10,79 Millionen Menschen sahen am Donnerstag im ZDF Jürgen Klopps ersten Sieg als Bundestrainer. Eine starke Zahl. Die interessantere steht eine Zeile darüber in der Statistik: Bei der Niederlage vier Tage zuvor waren es mehr.
Drei Spiele, drei Sender, dreimal zweistellig
Das 2:0 gegen Serbien in München erreichte laut AGF Videoforschung einen Marktanteil von 47,3 Prozent. Fast jeder zweite eingeschaltete Fernseher zeigte das Länderspiel. Davor: 10,97 Millionen in der ARD beim verlorenen Spiel gegen Griechenland, mehr als zehn Millionen bei RTL beim Debüt in Amsterdam. Privatsender, Erstes, Zweites – das Ergebnis ist jedes Mal dasselbe.
Das ist bemerkenswert, weil Länderspiel-Quoten sonst zuverlässig am Sender und am Gegner hängen. Hier hängen sie offenbar an etwas anderem.
Die Quoten im Vergleich
Klopp – Serbien (ZDF)
Klopp – Griechenland (ARD)
Klopp – Niederlande (RTL, 2. Halbzeit)
Nagelsmann-Debüt 2023 – USA (RTL, 2. Halbzeit)
Flick-Debüt 2021 – Liechtenstein (RTL, 2. Halbzeit)
Zuschauer im Schnitt, lineares Fernsehen. Quellen: AGF Videoforschung, MEEDIA.
Der Vorsprung auf die Vorgänger – und sein Haken
Gut drei Millionen Zuschauer mehr als bei den Premieren der beiden Vorgänger: Das ist keine Schwankung, das ist ein anderes Stockwerk. Das Branchenmagazin MEEDIA hat die Quoten der Klopp-Premiere bei RTL neben die Debüts von Julian Nagelsmann und Hansi Flick gelegt, in der zweiten Halbzeit lag der Marktanteil in Amsterdam über 50 Prozent.
Der Haken gehört dazu, MEEDIA nennt ihn selbst. Nagelsmann begann mit einem Testspiel gegen die USA, Flick mit einer WM-Qualifikationspartie in Liechtenstein. Klopp bekam die Niederlande in der Nations League. Wer Äpfel neben Birnen legt, sollte wenigstens dazusagen, dass es Obst ist.
Wem die Leute zusehen
Und dann ist da die Griechenland-Zahl. Die höchste Reichweite der drei Spiele fiel auf den Abend, an dem Deutschland verlor. Ein Sonntag, gewiss, der stärkste Fernsehtag der Woche. Trotzdem zeigt sie, was dieses Publikum gerade antreibt: Die Menschen schalten nicht ein, weil die Mannschaft gewinnt. Sie schalten ein, weil sie sehen wollen, was dieser Trainer mit ihr anstellt.
Man kann das Klopp-Effekt nennen. Man kann es auch Neugier nennen, und Neugier hat ein Verfallsdatum. Von einer Nation, die „wieder“ Länderspiele schaut, lässt sich nach drei Partien ohnehin schwer sprechen – zweistellige Millionenwerte waren für Pflichtspiele der Nationalelf nie exotisch. Neu ist die Verlässlichkeit, unabhängig von Kanal und Ergebnis.
Am Sonntag überträgt RTL das Rückspiel in Griechenland. Der eigentliche Test kommt später, an einem nasskalten Novemberabend gegen einen Gegner ohne Glamour, wenn der neue Mann nicht mehr neu ist. Neugier schaltet ein. Treue muss man sich erspielen.

