Vorschau Ligue 1 – Teil 5: OSC Lille, OGC Nizza, Stade Reims, FC Nantes

OSC Lille Team Meisterfeier
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Vorschau | Am Wochenende des 6. August startet die französische Ligue 1 als erste der fünf Topligen in die neue Saison. Im fünften Teil unserer großen Saisonvorschau beschäftigen wir uns mit Meister OSC Lille, dem OGC Nizza, Stade Reims und dem FC Nantes. 

  • Kann Lille die Meistersaison bestätigen?
  • Nizza: Mit Geduld in die Spitzengruppe
  • Reims vor sicherer Saison?
  • Nantes auf dem Papier kein Abstiegskandidat

Hier geht es zu Teil 1: Olympique Lyon, Girondins Bordeaux, RC Lens, RC Strasbourg

Zu Teil 2 hier entlang: Olympique Marseille, Stade Rennais, FC Lorient, Stade Brest

Hier geht es zu Teil 3: AS Monaco, AS Saint-Etienne, FC Metz, ES Troyes AC

Zu Teil 4 hier entlang: Paris Saint-Germain, HSC Montpellier, SCO Angers, Clermont Foot

OSC Lille (Letzte Saison: Meister)

Die Saison 2020/2021 war für den OSC Lille eine, die man wohl nicht so schnell vergessen wird. Am Ende eines turbulenten Jahres stand der Titelgewinn der Ligue 1. Und das trotz einiger Widrigkeiten auf dem Weg dorthin. Traditionell ist Lille ein Verein, der als Zwischenstation für talentierte Spieler dient. Daher kommt es nahezu jedes Jahr zu einem regelrechten Ausverkauf von Leistungsträgern. Dies immer wieder aufzufangen, erfordert sehr gute Arbeit der Verantwortlichen. Und diese Arbeit hat sich 2020/2021 bezahlt gemacht. Die Gegebenheiten und der Triumph erinnern stark an die erfolgreiche Zeit des BVB, der den deutschen Branchenprimus FC Bayern sogar zweimal hat „stürzen“ können.

 

Bereits zu Saisonbeginn konnte man erahnen, dass in dieser Saison mehr als nur ein zweiter oder dritter Platz möglich sein könnte. Die entscheidenden, knappen Spiele gestaltete die Mannschaft von Meistertrainer Christophe Galtier (54) entweder siegreich oder man teilte sich die Punkte. Erst am zehnten Spieltag ging man das erste Mal als Verlierer vom Platz. Das 2:3 gegen Stade Brest 29 sollte eine von nur drei Niederlagen bleiben. Vor allem in der zweiten Saisonhälfte leistete sich Lille kaum Ausrutscher. Von Spieltag 22 bis 38 grüßte man – mit einer einzigen Ausnahme – von der Tabellenspitze. Dennoch war es am Ende ein dramatisches Herzschlagfinale zwischen Lille und Paris Saint-Germain. Letztlich „rettete“ sich Lille hochverdient mit einem Punkt Vorsprung ins Ziel.

Nun gilt es, das „Wunder“ zu bestätigen. Allerdings muss die Mannschaft rund um Kapitän und Torjäger Burak Yilmaz (36) die Mission Titelverteidigung ohne Meistermacher Galtier angehen. Diesen zog es zu OGC Nizza. Der neue starke Mann an der Seitenlinie ist der relativ unbekannte Jocelyn Gourvennec (49).

Der Transfersommer des OSC Lille

Transfertechnisch war dieser Sommer bislang vergleichsweise ruhig. Anders als noch in den letzten Jahren fand diesmal kein Ausverkauf statt. Bedingt durch Corona sitzt das Geld bei vielen Vereinen allerdings auch nicht so locker wie sonst. Nichtsdestotrotz musste man einige Abgänge verzeichnen. Darunter auch von zwei Spielern, die wichtig für die zentrale Achse der Meistermannschaft waren. Neben Boubakary Soumaré (22) musste sich Lille auch von Rückhalt und Keeper Mike Maignan (25) trennen. Für beide Spieler kassierten die Doggen allerdings nur Ablöse deutlich unter Marktwert.

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Sowohl bei Soumaré als auch bei Maignan kam neben der Corona-Pandemie auch die Vertragslänge erschwerend hinzu. Bei beiden Leistungsträgern wäre das Arbeitspapier 2022 ausgelaufen. Maignan (MW: 25 Millionen Euro) zog es für nur 13 Millionen Euro zur AC Milan. Soumaré (MW: 28 Millionen Euro) läuft in Zukunft im Trikot von Leicester City auf, die sich die Dienste des defensiven Mittelfeldspielers 20 Millionen Euro kosten ließen. Zusammen mit einigen anderen Abgängen generierte Lille 38,5 Millionen Euro.

Davon wurde allerdings bislang nur wenig genutzt. Lille verpflichtete bisher nur einen einzigen neuen Spieler und setzt weitestgehend auf die bereits vorhandenen. Trotzdem ist es gut möglich, dass der französische Meister noch einmal aktiv werden wird. Vor allem auf der Torhüterpostition.

Youngster gefordert, Torhütersuche notwendig?

Vor dem Start der neuen Ligue-1-Saison gibt es einige Fragezeichen. Zum einen bleibt es fraglich, ob Burak seine starke Vorsaison wird bestätigten können. Zwar hat er bewiesen, auch im „hohen“ Alter von 35 noch zweistellig treffen zu können. Nichtsdestotrotz wird das Alter auch vor dem Routinier nicht Halt machen. Glücklicherweise hat Lille mit Timothy Weah (21) und Jonathan David (21) zwei junge Angreifer, die nun den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gehen wollen. Während David bereits zum Stammpersonal zählte, kam Weah in der vergangenen Saison meistens von der Bank. In der kommenden Spielzeit wird ihm wohl eine größere Rolle zuteil werden.

Timothy Weah (links) Jonathan David (rechts) (beide Lille) bejubeln Treffer

Photo: VI ANP Sport ANP IV / Imago

Das Mittelfeld von Lille ist über jeden Zweifel erhaben, dort wird nur geringfügig etwas passieren. Soumaré ist zwar ein großer Verlust, allerdings noch am ehesten aufzufangen. Lille hat Amadou Onana (19) vom Hamburger SV in die Ligue 1 lotsen können. Der junge Belgier, dem eine große Zukunft vorausgesagt wird, soll das Loch, dass Soumaré hinterlassen hat, füllen. Von der Spielanlage her ähneln sich beide sehr, sind physisch stark und auch am Ball sehr beschlagen. Deutlich kritischer ist die Situation im Tor und der Innenverteidigung. Sven Botman (21) wird aktuell heiß umworben und gilt als Kandidat für einen Abgang. Aber auch bei einem Verbleib des Niederländers besteht im Abwehrzentrum wohl Handlungsbedarf. In der letzten Saison waren Botman und Defensivpartner José Fonte (37) die Dauerbrenner und blieben von Verletzungen verschont. Dahinter gibt es lediglich Tiago Djaló (21), der Startelfpotential ausstrahlt.

Zwischen den Pfosten ist es noch unklar, ob wirklich auf Léo Jardim (26) gesetzt wird. Der Brasilianer war in der vergangenen Saison an Boavista Porto verliehen, machte dort allerdings alle 34 Ligaspiele und galt als sicherer Rückhalt. Dennoch schauen sich die Verantwortlichen von Lille wohl um. Angeblich soll man loses Interesse an Odysseas Vlachodimos (27, Benfica Lissabon) und Sergio Rico (27, Paris Saint-Germain) haben. Allerdings soll Rico ein Angebot von Lille bereits abgelehnt haben und einen Wechsel in seine Heimat Spanien bevorzugen.

Player to Watch: Isaac Lihadji

Der Aufschrei in Marseille war im Sommer 2020 groß. Soeben hatte eines der größten Talente von Olympique Marseille einen Profivertrag abgelehnt und sich für einen Wechsel innerhalb der Ligue 1 zu Lille entschieden. Dieses Talent hört auf den Namen Isaac Lihadji (19). Der junge Franzose gilt als eines der größten Talente seines Jahrgangs und zählt zu den zehn wertvollsten Flügelspielern seines Alters. Unter anderem soll auch Borussia Dortmund an Lihadji interessiert gewesen sein. In der abgelaufenen Spielzeit sammelte der 19-Jährige bereits wertvolle Erfahrungen im Profibereich, absolvierte wettbewerbsübergreifend 21 Einsätze für Les Douges.

Isaac Lihadji (Lille) im Dribbling

Photo: FEP/Panoramic/Imago

In der kommenden Saison dürften seine Spielanteile weiter wachsen. Gourvennec gilt als Fan des Linksfußes und soll einer möglichen Leihe zuletzt einen Riegel vorgeschoben haben. Lihadji besticht durch seine enge Ballführung und schnellen Bewegungen. Mit seinem starken linken Fuß zieht er immer wieder in die Mitte und sorgt so für Gefahr. Bleibt er von Verletzungen verschont und bekommt mehr Spielzeit, könnte er einer der Gewinner der neuen Saison sein.

OSC Lille 2021/2022: Prognose

Es ist schwer zu sagen, wohin die Reise für Lille geht. Als amtierender Meister sollte man immer den Anspruch haben, den Titel zu verteidigen. Allerdings kommt es nicht oft vor, dass der Meistertrainer abspringt. Für Gourvennec ist Lille der erste Verein dieser Größenordnung, das Vermächtnis der Meisterschaft kein einfaches. Die Verantwortlichen und Fans dürfen nicht den Fehler machen und Gourvennec an der Meisterschaft messen. Trotz alledem ist die Mannschaft gut genug, um erneut oben mitzuspielen. 

OGC Nizza (Letzte Saison: 9. Platz)

„Mit einem vernünftigen Investment wollen wir es ermöglichen, dass sich Nizza regelmäßig für europäische Wettbewerben qualifiziert.“ Das waren die Worte von Milliardär Jim Ratcliff (68), der seit 2019 Besitzer von OGC Nizza ist. Sein Unternehmen INEOS ist Partner von mehreren renommierten Sport-Teams, darunter zum Beispiel auch das Formel-1-Team Mercedes AMG Petronas oder die All Blacks, die Rugby-Nationalmannschaft von Neuseeland. Knapp 100 Millionen Euro soll Ratcliffe für die Übernahme bezahlt haben. Gemeinsam mit der Unterstützung von Ratcliff will Nizza wachsen. Allerdings nachhaltig und nicht durch etwaige Star-Transfers, wie es etwa Ligue-1-Konkurrent Paris Saint-Germain tat.

Als Vorbild soll das Modell von RB Leipzig dienen, die ebenfalls sukzessive ihren Weg an die Spitze der Bundesliga gingen, ohne Transfers von Superstars. Nizza will vor allem auf junge und entwicklungsfähige Spieler setzen. Das war bereits in der Vergangenheit die Philosophie des Vereins. Seit der Saison 2018/2019 stellte OGC jedes Mal im Schnitt den jüngsten Kader. In der abgelaufenen Spielzeit betrug das Durchschnittsalter der eingesetzten Spieler 23,1 Jahre. Das ist deutlich jünger, als der Rest der Liga (Platz zwei: Stade Reims (24,0 Jahre), Platz drei: AS Monaco (24,6 Jahre)). Die Platzierungsresultate müssen daher mit Bedacht betrachtet werden. Seit der Übernahme stehen ein sechster (19/20) sowie ein neunter Platz (20/21) zu Buche.

Jim Ratcliffe (Besitzer OGC Nizza) mit seinen Söhnen

Photo: FEP/Panoramic/ Imago

Das Team wird in der kommenden Saison international nicht vertreten sein und sich ganz auf Liga und Pokal konzentrieren können. Darüber hinaus wurde mit Galtier ein Meistermacher verpflichtet, der auch bekannt dafür ist, der „Jugend“ eine Chance zu geben.

Der Transfersommer von OGC Nizza

Der eben angesprochene Weg spiegelt sich auch in der Transferpolitik des Klubs von der Riviera wider. Von den insgesamt sieben Neuzugängen sind nur zwei Akteure 24 Jahre oder älter. Dass Erfahrung natürlich auch von immensen Wert ist, wissen auch die Verantwortlichen von Nizza. Darum wurde mit Mario Lemina (27) ein international erfahrener Akteur für die zentrale Achse verpflichtet. Der Mittelfeldspieler ist im besten Fußballalter und hat schon viel erlebt, stand bereits in der italienischen Serie A, in der englischen Premier League und in der türkischen Süper Lig auf dem Platz.

Der Gabuner gilt als zweikampfstarker Mann, der sich für die sprichwörtliche „Drecksarbeit“ nicht zu schade ist. In einer so jungen Mannschaft wie der von Nizza ist dies wichtig. Darüber hinaus verpflichtete man auch Pablo Rosario (24) für das defensive Mittelfeld. Der Niederländer ist weniger giftig, hat dafür seine Stärken im Spielaufbau. In der Innenverteidigung konnte Jean-Clair Todibo (21) fest verpflichtet werden, nachdem er bereits in der letzten Saison auf Leihbasis für Nizza auflief und überzeugen konnte. Ligaintern wilderte der letztjährige Tabellenneunte bei Olympique Lyon und sicherte sich die Dienste des hochveranlagten Linksverteidigers Melvin Bard (20).

Neue Flügelzange für Nizza

Aber auch in der Offensive wurde nachgelegt und eine neue Flügelzange verpflichtet. Calvin Stengs (22) spielte sich mit guten Leistungen für AZ Alkmaar in den Fokus der Franzosen und wusste auch bei der vergangenen U21-Europameisterschaft mit den Niederlanden zu überzeugen. Gemeinsam mit seinem „Partner in crime“ Justin Kluivert (22) soll Stengs die neue Flügelzange bilden. Während der Rechtsaußen Stengs fest verpflichtet wurde (15 Millionen Euro), spielt Linksaußen Kluivert auf Leihbasis bei Nizza. Beide bringen viel Tempo und Stärken im Eins-gegen-Eins mit.

Calvin Stengs, Jean-Clair Todibo, Pablo Rosario und Justin Kluivert (alle Nizza) bei ihrer Vorstellung

Photo: LIONELURMAN/PANORAMIC / Imago

Unter den Abgängen finden sich mehrere wichtige Spieler. Allerdings generierte Nizza nur mit drei Abgängen eine Ablöse, der Rest waren befristete Leihgeschäfte. Neben dem Transfer von Wylan Cyprien (26), der in den letzten Jahren eine gute Rolle bei Nizza gespielt hat, konnten lediglich die Wechsel von Innenverteidiger Stanley Nsoki (22) und Mittelfeldakteur Pierre Lees Melous (28) Einnahmen generieren. Rony Lopes (25), Jeff Reine-Adélaïde (23) und William Saliba (20) spielten alle eine wichtige Rolle, waren aber nur ausgeliehen. Anders als bei Todibo konnte oder wollte Nizza hier keine dauerhaften Deals realisieren.

Nizza mit junger Mannschaft, aber auch Erfahrung ist wichtig

Jugendliche Unbekümmertheit ist das Eine. Allerdings ist auch Erfahrung enorm wertvoll. Diese wird im jungen Kader durch Kapitän Dante (37), den erfahrenen Morgan Schneiderlin (31) sowie Torhüter Walter Benítez (28) verkörpert. Dante und Schneiderlin sind zugleich die einzigen Profis im Kader von Nizza, deren Alter jenseits der 30 Jahre beheimatet ist. Alle drei Profis bilden eine gute und erfahrene zentrale Achse. Dazu gesellt sich zudem auch Neuzugang Lemina.

Eine ähnliche Kaderstruktur fand Galtier bereits bei Lille vor. Dort waren Fonte, Benjamin André (31) und Burak das Sprachrohr und die Führungsspieler Galtiers. Der einzige Unterschied ist lediglich das noch jüngere Alter der anderen Akteure. Mit der Ankunft des neuen Trainers, der bereits deutlich machte eine neue Herausforderung zu suchen, ist der Matchplan klar: Über defensive Stabilität zum Erfolg zu kommen. Denn genau das war auch bei Lille der Schlüssel zur Meisterschaft, die Defensive. Das Spielermaterial dafür hat Galtier. In Dante hat er ähnlich wie mit Fonte einen erfahrenen Innenverteidiger. Darüber hinaus offensivstarke Außenverteidiger in Youcef Atal (25) und Hassane Kamara (28).

Im 4-4-2-System Galtiers fällt den Außenverteidigern und zentralen Mittelfeldspielern viel Verantwortung zu. André war unter Galtier defensiv herausragend, verzeichnete im Schnitt die meisten Tacklings und Ballgewinne pro Spiel. Diese Rolle soll bei Nizza Lemina übernehmen. Die Außenverteidiger des amtierenden Meisters waren die zweitbesten Zweikämpfer und Ballgewinner im Team. Um die Anforderungen von Galtier perfekt umsetzen zu können, müssen sowohl Atal als auch Kamara defensiv noch zulegen. Das 4-4-2 kommt vor allem über seine Kompaktheit, wildes oder hohes Pressing ist hier Fehlanzeige.

Player to Watch: Amine Gouiri

Für Amine Gouiri (21) heißt es, in der kommenden Ligue-1-Saison seine starken Leistungen zu bestätigen. Der flinke Stürmer spielte eine exzellente Debütsaison für Nizza, überzeugte mit 24 Scorerpunkten in wettbewerbsübergreifend 41 Partien. In der Liga netzte der 21-Jährige zwölfmal und trat siebenmal als Vorlagengeber in Erscheinung. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass es die erste richtige Saison für Gouiri im Profibereich war. „Das Wichtigste ist, dass ich im vergangenen Jahr zum ersten Mal in meiner Karriere Spiele beständig bestreiten konnte“, sagte der Angreifer kürzlich gegenüber Le Dauphiné Libéré (via getfootballnewsfrance).

Gouiri (Nizza) bejubelt Treffer gegen Leverkusen

Photo by Imago

Seine Entwicklung war positiv, dennoch sei noch Luft nach oben. „Es gibt noch viele Aspekte in meinem Spiel, die ich verbessern muss, und ich möchte auch an meinen Stärken arbeiten“, erklärte er. Allerdings wird ihm in der kommenden Saison eine neue Rolle zuteil. Denn Galtier sieht seinen Schützling als zentralen Stürmer. „Das ist ermutigend, weil das meine bevorzugte Rolle ist“, bestätigte Gouiri. In der vergangenen Saison kam er vornehmlich als Flügelspieler zum Einsatz. Im 4-4-2 von Galtier wird er also aller Voraussicht nach an der Seite von Sturmpartner Kasper Dolberg (23) auf Torejagd gehen.

OGC Nizza 2021/2022: Prognose

In der neuen Saison ist mit Nizza zu rechnen. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass mit Galtier ein Meistermacher an der Seitenlinie steht. Der Kader ist trotz seiner jungen Struktur ausgeglichen und verfügt in jedem Mannschaftsteil über qualitativ starke Spieler. Bringt Galtier die PS seiner neuen Mannschaft auf die Straße, dann könnte Nizza 2022/2023 international spielen. 

Stade Reims (Letzte Saison in Ligue 1: 14. Platz)

Stade Reims hat in der vergangenen Saison nichts mit dem Abstiegskampf zu tun gehabt, was als Erfolg verbucht werden kann. Zwar spielte man nach dem Aufstieg 2017/2018 zwei exzellente Spielzeiten in der Ligue 1 (18/19 Platz acht, 19/20 Platz fünf), in der abgelaufenen Saison pendelte man sich aber letztlich im Tabellenmittelfeld ein. Zur neuen Saison ist unklar, wie Reims abschneiden wird. Denn die große Konstante, der Trainer, hat den Verein trotz überaus erfolgreicher Arbeit verlassen. David Guion (53) zählte zu den dienstältesten Trainern der Liga, war insgesamt neun Jahre lang in verschiedensten Funktionen Teil des Vereins.

Betrachtet man sich die Saison von Reims etwas  genauer, fällt vor allem eine Statistik auf. Die der Unentschieden. Insgesamt 15 (!)-mal musste Reims die Punkte teilen, so oft wie kein anderer Klub in der Ligue 1. Aus den Top-5-Ligen verzeichneten nur zwei Vereine mehr Unentschieden. Real Valladolid spielte 16-mal Remis, stieg am Ende aus LaLiga ab, FC Torino teilte ebenfalls 16-mal die Punkte und schlitterte knapp am Abstieg aus der Serie A vorbei. Ähnlich wie Nizza setzt auch Reims vor allem auf die Jugend. Wie erwähnt stellte man in der vergangenen Saison durchschnittlich den zweitjüngsten Kader der Liga (24,0 Jahre). Diesen Weg will der neue Trainer Óscar García (48) weiter fortführen.

Der Transfersommer von Stade Reims

Transfertechnisch hat sich bei Reims nicht viel getan. Allerdings gab es einen Verlust, einen herben noch dazu. Torjäger Boulaye Dia (24) verließ Reims und sucht sein Glück nun in Spanien beim amtierenden Europa-League-Sieger FC Villarreal. Immerhin kassierte der vergleichsweise kleine Klub eine satte Ablösesumme von zwölf Millionen Euro, die allerdings bislang noch nicht reinvestiert worden sind. Ein Ersatz ist noch nicht gefunden.

Denn Dia hinterlässt ein großes Loch, war vergangene Saison fast Alleinunterhalter in der Offensive des Klubs aus dem Nordosten Frankreichs. In 36 Ligue-1-Partien erzielte der Senegalese 14 Treffer. Die treffsichersten Spieler nach Dia waren El Bilal Touré (19), Mathieu Cafaro (24) und Nathanaël Mbuku (19), die allesamt lediglich vier Treffer auf dem Konto hatten. Verstärkt hat sich Reims vor allem mit Spielern aus der zweiten Mannschaft, die nun zu den Profis befördert worden sind. Andreaw Gravillon (23) und Torhüter-Routinier Nicolas Penneteau (40) sind bislang die einzigen externen Neuzugänge. Gravillon wurde vom italienischen Meister Inter ausgeliehen und soll eine große Rolle bei Reims spielen. Der Franzose spielte bereits in der letzten Saison in der Ligue 1, trug das Trikot des FC Lorient und wusste zu überzeugen.

Reims Team bejubelt Treffer

Photo: AnthonyBIBARD/FEP/Panoramic / Imago

Als möglicherweise wertvollste „Neuzugang“ könnte sich der neue Trainer erweisen. García war als Profi lange für den FC Barcelona aktiv und machte dort auch seine ersten Schritte als Trainer. Seine größten Erfolge als Trainer feierte er mit Red Bull Salzburg, mit denen er von 2015 bis 2017 zweimal das Double aus Meisterschaft und Pokal gewinnen konnte. „Schon in den ersten Trainingseinheiten haben wir den Barcelona-Touch gesehen“, offenbarte Kapitän Yunis Abdelhamid (33) gegenüber AFP. „Wir spielen viel mit Ballbesitz, auf engem Raum“, erklärte der Marokkaner.

García will „Barcelona-Touch“ in die Köpfe seiner Spieler bringen

Neu-Coach García deutete an, dass es eventuell keinen externen Ersatz für Dia braucht. „Bevor ich hierher kam, habe ich mir alle Spiele angesehen, auch die der Leihspieler“, erklärte er. „Vorne haben wir El Bilal Toure, Kaj (Sierhuis, 23), Fraser (Hornby, 21), Hugo (Ekitike, 21). Sie werden viel mehr leisten müssen als letztes Jahr, aber ich glaube fest an sie“, betonte der Spanier. Die grundlegende Kaderstruktur wird also dieselbe bleiben. Rein taktisch sowie spielerisch wird sich aber wohl viel ändern.

García wird vor allem auf die Entwicklungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit seiner jungen Mannschaft setzen. Denn seine Philosophie verlangt den Profis einiges ab, die mehr als ein paar Wochen brauchen werden, um die Philosophie des 48-Jährigen zu verinnerlichen. „Ich habe meine Spielweise in Barcelona gelernt und sie in Salzburg umgesetzt“, erklärte García. „Wir haben nicht den gleichen Kader wie Barcelona, aber wir werden versuchen, auf die gleiche Art und Weise zu spielen“, so seine Spielidee.

Sein offensives 4-3-3-System ist auf schnelles Umschaltspiel ausgelegt. Die Mittelfeldspieler sind Antreiber, aber auch defensiv enorm wichtig. Das Spielermaterial für seine Spielidee ist vorhanden. Cafaro ist der wohl kreativste Spieler im Kader von Reims und hat bewiesen, den Unterschied ausmachen zu können. Mbuku und Bilal Touré sind zwei schnelle Angreifer, die im neuen System von García nun den nächsten Schritt gehen müssen.

Player to Watch: El Bilal Touré

Durch den Abgang von Dia lastet jetzt mehr Verantwortung auf den Schultern des jungen El Bilal Touré. Nach einer soliden ersten Debütsaison muss der Angreifer nun den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen, die Ansätze waren vielversprechend. Touré ist mit seinen 1,85 Meter ein anderer Spielertyp als Dia. Trotz seiner starken Physis weiß er aber auch mit technischer Finesse zu überzeugen. Seine Beidfüßigkeit ist vor dem gegnerischen Tor zudem enorm wertvoll.

El Bilal Touré (Reims) Daumen nach oben

Photo by Imago

Arbeiten muss der talentierte Mann aus Mali noch an seinem Abschluss, da er in vielen Szenen oft noch zu hastig wirkt. Seine angesprochene Beidfüßigkeit macht es dem Gegner zudem schwer, ihn zu verteidigen, da er links wie rechts abschließen kann. Touré könnte von dem Trainerwechsel und der damit einhergehenden offensiven Ausrichtung profitieren. Sollte er dort weitermachen, wo er aufgehört hat, wird man noch viel von Touré hören.

Stade Reims 2021/2022: Prognose

Reims könnte eines der spannendsten Teams der neuen Saison werden. Mit neuem Trainer, neuer Spielphilosophie aber dem gleichen eingespielten Kader ist einiges möglich. Es kommt auch auf die jungen Spieler an, Touré, Mbuku und Co. müssen den nächsten Schritt machen. Gelingt dies, muss das Tabellenmittelfeld nicht das Ende der Fahnenstange sein. 

FC Nantes (Letzte Saison in Ligue 1: 18. Platz – Relegation)

Der Klub aus der Bretagne ist dem Abstieg in der vergangenen Saison in einem Herzschlagfinale noch einmal von der Schippe gesprungen. Die reguläre Saison beendete der FC Nantes auf dem 18. Rang. Dies ist bei 20 Mannschaften der vorletzte Rang. Dieser gewährt der Mannschaft die ihn belegt, so wie es auch in der Bundesliga der Fall ist, eine letzte Chance. Nantes nutzte diese. In zwei engen und umkämpften Partien setzte sich die Mannschaft von Trainer Antoine Kombouaré (57) am Ende im Gesamtergebnis mit 2:2 (1:2-Auswärtssieg, 0:1-Heimniederlage) gegen den FC Toulouse durch.

Das Problem von Nantes waren die verlorenen Duelle gegen die direkte Konkurrenz aus dem Tabellenkeller. Denn gegen auf dem Papier stärkere Mannschaften lieferte man oft ab und punktete. Dazu kamen haufenweise Trainerwechsel. Denn Kombouaré war in der vergangenen Saison der vierte Trainer, der die Mannschaft leitete. In der neuen Saison soll alles besser werden. Durch das Erfolgserlebnis des Klassenerhalts und die Rückkehr der Fans in die Stadien erhoffen sich die Verantwortlichen einen positiven Effekt. Der Saisonstart hat es allerdings in sich. Drei der ersten fünf Gegner sind Mannschaften, die in der letzten Saison unter den Top Sechs standen (AS Monaco, Olympique Lyon, Stade Rennais).

Nantes Team bejubelt Klassenerhalt (Ligue 1)

Photo: FEP/Panoramic/Imago

Der Transfersommer des FC Nantes

Mit Imrân Louza (22) hat Nantes seinen wohl talentiertesten Spieler ziehen lassen müssen. Das Eigengewächs wechselte für zehn Millionen Euro in die Premier League zum FC Watford und war in der letzten Saison einer, wenn nicht sogar der wichtigste Spieler bei den Bretonen. In 33 Ligapartien steuerte Louza sieben Treffer und drei Assists bei, war Denker und Lenker des Spiels. Allerdings konnte der Kader neben dem Abgang von Louza weitestgehend zusammengehalten werden.

In Bezug auf Transfers gibt es auch Positives zu berichten. Torhüter Alban Lafont (22) spielte die letzten zwei Jahre auf Leihbasis bei Nantes und wurde in diesem Sommer für 7,5 Millionen Euro fest verpflichtet. Lafont kennt die Ligue 1, machte beim FC Toulouse seine ersten Schritte im Profigeschäft, ehe er 2019 zur AC Florenz wechselte. Darüber hinaus stieß auch Wylan Cyprien zur Mannschaft. Der Mittelfeldspieler war zuletzt von Nizza an den FC Parma verliehen. Der italienische Traditionsklub nahm den Franzosen nach der Leihe fest unter Vertrag, verlieh ihn aber direkt wieder an Nantes.

Wenig Ballbesitz, überfallartiger Konterfußball unter Kombouaré

Unter Kombouaré holte Nantes im Schnitt 1,50 Punkte pro Partie. Das ist nicht die Bilanz eines Absteigers. In 16 spielen holte man 25 von 48 möglichen Punkten (sieben Siege, drei Unentschieden, sechs Niederlagen). Die Tordifferenz war ebenfalls positiv, bei 27 geschossenen Toren zu 18 kassierten. Im Laufe der Saison hat sich unter dem 57-Jährigen ein 4-4-2-System etabliert, welches vor allem von den Außenbahnen lebt.

Kombouaré (Nantes, Ligue 1) Daumen nach oben

Photo: FEP/Panoramic/ Imago

Moses Simon (26) und Ludovic Blas (23) sind zwei eigentlich hoch veranlagte Offensivakteure, die es zuletzt verpassten, ihr Leistungsvermögen konstant abzurufen. Die Mannschaft versucht aus einer kompakten Defensive heraus zu agieren und überlässt das Spiel dem Gegner. In den 16 Spielen unter Kombouaré hatte man durchschnittlich 40 Prozent Ballbesitz pro Partie. Selbst in den Relegationsduellen gegen Toulouse hatte Nantes nur einen Ballbesitz von 44 Prozent bzw. 38 Prozent.

Auffällig sind auch die Resultate unter Kombouaré. Die Siege fielen zumeist sehr deutlich aus, Dreier mit zwei oder mehr Toren Differenz waren keine Seltenheit. Die Niederlagen verraten ebenfalls viel. Diese fielen im Gegensatz zu den Siegen häufig sehr knapp aus, nur mit einem Tor Unterschied. Gegen Lyon (1:2), Rennes (0:1) und Nizza (1:2) stand die Mannschaft trotz ansprechender Leistung am Ende ohne Punkte da.

Player to Watch: Ludovic Blas

Eigentlich war an dieser Stelle Randal Kolo Muani (22) als „Player to Watch“ vorgesehen. Denn der Angreifer ist ein Kandidat für einen Abgang. Kolo Muani hat nur noch einen gültigen Vertrag bis 2022, Nantes plant offenbar einen Verkauf des Franzosen. Eintracht Frankfurt soll am groß gewachsenen Torjäger interessiert sein, zuletzt verkamen die Verhandlungen aber zu einer Art Schlammschlacht. Nantes warf Frankfurt vor, ohne deren Einverständnis bereits Kontakt mit dem Spieler aufgenommen zu haben.

Daher fällt die Wahl nun auf Ludovic Blas. Der offensive Mittelfeldspieler zeichnet sich auch und vor allem durch seine Variabilität und Flexibilität aus. Denn er kann auch im Sturmzentrum sowie auf dem Flügel agieren, das macht ihn so wertvoll. In den letzten Jahren steigerte er seine Leistungen und Zahlen stetig, war in der vergangenen Ligue-1-Saison an 15 Treffern direkt beteiligt (zehn Tore, fünf Assists). Mit seinen 23 Jahren ist Blas zwar noch vergleichsweise jung, dennoch sticht seine Erfahrung hervor.

Ludovic Blas (Nantes, Ligue 1) führt den Ball

Photo: FEP/Panoramic/ Imago

Blas hat an seinen Abschlüssen gearbeitet, ist im Passspiel deutlich sicherer und hat ein deutlich verbessertes Auge für seine Mitspieler. Darüber hinaus ist er ein Dauerbrenner, selten verletzt. In der abgelaufenen Saison absolvierte er 36 von 38 möglichen Ligapartien.

FC Nantes 2021/2022: Prognose

Nantes dürfte auf dem Papier nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Allerdings war dies auch in der letzten Saison der Fall, das Resultat kennen wir. Unter Kombouaré wirkte die Mannschaft aber deutlich gefestigter. Wenn man den bisherigen Trend fortführen kann, sollte ein sicherer Platz im Tabellenmittelfeld realistisch sein.

Photo: AnthonyBIBARD/FEP/Panoramic / Imago

Sarom Siebenhaar

Die Oranje-Connection entfachte seine Leidenschaft für den HSV. Durch zahlreiche Tiefen schmecken die vereinzelten Höhen umso süßer. Schätzt attraktiven Offensivfußball genauso wie kämpferische Höchstleistungen. Internationaler Top-Fußball findet sich nicht nur in den Big Five. Seit 2021 bei 90PLUS.

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