A La Liga | Reals erste Mini-Krise? – „It’s not football…“ und Atletis Hang zum Wahnsinn – Die Brennpunkte

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Spotlight | Krise bei Atletico – und auch beim Stadtrivalen? Und was macht La Liga eigentlich besonders? Das und mehr wollen wir thematisieren.

In „A La Liga“ thematisiert 90PLUS-Redakteur Michael Bojkov die Brennpunkte des spanischen Fußballs. Das neue Format erscheint im zweiwöchigen Rhythmus.

Reals erste Mini-Krise?

Der ein oder andere Madridista dürfte sich dieser Tage verwundert die Augen reiben. Schließlich hat Real Madrid vergangene Woche in Leipzig nicht nur seine erste Saisonniederlage erfahren, sondern blieb nach dem jüngsten 1:1 gegen Girona auch erstmals in der laufenden Spielzeit zwei Partien am Stück ohne Sieg. Durchhänger bei den Königlichen?

Von einer kleinen Krise zu sprechen, wäre allerdings bedeutend übertrieben. Die 2:3-Niederlage in Leipzig ließ sich mit Ausfällen und Rotation erklären. Das im Zusammenhang mit der sportlichen Irrelevanz der Begegnung kann und darf auch mal dazu führen, dass man einem mittelklassigen Gegner unterliegt. 

Überraschender kam da in jedem Fall das Remis gegen Aufsteiger Girona daher, gegen den sich Real über weite Strecken zu schwerfällig präsentierte, zudem den Gegner zu vielen Chancen kommen ließ. Grund zur Sorge sollte es allerdings kaum geben. Schaut man auf die Expected-Goals-Statistik, wären immerhin drei Tore drin gewesen, der Ausgleich fiel letztlich zudem durch einen unberechtigten Elfmeter.

Dass es im Laufe der Saison mal zu solchen Spielen wie diesem kommt, müssen selbst die besten Mannschaften der Welt einkalkulieren – zumal in einem Jahr, das von hinten bis vorne mit Terminen zugepackt ist. Dass eine Mannschaft nicht durchgehend auf Höchstniveau performen kann, ist geradezu selbsterklärend.

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(Photo by Denis Doyle/Getty Images)

Spaniens desaströse Bilanz in der Königsklasse

Nicht selbsterklärend ist hingegen das schwache Abschneiden der spanischen Mannschaften in der Champions League. Viele Jahre lang war Spanien die gefürchtete Nation in der Königsklasse. Die goldenen Ären von Real und Barça waren mit der Grund, warum zwischen 2014 und 2018 ausschließlich die beiden Riesen aus La Liga den Henkelpott holten.

In den letzten Jahren hat sich das geändert. Zwischen 2019 und 2021 stand keine einzige spanische Mannschaft mehr im Finale, Real hat die graue Serie erst in der abgelaufenen Saison beenden können. Dass Real international auch heute noch das spanische Zugpferd ist, verwundert kaum. Erstaunlich ist dagegen, dass die Königlichen mittlerweile das einzig verbliebene Pferd aus La Liga ist. Für Barça, Atletico und den FC Sevilla war diese Saison bereits in der Gruppenphase Schluss.

Woran es bei den Andalusiern gelegen hat, lässt sich schnell erklären. Mit den Abgängen von Jules Kounde (23) und Diego Carlos (29) brach Sevilla von jetzt auf gleich der Fels in der Brandung weg. Das verpasste dem ohnehin nicht optimal zusammengestellten Kader einen Schlag, der auch nach zwölf Spieltagen in La Liga nachklingt. Dass man in einer Champions-League-Gruppe mit Manchester City und Borussia Dortmund im Zweifel nur Dritter wird, war absehbar.

Anders hingegen beim FC Barcelona, für den das zweite Gruppenaus in Folge sehr überraschend kam. Mit der Ursachenforschung tun sich Fans und Kritiker nach wie vor schwer. Am Ende war es wohl das Zusammenspiel aus mehreren Faktoren, das bereits nach vier Spieltagen für das nahezu sichere Aus sorgte. Der wohl größte war, dass die Katalanen unter Xavi (42) in einigen Bereichen schlicht und ergreifend noch nicht so weit sind wie sich aus den starken Resultaten in La Liga ablesen ließe. Vor zwei Wochen wurde das in A La Liga bereits ausführlicher thematisiert. Damit einher gingen kleinere Faktoren wie das Verletzungspech und auch wichtige Schiedsrichterentscheidungen, die fälschlicherweise zuungunsten der Katalanen ausgelegt wurden. 



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Fast noch ungläubiger erscheint der Blick auf Champions-League-Gruppe B, wo Atletico es gegen Leverkusen, Porto und Brügge tatsächlich geschafft hat, auf dem letzten Tabellenplatz zu enden. Neben bereits lang anhaltenden spielerischen Problemen, die ebenfalls in A La Liga thematisiert wurden, neigen die „Colchoneros“ mittlerweile gerne dazu, auf den Zielgeraden zu versagen – und das nicht selten auf eine skurrile Art und Weise.

So vergab Atleti vergangene Woche gegen Leverkusen (2:2) in letzter Sekunde einen Elfmeter inklusive einer doppelten Nachschusschance, womit das Aus in der Königsklasse endgültig besiegelt war. Zu guter Letzt unterlag man auch noch Porto (1:2) und verabschiedete sich damit aus sämtlichen europäischen Wettbewerben.

„It’s not football. It’s La Liga.“

Wo wir schon bei Atleti und skurrilen Schlussphasen sind: Die gab es nicht nur gegen Leverkusen, sondern auch drei Tage später in Cadiz. Die „Rojiblancos“ schafften es nämlich, einen 0:2-Rückstand in den Schlussminuten der regulären Spielzeit auszugleichen, in der Nachspielzeit um ein Haar das Spiel komplett zum drehen, um dann in buchstäblich letzter Sekunde das 2:3 zu kassieren.

Tatsächlich lebt nicht nur Atleti, sondern auch La Liga als Wettbewerb ein Stück weit von Spielen wie diesen. Eigentlich zeichnet sich Spaniens höchste Spielklasse nämlich vor allem durch defensiv denkende Mannschaften und dementsprechend wenige Tore aus. 

Dafür gibt es immer wieder aufs Neue Schlussphasen, für die sich neue Sportarten erfinden ließen. Allein in dieser Saison lassen sich neben der Show in Cadiz zwei weitere Partien nicht so schnell vergessen. An Spieltag sechs ging Espanyol vor heimischem Publikum nach 83 Minuten gegen Valencia in Führung, mit einem Platzverweis aufseiten der Gäste (85.) schien man dem Sieg zum Greifen nah – bis man in der zweiten Minute der Nachspielzeit selbst ein Mann weniger wurde und in Minute 96 den Ausgleich kassierte.

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(Photo by Fran Santiago/Getty Images)

Noch skurrilere Dinge trugen sich am zehnten Spieltag im Ramon Sanchez Pizjuan zwischen dem FC Sevilla und – nochmal – Valencia zu. Aus sieben Minuten Nachspielzeit wurden zwölf, die fünf Gelbe Karten, einen Platzverweis, zwei VAR-Revisionen und zum krönenden Abschluss einen verschossenen Elfmeter durch Jose Gaya (27) beinhaltete. 

Und weil alle guten Dinge drei sind und wir den Kreis zu Atletico und Elfmetern in der Nachspielzeit wieder schließen wollen: Ebenfalls an Spieltag zehn traf ausgerechnet Ex-Stürmer Radamel Falcao (36) in der 92. Minute vom Punkt und entführte mit Rayo Vallecano ein 1:1 aus dem Wanda Metropolitano. 

Die Primera Division wirbt seit Jahren mit dem Slogan „It’s not football. It’s La Liga.“. Augenscheinlich wurde er genau für diesen Wahnsinn kreiert, mit dem uns diese Liga in regelmäßigen Abständen in Atem hält.

(Photo by Fran Santiago/Getty Images)

Michael Bojkov

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