England Nachspielzeit

Guardiola & ManCity: Probleme mit Drucksituationen? Von wegen…

25. April 2019
Chris McCarthy

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Guardiola & ManCity: Probleme mit Drucksituationen? Von wegen…

Nachspielzeit | Drei Spieltage vor Saisonende steht Manchester City wieder an der Spitze der Premier League. Die letzten Monate waren ein wahrer Kraftakt, wichtiger noch, Trainer und Mannschaft demonstrierten dabei, wie druckresistent sie sind. Dabei wurde genau das nach dem erneuten Aus im Viertelfinale der Champions League gerne in Frage gestellt…

Probleme mit Drucksituationen?

“Manchmal ist es gut mit Druck zu spielen, es ist notwendig, um das Beste aus uns herauszuholen” – Pep Guardiola

Druck erlebte Manchester City 2017/2018 nur selten. In der Liga schlenderten die Skyblues bequem zum Titel, stellten Rekordwerte für Punktausbeute (100) und den größten Vorsprung auf Platz zwei auf (19). Erst im Viertelfinale der Champions League, gegen ein stark aufgelegtes Liverpool, war man nach einer gefühlten Ewigkeit wieder gefordert…und scheiterte.

Vielleicht ist das ein Grund, wieso sich Kritiker nach dem erneuten Aus in der Königsklasse ein Jahr später zu dem Fazit hinreißen ließen, dass Guardiola und seine Cityzens mit Drucksituationen nicht klar kommen würden. Wieder scheiterte man an einer individuell schwächer besetzten Mannschaft, dieses Mal Tottenham. Wieder führten eine Reihe von individuellen Fehlern, allen voran Sergio Agüeros verschossener Elfmeter und die Aussetzer Aymeric Laportes, zum Aus.

Doch das waren nur zwei Beispiele. Einmal wurde ein behäbiges City von einem nur so vor Intensität strotzenden FC Liverpool überrumpelt. Das andere Mal scheiterte man äußert unglücklich an einer gut gecoachten Spurs-Mannschaft, die über sich hinauswuchs. Das passiert, das ist Fußball.

Am Druck alleine kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn dem trotzen Guardiola und sein Team in der Premier League bereits seit Monaten…

Roter Druck

Der rote Druck, den der FC Liverpool 2018/2019 auf den amtierenden Meister ausübte, war enorm. Immerhin hatte Manchester City mit der Rekordsaison im Vorjahr die Messlatte dermaßen hoch angesetzt, dass alles andere als die Titelverteidigung einer Enttäuschung gleichen würde.

Vor dem 21. Spieltag drohte diese Enttäuschung erschreckend real zu werden. Im direkten Duell mit den bis dato ungewohnt nachlässigen Cityzens hatten die Reds die Chance, die Tabellenführung auf stolze zehn Punkte auszubauen. ManCity wehrte den Matchball ab, gewann dank einer ungewohnt kämpferischen Leistung verdient mit 2:1 und verkürzte somit den Rückstand auf vier Zähler.

(Photo by Ben Hoskins/Clive Brunskill/Getty Images)

Am 30. Spieltag hatte Manchester City das Punktedefizit wettgemacht und mit einem Zähler Vorsprung die Tabellenführung zurückerobert. Nicht für lange, denn da die Cityzens – anders als Liverpool – noch im Pokal vertreten waren, musste ihre Begegnung des 31. Spieltags verschoben werden. Die Reds dagegen gewannen ihr Ligaspiel.

Dank der einen Partie Vorsprung konnte die Klopp-Elf in den kommenden Wochen stets “vorlegen” und als “Quasi-Tabellenführer” psychologischen Druck auf Manchester City ausüben. Doch auch diesem hielten Guardiola und Co. stand. Punktverluste? Fehlanzeige.

Siegen Pflicht

Liverpool legte in dieser Zeit allerdings nicht nur vor. City musste dabei zusehen, wie die Reds mit eindrucksvollen Siegen gegen Tottenham, Southampton (A) sowie Chelsea zeitgleich den schwersten Teil ihres Restprogramms bewältigten. In den verbleibenden vier Spielen des Endspurts – Cardiff (A), Huddersfield (H), Newcastle (A) Wolves (H) – waren Punktverluste vergleichsweise unwahrscheinlicher.

Manchester City musste sich daher mit dem Gedanken anfreunden, seine verbleibenden fünf Partien allesamt zu gewinnen. Bei zwei Zählern und einem Spiel Rückstand würde das zur Titelverteidigung jedenfalls genügen.

Dazu musste das Team von Pep Guardiola allerdings zwei massive Hürden bewältigen: Zum einen Tottenham, drei Tage nach dem psychisch nur schwer zu verdauendem Aus in der Champions League, und vier Tage später das ominöse Nachholspiel vom 31. Spieltag. Nicht irgend ein Nachholspiel, denn ausgerechnet jetzt, als Siege Pflicht waren, mussten die Skyblues zum Stadtderby gegen Manchester United ins Old Trafford.

Dieses Mal waren es die Reds, die zwischen dem 20. und 24. April vor dem Fernseher darauf lauerten, dass ihr größter Konkurrent dem Druck nicht stand halten würde. Der erste Titel seit 1990 schien zum Greifen nahe, alles schaute auf Manchester City.

Mit mentaler Kraft zurück an die Spitze

Die Anspannung war den Cityzens in beiden Schlüsselspielen deutlich anzumerken. Sowohl gegen Tottenham als auch Manchester United genügte das spielerische Übergewicht nicht, um die Pflichtpunkte einzufahren. Es bedurfte andere Mittel, allen voran Kampfgeist, Geduld, Standfestigkeit und Nervenstärke.

So konnte gegen erneut aufmüpfige Spurs eine hoch verdiente, allerdings knappe 1:0 Führung über die Zeit gerettet werden. So konnte die lange ineffektive Dominanz im hitzigen Derby gegen Manchester United letztendlich in Tore umgemünzt werden.

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Drei Spieltage vor Schluss steht der amtierende Meister mit einem Punkt Vorsprung nun wieder an der Spitze der Premier League. Der Titel ist bei noch drei ausstehenden Spielen – Burnley (A), Leicester (H), Brighton (A) – äußerst machbar, jedoch lange nicht in der Tasche.

Der mentale Kraftakt der letzten Monate aber, in denen die Cityzens nicht nur eine potentielle Vorentscheidung abwehrten, sondern trotz vieler Hürden die schier unerschütterliche Konstanz des FC Liverpool mit elf Siegen in Serie entgegneten, ist schon jetzt nichts anderes als beeindruckend.

Es ist ein Beleg dafür, dass Pep Guardiola auch in Drucksituationen das Beste aus seinen Cityzens herausholen kann…ganz egal, ob es letztendlich zur Titelverteidigung reichen wird oder nicht…

Chris McCarthy

(Main Photo by Shaun Botterill/Getty Images,)

Chris McCarthy

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