Schalke: Rückzieher im Tor – Darum handelt Wagner richtig

Nachspielzeit

Nur vier Spiele nachdem Alexander Nübel von Markus Schubert verdrängt wurde, macht Schalke-Trainer David Wagner einen Rückzieher und gerät dafür in die Kritik. Dabei handelt der 48-Jährige konsequent. Ein Kommentar.

„Jeder Spieler, egal ob Feldspieler oder Torwart, muss die Leistung abrufen, die rechtfertigt, dass er erneut spielt. Ich werde keine Garantien aussprechen. Das gilt für alle.“ Mit diesen Worten leitete David Wagner am Freitag den nächsten Wechsel im Tor des FC Schalke 04 ein. Ein Rolle rückwärts. Alexander Nübel kehrt in den Kasten zurück. Markus Schubert bleibt nach enttäuschenden Leistungen nur die Bank. Und das nur drei Monate, nachdem ihm sein Trainer eine Stammplatzgarantie bis Saisonende zusicherte.

In diesen drei Monaten ist allerdings viel passiert. Die Welt wurde von einer Pandemie lahm gelegt. Und auch auf Schalke herrscht Untergangsstimmung, sowohl finanziell als auch sportlich. Die Königsblauen haben seit dem Torwartwechsel nur einen von zwölf möglichen Punkten geholt und sind seit nunmehr zehn Partien sieglos. Die komplette Mannschaft agiert verunsichert, ängstlich und fehlerhaft. Gestandene Spieler tun sich dieser Tage schwer, mit dem Druck in und um Gelsenkirchen klar zu kommen. Kein Wunder also, dass der 21-jährige Schubert, der ohne Vorwarnung und ohne Bundesliga-Erfahrung ins kalte Wasser geworfen wurde, sich davon hat anstecken lassen.

Als es Wagner im März als „alternativlos“ bezeichnete, Schubert gegenüber Nübel den Vorzug zu geben, wurde er von verschiedenen Einflüssen geleitet. Damals zerbrach Nübel an dem medialen Druck und der Empörung von den Rängen, den ein ablösefreier Wechsel eines aufstrebenden Schalke-Kapitäns zum FC Bayern nunmal so mit sich bringt. Seine Leistungen rechtfertigten seine Aufstellungen nicht mehr, darüber hinaus musste er aus der Schusslinie genommen werden. Schubert dagegen rückte als potentieller Nübel-Nachfolger in den Fokus. Ihm musste der Rücken gestärkt werden.

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Ende Mai ist es nun Schubert, der dem Druck nicht standhält und daher mit seiner Form kämpft. Viel wichtiger: Es ist Schubert, der wohl als Letzter für die sportliche Misere verantwortlich ist, weil er in seiner Entwicklung schlichtweg noch nicht soweit ist. Sportlich und mental. Nun muss er geschützt werden. Um Nübel ist es dagegen ruhiger geworden als am Samstag in der Nordkurve der Veltins-Arena. Das ist das Stichwort: Pfeifkonzerte, „Nübel raus“-Rufe und kollektives Raunen bei jeder Unsicherheit – all das wird es in den kommenden Wochen – wenn überhaupt – nur in den Wohnzimmern geben.

Mit dem erneuten Torwartwechsel handelt David Wagner richtig. Im Sinne der Torhüter und im Sinne der Mannschaft. Macht das Wagner inkonsequent? Macht ihn das gar zu einem Lügner? Nein, es macht ihn zu einem verantwortungsbewussten und reflektierten Trainer. Denn dazu gehört es auch, den Umständen entsprechend zu reagieren, zu handeln und eben auch Entscheidungen zu überdenken.

Situationen ändern sich eben. Oder hätten Sie vor drei Monaten gedacht, dass Sie bald ohne Schutzmaske nicht mehr einkaufen gehen dürfen?

Chris McCarthy

(Photo by TF-Images/Bongarts/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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