Elche. In der 61. Minute stand es 0:3. Luka Sučić hatte den Ball nach einem Steilpass von Carlos Soler allein vor Matías Dituro kontrolliert und eingeschoben, Real Sociedad hatte das Spiel im Martínez Valero entschieden. Neun Minuten später stand es 2:2. Und in der 90. Minute wieder 2:3. Was dazwischen lag, war ein VAR-Eingriff, eine Rote Karte, zwei Elche-Tore in sieben Minuten – und die Frage, ob Schiedsrichter Miguel Ortiz Arias mit einer einzigen Entscheidung zu weit gegangen war.
Erste Halbzeit: Real Sociedad spielt, Elche schaut zu
Bis dahin war es ein Spiel ohne Zweifel gewesen. Elche, mit zwölf Gegentoren die anfälligste Abwehr der Liga, wirkte von Beginn an unsicher; Torwart Dituro fand mit dem Ball am Fuß keine Abstimmung mit Buba Sangaré. In der 10. Minute nahm Job Ochieng einen hohen Ball an und schoss hoch ins lange Eck – Dituro war überrascht. In der 31. Minute setzte sich Ochieng erneut rechts durch, legte zurück auf Yangel Herrera, dessen flacher Schuss durch die Beine des Torwarts ging. 0:2 zur Pause, 25.662 Zuschauer, und wenig, was auf eine Wende hindeutete.
61. Minute: Der Eingriff
Martín Anselmi hatte reagiert. Zwischen der 58. und 63. Minute brachte er Abiel Osorio für Ezequiel Ponce und Thomas Lemar für Facundo Buonanotte. Dann kam die Szene. Real Sociedad fand Elche im Umschaltmoment schlecht postiert, Soler schickte Sučić, der Kroate traf. Der VAR prüfte den Beginn der Aktion: Jon Martín hatte den Ball im Zweikampf mit Fer Niño mit der Hand gespielt, bevor der Konter begann. Das Tor wurde aberkannt – nach übereinstimmender Einschätzung der spanischen Berichte korrekt.
Was danach kam, ist der eigentliche Streitpunkt. Ortiz Arias zeigte Martín die Rote Karte: Der Innenverteidiger sei beim Handspiel letzter Mann gewesen. Die Nachrichtenagentur NA nannte die Entscheidung „polémica“ – ein Handspiel, das eine klare Torchance verhindert, ist regelkonform mit Rot zu ahnden, aber ob Fer Niños Position eine solche Chance darstellte, ist Auslegung. Kurz darauf griff der Videoassistent laut Esto Es Elche noch ein zweites Mal ein; Details dazu liegen nicht vor.
Sieben Minuten, zwei Tore
Elche nutzte die Überzahl, als hätte es nur darauf gewartet. In der 66. Minute nahm Lemar den Ball im letzten Drittel an, zog bis an den Strafraumrand und hämmerte ihn mit rechts an den Innenpfosten – 1:2. In der 73. Minute köpfte Fer Niño aus kurzer Distanz zum Ausgleich. Das Stadion, das eine Stunde lang schweigend zugesehen hatte, stand. Anselmi brachte Josan und Revivo, um den Druck zu halten. Real Sociedad, zu zehnt und mit dem Momentum gegen sich, wirkte auf einmal wie der Absteiger.
90. Minute: Der Konter
Und dann machte Elche den Fehler, den es sich nicht leisten konnte. Bei einem eigenen Angriff stand die Abwehr so weit vorn, dass Sučić – der Mann, dessen Tor eine halbe Stunde zuvor aberkannt worden war – den Konter allein fahren konnte. Er schloss mit links ab. 2:3. Diesmal blieb der Treffer stehen.
Esto Es Elche nannte es „eine unvollständige Aufholjagd“ mit „grausamem Ende“. Für Real Sociedad war es der Sieg, der den Klub laut NA in die Nähe der Europapokalplätze bringt. Für Elche war es die vierte Niederlage in einer Saison, in der die Mannschaft nun 15 Gegentore in vier Spielen kassiert hat.
Was bleibt
Die Diskussion wird sich um die Rote Karte drehen, nicht um den VAR. Der Videoassistent hat ein Handspiel erkannt, das der Schiedsrichter übersehen hatte – dafür ist er da. Dass Ortiz Arias daraus einen Platzverweis machte, war seine Entscheidung am Monitor, und sie hat das Spiel für 25 Minuten auf den Kopf gestellt. Dass es trotzdem so endete, wie es nach 60 Minuten hätte enden sollen, ändert nichts an der Frage: Ohne diese Karte hätte Elche nie zurückgefunden. Mit ihr hätte es fast gereicht.

