkte es wie ein Blick auf eine verstaubte alte Fußballwelt.

Diesen Staub, den klopft ten Hag bereits in seiner ersten Hinserie ab. Das Spiel wurde fluider und temporeicher. Frenkie de Jong als Innenverteidiger zum Sinnbild eines Spielgefühls. Damit kam der Erfolg zurück nach Amsterdam. Zweimal gewann ten Hag mit dem Klub das Double, 2019 und 2021. Prägender war aber ein unvergleichlicher Lauf in der Champions-League-Saison 2019.

Lucas Moura, Lucas Moura, Lucas Moura

Ajax Amsterdam qualifizierte sich souverän für die Endrunde. Im Achtelfinale wartete der wohl schwerstmögliche Gegner der Königklasse: Real Madrid. Das Hinspiel verlor Ajax zuhause mit 1:2. Für die ganze Fußballwelt war klar: Real Madrid wird weiterkommen. Doch es kam anders. Drei Woche später fegte Ajax Amsterdam durchs Santiago Bernabéu, gewann mit 4:1 und qualifizierte sich für das Champions-League-Viertelfinale.

(Photo by GABRIEL BOUYS / AFP)

Dort wartete der nächste schier übermächtige Gegner: Juventus Turin. 1:1. 2:1. Zwei rasante Spiele später war auch die Alte Dame geschlagen. Und Ajax Amsterdam stand im Champions-League-Halbfinale. Ein gallisches Dorf im Theater der Großen. Eine kollektive Euphorie versammelte sich hinter dem Verein. Jeder Fußballinteressierte, so schien es, wollte diese Ajax Amsterdam im Champions-League-Finale sehen. Nur die Tottenham Hotspurs konnte dies noch verhindern.

Das Hinspiel fand in London statt. Ajax dominierte und gewann mit 1:0. Alles war gerichtet für einen große Fußballfeier in Amsterdam. 45 Minuten war es dann eine solche. Ein rauschendes Fest, ein Ode an das schöne Spiel. Zur Halbzeit lag Ajax Amsterdam im Rückspiel des Champions-League-Halbfinales mit 2:0 vorne. Mit einer Mannschaft aus Eigengewächsen und Jugendlichen. Und einem Trainer, der mitreißenden Offensivfußball spielen lässt. Ajax im Champions-League Finale. Für 45 Minuten war das Realität. Jedenfalls in der Realität, die in der Phantasie existiert. Doch das diese Realität nur eine auf Zeit ist, lehrten die Spurs in der zweiten Spielhälfte. 55. Spielminute; 2:1, Lucas Moura. 59. Spielminute; 2:2, Lucas Moura. 90.+6 Spielminute; 2:3, Lucas Moura. Tottenham stand im Finale, Ajax war ausgeschieden.

(Photo credit should read ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images)

Es fühlte sich damals an, als hätte Lucas Moura dem Fußball etwas genommen. Einen wahrhaftigen Moment, oder so. Ajax Amsterdam im Champions-League-Finale. Es hätte sich so richtig angefühlt. Aber darum geht es im Fußball nicht. Und deswegen sind an jenem Abend, am 8. Mai 2019, Tränen geflossen. Bei Ajax-Fans. Bei Fußballfans. Bei mir.

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