Hoffenheim | Deshalb war die Schreuder-Entlassung die richtige Entscheidung

Nachspielzeit

Die TSG Hoffenheim hat am heutigen Dienstag die Zusammenarbeit mit Alfred Schreuder beendet. Der Niederländer kam vor der Saison als Co-Trainer aus Amsterdam und trat in die großen Fußstapfen der Julian Nagelsmann Ära, ohne Erfolg. Ein Kommentar

Hoffenheim und Schreuder – Es passte einfach nicht

So manch einer wird überrascht gewesen sein, als die TSG Hoffenheim am Dienstagmorgen die Entlassung Alfred Schreuders bekannt gab. Trotz Siegen gegen Bayern, Dortmund sowie vier Spielen in Serie ohne Niederlage und Punkten gegen weitere Champions League-Aspiranten folgte nun die Beendigung der Zusammenarbeit. Der richtige Schritt.

Wie sagt man so schön? “Es ist nicht alles Gold was glänzt”. Die Zusammenarbeit zwischen dem Niederländer und der Sinsheimer Fußballrepublik ist für diese Floskel prädestiniert. Aber der Reihe nach. Nach dem Wechsel von Julian Nagelsmann zu RB Leipzig wollte man einen ähnlich taktisch-begabten Trainer holen. Afred Schreuder, der mit Erik ten Hag Amsterdam revolutionierte, erhielt den Zuschlag. Die Wahl erschien sinnvoll, da er zudem auf eine Vergangenheit mit Hoffenheim blicken konnte.

Schreuder ten Hag
(Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Hoffenheim: Junge Spieler fanden zu wenig Beachtung

Unter Julian Nagelsmann war man in Sinsheim verwöhnt. Verwöhnt von einem erfrischenden, dominanten Fußball und verwöhnt von sportlich guten Ergebnissen. Die TSG Hoffenheim ist vielleicht der innovativste Fußball-Klub der Bundesliga. Schon früh wurden die Weichen auf die Jugendentwicklung und die Ausprägung taktisch-technischer Sachverhalte gelegt. Beides hat unter Schreuder nicht die gewohnte Wertschätzung erhalten.

Aus dem aktuellen Kader sind hier besonders Lucas Ribeiro, Melayro Bogarde, Dennis Geiger, Maximilian Beier und Christoph Baumgartner zu nennen. Intern hoffte man insbesondere bei den letzten drei auf den endgültigen Durchbruch in der Bundesliga. Geiger, der einen Marktwert von elf Millionen Euro besitzt, kam in der laufenden Saison auf 19 Einsätze, blieb dabei ohne Tor. Beier debütierte erst am 21. Spieltag gegen den SC Freiburg, durfte seither vier Mal auflaufen, blieb ebenfalls ohne Tor. Lediglich Baumgartner erfüllte vollends die Erwartungen, ist seit der Corona-Pause in Topform und war an Zehn Toren in dieser Spielzeit beteiligt. Man kann es Schreuder nicht vorwerfen, nicht auf junge Spieler zu setzen. Die letzte Konsequenz – auch in schweren Zeiten, in denen junge Spieler am meisten lernen und reifen – fehlte aber. Auch mit Blick auf die Zukunft soll sich die hochmoderne TSG-Jugend auszahlen. Gut möglich, dass man hierfür auf einen Trainer aus den eigenen Reihen a lá Julian Nagelsmann setzt.

Der andere Punkt ist die Spieltaktik. In Hoffenheim war man sich bewusst, wie schwierig es sein wird, einen adäquaten Nachfolger für Nagelsmann zu finden. Unter Schreuder mangelte es allerdings an sinnvollen Innovationen in der Spielidee. Es wirkte verzweifelt, er wechselte durchgehend von Vierer- auf Dreierkette, einen wirklichen Ansatz und eine richtige Identität, wie es Hoffenheim bevorzugt, gab es nicht.

Baumgartner Zuber
(Photo by RONALD WITTEK/POOL/AFP via Getty Images)

Erfolgreicher Fußball – Mehr Schatten als Licht

Letztendlich war es allerdings wohl nicht nur die Spielphilosophie, die zur Trennung führte. Es war seine erste Saison als Cheftrainer, man war – aufgrund des Schneckenrennens der Konkurrenten – auf Europa League Kurs. Die Ergebnisse passten größtenteils, man war nicht gezwungen, vier Spiele vor Ende der Saison noch den Trainer wechseln zu müssen.

Das Verhältnis mit “Direktor Profifußball” Alexander Rosen und der restlichen Führungsebene dürfte nicht das beste gewesen. Über die Art und Weise der Arbeit kann nicht geurteilt werden. Aber es überrascht dennoch, dass ein Robert Skov, der von Rosen als Stürmer verpflichtet wurde, als Außenverteidiger agiert, oder ein Kevin Akpoguma, langjähriger Innenverteidiger, über die Außen kommt.

Im offiziellen Statement der TSG Hoffenheim spricht man von unterschiedlichen Ansichten in “Detailfragen”. Auch Schreuder selber bilanziert, dass “man ehrlich miteinander und Konsequenzen ziehen muss”.

Das ganze erinnert ein bisschen an die Labbadia-Schmadtke Beziehung in Wolfsburg, aber auch an die Zusammenarbeit von Dieter Hecking und Borussia Mönchengladbach, wo man einen anderen Weg ansteuern wollte. Der Niederländer hat ergebnistechnisch Bundesliga-Niveau bewiesen, passte aber nicht zum Konzept. Die TSG sucht einen neuen Nagelsmann. Diese Erwartung konnte Schreuder nicht erfüllen.

Schreuder
(Photo by Ronald Wittek/Pool via Getty Images)

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Hendrik Wiese

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Hendrik Wiese

Aufgewachsen mit dem Spielstil von Bastian Schweinsteiger bevorzugt Hendrik spielerische Dominanz und technisch ansehnlichen Fußball. Seit Dezember 2019 ist er für 90PLUS unterwegs, bevorzugt im deutschen Oberhaus.

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