UEFA Supercup: Gute Absichten zur falschen Zeit

UEFA CL/EL

Am Donnerstag treffen der FC Bayern und der FC Sevilla im UEFA Supercup aufeinander. Doch die Entscheidung, das Spiel trotz Coronarisiko vor Zuschauern spielen zu lassen, sorgt zurecht vielerorts für Unmut. Das Signal, das die UEFA setzen will, mag zwar gut gemeint sein, kommt aber zur Unzeit.

Čeferins Plan: Zurück zur Normalität

Vor weniger als einem Jahr, am 15. November 2019, wurde die Puskás-Aréna im Budapester Bezirk Zugló offiziell eröffnet. Bis zu 67.155 Zuschauer fasst das Stadion im Osten der ungarischen Hauptstadt. 20.000 davon sollen dem Supercup-Duell zwischen Champions-League-Sieger FC Bayern und Europa-League-Sieger FC Sevilla beiwohnen können. Das entspräche einer Stadionauslastung von 30 Prozent.

(Photo by ATTILA KISBENEDEK/AFP via Getty Images)

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin (52) dazu: „Während es wichtig war zu zeigen, dass der Fußball auch in schwierigen Zeiten weitermachen kann, hat das Spiel ohne Fans etwas von seinem Charakter verloren. Wir hoffen, dass der UEFA Supercup in Budapest als Pilotprojekt dienen kann, um die Zuschauer nach und nach zu unseren Spielen zurückkehren zu lassen.“

An und für sich kein schlechtes Zeichen. Man will langsam aber sicher zur Normalität zurückkehren. In der Bundesliga wurde dasselbe Projekt – wo es die Lage zuließ – ebenfalls getestet.

Söder: Kein „Fußball-Ischgl“ riskieren

Aber eben nur, wo es die Lage zuließ. Aufgrund steigender Fallzahlen wurde aus dem Eröffnungs- kurzerhand ein Geisterspiel. Auch das 3:2 der Hoffenheimer in Köln fand vor leeren Rängen statt. Die Lage in Budapest, wo alleine am Sonntag 1.070 neue Corona-Fälle gemeldet wurden, würde ein Geisterspiel nicht nur hergeben, es wäre zwingend erforderlich.

Oder man verlegt die Partie – analog zu den beiden Finalturnieren in Lissabon und im Ruhrgebiet – komplett. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (53/CSU) warnte zurecht im Bayerischen Rundfunk vor dem Supercup eindringlich: „Budapest ist ein Risikogebiet mit 100 Inzidenzien. Wir müssen sehr, sehr aufpassen, dass wir da nicht eine Art Fußball-Ischgl riskieren.“

(Photo by MIGUEL MEDINA/AFP via Getty Images)

Als ein solches wird in Spanien wie Italien das Champions-League-Achtelfinale zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia (4:1) im San Siro gesehen. „Partita zero“, das „Spiel null“ nennen sie es. Die römische Zeitung La Repubblica schrieb im Anschluss von einer „Explosion der Ansteckungen“, die Mailänder Corriere della Sera nannte es eine „biologische Bombe“. Wissenschaftler tun sich zwar schwer, handfeste Beweise dafür zu finden. Komplett auszuschließen ist der Verdacht angesichts der Tatsache, dass der erste einheimische Infizierte zwei Tage nach dem Spiel registriert wurde, allerdings nicht. Mit Anpfiff der Partie war die Anzahl der Corona-Infektionen in Europa überschaubar, Italien hatte einige Reisende aus China, die allerdings isoliert behandelt wurden. Spanien war zu diesem Zeitpunkt sogar noch komplett frei vom Coronavirus.

Viele Ticketrückgaben vor dem Spiel

Soweit zum Extremfall. Zugegebenermaßen war der damalige Kenntnisstand von COVID-19 geringer als heute, weshalb man etwas leichtsinnig ins offene Messer lief. Natürlich findet der UEFA Supercup unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Jeder Zuschauer muss beim Betreten des Stadions die Körpertemperatur messen lassen, einen PCR-Test auf englisch oder ungarisch vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden sein darf, eine Maske tragen, sowie den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern einhalten.

Doch trotz dieser Sicherheitsvorkehrungen, ist die Gefahr bei Weitem nicht gebannt. Denn nur die wenigsten derer, die sich tatsächlich auf die Reise einlassen, werden sich bis Anpfiff gänzlich in Quarantäne begeben. Was außerhalb des Stadions passiert, ist nicht kontrollierbar. Es besteht nach wie vor das Risiko, dass sich das Virus durch ein einziges Event wieder in Europa ausbreiten kann. Deshalb kündigte Söder an, die Quarantänevorschriften zu verschärfen.

Viele Fans beider Seiten reagieren zunehmend misstrauisch. Rund 800 Karten wurden auf Seiten des FC Bayern bereits zurückgegeben, Sevilla hatte von Beginn an signalisiert, auf einen Teil der 3.000 Tickets zu verzichten.

Geisterspiel wäre ein Signal der Vernunft

Es ist in diesen Zeiten ein Signal der Vernunft. Der Herbst nähert sich langsam aber sicher und mit ihm die Erkältungssaison. Da auch diese durch Coronaviren ausgelöst wird, überlappen sich die Symptome. Einer zweiten Welle könnte angesichts dessen Tür und Tor offen stehen.

Vernünftigerweise sollte die UEFA die Sicherheit der Fans nicht aufs Spiel setzen. Es wäre erfreulich gewesen, zu einem solch frühen Zeitpunkt schon zur Normalität zurückkehren zu können. Im Moment lassen es die Bedingungen aber schlicht nicht zu. Wenn man sich dazu entschlossen hat, die Wettbewerbe der beiden Teilnehmer vor leeren Rängen zu beenden, hätte man beim Supercup genauso vorgehen müssen. Alles andere ist ein vielleicht gut gemeintes Zeichen, das allerdings zur Unzeit kommt.

Victor Catalina

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Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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